Premiership Psycho

Roman
 
 
Heyne Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. November 2011
  • |
  • 432 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06640-6 (ISBN)
 
Nie mehr zweite Liga

Seine Welt ist der Profifußball: wo man sich über Marken definiert, die Bewunderung grenzenlos ist und es nichts - und niemanden - gibt, den man nicht für Geld kaufen kann. Bis zur letzten Saison hatte Kev King den Premiership-Status, der seinem extravaganten Lifestyle angemessen war. Doch jetzt ist King verletzt und wird in eine untere Liga abgeschoben. Er wird zunehmend paranoid, verliert die Kontrolle über sein Leben. Und er wird wütend, furchtbar wütend. Auf seinem Weg zurück an die Spitze hinterlässt er eine Spur der Verwüstung.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 0,62 MB
978-3-641-06640-6 (9783641066406)
3641066409 (3641066409)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Elegantes Flair


ICH TRAGE EINEN HELLBLAUEN VIKTOR-AND-ROLF-TWO-BUTTON-ANZUG mit einem weißen ärmellosen Smokinghemd von Ralf Simons und ein Paar braune Dirk-Bikkemberg-Samtschuhe. Aus der Acura-ELS-Surround-Anlage dröhnt Kid Rock. Ja, mir scheint die Sonne aus dem Arsch.

Der Bentley gleitet die Charing Cross Road hinunter, Straßenlichter wischen über die riesige Motorhaube. Passanten strömen in die Theatervorstellungen: Blood Brothers im Phoenix, irgendein Monty-Python-Studentenscheiß im Palace. Vor dem Ambassador hängt ein Poster von irgend 'nem abgewrackten Idioten, der zwei Mülleimerdeckel zusammenschlägt.

Stomp oder so.

Was für ein Penner.

Ich biege nach rechts in die Shaftsbury Avenue.

Les Miserables. Rain Man. Eddie Izzard. Grease.

Besucherschlangen schieben sich durch die Eingangstüren, aber was die Normalos, diese Flachwichser aus Tarifzone 4, nicht wissen: So eine Schlange ist dazu da, dass man sich vordrängelt.

Das lernt man an Tag eins in der Premier League. Es geht nicht darum, dass sich die Normalos brav in Reih und Glied anstellen. Sondern darum, dass die Trottel in der Schlange sehen, wie du an ihnen vorbeimarschierst.

Die Shaftsbury Avenue mündet in die Piccadilly. Ich komme mit dem Bentley vor dem Athenaeum Hotel zum Stehen. Der Heini an der Tür in seiner Kamelhaaruniform starrt auf die getönten Scheiben. Er wartet darauf, dass sich was tut, dass jemand aus dem Wagen steigt. Doch ich bleibe sitzen.

Ich beobachte den Tür-Heini, der Richtung Wagen nickt, um mir zu signalisieren, dass ich weiterfahren soll. Aber ich bleibe stehen und mustere ihn durch die Scheibe. Ich kann ihn sehen. Aber er mich nicht. Ich bin was Besseres als er. Ich bin etwas viel. Viel. Besseres. Als. Er.

Der Tür-Heini tritt an den Wagen und klopft gegen die Scheibe.

Arschloch. Er wartet auf eine Antwort, vergeblich.

Er klopft erneut gegen das Fenster, doch ich reagiere immer noch nicht.

Schließlich rutsche ich auf den Beifahrersitz. Als er ein drittes Mal klopfen will, entriegle ich den Wagen und stoße die Tür auf, so dass die Fensterscheibe gegen seine näher kommende Hand knallt.

Er tritt zurück und betrachtet seine Finger. Als würden seine Wichsgriffel dadurch aufhören wehzutun. Inzwischen stehe ich auf dem Gehweg. »Parken. Gepäck ist im Kofferraum. Bringen Sie's rein.«

Seine Kinnlade klappt nach unten. Er trägt einen Vollbart, seine Lippen sind, wie eine Muschi, komplett von einem Haarkranz umgeben. Das erinnert mich an die Frau des Käpt'ns und an Collys Treffen mit Taff. Ich habe immer noch nichts von ihm gehört. Er kriegt fünfzehn Prozent von mir. Fünfzehn Prozent - wofür?

