Strange the Dreamer - Ein Traum von Liebe

Buch 2
 
 
ONE (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. November 2019
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-7851-1 (ISBN)
 
Folge weiter der Geschichte von Lazlo und Sarai in der Verborgenen Stadt Weep


Sagenumwoben, voller Schönheit, Wunder und Mysterien - so hat Lazlo sich die Verborgene Stadt, über die er so viel gelesen hat, immer vorgestellt. Doch Weep hütet ein düsteres Geheimnis, dem Lazlo und seine Gefährten auf den Grund gehen sollen. Welche Rolle spielt dabei Sarai, das blauhäutige Mädchen, welches ihm immer wieder in seinen Träumen begegnet? Nacht für Nacht treffen sich die beiden, und Lazlo spürt, wie das Band zwischen ihnen immer stärker wird. Doch hat ihre Liebe eine Chance?


Laini Taylor begeistert mit fantastischem Ideenreichtum, wortgewaltiger Sprache und wundervollen Charakteren
1. Aufl. 2019
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 2,99 MB
978-3-7325-7851-1 (9783732578511)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Laini Taylor wurde 1971 in Kalifornien geboren. Sie hat Literatur und Kunst studiert und schreibt mit großem Erfolg Fantasy-Romane. Der Roman "Strange the Dreamer" wird in den sozialen Netzwerken gefeiert - und erscheint nun endlich in der deutschen Übersetzung. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Portland, Oregon.

1
Vipern und Engel


Sarai kehrte aus dem Herzen der Zitadelle in ihr Zimmer zurück. Minyas >Soldaten< waren überall, bewaffnet mit Messern und anderen Küchengeräten. Hackbeile. Bratspieße. Sie hatten sogar die Fleischerhaken aus dem Regenraum geholt. Irgendwo in der Zitadelle gab es ein echtes Waffenlager, aber es befand sich hinter einer langen Reihe verschlossener Mesarthiumtüren. Außerdem fand Minya, Küchenmesser seien genau richtig für ein Gemetzel. Schließlich waren auch die Menschen im Säuglingstrakt damit bewaffnet gewesen.

Es gab kein Entkommen vor Minyas Armee. Am allerwenigsten für Sarai, denn ihr Schlafzimmer hatte einen direkten Zugang zur silberblauen, sonnenfunkelnden Handfläche des Erzengels. Der offene Balkon war der perfekte Landeplatz für ein Luftfahrzeug und viel besser geeignet als die Gartenterrasse mit ihren Bäumen und Ranken. Deshalb drängten sich die Geister dort am dichtesten. Wenn der Götterschlächter kam, dann hierher, und Sarai würde ihm als Erste zum Opfer fallen.

Sollte sie Minya also dankbar für den Schutz sein? »Versteht ihr denn nicht?«, hatte Minya gefragt, als sie ihre Armee enthüllt hatte. »Wir sind in Sicherheit!«

Aber Sarai hatte sich noch nie im Leben weniger sicher gefühlt. Die versklavten Geister bevölkerten ihre Kammer und machten Momente der Zurückgezogenheit unmöglich. Sarai fürchtete, dass sie im Schlaf noch viel Schlimmeres erwartete.

Ihr Tablett stand am Fuße des Betts: Lall und Pflaumen, wie jeden Morgen. Allerdings hätte sie unter gewöhnlichen Umständen um diese Uhrzeit schon tief geschlafen und sich in Lethas Vergessen verloren. Würde der Trank heute wirken? Das Kristallgefäß enthielt eine halbe Dosis mehr, genau wie Ellen die Große versprochen hatte. Vielleicht war gestern nur ein Ausrutscher gewesen? Bitte, dachte Sarai und hoffte verzweifelt, diesmal würde samtig ödes Nichts sie einhüllen. Schreckensbilder regten sich in ihr. Sie bildete sich ein, die stillen Schreie in den Köpfen der hilflosen Geister wie ein Hintergrundrauschen hören zu können. Am liebsten hätte sie auch geschrien. Es gibt keine Sicherheit, dachte Sarai und drückte haltsuchend ein Kissen an ihre Brust.

