Im Schatten der Giganten

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. August 2015
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98252-8 (ISBN)
 
Bislang kannte Easie Damasco nur Legenden über Giganten - doch als der Tyrann Moaradrid ihn vom Galgen schneidet und in seine Armee zwangsrekrutiert, wird der Mythos plötzlich real: Der dunkle Feldherr gebietet über ein Heer an Riesen, die jeden zerschmettern, der sich ihnen in den Weg stellt. Um Moaradrid in seine Schranken zu weisen, muss Easie all sein Geschick aufbieten und das Unmögliche wagen: unbemerkt einen Giganten stehlen und mit ihm die Pläne des grausamen Herrschers durchkreuzen . Ein hochkarätiges High-Fantasy-Debüt mit phantastischer Action, einem hinreißenden Schreibstil und dem überzeugendsten Helden seit Captain Jack Sparrow.
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,23 MB
978-3-492-98252-8 (9783492982528)
weitere Ausgaben werden ermittelt
David Tallerman ist englischer Fantasy-, Sciencefiction- und Horrorautor und liebt nichts so sehr wie das Schreiben. Deshalb verfasst der IT-Techniker seit Jahren Kurzgeschichten, Gedichte, Comictexte und seit Neuestem auch Romane. Mit Easie Damasco schuf er einen großartigen Helden, der sein erstes Abenteuer »Im Schatten der Giganten« zwar mit knapper Not, aber mit hohem Unterhaltungswert überlebt. Wenn David Tallerman nicht schreibt, sieht er Filme, geht wandern und versucht vergeblich, Bonsaibäume zu züchten.

2

Die Nacht dauerte an. Ich gab mir alle Mühe, nicht daran zu denken, was mich an ihrem Ende erwartete.

Ein Kartenspiel erschien wie aus dem Nichts, und einer meiner neuen Gefährten schlug vor, ein paar Runden Verirrtes Huhn zu spielen. Innerhalb einer Stunde gelang es mir, meinem Stück Kohl einen Brocken Fleisch unbekannten Ursprungs, einige Kupfermünzen, zwei Laibe Brot und ein kleines, einfaches Messer hinzuzufügen. Normalerweise hätte ein solcher Erfolg meine Stimmung gehoben, doch meine Gedanken gerieten mir immer wieder in den Weg, wie sehr ich das auch zu vermeiden versuchte.

Ich gelangte zu dem Schluss, dass eine Flucht vielleicht möglich, aber nicht sonderlich ratsam war. Moaradrid mochte vieles sein, aber bestimmt kein Dummkopf. Er wusste, dass die meisten seiner Soldaten lieber woanders wären, und deshalb patrouillierten aufmerksame Wächter überall am Rand des Heereslagers. Ich hörte, wie sie sich mit eher misslungenen Imitationen von Vogelrufen verständigten. Auch im Innern des Lagers gab es zahlreiche Wächter. Ich war so erschöpft, dass die Risiken einer Flucht die möglichen Erfolgsaussichten weit überwogen. Mit anderen Worten: Ich saß hier fest und würde wahrscheinlich meine erste Portion Krieg abbekommen, bevor die Sonne aufging.

Und das war noch nicht einmal das Schlimmste.

Nach dem, was ich gesehen hatte, zweifelte ich nicht daran, dass ich auf der Gewinnerseite sein würde. Diese Erkenntnis hätte mich normalerweise ein wenig getröstet, doch hier lagen die Dinge anders. Ich hatte nicht viel für die Obrigkeiten des Castoval übrig, die darauf bestanden, meinen Namen auf Fahndungslisten zu setzen, und keine Mühe scheuten, mich hinter Schloss und Riegel zu bringen, aber andererseits: Das Castoval war meine Heimat, und ich war stolz darauf. Ich wollte nicht erleben, wie es unter die Knute eines Tyrannen geriet. Ich wollte nicht beobachten müssen, wie es von Ungeheuern überrannt wurde.

Doch genau das schien bevorzustehen. Moaradrid hatte eine Waffe gefunden, gegen die sich die Castovalaner nicht wehren konnten.

Später, als der Himmel etwas heller geworden war und ein düsteres Holzkohlengrau zeigte, schürte Lugos das Feuer und erhitzte Suppe, die er dann in schmutzigen Holznäpfen verteilte. In einem Anfall von Wohltätigkeit - oder vielleicht Defätismus - teilte ich Brot und Fleisch mit meinen nächsten Kameraden und bekam dafür ein bisschen laue Dankbarkeit. Die meisten von ihnen hatten eine so seltsame Aussprache, dass es sich genauso gut um Fremdsprachen hätte handeln können. Wir waren eine Gruppe von Fremden, landauf und landab eingesammelt, verbunden nur durch unsere Zukunft, die aller Wahrscheinlichkeit nach sehr kurz sein würde. Kein Wunder, dass eine eher gedrückte Stimmung herrschte.