Der Portier steht immer noch da, die Gesichtsmuschi weit geöffnet. »Haben Sie ein Zimmer reserviert, Sir?«, bringt er schließlich hervor.

»Was glauben Sie denn?«

»Ich weiß nicht, Sir. Ich glaub schon.«

»Na also.«

»Sehr wohl, Sir.«

Ich trete ins Innere. Opulente Ausstattung. Stilvoll renoviert. Diskreter Glamour.

Laut Travel and Leisure Magazine eines der fünfhundert besten Hotels der Welt.

Ich gehe zur Rezeption.

Das übliche »Hallo, Sir« ertönt.

Die Empfangsdame ist attraktiv. Sie fertigt mich zügig ab. Würd ich sofort flachlegen. Jederzeit.

Ich nehme die Treppe. Und betrete das Zimmer.

Mit Hypnos-Bett. Dazu Bezüge aus ägyptischer Baumwolle. Englische Eleganz, kombiniert mit der Technologie des 21. Jahrhunderts. Kurz darauf trifft mein Gepäck ein. Das Arschloch, das es bringt, stinkt nach Zigaretten.

»Krebs, Krebs, Krebs«, singe ich leise vor mich hin, während er die Tasche abstellt.

»Wie bitte, Sir?«

»Nichts.«

Erneut murmle ich »Krebs, Krebs, Krebs«, während er dasteht und vergeblich auf ein Trinkgeld wartet. Schließlich verschwindet er.

Ich fläze mich aufs Bett und starre die Decke an, dann gehe ich ins Badezimmer und betrachte mich im Spiegel. Ich sehe absolut hammermäßig aus.

Meine Spielerfrau hat mir eine SMS geschickt, aber ich antworte nicht. Vergeblich versuche ich, Colly zu erreichen. Nach einem kurzen Nickerchen bin ich wieder unten in der Empfangshalle. Und gebe die Schlüssel ab.

»Rufen Sie mir ein Taxi.« Weil sie attraktiv ist, füge ich ein »Bitte« hinzu.

Sie schaut durch die Eingangtür raus auf die Straße, wo gerade ein Wagen links ranfährt. »Anhalten«, ruft sie dem Tür-Heini zu, und dann: »Schönen Abend, Sir.«

Werd ich haben. Hundertpro. Wie sich das für Kevin King gehört.

Durch die Tür auf die Straße und rein ins Taxi. Der Wagen ist sauber. Offensichtlich hat der Fahrer ihn erst vor kurzem gesaugt. Gut. Kev wird ihm dafür ein Trinkgeld geben.

»Wo soll's hingehen?«

»St. Martin's Lane.«

Er scheint ein wenig enttäuscht. So nach dem Motto: »Ist ja bloß um die Ecke, lohnt sich ja kaum.« Fairerweise muss man sagen, dass er es für sich behält, Gas gibt und wendet. Dann fahren wir die Piccadilly wieder rauf.

Ich betrachte den kahlen Hinterkopf des Fahrers. Ein junger Bursche, der aussieht, als hätte er eine Chemo hinter sich. Aber er ist okay. Ich frage mich, in welchem Stadtteil er wohnt. Die Innenstadt, Tarifzone eins und zwei, ist eine Nummer zu groß für ihn, viel zu teuer. Selbst die Zone drei übersteigt wahrscheinlich seine Möglichkeiten. Das Taxi ist tipptopp, darum glaube ich - keine Ahnung, warum -, dass er in einem der Außenbezirke wohnt. Vielleicht in Zone fünf oder noch weiter draußen. Sunbury oder so. Eigentlich gehört das nicht mehr zu London. Sondern quasi zu den Midlands.

Aber er ist okay. Das Taxi riecht auch nicht nach Fast Food. Vom Rückspiegel baumelt einer dieser Duftbäume. Wie gesagt, der Wagen wurde vor kurzem gesaugt.

Er mustert mich im Spiegel. »Wo etwa an der Lane?«

»Bungalow 8.«

»Alles klar.«

Die St. James' Street ganz bis zum Ende, dann die Pall Mall runter und weiter.

