Vom Glück überrumpelt

 
 
HarperCollins Germany (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. November 2011
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86349-032-4 (ISBN)
 
Tess will sich beim Joggen eigentlich vom anstrengenden Familienalltag erholen, da prallt sie völlig unerwartet auf ihre große Jugendliebe. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Fast hätte Eli sie überfahren! Tess klopft das Herz bis zum Hals, als sie ihren Exfreund erkennt. Der inzwischen gefragte Möbeldesigner erscheint ihr größer und kräftiger als damals, aber unverändert lässig und unerschütterlich. Mehr denn je branden sehnsüchtige Erinnerungen in ihr auf, die sie nicht mehr loslassen. Zu gern wüsste sie, ob Eli noch so gut küsst wie früher .

1. KAPITEL

Als Eli Garrett seinen alten Pick-up mühelos die kurvige Bergstraße hinauflenkte, wirbelte das Laub hinter ihm auf. Mit einer Hand hielt er entspannt das Lenkrad, während er mit der anderen auf dem Armaturenbrett den Rhythmus des Songs trommelte, der im Radio lief. Hinter ihm klapperten und schepperten zur Verstärkung Leitern und Werkzeug auf der Ladefläche.

Perfekt, dachte Eli, als er die letzte Kurve vor seinem Haus erreichte, die von der Abenddämmerung in Schatten getaucht wurde. Er hatte einen Scheck von einem begeisterten Kunden in der Tasche und Evangelista Ortegas Hühnchenenchiladas lagen gut verpackt auf dem Beifahrersitz. Ein wunderbarer, freier Herbstabend lag vor ihm .

"Was zum Teufel .!"

Er riss das Steuer herum, um der zarten Figur auszuweichen, die plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht war und auf der falschen Straßenseite joggte. Die Läuferin schrie auf, dann stolperte sie und stürzte in ein Dickicht aus Wüstensalbei und Hasenpinsel. Sie fluchte dabei laut in einer Mischung aus Spanisch und Englisch.

Das Zeug auf seiner Ladefläche polterte ganz gewaltig, als Eli mit einer Vollbremsung am Straßenrand hielt und aus dem Auto sprang. "Tut mir leid, ich habe Sie nicht gesehen!", rief er und rannte auf die Frau zu, die sich schon wieder aufrappelte. "Alles in Ordnung?"

Im Lichtstrahl seiner Rücklichter fuhr sie herum, und der letzte Rest von Elis guter Laune verschwand.

Er erstarrte, weil er keine Ahnung hatte, was er als Nächstes tun sollte. Als sie ihn erkannte, versteifte sich auch Teresa Morales - nein, Montoya.

"Himmel, Tess - willst du, dass ich einen Herzanfall bekomme?"

Tess klopfte Laub von ihrem Po und warf ihm einen bitterbösen Blick zu. "Also, du hast meinem Kreislauf jetzt auch nicht unbedingt gutgetan. Verdammt." Sie zog sich das Schweißband vom kurzen, lockigen Haar und setzte sich auf den Boden, um eine hässliche Schnittwunde an ihrem Schienbein zu begutachten. "Blute ich? Bei der Beleuchtung kann ich nichts erkennen."

"Wenn ich nachsehe, versprichst du dann, mir nicht den Schädel einzuschlagen?"

Sie warf ihm einen Blick zu, dann schaute sie wieder die Verletzung an. "Du hast Glück gehabt, ich bin unbewaffnet."

Eli ging neben ihr in die Hocke und versuchte, nicht auf ihren Geruch zu reagieren. Derselbe Duft, der ihm den Verstand geraubt hatte, als er siebzehn war. Der jetzt drohte, sein Gehirn lahmzulegen. Vor allem, als er ihr Bein hochzog, um besser sehen zu können, und ihre kühle, glatte Haut unter den Fingern spürte .

"Autsch!"

"Sorry", murmelte er. "Ja, du blutest ganz schön. Muss ein hervorstehender Ast oder so gewesen sein. Warum um Himmels willen gehst du mitten in der Nacht laufen? Und warum in aller Welt hier draußen?"

"Ich bin bei Tageslicht losgelaufen", brummte sie und zog ein Taschentuch aus ihrer Jacke. Eli bemerkte, dass ihre Hand zitterte, als sie das Blut abtupfte. Als ob sich ihr Widerspruchsgeist mehr oder weniger verflüchtigt hatte.

Eli seufzte. "Warte mal, ich habe ein paar Papiertücher und Wasser im Pick-up."

Sie nahm das feuchte Papiertuch, das er ihr kurz darauf reichte, und drückte es auf die Wunde. Offensichtlich musste sie sich darum bemühen, nicht zusammenzuzucken.

"Alles okay?"

"Mir geht's gut", fauchte sie. Dann stöhnte sie und presste die Lippen zusammen. "Ehrlich", sagte sie. Sanfter, diesmal. Und er musste sich zurückhalten, um ihr nicht ins Gesicht zu sagen, dass das offensichtlich eine Lüge war.

Eli lehnte sich auf den Fersen zurück und versuchte ihren Anblick mit seiner Erinnerung an sie in Einklang zu bringen. Der Erinnerung sowohl an das sorglose sechzehnjährige Mädchen, in das er sich bis über beide Ohren verliebt hatte, als auch an die Geschäftsfrau voller Witz und Selbstvertrauen, zu der sie sich in den letzten Jahren entwickelt hatte. Jedenfalls, soweit er gehört hatte. Denn seit Elis Riesendummheit damals hatten sie kaum mehr als zehn Worte miteinander gewechselt.

Aber in einer Kleinstadt wie Tierra Rosa konnte man jahrelang nicht miteinander reden und trotzdem genau über das Leben des anderen Bescheid wissen.

"Wo sind die Kinder?", fragte er und tauschte ein blutiges Papiertuch durch ein sauberes aus.

"In Albuquerque. Bei ihrem Vater", sagte Tess und verzerrte das Gesicht zu einer Grimasse. Sie warf ihm einen Blick zu. Gerade lange genug, dass er den Schatten der Wut in ihren Augen erblickte. Dann schaute sie wieder auf ihr Bein hinunter und drückte das Tuch auf die Wunde. "Gestern wäre unser neunter Hochzeitstag gewesen."

"Sorry."

Sie zuckte die Achseln, stand auf und belastete den Fuß.

"Komm schon, ich nehme dich mit zu mir und verarzte dich richtig."

Mit offensichtlich zusammengebissenen Zähnen machte Tess noch einen Schritt. Fluchte verhalten. "Wie wäre es, wenn du mich stattdessen nach Hause fährst?"

"Weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass du im Augenblick nicht allein sein solltest."

Sogar in der Dunkelheit merkte er, wie sie ihn anfunkelte. Spürte auch den Schmerz, der sich hinter ihrer Reaktion versteckte. Und nicht nur wegen ihres Beins. "Und ich kann mich nicht erinnern, dass ich nach deiner Meinung gefragt habe. Wenn du mich nicht mitnehmen willst, dann schaffe ich es auch alleine nach Hause."

"Vor dem nächsten Sonntag?"

Ihr Blick verfinsterte sich so sehr, dass Eli beinahe lachen musste. "Ich sage dir was: Wie wäre es, wenn wir zu mir fahren, die Wunde reinigen, und danach bringe ich dich nach Hause?" Als sie immer noch zögerte, sagte er: "Vielleicht kann ich auch irgendwo einen Schluck Whiskey auftreiben."

"Warum? Falls du amputieren musst?"

"Schadet nie, auf alles vorbereitet zu sein."

Obwohl sie irgendwas über gottverdammte Pfadfinder vor sich hin knurrte, ging Tess auf den Pick-up zu. Eli versuchte ihr den Arm um die Taille zu legen, um sie zu stützen. Zum Dank erhielt er einen Klaps auf die Hand.

Es dauerte nur ein paar Minuten bis zu seinem Haus, einem unscheinbaren Gebäude im Adobestil, das er vor einiger Zeit gekauft hatte, weil es sich gleich in der Nähe vom Familienbetrieb - einer Schreinerei - befand. Die Werkstatt wiederum war nur ein paar Meter vom Haus seiner Eltern entfernt.

War es schick? Himmel, nein. Billig und bequem? Das schon eher.

Tess schaffte es, auf eigene Faust aus dem Pick-up zu rutschen - was für eine Riesenüberraschung. Dann brauchte sie ein paar Sekunden, um sich zu orientieren oder das Haus unter die Lupe zu nehmen. Oder vielleicht beides.

"Das Haus wirkt im Dunkeln ganz anders", bemerkte er und trug die Enchiladas an ihr vorbei. Sie würde schon hinter ihm her hinken, wenn sie so weit war, dachte er.

"Klar", murmelte sie.

Schließlich hatte sie es ins Haus geschafft. "Hmm", sagte sie. Es war nicht klar, ob das dem weitläufigen Innenraum galt - der dadurch entstanden war, dass er ein paar Wände eingerissen hatte - oder dem fehlenden Junggesellenchaos. Dann deutete sie auf ihre Verletzung. "Versorgung der Verwundeten?"

"Einfach geradeaus, zu deiner Rechten. Der Erste-Hilfe-Kasten ist unter dem Waschbecken. Ich nehme an, du brauchst keine Hilfe?"

"Nein", bestätigte sie und humpelte davon.

Lass dich da bloß nicht mit reinziehen, dachte er.

Tess stützte sich auf das Waschbecken und bemühte sich, ihren Herzschlag unter Kontrolle zu bringen.

Was in aller Welt hatte sie sich nur dabei gedacht, nicht schon längst umzudrehen, bevor sie von ihrem Haus so weit entfernt war? Vermutlich war es ihr jedoch genau darum gegangen. Wegzulaufen. Weit weg. Nicht für immer, bloß eine Weile. Aber deswegen im Badezimmer von Eli Garrett zu landen?

Also, das war doch mehr als verrückt.

Sie hatten sich nicht öfter als vielleicht ein halbes Dutzend Mal gesehen, seit sie Schluss gemacht hatten. Und nicht mal unbedingt absichtlich so selten. Auch wenn sie sich, nun ja, ganz und gar nicht im Guten voneinander getrennt hatten. Wobei es ihr im Rückblick doch etwas übertrieben vorkam, ihn mit einem Wischmopp in der Hand die Hauptstraße hinunterzujagen.

Seufzend zog Tess den Erste-Hilfe-Kasten aus dem Schrank und schaute sich ihre Verletzung mal richtig an. Autsch. Für die nähere Zukunft waren Miniröcke erst mal gestrichen.

Sie klappte den Klodeckel herunter und setzte sich. Dann tränkte sie Gaze mit Desinfektionsmittel, bevor sie damit vorsichtig die Wunde abtupfte. Sie zog scharf die Luft ein. Und dann fluchte sie, als ihr heiße Tränen in die Augen schossen - natürlich vor Schmerz, klar, aber noch mehr weil ganz plötzlich Ärger und Frust in ihr aufwallten.

Mit Trauer konnte Tess umgehen. Die hatte sie bewältigt. Mehr oder weniger. Leute ändern sich. Ehen enden. Und das Leben geht weiter.

Die Wut jedoch, die war neu. Und die hatte Tess vor zwei Stunden zur Tür hinausgetrieben, hatte sie zu einem viel zu langen Lauftraining angetrieben. Hatte sie dazu gebracht, Risiken einzugehen, die sie normalerweise vermieden hätte.

Dieser Zorn machte ihr Angst, weil sie...

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