Träum was Böses

Thriller
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Juli 2015
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97030-3 (ISBN)
 
Böse Träume, so heißt es, sind der Schlüssel zu deinen geheimsten Ängsten. Doch was, wenn dein schlimmster Albtraum Realität wird? Wenn dir das Wichtigste in deinem Leben, deine eigene Tochter, genommen wird? Alles, was dir bleibt, ist ihr letzter Tagebucheintrag, der dir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Und die leise Ahnung, dass du auf der Suche nach der Wahrheit niemandem mehr trauen kannst. Nicht mal dir selbst.
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,91 MB
978-3-492-97030-3 (9783492970303)
weitere Ausgaben werden ermittelt
C.L. Taylor studierte Psychologie an der Northumbria University, ehe sie als Grafikdesignerin und Web-Entwicklerin arbeitete. Mit »Träum was Böses« legt sie ihr beeindruckendes Spannungsdebüt vor.

Freitag, 31. August 1990

Es ist 05:41 Uhr, und ich sitze im Wohnzimmer, halte ein Glas Rotwein in der einen und eine Zigarette in der anderen Hand, und ich frage mich, ob die letzten acht Stunden meines Lebens tatsächlich so passiert sind oder nicht.

Am Mittwochabend habe ich James endlich angerufen, nach einigen Gläsern Rotwein und nachdem ich seine Nummer mindestens eine Stunde lang gewählt und gleich darauf wieder aufgelegt hatte. Das Telefon klingelte und klingelte, und ich dachte mir schon, dass er vielleicht nicht da war, als ich plötzlich eine Stimme hörte.

»Hallo?«

Zuerst brachte ich vor lauter Nervosität kein Wort heraus.

»Susan, bist du's? Wahnsinn, du rufst tatsächlich an!«

Seine Stimme klang schwächer und belegt, als wäre auch er nervös. Ich flachste herum, dass er wohl richtig erleichtert sei, von mir zu hören.

»Natürlich«, erwiderte er. »Ich dachte schon, du meldest dich nie wieder - nach allem, was ich getan habe. Entschuldige, sonst bin ich kein solcher Blödmann. Aber ich habe mich so gefreut, dir hinter der Bühne in die Arme zu laufen, dass ich . Egal, jedenfalls tut es mir echt leid. Es war doof von mir. Ich hätte dich wie jeder normale Mensch einfach fragen sollen, ob du mit mir ausgehst .«

Er wurde immer leiser, offenbar war es ihm peinlich.

Ganz plötzlich fühlte ich mich wahnsinnig zu ihm hingezogen. »Eigentlich fand ich es lustig. Bisher hat noch niemand mit seiner Visitenkarte nach mir geworfen und mir Ruf mich an! hinterhergebrüllt. Ich fühle mich fast geschmeichelt.«

»Geschmeichelt? Ich bin derjenige, der sich geschmeichelt fühlen sollte. Du hast angerufen! O Gott!« Er schwieg einen Moment. »Du rufst doch an, um dich mit mir auf einen Drink zu verabreden, oder? Du meldest dich nicht, um mir zu sagen, dass ich ein Riesenarschloch bin.«

»Das ging mir kurz durch den Kopf«, sagte ich lachend. »Aber nein, zufälligerweise bin ich heute ungewöhnlich durstig. Wenn du dich also mit mir auf einen Drink verabreden willst, ließe sich das einrichten.«

»Du lieber Himmel, klar! Wann immer und wo immer du möchtest.« Er lachte. »Ich werde dir beweisen, dass ich nicht . Na gut, bilde dir selbst eine Meinung. Wann hast du Zeit?«

Ich war versucht, Gleich jetzt! zu sagen, spielte aber erst noch die Unbeteiligte, wie Hels es mir aufgetragen hatte, und schlug Freitagabend (heute) vor. James sagte sofort zu, und wir verabredeten uns im Dublin Castle.

Vor dem Treffen probierte ich ein Dutzend verschiedene Outfits an und sortierte sofort alles aus, worin ich mich fett und trutschig fühlte oder tatsächlich so aussah, aber ich hätte mir gar keine Sorgen zu machen brauchen. In dem Augenblick, als ich in James' Reichweite kam, zog er mich an sich. »Du siehst wunderschön aus«, flüsterte er mir ins Ohr. Ich wollte gerade darauf antworten, als er mich unvermittelt losließ und meine Hand ergriff. »Ich muss dir etwas zeigen«, sagte er. Dann führte er mich aus dem Pub, durch das Gedränge der Nachtschwärmer in Camden, in eine Seitenstraße und von dort aus in einen Kebabladen. Ich sah ihn fragend an. »Vertrau mir!«, sagte er nur und geleitete mich durch den Laden zu einer Hintertür hinaus. Ich rechnete damit, in der Küche oder bei den Toiletten zu landen. Stattdessen geriet ich unerwartet in eine Kakofonie von Geräuschen und musste die Augen zusammenkneifen, um mich an die verrauchte, düstere Atmosphäre zu gewöhnen. James deutete auf eine vierköpfige Jazzband in einer Ecke des Raums. »Das sind die Grey Notes - Londons bestgehütetes Geheimnis!«, rief er. Dann ging er mit mir zu einem Ecktisch und bot mir einen abgewetzten Holzstuhl zum Sitzen an.

»Whisky«, sagte er. »Ohne Whisky kann ich keinen Jazz hören. Möchtest du auch einen?«

Ich nickte, auch wenn ich kein großer Fan von Whisky bin, und zündete mir eine Zigarette an, nachdem James sich auf den Weg zur Bar gemacht hatte. Sein Gang war so selbstsicher und männlich, ich war wie hypnotisiert. Das war mir schon aufgefallen, als ich ihn zum ersten Mal auf der Bühne gesehen hatte.

Der Unterschied zwischen James und meinem Exfreund Nathan könnte nicht größer sein. Während Nathan schmächtig, milchgesichtig und nur ein paar Zentimeter größer war als ich, ist James eins fünfundneunzig groß und so kräftig, dass ich mir neben ihm klein und zart vorkomme. Er hat ein Kinngrübchen wie Kirk Douglas, aber seine Nase ist zu wuchtig, um ihn im klassischen Sinn gut aussehend nennen zu können. Sein dunkelblondes Haar fällt ihm ständig in die Augen, die übrigens so etwas Launenhaftes wie die von Ralph Fiennes an sich haben: Erst ist sein Blick kühl und unbeteiligt, und dann kräuseln sich plötzlich die Augenwinkel, und seine Augen tanzen vor Begeisterung.

Dass etwas nicht in Ordnung war, merkte ich in der Sekunde, als James von der Bar zurückkam. Er sagte nichts, aber sein Blick flatterte immer wieder zurück zu meiner Zigarette, als er die Whiskygläser auf dem Tisch abstellte. Ich kapierte es sofort.

»Du rauchst nicht.«

Er schüttelte den Kopf. »Mein Vater starb an Lungenkrebs.«

Er versuchte, zu protestieren, mir zu sagen, es sei ganz allein meine Sache, ob ich rauchte oder nicht, aber sein finsterer Blick schwand, sobald ich meine Zigarette ausgedrückt hatte, und die Stimmung besserte sich sofort. Die Band war so laut, dass es schwierig war, sich über das Kreischen der Trompete und dem dahinjagenden Silbenwirrwarr des Leadsängers hinweg zu unterhalten. Deshalb zog James seinen Stuhl dichter an meinen heran, damit wir uns gegenseitig etwas ins Ohr flüstern konnten. Immer wenn er sich vorbeugte, stieß sein Bein gegen meins, und dann strich sein Atem über mein Ohr und meinen Hals. Es war die reinste Qual, seinen Körper so nahe zu spüren, die warme Würzigkeit seines Rasierwassers einzuatmen und ihn nicht berühren zu dürfen. Als ich es kaum noch länger aushielt, legte James eine Hand auf meinen Arm.

