Stillen und Chillen

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Oktober 2015
  • |
  • 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98258-0 (ISBN)
 
. und schwupps: Heute sitzt sie in ungewohnt ländlicher Idylle und fragt sich, wo ihr altes Leben geblieben ist. Der Alltag als Single in der City war herrlich! Ständig war was los, ihr Job eine stete Herausforderung und die Abende mit ihren Freundinnen immer zum Totlachen. Warum musste sie sich auch in einen Mann vom Land verlieben und dann auch noch schwanger werden? Statt einem Dutzend Mitarbeiter hört jetzt nur noch die Katze auf Alexandras Anweisungen- und selbst die nicht immer. Und an die Stelle von Gossip mit ihren Freundinnen sind Geburtsvorbereitungskurse mit Landmamis getreten. Irgendwie hat sie sich das alles anders vorgestellt. Es muss etwas passieren!
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  • 3,97 MB
978-3-492-98258-0 (9783492982580)
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Katrin Tempel wurde in Düsseldorf geboren und wuchs in München auf. Nach ihrem Geschichtsstudium arbeitete sie als Journalistin, heute ist sie Chefredakteurin der Zeitschrift »LandIdee«. Außerdem schreibt sie Drehbücher (unter anderem den historischen ZDF-Zweiteiler »Dr. Hope«). Mit ihren Romanen, unter anderem »Holunderliebe« und »Mandeljahre«, gelangen ihr große Publikumserfolge. Unter dem Namen Emma Temple veröffentlicht sie bei Piper weitere Romane, zuletzt»Die Nebel von Connemara«. Sie lebt mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter in Bad Dürkheim an der Weinstraße.

2  Pizza zwischen Sushi und Currywurst

Zwei Stunden später drehte sich der Schlüssel in unserer Bürotür, und Nicki stapfte herein. In der einen Hand jonglierte sie einen Cappuccino aus dem Coffeeshop gegenüber, in der anderen ihre ausladende Tasche, den Schlüssel und einen Muffin. Zwischen ihren Zähnen klemmte die Post aus unserem Briefkasten. Um den Hals trug Nicki einen dicken Schal, der wohl die Erkältung in Schach halten sollte. Sie entdeckte mich hinter meinem Bildschirm.

»Hätte ich gewusst, dass du schon da bist, hätte ich dir auch einen Cappu mitgebracht!«, näselte sie mit verstopften Atemwegen und ließ sich in ihren Stuhl fallen. Scheppernd landeten Handy und Schlüssel neben ihrem Computer. »Erzähl! War es sehr schlimm gestern? Hast du die Ehre unserer Firma hochgehalten?«

Ich lächelte statt einer Antwort.

Nicki musterte mich kurz von Kopf bis Fuß. »Und warum hast du eigentlich immer noch die gleichen Sachen wie gestern an?« Sie gab sich die Antwort selbst. »Du siehst aus, als wärst du überhaupt nicht ins Bett gekommen.«

Ich fing an zu lachen. Nicki nahm einen tiefen Schluck aus ihrem Kaffeebecher und lehnte sich zurück. »Ich will alles wissen! Wer? Kann er küssen? O Gott, warum bin ich nicht hingegangen?«

»Du bist erkältet und hast mich trotz erheblichen Widerstands selbst in das Festzelt gescheucht«, erinnerte ich sie. »Du darfst dich also nicht beschweren, wenn sich dann ausgerechnet an diesem Abend ein Mann findet, der in ganzen Sätzen redet, noch besser küsst und dazu nicht aus dem Mund riecht.«

Nicki beugte sich gespannt vor. »Ist es einer der Moderatoren? Warst du etwa heute Nacht bei ihm? Du machst so etwas doch sonst nicht! Und diese Radiotypen sind doch eigentlich die letzten Aufreißer! Bist du dir sicher .«

Ich hob eine Hand, um ihren Redefluss zu unterbrechen. »Es ist keiner vom Radio. Und ich habe heute Nacht auch nicht in irgendwelchen fremden Betten genächtigt. Entspann dich ein bisschen. Ich habe nur einen Buchautor kennengelernt, den es zufällig auf den Termin verschlagen hat. Mit dem bin ich spazieren gegangen.«

»Spazieren gegangen«, echote Nicki verständnislos. »Bist du aus dem Alter der Händchen haltenden Spaziergänger nicht schon seit ein paar Jahrzehnten raus?«

Ich griff zu meiner kabellosen Maus und versuchte, sie ihr an den Kopf zu werfen. Natürlich traf ich wieder einmal nicht, mein Wurfobjekt landete im Papierkorb. »Mach nie wieder Witze über mein Alter«, drohte ich lachend. »Oder mein gewaltiger Zorn wird dich treffen!«

»Solange es nur der Zorn und nicht deine Büroutensilien sind, ist mir das egal«, zuckte Nicki mit den Achseln. »Aber jetzt erzähl endlich: Wie heißt er? Was macht er? Wann siehst du ihn wieder?«

»Er schreibt Bücher, wohnt in der Pfalz und möchte mich morgen besuchen«, gab ich brav Auskunft.

Nicki zog die Stirn kraus. »Bücher? Schreibt er wenigstens Bestseller?« Dann deutete sie auf unseren vollgekritzelten Wandkalender. »Und du kannst dem Künstler gleich sagen, dass du ein viel beschäftigtes Mädchen bist. Morgen sind wir bei Cushi. Wenn er dich besuchen will, dann muss er an einem anderen Tag kommen.«

Jetzt war es an mir, entgeistert den Kalender anzustarren. »Cushi? Seit wann .« Ich schüttelte den Kopf. »Und was ist das?«

Nicki setzte ihr belehrendes Gesicht auf und legte ihre teuren Wildlederstiefel-Beine auf den Tisch. »Es handelt sich um ein Projekt, das ich an Land gezogen habe: das sensationelle Konzept einer Fast-Food-Kette. Sie bietet unter einem Dach Currywurst und Sushi an. Daher der Name >Cushi<. Und wir sollen ihren Markteintritt mit Kampagnen in den Zeitungen, Stadtsendern und natürlich mit Plakaten begleiten. Den Auftrag haben wir vor einer Woche bekommen, morgen sollen wir ein paar erste Ideen präsentieren.«

»Erste Ideen .« Ich war ratlos. Currywurst und Sushi - was war das denn für eine idiotische Kombination? Außerdem musste ich vor Nicki meine Enttäuschung verbergen. Bedeutete das, dass ich Oliver absagen musste? Der morgen extra aus der Pfalz kommen wollte - und jetzt nur Zeit für ein Mittagessen bekam?

»Ja!« Nicki war deutlich enthusiastischer als ich. »Der Besitzer hat ein wirklich ordentliches Budget, und da werden uns doch ein paar schlagkräftige Sachen einfallen, oder?«

Ich bemühte mich, mein Hirn auf den kreativen Modus umzuschalten. Im gleichen Moment verkündete ein sanftes »Bling« meines Powerbooks, dass ich eine E-Mail bekommen hatte. Neugierig schielte ich auf den Bildschirm. Oliver. Zum Glück hatten wir unsere Adressen ausgetauscht! Mit einem warmen Gefühl irgendwo in der Magengrube öffnete ich die Nachricht.

»Guten Morgen! Ich hoffe, es hat sich nach dieser wunderbaren Nacht kein Kater gemeldet. Kann es kaum erwarten, dich wieder zu küssen. Oliver«

Fassungslos las ich den Text noch einmal durch. Der Mann bekam keine kalten Füße, machte keinen Hehl aus seinen Gefühlen und meldete sich als Erster. So etwas gab es doch eigentlich nicht!

». und was denkst du?« Nicki sah mich erwartungsvoll an.

Mit einem Schlag wurde mir klar, dass sie die ganze Zeit über Currywurst und Sushi philosophiert hatte - und ich hatte nicht einmal zugehört, sondern mit offenen Augen von Oliver geträumt. Jetzt musste ich ihm absagen. Oder wenigstens auf den Abend vertrösten. Aber klang eine Einladung zum Abendessen nicht auch gleich wie eine Einladung für die ganze Nacht? War es nicht genau das, was ich eigentlich wollte? Aber zuerst musste ich ihn anrufen. Oder doch mailen? Meine Gedanken überschlugen sich - bis ich merkte, dass Nicki mich immer noch ansah. Inzwischen mit einer steilen Falte zwischen den Augenbrauen, die bei ihr nichts Gutes verhieß. Ich schüttelte den Kopf, in der Hoffnung, dass sich meine Gedanken wie durch einen Zauber sortieren würden. Jetzt hatte erst einmal mein Job Vorrang. Es hatte Jahre gedauert, bis unsere kleine Firma so gut lief, das durfte ich nicht wegen einer kleinen Herbstverliebtheit riskieren.

