Blut und Dornen: Teil 2

 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. Mai 2020
  • |
  • 356 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7487-4335-4 (ISBN)
 
Wenn du uns suchst, werden wir dich finden . Schweren Herzens folgt Kiruna Liuwolf in Feindesland, denn ein alter Priester seines Volkes ist die einzige Chance, das Rätsel um die Dornenfrauen zu lösen und die Macht der Gilde zu brechen. Auch auf der anderen Seite des Flusses geschehen seltsame Dinge und uralte Kräfte greifen nach ihr, um sich mit ihr zu verbinden. Nur langsam begreift Kiruna, dass sie am Ende dieser Reise nicht mehr sie selbst sein wird - oder tot.
  • Deutsch
  • 0,82 MB
978-3-7487-4335-4 (9783748743354)

Kapitel 1 Vertrauen finden


Weit nach Mittag hielten sie an, um eine Pause zu machen. Kiruna war froh darum und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Auch wenn es nicht mehr so warm war wie vor dem Gewitter, der Weg war nun seit geraumer Zeit sanft aber stetig angestiegen. Rundherum war nur Wald zu sehen, doch die Nadelbäume, die es inzwischen reichlich gab, zeigten an, dass sie einen lang gezogenen Hügel hinaufstiegen. Am Stamm einer Tanne ließen sie sich nieder und Amar verteilte den gebratenen Hasen. Zu Kirunas Erstaunen schmeckte er hervorragend und war gut gewürzt.

"Ich wusste gar nicht, dass du dich mit Kräutern auskennst", sprach sie ihn an. "Und auch noch kochen kannst!"

Er schmunzelte leise. "Es gibt eine Menge Dinge, die du nicht von mir weißt, Kiruna. Aber die Wahrheit ist, dass ich gern gut esse und es war nie jemand da, der für mich gekocht hat. Also musste ich selbst herausfinden, wie man das macht."

Darauf zumindest hätte sie kommen können, schoss ihr durch den Kopf. Seine Mutter hatte sich oft in Lutas Taverne herumgetrieben, bis sie dann eines Tages mit den Dirnen in die Stadt hinaufgezogen und nicht mehr zurückgekehrt war. Seitdem hatte sich die Gilde um ihn gekümmert und schon bald hatte man gemunkelt, dass einer von ihnen wohl sein Vater wäre. Sie hatte ihn nie danach gefragt, aber wenn sie nun Verbündete waren und einander vertrauen sollten .

"Meister Luta ist tatsächlich dein Vater, oder?"

Amar schien nicht überrascht von der Frage.

"Er glaubt es zumindest. Immerhin gehen alle davon aus, dass ich zur Hälfte ein Vinca bin. Und das grenzt die Auswahl selbst bei meiner Mutter doch ziemlich ein."

Er nahm einen Bissen Fleisch und richtete den Blick auf die Bäume.

"Als Kind glaubte ich, Etzra sei mein Vater, er hat sich sehr um meine Mutter und mich gekümmert. Leider habe ich es nie gewagt, ihn danach zu fragen."

Der alte Etzra? Kiruna musterte ihn erstaunt. Das war wohl eher unwahrscheinlich, aber sie verstand, dass ihn diese Vorstellung sicher getröstet hatte.

"Mir scheint", meldete sich Liuwolf vorsichtig, "dass es bei euch viele Kinder gibt, die ihre Väter nicht kennen, oder?"

Sie nickten beide.

"Das liegt allerdings auch daran", erklärte Amar, "dass man früher bei den Vinca nur über die mütterliche Linie zu einer Sippe gehörte. Die Väter spielten dabei keine Rolle."

Davon hatte Liuwolf offenbar noch nie gehört und auch Kiruna war baff. Aber es erklärte so einiges und nun verstand sie auch, warum das in Stein gemeißelte Gesicht an diesem eisernen Tor im Fluss keinen König zeigte, sondern, wie Nibae gesagt hatte, die erste Stammesmutter der Vinca.

"Woher weißt du das?", fragte sie Amar.

"Das steht in den Schriftrollen geschrieben, die Meister Luta so streng hütet." Er begann zu grinsen. "Kein Wunder, dass sie niemand sehen soll, oder?"

"Allerdings!", erwiderte sie. "Und es erklärt außerdem, warum Nibae Meister Luta und Etzra so hasst. Damit ist sie ja sowas wie eine Stammesmutter, aber darauf hatten die beiden wohl keine Lust mehr. Und einige andere auch nicht!"

"Das denke ich auch", bekräftigte Amar. "Es schien mir allerdings klüger zu sein, das für mich zu behalten, als wir in ihrem Dorf waren."

"Und Luta hat dich diese Schriftrollen lesen lassen?", wollte Liuwolf wissen.

Amar schüttelte den Kopf. "Natürlich nicht. Ich habe ihm letzten Winter den Schlüssel gestohlen, als er stockbetrunken war. Immerhin hat er mich ja zum Dieb ausgebildet."

Kiruna musste lachen und es hatte etwas sehr Befreiendes. "Stimmt, da ist er selber schuld! Aber Hut ab, ich hätte mich nicht einmal auf zwei Meter an ihn herangewagt, und wenn er noch so betrunken gewesen wäre."

"Mir haben auch ehrlich gesagt die Knie geschlottert, wie niemals zuvor", gab er zu. "Aber jetzt weiß ich, dass er wirklich gar nichts merkt, wenn er volltrunken einschläft."

Sein Blick wurde ernst und Kiruna verstand. Vor allem, warum sie Luta niemals auch nur angetrunken in seiner Taverne erlebt hatte.