Der Glatzkopf betrachtet mich erneut im Rückspiegel: »Sie kommen mir bekannt vor, Kollege? Ich kenn Sie von irgendwoher. «

»Kann gut sein.«

»Genau. Sie haben bei Big Brother oder so mitgemacht.«

Wichser. Nein. Nein. Ich bin Sportler. Verdammte Scheiße, Sportler.

»Nein.«

»Dann von irgendwo anders. Von den Olympischen Spielen? Sind Sie Radfahrer oder so was? Oder Ruderer?«

»Nein.«

»Na gut.«

Wir biegen in die St. Martin's Lane, ich bezahle den Fahrer und steige aus. Bevor ich verschwinde, drehe ich mich nochmal um und klopfe gegen die Scheibe des Taxis. Er lässt sie herunter und schaut mit fragendem Blick.

»Fußball. Ich bin Fußballspieler.«

Ich nehme einen weiteren Geldschein und werfe ihn durchs Fenster.

»Kevin King. Merk dir den Namen. Schönen Abend noch.«

Falls er etwas erwidert, kriege ich das nicht mehr mit, ich schlendere bereits Richtung Bungalow 8. Auf der rechten Seite stehen die Normalos Schlange, links vom Absperrseil wartet ein Grüppchen Promis. Echte Promis.

Schauspieler Rhys Ifans. Designerin Jade Jagger. Fernsehnase Calum Best.

Der Gorilla an der Tür öffnet das Absperrseil, und die Promis spazieren hinein.

Im Innern elegantes Flair. Möbel von BoConcept.

Da ist Sophie Dahl, das Model. Und Filmproduzent David Furnish.

Individueller Service. Diskretion garantiert.

Die Besucher aus Zone vier beäugen mich misstrauisch, während ich auf das Absperrseil zugehe. Der Gorilla an der Tür nimmt mich ebenfalls ins Visier. Er ist verdammt kräftig. Ein klassischer Vorstopper. Aber einer auf Stereoiden, eindeutig. Ein richtiger Kleiderschrank.

»Sir?«, sagt er, aber es hört sich an wie »Arschloch«.

»'n Abend.«

Er mustert mich. Er sieht zwar meine teuren Klamotten und weiß, dass ich ein prall gefülltes Bankkonto habe. Aber er kann mich nicht einordnen. Er will, dass ich mich ausweise. Ich warte, damit er selber draufkommt.

»Sir?«, wiederholt er.

Ich lächle ihn an. Er ist kurz davor, mir eine zu scheuern. Mann, Kevin King. Kev King.

»Nur für Mitglieder«, sagt er und fügt als Beleidigung ein »Sir« hinzu.

Ich lächle erneut.

»Erkennen Sie mich nicht?«

»Sollte ich?«

»Interessieren Sie sich für Fußball?«

»Ja, tu ich. Für mich gibt's nur Millwall-Fans und sonst nichts.«

»Schön. Sie interessieren sich für Fußball und kennen mich nicht?«

»Ganz genau. Bist du der beschissene Pelé, oder was?«

»Nicht ganz.« Ich mache eine Pause. »Ich bin Kev King.«

Er bricht in schallendes Gelächter aus: »Kev King. Du hast letzte Saison gegen ManU eine Hundertprozentige versemmelt. «

Ich bin wütend, scheißwütend.

»Du bist echt tief gesunken«, ergänzt der Türsteher.

Meine Wut wird zur Raserei. Exklusiver Nachtclub. Exklusiver Nachtclub.

»Lassen Sie mich jetzt rein?«

»Nein, Kev King, ich lass dich nicht rein. Letztes Jahr hätt ich dich vielleicht reingelassen, als du noch in der Premier League gespielt hast. Aber nicht heute Abend. Nicht in dieser Saison. Verpiss dich, geh ins Stringfellows oder sonst wohin, du Zweitliga-Wichser.«

Ich werfe einen Blick auf die Schlange zu meiner Rechten. Das Fußvolk lacht. Ihr lacht mich aus, euren Kevin King.

Verdammte Zivilisten-Arschlöcher. Zone-Achtzehn-Wichser.

Kackbratzen. Ihr verfickten Kackbratzen. Ihr seid alle verfickte Kackbratzen.

Ich schaue den Türsteher an, und er hebt die Augenbrauen nach dem Motto »Willst du dich mit mir anlegen, Alter?«. Doch ich verzichte. Nicht mit...

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