Verführerische Blicke

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 2. Dezember 2017
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
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978-3-7337-5429-7 (ISBN)
 
Alexandra und Nolan sind beide alleinerziehend und seit Jahren beste Freunde. Doch eines Tages entdeckt Alexandra, dass Nolan sie, wie er glaubt unbemerkt, voller Begehren ansieht. Plötzlich ist nichts mehr so, wie es früher war, denn Alexandra fühlt genau wie er. Kann aus Freundschaft Liebe werden?
  • Deutsch
  • 1,89 MB
978-3-7337-5429-7 (9783733754297)
3733754298 (3733754298)

1. KAPITEL

Nolan Larson hatte einen langen, anstrengenden Tag bei Gericht hinter sich. Er nahm eine Flasche Bier mit auf seine Terrasse, lehnte sich bequem in einem Schaukelstuhl zurück und schaute zum Abendhimmel hinauf. Er lebte nun schon seit mehr als fünf Jahren in Wyoming, trotzdem staunte er immer wieder, wieviel strahlender und näher die Sterne hier zu sein schienen als in Los Angeles. Er spürte, dass sich sein Herzschlag beruhigte und der Stress des Tages langsam von ihm abfiel.

Plötzlich hörte er eine Stimme. Er sah erstaunt zu der Hecke, die seinen kleinen Garten von Alexandra Talbots Garten trennte. Es war zweifellos Alexandras Stimme, aber was redete sie da?

Er ging leise zu der kleinen Lücke im Gebüsch, durch die sein Sohn Rick und Alexandras Tochter Tasha ständig krochen, um sich zu besuchen. Nolan schaute hindurch und lächelte.

Alexandra stand in Jeans und Sweatshirt auf ihrer hell erleuchteten Terrasse und las laut aus einem dicken Manuskript. Dabei veränderte sie ständig Stimme und Mimik.

"Hallo, Alexandra." Nolan quetschte sich durch die Hecke.

Beim Klang seiner Stimme schreckte sie zusammen und drehte sich heftig nach ihm um, eine Hand flach auf die Brust gepresst. "Nolan, du hättest mich beinahe zu Tode erschreckt."

Nolan lächelte. Alexandra hatte ihn schon öfter aus dem Gleichgewicht gebracht, während es ihm bei ihr nur selten gelang. "Tut mir leid, Alex."

"Sehr geknickt siehst du nicht gerade aus", gab sie zurück.

"Was liest du da?" Er zeigte auf das Manuskript. "Ein neues Stück für deine Klasse?"

Mit glänzenden Augen und einem stolzen Lächeln sah Alexandra zu ihm auf. Er hatte sie schon immer für eine schöne Frau gehalten, doch wenn sie so lächelte, war ihre Schönheit geradezu atemberaubend. Manchmal wünschte er sich, es würde sie mehr verbinden als nur Freundschaft.

"Es ist das Drehbuch für den Film 'Gegen den Wind'." Sie presste das Skript mit beiden Händen vor die Brust und ging ein paar Schritte auf Nolan zu.

"Für den Film, der im Sommer hier gedreht werden soll?", fragte er. "Auf der Ranch deiner Familie?"

"Ja, und der Text ist großartig. Ich kann kaum glauben, dass mein Cousin Marsh ihn verfasst haben soll."

"Ich dachte, er wollte dich das Skript gar nicht lesen lassen?"

"Wollte er auch nicht, der eingebildete Affe. Aus Sicherheitsgründen." Sie verdrehte theatralisch die Augen. "Aber stell dir vor, Blair DuMaine hat mich ." Alexandra machte eine bedeutungsvolle Pause und tippte sich mit dem Zeigefinger auf die Brust, "gebeten, ihr beim Lernen ihres Textes zu helfen, ehe die Dreharbeiten beginnen. Ist es zu fassen?"

"Ich bin inzwischen so weit, dass ich alles glaube, wenn es um dich geht", erwiderte Nolan.

"Ist das nicht toll? Sie kommt morgen Abend und will mir als Gegenleistung sogar helfen, meine Oberstufenschüler ein bisschen auf Trab zu bringen."

"Blair DuMaine? Die Diva aus Hollywood kommt ausgerechnet nach Sunshine Gap? Um sich auf ihre Rolle vorzubereiten?"

"Genau so ist es." Alexandra konnte ihr Temperament nur für wenige Sekunden zügeln, dann begann sie unvermittelt, einen wilden Freudentanz aufzuführen, bei dem ihre dunklen, glänzenden Locken um das Gesicht wirbelten.

"Wie hast du das geschafft?", fragte Nolan. "Durch Erpressung?"

"Brauchte ich gar nicht. Sie war unheimlich nett und großzügig. Du wirst sie mögen."

"Ich?"

"Ja, du. Ich möchte nämlich, dass du und Rick und Tasha morgen mit zu unserer Probe kommt. Einverstanden?"

"Kann ich sie kennen lernen?"

"Blair? Natürlich."

"Wird sie mir ein Autogramm geben?"

"Wenn du eins möchtest." Alex griff nach seinem Arm. "Lass mich bitte nicht im Stich, Nolan. Tasha möchte unbedingt mit zur Probe, aber ich kann sie nicht so lange unbeaufsichtigt lassen. Sie wird sich langweilen und Unfug machen, sobald ich ihr den Rücken kehre."

"So schlimm ist sie nun auch wieder nicht."

"Gelangweilte Teenager können sehr gefährlich werden. Glaub mir, ich kenne mich aus, ich habe täglich mit ihnen zu tun."

"Gut, wir kommen." Nolan sah sie an. "Kommst du auf ein Bier zu mir?"

Alexandra sah zu Tashas Fenster hinauf. Das Licht war aus, kein Laut kam von oben. "Einverstanden, ich bin ohnehin viel zu aufgedreht, um zu schlafen."