"Und weiß noch jemand, dass der allseits gefürchtete Meister doch eine Schwäche hat?", fragte sie leise.

Amars Blick wurde eindringlich. "Nachdem Chitho nun tot ist? Nur wir drei."

"Denkst du etwa darüber nach, diese Schwäche zu nutzen", meldete sich Liuwolf, "falls Meister Luta in Nelkenburg ist?"

"Kiruna hat deinen Decknamen gut ausgewählt." Zögernd wandte sich Amar ihm zu. "Es ist äußerst gewagt, einen solchen Plan zu verfolgen, denn dann müsste ich ihm einen wirklich guten Köder anbieten, um ihn davon zu überzeugen, dass ich ihm noch immer treu ergeben bin."

"Wenn Meister Luta tatsächlich in Nelkenburg ist", stellte Liuwolf fest, "müssten wir also unser Leben vollkommen in deine Hände legen, um dir die Chance zu geben, ihn ebenfalls zu töten."

Amar nickte bedächtig. "Es ist allerdings nicht mehr als ein Gedanke, der mir durch den Kopf geht. Zuerst einmal müssen wir mit diesem Priester sprechen, um Etzras Rätsel zu lösen. Vielleicht tut sich ja eine Lösung auf, die gar keinen Meuchelmörder mehr braucht."

Er sah Kiruna an, die seinen Blick schweigend erwiderte, sodass er sich wieder seiner Hasenkeule zuwandte.

Was ihm da durch den Kopf schwirrte, brachte ihn in größte Gefahr. Mochte dieser Chlodomer auch noch so gut bewacht werden, keiner seiner Soldaten besaß eine Ausbildung, die der eines Gildemörders gleichkam; von den Rutseei ganz zu schweigen. Ihn zu ermorden war ohne Weiteres möglich. Um Meister Luta zu töten, musste man allerdings das eigene Leben aufs Spiel setzen. Niemand in der Gilde konnte sicher sein, dass er ihnen alles beibrachte, was er selbst wusste und an Fähigkeiten besaß. Nahm Amar etwa schlicht in Kauf, selbst getötet zu werden? Sie widmete sich ebenfalls dem Essen und auch Liuwolf schien es vorzuziehen, zu schweigen.

 

Ebenso schweigend machten sie sich wieder auf den Weg. Diesmal blieben Liuwolf und Amar an ihrer Seite, doch ein Blick in ihre Gesichter zeigte, dass sie ihren eigenen Gedanken nachhingen. Kiruna war das ganz recht, denn ihr ging es nicht anders. Der Gedanke, dass Amar bereit schien, sein Leben zu opfern, ließ sie nicht mehr los.

Selbst wenn es ihm gelang, Luta zu töten, es gab in der Gilde genügend Männer, die nicht eher ruhen würden, bis sie diese Blutschuld gerächt hätten. Auch ohne die Macht ihrer Rutseei und selbst wenn er dann wirklich so ein hoher Rat in Liuwolfs Diensten war.

Langsam aber sicher schlich sich das schlechte Gewissen an sie heran. Sollte es tatsächlich stimmen, dass er das ihretwegen tat, um sie zu beeindrucken?

Unwillkürlich ballte sie die Fäuste. Das war doch ungerecht. Sie hatte rein gar nichts getan, um ihn zu so einer lebensgefährlichen Dummheit anzustacheln. Und sie würde sich auch ganz gewiss nicht in ihn verlieben, wenn er ihr Lutas Kopf vor die Füße legte!

"Ein Goldstück für eure Gedanken", ertönte Liuwolfs Stimme und sie schreckte auf.

"Ihr beide schaut so verdrossen auf eure Füße hinab, dass mir ganz mulmig wird. Was ist los?"

Hatte sie wirklich so verdrießlich geguckt? Kiruna warf Amar einen Blick zu, der ihn ein wenig verlegen erwiderte.

"Ich habe gerade über Kirunas Rutseei nachgedacht", gab er preis. "Und über ein Gildegeheimnis, das nur die Mörder kennen."

"Ach ja?", erwiderte sie und hob die Augenbrauen. "Das würde mich aber brennend interessieren."

"Das habe ich mir gedacht", gab er zurück. "Aber als Lohn musst du uns verraten, was dir durch den Kopf geht."

Ihr Blick verdunkelte sich. "Ich mag solche Spielchen nicht, das weißt du doch!"

"Also, ich für mein Teil habe überschlagen, wie viele Soldaten zurzeit in Nelkenburg stationiert sind", schaltete sich Liuwolf ein. "Und ob der alte Hauptmann noch im Dienst ist, der mir den ersten Unterricht an Schwert und Bogen gab."

"Und wie viele sind es?", wollte Amar wissen und beugte sich ein wenig vor, um ihm ins Gesicht schauen zu können.

"Einige sind vor ein paar Wochen flussabwärts nach Nesselberg verlegt worden. Aber so um die dreihundert müssten noch dort sein."

"Dreihundert ." Amar stieß einen leisen Pfeifton aus. "Das reicht vollkommen, um Nelkenburg und Rosenberg zu übernehmen. Chlodomer wollte nicht verraten, wie viele Soldaten dort stationiert sind. Traust du ihm zu, dass er sie alle hinter sich bringt?"

"Schwer zu sagen", erwiderte Liuwolf. "Aber möglich ist es. Die Soldaten folgen ihren Truppführern und den Hauptleuten. Sie sind es vor allem, die Chlodomer überzeugen muss."

"Also insgesamt ..", Amar kniff die Augen zusammen,...

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