Die Suppe - hauptsächlich Wasser und Reis, mit ein paar Rübenstücken und dem einen oder anderen Brocken Ziegenfleisch - wärmte wenigstens, und mein Appetit machte sie besser, als sie in Wirklichkeit war. Zusammen mit den Dingen, die ich beim Kartenspiel gewonnen hatte, füllte sie mir den Magen, und zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte ich mich gesättigt. Wenigstens musste ich nicht hungernd sterben.

Wir waren gerade mit dem Essen fertig, als Lugos - der inzwischen ein Kettenhemd und einen recht mitgenommen aussehenden Lederhelm trug - näher zum Feuer trat und rief: »Hört her, Fünfte Freiwillige.«

Ich nahm an, dass er damit uns meinte.

»Wir ziehen bald in die Schlacht. Es wird nicht lustig werden, aber wenn ihr euer Bestes gebt, überlebt ihr vielleicht. Versucht nicht wegzulaufen. Es werden Bogenschützen in der Nähe sein, die dafür sorgen, dass ihr nicht weit kommt. Was am wichtigsten ist: Haltet euch vom Riesen fern. Er gehorcht nur drei Leuten: Moaradrid, Leon und mir. Alle anderen zertrampelt er einfach, wenn sie ihm in den Weg geraten. Das ist alles. Kämpft wie die Mistkerle, die ihr seid.«

Es war nicht unbedingt die bewegendste Ansprache, die ich je gehört hatte, aber sie lenkte meine Gedanken zurück zu dem Koloss namens Salzleck. Wir Castovalaner wussten rein theoretisch, dass es diese Riesen gab, irgendwo hoch oben in den südlichen Bergen, aber sie hatten sich immer um ihre eigenen Angelegenheiten gekümmert, und wir waren immer der Meinung gewesen, dass man es besser dabei beließ. Wir störten die Riesen nicht, und die Riesen störten uns nicht - so war es über Generationen hinweg gewesen, bis sich ihre Existenz in fast so etwas wie eine Legende verwandelt hatte. Was konnte sie ins Castoval gebracht haben? Mit welchen Versprechungen oder Drohungen hatte Moaradrid sie zu Werkzeugen seiner Sache gemacht?

Die Sonne stand dicht unter dem Horizont, und der Himmel überzog sich mit einem deprimierenden Grau. Über den Hügeln und Vorbergen präsentierte er einen Hauch von Gelb, aber über uns war er noch fast schwarz. Es herrschte die Art von Zwielicht, die es schwer macht, Einzelheiten zu erkennen, doch den Riesen sah ich ganz deutlich. Er stand abseits der anderen, auf einer großen Lichtung inmitten eines Waldes aus Körpern. Lugos' Anweisungen schienen überflüssig zu sein, denn es wagte sich ohnehin niemand in Salzlecks Nähe. Er war so groß wie zwei große Männer und ungefähr genauso breit. Im grauen Licht wirkte er nur etwas weniger wie ein Fels als im Mondschein.

Lugos gab sich, was uns betraf, keinen Illusionen hin. Er hielt uns für Leute, die bei der ersten guten Gelegenheit fliehen würden, und da täuschte er sich nicht. Er versuchte gar nicht erst, uns das Verhalten von Berufssoldaten beizubringen, oder irgendwelcher Soldaten. Er hatte zwei Helfer von den Regulären, beide mit Bögen und Kurzschwertern bewaffnet. Einige von uns trugen ebenfalls Waffen, Keulen und Stäbe aus Holz. Wären wir etwas weniger mutlos gewesen, hätte wir vielleicht einen Aufstand in Erwägung ziehen können. Was mich betraf: Ich wäre sofort bereit gewesen, mein beim Kartenspiel gewonnenes Messer in Lugos' Hals zu stoßen. Aber was hätte es genützt? Mitten in Moaradrids Lager und mit dem in der Nähe aufragenden Riesen wären wir nicht weit gekommen

Also befolgten wir Lugos' Befehle, soweit er uns welche gab. Er ließ uns in zwei nicht sehr geraden Reihen antreten, und nach einem kurzen Gespräch mit einem anderen Offizier, der vom Gros der Streitmacht zu uns geritten war, schickte er uns im Dauerlauf los, seitlich den Hang hinauf nach Norden.