»Lass uns woanders hingehen! Ich kenne da einen absolut magischen Ort.«

Ich kam kaum mehr dazu, ein »Okay« von mir zu geben, da sprang er schon von seinem Stuhl auf und durchquerte den Raum in Richtung Bar. Kurz darauf kehrte er mit einer Flasche Champagner in der einen und zwei Gläsern sowie einer abgewetzten Wolldecke in der anderen zurück. Ich sah ihn fragend an, aber er lachte nur. »Wart's ab!«

Wir liefen eine halbe Ewigkeit durch die Gegend, schlängelten uns durch die Menschenmenge in Camden, bis wir an der U-Bahn-Station Chalk Farm vorbeikamen. Ich fragte immer wieder, wo wir eigentlich hingingen, aber James marschierte neben mir mit großen Schritten voran und lachte nur. Endlich hielten wir am Eingang zu einem Park, und er legte mir eine Hand auf die Schulter. Ich dachte, er würde mich gleich küssen, aber stattdessen befahl er mir, die Augen zu schließen, denn er habe eine Überraschung für mich.

Ich war mir nicht ganz sicher, was ein Park zu dieser unsinnig frühen Uhrzeit so Spannendes zu bieten hatte, aber ich folgte seiner Aufforderung. Dann spürte ich, wie mir etwas Schweres aus Wolle über die Schultern gelegt und ich von einer warmen Würzigkeit umhüllt wurde. James hatte gemerkt, dass ich zitterte, und lieh mir seinen Mantel. Ich ließ mich von ihm durch den Eingang und einen Hügel hinaufführen. Mich einem Menschen anzuvertrauen, den ich kaum kannte, war mir nicht ganz geheuer. Ich verspürte aber auch eine gewisse Euphorie und merkwürdigerweise ein Lustgefühl.

Als wir endlich nicht mehr weitergingen, befahl er mir, stillzuhalten und abzuwarten. Einige Augenblicke später fühlte ich die Weichheit der abgewetzten Decke unter meinen Händen, während er mir beim Hinsetzen half.

»Bereit?« Ich spürte, wie er hinter mir in die Hocke ging. Dann berührten seine Finger mein Gesicht, strichen mir über die Wangenknochen auf ihrem Weg zu meinen Augen, die sie schließlich bedeckten. Mir lief ein Schauer über den Rücken, und trotz des Mantels war mir kalt.

»Ich bin bereit«, sagte ich.

James nahm die Hände von meinem Gesicht, und ich öffnete die Augen.

»Ist es nicht wunderschön?«

Ich konnte nur nicken. Am Fuß des Hügels erstreckte sich der Park wie ein Schachbrett: mit schwarzen Feldern aus unbeleuchtetem Gras und erleuchteten Pfützen von den gelbgrünen Lichtströmen der Straßenlaternen. Ein magisches Patchwork aus Hell und Dunkel. Jenseits des Parks breitete sich die Stadt mit ihren glänzenden Fensterfronten und glitzernden Gebäuden aus. Der Himmel hatte das dunkelste Marineblau, gesprenkelt mit schmutzig orangefarbenen Wolken. Es war die atemberaubendste Aussicht in meinem ganzen Leben.

»Deine Reaktion, als du die Augen aufgemacht hast .« James starrte mich an. »Ich habe noch nie so etwas Schönes gesehen.«

»Hör auf!« Ich wollte lachen, aber das Lachen versiegte in meiner Kehle.

»Du sahst so jung aus, Suzy, so verzaubert. Wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum.« Er schüttelte den Kopf. »Wieso ist jemand wie du Single? Wie ist so etwas nur möglich?«

Ich öffnete den...

»Das Buch bietet subtiles Grauen, ohne blutrünstig zu werden«, Dolomiten Tagblatt der Südtiroler, 08.01.2016
 
»>Träum was Böses< ist einer dieser bitterbösen, atemberaubenden Thriller, die für ein völliges Abtauchen aus der Realität sorgen«, booksection.de, 20.07.2015
 
»>Träum was Böses< ist ein packender Thriller - ganz ähnlich wie Gone Girl von Gillian Flynn. (...) Haben Sie keine Angst vor einer schlaflosen Nacht - das Adrenalin und die Neugierde werden Sie wach halten!«, HR1, 15.07.2015

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