Da tauchte in ihrem Kopf eine überraschende Ausnahme auf.

Der Traum des Faranji, des Fremdländers. Dort hatte sie sich sicher gefühlt.

Die Erinnerung wirbelte einen nervösen Ansturm von Emotionen auf. Panik? Nervenkitzel? Was auch immer es war - es ließ den ersten Eindruck von Geborgenheit verwehen. Ja, sein Traum war wunderschön gewesen. Aber ... Er hatte sie gesehen.

Der Ausdruck in seinen Augen! Das Staunen, die Verzauberung. Sarais Herzen begannen zu rasen, und ihre Handflächen wurden feucht. Nach einem ganzen Leben in Unsichtbarkeit war es nicht gerade leicht, plötzlich gesehen zu werden.

Wer war dieser Mann? Von allen Träumen der Faranji hatten nur seine keinen Hinweis enthalten, warum Eril-Fane ihn überhaupt mitgebracht hatte.

Todmüde und voller Furcht trank Sarai das Lall in einem Zug und streckte sich auf ihrem Bett aus. Bitte, dachte sie flehend - ein Stoßgebet an das bittere Gebräu. Diesmal muss es funktionieren. Bitte, keine Albträume mehr.

*

Draußen im Garten hielt Sparrow den Blick gesenkt. Solange sie nur Augen für Blätter und Blüten, Stängel und Samen hatte, konnte sie sich einreden, der Tag sei ganz normal. Ohne Geister, die wachsam in den Rundbögen des Wandelgangs standen.

Sie bastelte ein Geburtstagsgeschenk für Ruby, die zwar erst in ein paar Monaten sechzehn werden würde, aber wer wusste schon, ob sie alle so lange überlebten?

Mit Hilfe von Minyas Armee standen die Chancen ziemlich gut. Aber darüber wollte Sparrow gar nicht nachdenken. Durch die Geister fühlte sie sich gleichzeitig beschützt und beschmutzt, also hielt sie den Blick nach unten gerichtet und summte vor sich hin, um ihre Anwesenheit zu vergessen.

Ein weiterer Geburtstag ohne Kuchen. Viele Möglichkeiten für Geschenke gab es auch nicht. Normalerweise zerschnitt sie eines der schrecklichen Gewänder aus ihren Ankleidezimmern und verwandelten es in etwas Hübscheres. Vielleicht ein Halstuch? Zu einem früheren Geburtstag hatte Sparrow passend zu Rubys Namen eine Puppe mit echten Rubinen als Augen genäht. Da ihre Gemächer früher Korako gehört hatten, konnte sich Sparrow ausgiebig an den Kleidern und dem Schmuck bedienen. Ruby dagegen stand die ganze Hinterlassenschaft von Letha zur Verfügung. Allerdings waren die Göttinnen nicht ihre Mütter gewesen, im Gegensatz zu Isagol und ihrer Tochter Sarai. Sparrow und Ruby waren Kinder von Ikirok, dem Gott der Lustbarkeit, der nebenbei auch als Scharfrichter gedient hatte. Dadurch waren sie Halbschwestern und als Einzige der fünf tatsächlich blutsverwandt. Feral war der Sohn von Vanth, dem Gott der Stürme - dessen Gabe er mehr oder weniger geerbt hatte -, während Minya die Tochter von Skathis war. Sarai war die Einzige, die mütterlicherseits von den Mesarthim abstammte. Wie Ellen die Große erzählt hatte, waren Geburten bei den Göttinnen selten gewesen. Schließlich konnte eine Frau pro Schwangerschaft nur ein Baby gebären, seltener auch zwei. Ein Mann hingegen konnte so viele Kinder zeugen, wie ihm Frauen zur Verfügung standen.

Die mit Abstand größte Zahl von Nachkommen im Säuglingstrakt hatten die drei männlichen Götter zu verantworten, die junge menschliche Frauen geschwängert hatten.

Was bedeutete, dass Sparrow irgendwo dort unten in Weep eine Mutter hatte.