Unten war es noch dunkel, und in Hinsicht auf die Aufstellung der beiden Heere konnte ich nicht viel erkennen. Fahnen und Standarten zeigten sich als bunte Flecken im Lager der Verteidiger, aber Moaradrid schien von solchen Dingen nicht viel zu halten; er benutzte vielleicht andere Methoden für die Kennzeichnung der einzelnen Gruppen seiner Streitmacht. Er hatte sein ganzes Heer am östlichen Flussufer zusammengezogen, wohingegen die Castovalaner eine kleine Streitmacht auf der westlichen Seite des Casto Mara hatten; ihre Abwehrreihe war rings um die Brücke postiert. Diese Brücke war die einzige Sache weit und breit, die einen strategischen Wert besaß, es sei denn, dass Reis und Oliven bei der Strategie der einen oder anderen Seite wichtige Rollen spielten. Die castovalanische Streitmacht, vor allem Milizen aus den Städten, bestand größtenteils aus Kavalleristen und war schnell genug, um sich vom Gegner abzusetzen und die Brücke zu zerstören, wenn sich das Kriegsglück gegen sie wenden sollte. Ich hielt den Plan für gut, soweit ich ihn beurteilen konnte, denn er berücksichtigte sowohl die Vorteile der Castovalaner als auch das Terrain.

Meine Landsleute hatten trotzdem keine Chance.

Was uns betraf . Unsere Aufgabe wurde schnell klar. Als wir schließlich anhielten, bemerkte ich rechts von uns zwei weitere Gruppen aus schmuddeligen Freiwilligen. Lugos ließ uns vier Reihen bilden, und der Riese baute sich trampelnd hinter uns auf; Leon klammerte sich kniend an eine Plattform über seinen Schultern. Die anderen Gruppen formierten sich ähnlich, und zusammen deckten wir ein ganzes Stück des Hanges ab. Wir bildeten einen Kordon, der die Verteidiger daran hindern sollte, in die Berge zu fliehen. Es spielte keine Rolle, ob wir zu kämpfen verstanden oder nicht. Während die Castovalaner uns unter sich zertraten, würden die Verfolger herankommen und sie von hinten niedermetzeln.

Im Tal geschah etwas. Hörner erklangen. Ein dumpfes Dröhnen begann und wurde immer lauter, bis ich begriff, dass es von stampfenden Füßen und Hufschlägen stammte. Im gleichen Moment begann es zu nieseln, und die Sonne stieg über den Horizont, tödlich blass und wie geschrumpft in ihrer Decke aus Wolken.

Die beiden Heere trafen mit einem Radau aufeinander, der zwischen den Bergen widerhallte und selbst in unserer Höhe noch erstaunlich laut war. Das Klirren von Metall gesellte sich dem Stampfen hinzu. Die beiden dunklen Massen wogten und vermischten sich, bis es nicht mehr möglich war, Freund von Feind zu unterscheiden, oder festzustellen, wer sich gegen wen durchsetzte.

Moaradrid verstand sein Handwerk. Welchen besseren Zeitpunkt als das Morgengrauen hätte er für den Angriff seiner Truppen wählen können als diese Düsternis, aus der plötzlich monströse Gestalten drangen? Hatte er auch den Regen eingeplant? Er fiel jetzt stärker von einem Himmel, der wieder dunkel geworden war, fast so dunkel wie in der Nacht. Nur gelegentlich tat sich eine Lücke auf, durch die die Sonne etwas Licht auf die Erde schickte.

Ich weiß nicht, wie viel Zeit verging. Zeit schien plötzlich keine Rolle mehr zu spielen. Doch irgendwann zeichnete sich die Niederlage der Verteidiger ab. Mir fehlte...

»Ein Schelmenroman trotz Fantasygewand, man meint Till Eulenspiegel, den braven Soldaten Schwejk und vielleicht sogar den Piraten Jack Sparrow reden zu hören.«, Wiener Journal, 24.05.2013
 
»Ist Easie Damasko >der überzeugendste Held seit Captain Sparrow<, wie der Rücktitel behauptet? Ja, ist er. Mindestens. Weil sich die Bilder, die der Piratenfilm den Augen liefert, beim Leser von >Im Schatten der Giganten< ganz von selbst im Kopf einstellen. Noch bunter und abwegiger als alles, was noch aus der Karibik kommen könnte.«, Read Me
 
»spritzig und pfiffig«, phantastisch!

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