Sie folgte ihm durch die Hecke und den Garten in seine Küche.

Nolan nahm ein frisches Bier aus dem Kühlschrank, und Alexandra holte sich ein Glas vom Regal. Sie setzte sich in die kleine Frühstücksnische, streifte die Schuhe von den Füßen und zog die Beine auf die Bank. Nolan nahm ihr gegenüber Platz.

Zahllose Abende hatte er schon mit Alexandra hier verbracht, wenn die Kinder zu Bett gegangen waren. Sie hatten miteinander gegessen, getrunken und geredet, die Freuden und Leiden allein erziehender Väter und Mütter geteilt. So war eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen entstanden.

Er hatte sich nach dem Tod seiner Frau Jennifer und dem Umzug nach Sunshine Gap einsam und verloren gefühlt, doch Alex hatte Mitleid mit ihrem neuen Nachbarn gezeigt und ihm mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Er wusste nicht, was er ohne sie getan hätte.

"Und jetzt sag mir die Wahrheit", begann Nolan. "Hast du vielleicht auch eine klitzekleine Intrige eingefädelt, um eine Rolle in dem Film zu ergattern?"

Alex verschluckte sich beinahe an ihrem Bier. "Natürlich nicht", empörte sie sich.

"Wieso so heftig? Du bist eine tolle Schauspielerin. Warum solltest du nicht deine Beziehungen spielen lassen?"

"Ich bitte dich. Da wird ein richtig großer Kinofilm gedreht, und ich bin nur eine kleine Englischlehrerin an der High School. Alles, was ich vorweisen kann, ist ein bisschen Erfahrung im Laientheater."

"Falsch", unterbrach Nolan sie. "Du hast eine Schauspielausbildung und jede Menge Bühnenerfahrung. Außerdem habe ich einige Filme mit Blair DuMaine gesehen und finde, dass du ihr in jeder Beziehung das Wasser reichen kannst."

Alexandra lachte laut. "Du bist süß, Nolan, aber du bist mein bester Freund. Also zählt deine Meinung nicht besonders viel."

"Ich meine es aber ernst."

Alexandra sah in irritiert an, doch sie hielt seinem forschenden Blick stand.

"Ich möchte wirklich wissen, warum du an der High School unterrichtest, statt eine Karriere als Schauspielerin zu verfolgen."

Das Funkeln in Alexandras Augen erlosch, und ihr Gesicht wurde starr.

"Alexandra? Was habe ich denn gesagt?" Verblüfft über ihre plötzliche Verwandlung, sprang Nolan auf und ging um den Tisch herum. Er nahm ihre Hand. "Es tut mir wirklich leid. Ich wollte dir nicht wehtun oder ."

Sie unterbrach ihn mit einem raschen Kopfschütteln. "Ist schon in Ordnung. Nur eine alte Geschichte. Nichts von Bedeutung."

"Willst du darüber reden?"

"Nein, lieber nicht. Ich würde dich zu Tode langweilen."

Nolan drückte freundschaftlich ihre Hand. "Nichts zu machen. Du hast mir sicher mehr als hundert Mal zugehört, wenn ich von Jennifer erzählt habe, aber über deine Vergangenheit weiß ich so gut wie nichts. Ich habe zwar hier und da ein wenig von dem Klatsch über dich aufgeschnappt, aber ich finde, es wäre an der Zeit, dass du mir die wahre Geschichte über Alexandra McBride Talbot erzählst."

Sie entzog ihm ihre Hand. "Oh, ich hasse Anwälte. Sie sind so verflixt stur."

"Antworte mir."

"Also gut." Sie stellte die Füße auf den Boden und sah auf das Glas in ihren Händen. "Seit ich denken kann, wollte ich Schauspielerin werden."

"Und du bist nach Hollywood gegangen und ."

Alex sprang auf und begann nervös in der Küche auf und ab zu gehen. "Ach, hör doch auf, was soll das? Tausende meinen, sie seien begabt. Und nur ein ganz kleiner Prozentsatz von ihnen wird wirklich berühmt."

"Wie bitte?" Nolan lachte überrascht auf. "Seit wann lässt du dich wegen einer möglichen Niederlage von irgendetwas abhalten?"

Alexandra wischte seinen Einwand mit einer Handbewegung weg. "Wie auch immer. Ich habe meinen Traum vor langer Zeit begraben."

"Vielleicht solltest du ihn wieder ausgraben?"

"Ich bin nicht begabt genug."

"Wer sagt das?"

"Ich weiß es einfach. Und ich bin auch nicht schön genug. Also hör auf, mich zu nerven."

"Gut, eine Frage noch. Warum hast du deinen Traum aufgegeben?"

"Wegen meiner Familie." Alexandra ging zum Fenster und sah in die Dunkelheit hinaus. "Du weißt doch selbst, wie überaus besorgt sie alle sind. Nicht nur meine Eltern. Tante Lucy und Onkel Harry sind mindestens ebenso schlimm."

"Aber dein Cousin Marsh hat den Sprung nach Hollywood geschafft."

"Er ist ein Mann", antwortete Alexandra. "Dort ist man altmodisch, bei ihm war man weniger streng als bei mir."

"Vielleicht hat er nur entschiedener gekämpft. Ich verstehe einfach nicht, warum du es nicht wenigstens versucht hast."

"Meine Familie bestand darauf, dass ich zuerst aufs College gehe. Ich wollte zwar nicht, aber ich habe schließlich nachgegeben, weil sie mich sonst nicht weiter finanziell unterstützt hätte. Dann traf ich Tashas Vater, und den Rest kennst du sicher aus den Klatschgeschichten, die über mich in Umlauf sind."

...

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