Ich deutete auf Nickis Kaffee. »Sorry, ich habe dir gar nicht zugehört. Ich bin offensichtlich auf Koffein-Entzug. Sollen wir gegenüber noch einen Cappu trinken und uns dabei überlegen, was wir mit dieser bahnbrechenden Geschäftsidee anstellen?«

Nicki nickte - und zehn Minuten später saßen wir auch schon bei einem wunderbaren Cappuccino und phantasierten von dirndltragenden Mädchen, die ihre Currywurst mit Stäbchen aßen. Oder einem Pärchen, das sich endlich nicht mehr wegen der Entscheidung zwischen rohem Fisch (sie, natürlich) und fettiger Wurst (er, klar) streiten musste. Cushi stiftete Frieden in der Stadt. Noch während wir immer neue Ideen ausbrüteten, vibrierte mein Handy und kündigte die Ankunft einer SMS an.

Eine unbekannte Nummer. Und die Frage: »Doch Kater?«

Ich fing hektisch an zu tippen - ich hatte mich auf Olivers Mail ja noch nicht gemeldet. »Kein Kater. Viel zu tun. Melde mich. Alex«, simste ich schnell zurück. Und kam mir, schon als ich auf »Senden« drückte, ziemlich schäbig vor. Er legte mir seine Gefühle zu Füßen, und ich war einfach schrecklich beschäftigt. Es dauerte einen Moment, bis ich mich zu einem innerlichen Achselzucken überredete. Wenn Oliver eine Frau suchte, die ständig Zeit für ihn hatte, dann musste er wohl eher in Dürkheim suchen. Ich hatte einen Job - und auch nicht vor, für irgendeinen Mann meine Karriere hinzuschmeißen.

Nicki und ich ließen weiter unsere Hirne qualmen. Auf den Vormittag folgte ein Nachmittag - und am Ende zogen wir wieder in unser Büro um. Langsam lichtete sich der kreative Nebel, und wir hatten eine Idee davon, wie wir Cushi zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Esskultur Münchens machen konnten. Es fehlte nicht mehr viel, und ich hätte fast selbst geglaubt, dass ein Cross-over von Currywurst und Sushi genau die Marktlücke war, die die Stadt brauchte. Das war immer das Zeichen einer guten Idee: Wenn ich begann, mich selbst zu überzeugen .

Als es anfing, draußen zu dämmern, holte Nicki eine Flasche Champagner aus dem Kühlschrank.

»Auf unsere Kreativität!«, trompetete sie und füllte zwei Gläser. »Unseren Kunden werden wir morgen sicher überzeugen. Etwas Besseres als eine jodelnde Japanerin mit Berliner Slang gibt es nicht .«

Mit schlechtem Gewissen deutete ich auf mein Powerbook. »Ich sollte vielleicht noch dem Traummann von gestern Bescheid geben, dass ich morgen leider die ganze Zeit arbeiten muss .«

Großzügig wedelte Nicki mit der Hand. »Mach nur. Und frag ihn gleich, ob er einen Bruder hat. Vielleicht kommen wir so beide an einen netten Typen!«

»Oliver ist eigentlich mehr als nett«, murmelte ich. Schon beim Gedanken an ihn bekam ich wieder dieses Gefühl in der Magengrube. Das hatte ich seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr gespürt - und mir sein Fehlen mit dem steigenden Alter erklärt. Über dreißig wurden die Schmetterlinge im Bauch eben ein bisschen träge. Zum Ausgleich war der Liebeskummer nicht mehr so groß, und mein TT Roadster machte mich auch glücklich. Man konnte eben nicht alles haben. Aber Oliver .

Ich öffnete das E-Mail-Programm und sah, dass er mir noch eine Mail geschrieben hatte. Eine mit Anhang. Ich öffnete sie neugierig. Ein Lied. Ich kannte weder Band noch Titel, das Ganze war auch noch französisch. Meine Kenntnisse in dieser Sprache waren lausig und seit Schultagen nicht mehr in Gebrauch. Das war ein bisschen länger her, als mir lieb war. Aber die ersten Akkorde klangen großartig. Hatte Oliver etwa auch noch Musikgeschmack?

Ich las den E-Mail-Text. »Kein Problem, wenn du wenig Zeit hast. Ich komme nur zum Mittagessen. Oder auf...

»Locker-flockig geschriebenes Buch mit vielen witzigen Beobachtungen rund ums Thema
Mutterschaft.«, Die Rheinpfalz, 16.04.2010
 
»>Stillen und Chillen< schildert humorvoll das Dilemma einer Karrierefrau, die ihre Manolos gegen Gummistiefel und Kind tauscht.«, Börsenblatt, 18.03.2010

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