Als Kind war es ihr schwergefallen zu verstehen oder zu glauben, dass ihre Mutter sie nicht wollte. »Ich könnte ihr im Garten helfen«, hatte sie zu Ellen der Großen gesagt. »Ich wäre eine gute Hilfe, ganz bestimmt.«

»Ja, gewiss, Engelchen«, hatte Ellen geantwortet. »Aber wir brauchen dich hier, Kleines. Wie sollten wir ohne dich überleben?«

Ellen hatte damals versucht, es Sparrow schonend beizubringen, aber Minya hatte weniger Hemmungen gehabt: »Wenn sie dich in ihrem Garten findet, dann schlägt sie dir mit der Schaufel den Schädel ein und wirft dich auf den Kompost. Du bist Götterbrut, Sparrow. Deine Mutter wird dich niemals wollen.«

»Aber ich bin zur Hälfte menschlich!«, hatte sie protestiert. »Haben sie das wirklich vergessen? Dass wir auch ihre Kinder sind?«

»Du verstehst es nicht, oder? Deshalb hassen sie uns nur noch mehr.«

Damals hatte Sparrow es wirklich nicht verstanden. Dazu war sie noch zu klein gewesen. Aber irgendwann lernte sie aus einer vulgären, schwer glaubhaften Schilderung Minyas, gefolgt von einer sanften und umso aufschlussreicheren Belehrung durch Ellen die Große, wie solch eine ... Begattung funktionierte. Dadurch änderte sich alles. Ihr wurde klar, wie ihre eigene Zeugung ausgesehen haben musste. Zwar war ihr Verständnis noch immer nebulös und schattenhaft, aber die Grausamkeit des Aktes lastete auf ihr wie die erdrückende Schwere eines ungebetenen Körpers, und Säure stieg in ihrer Kehle auf. Natürlich würde keine Mutter sie haben wollen, nicht nach so einem Anfang.

Sie fragte sich, wie viele Geister in Minyas Armee auf solche Weise von den Göttern missbraucht worden waren. Ungefähr die Hälfte von ihnen waren Frauen, die meisten alt. Wie viele hatten halbblütige Kinder zur Welt gebracht, an die sie sich weder erinnern konnten noch erinnern wollten?

Sparrow hielt den Blick auf ihre Hände gerichtet und konzentrierte sich auf ihre Arbeit, wobei sie leise vor sich hin summte. Sie versuchte, nicht darüber nachzudenken, ob sie an Rubys Geburtstag noch leben würden, oder was für eine Art von Leben ihnen dann bevorstand. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt ihren Händen, aus denen das beruhigende Gefühl von Wachstum strömte. Sie stellte eine Blumentorte her. Oh, gewiss nicht essbar, aber dafür wunderschön. Die Torte erinnerte an die Jahre, als es in der Zitadelle noch Zucker und einen Rest kindlicher Unschuld gegeben hatte. Bevor Sparrow verstanden hatte, was für eine entsetzliche Missgeburt sie war.

Es gab sogar kleine Kerzen. Dafür benutzte sie die Knospen von Fackellilien: sechszehn an der Zahl. Sie würde Ruby die Torte heute zum Abendessen überreichen. Dann konnte Ruby die Kerzen mit ihrem eigenen Feuer entzünden, sich etwas wünschen und sie ausblasen.

*

Feral war in seinem Schlafzimmer und starrte auf sein Buch. Er blätterte durch die Metallseiten und fuhr die harschen, eckigen Symbole mit der Fingerkuppe entlang.

Wenn nötig hätte er das gesamte Buch aus dem Gedächtnis kopieren können, so genau kannte er es. Doch das nützte ihm wenig, denn er konnte ihm keine Bedeutung abringen. Manchmal, wenn er lange genug darauf starrte und sein Blick verschwamm, hatte er das Gefühl, er könne geradezu in das Metall hineinschauen und eine pulsierende Kraft spüren, die darin schlummerte. Ungefähr so, wie eine Wetterfahne darauf wartet, dass ein...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

9,99 €
inkl. 7% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen