Lioness

Wohin dein Herz dich führt
 
 
Oetinger (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Mai 2020
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86418-104-7 (ISBN)
 
Wo ist dein Zuhause, wenn du aus zwei Welten kommst?
Ihr Wald. Grün, abgeschieden, friedlich. Hier lebt die 16-jährige Borka inmitten eines Löwenrudels.
Der Königshof. Laut, machthungrig, grausam. Hier lebt Prinz Fjodor, der sich als Thronfolger im Kampf gegen zwei Löwen behaupten soll.
Beide Welten krachen an einem schicksalhaften Tag aufeinander, und Borkas Leben ändert sich für immer. Wohin gehört sie? Und wird sie jemals die Wahrheit über ihre Vergangenheit herausfinden?
Zwei Welten, ein Prinz, ein Löwenmädchen: Romantasy, wie du sie noch nie gelesen hast
  • Deutsch
  • Hamburg
  • |
  • Deutschland
  • 1,33 MB
978-3-86418-104-7 (9783864181047)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Kathy Tailor wurde 1987 im schönen Saarland geboren. Im Alter von vier Jahren beschloss sie, etwas für die Völkerverständigung zu tun und ins verfeindete Rheinland-Pfalz zu ziehen. Dort lebt sie nun nach einer kurzen Unterbrechung für ihr Musicalstudium wieder, mit Hund, Freund und zwei Mitbewohnern. Sie arbeitet als freie Schauspielerin, Sängerin und Schauspieldozentin für Kinder und Jugendliche. Neben dem Theater sind Bücher ihre große Leidenschaft und sie ist sehr glücklich, dass nach vielen Kurzgeschichten mit "Disappeared" nun ihr erster Roman erscheint.
Kathy freut sich über Austausch mit ihren Lesern auf Instagram, wo sie unter kathytailor.autorin über ihren Schreiballtag berichtet.

1. Kapitel


Flammen.

Sie sind überall.

Lecken mit ihren glühend heißen Zungen an meiner Haut. Färben sie rot.

Ich schlage wie wild um mich. Will sie daran hindern, mich vollständig zu verschlingen. Mich aufzufressen.

Hinter mir höre ich Stampfen, Trampeln. Panik, die sich in gellenden Schreien entlädt.

»Raus hier!«, brüllt jemand in meiner Nähe, doch als ich hinsehe, ist da niemand.

Die Flammen erreichen meinen Nacken, meine Ohren, mein Haar. Ein Zischen. Dann rahmt eine Mähne aus goldenem Feuer mein Gesicht ein.

Ich trommele mir mit den Fäusten auf den Kopf, um es zu bändigen. Doch statt sich zurückzuziehen, greift das Feuer nun auf meine Hände über. Meine Arme. Bis schließlich mein ganzer Körper in Flammen aufgeht.

Der Schmerz explodiert in mir. Es fühlt sich an, als würden auch meine Eingeweide verbrennen. Ich will um Hilfe schreien, aber das Feuer versiegelt meinen Mund.

Jemand packt meinen Arm. Ich kann nicht sehen, wer es ist. Der Griff der schemenhaften Gestalt ist wie ein Schraubstock. Sie zerrt an mir. Hat nicht die Absicht, mich hier zurückzulassen.

Blindlings stolpere ich hinter ihr her.

Ich bekomme kaum noch Luft.

Wohin gehen wir? Der Rauch, der mich umgibt, ist undurchdringlich. Ich kann kaum noch etwas sehen.

Doch ich lasse mich von der Gestalt mitziehen.

Welche Wahl habe ich denn, als ihr zu vertrauen?

 

Wieder leckt etwas über meine Haut. Eine weitere Flamme!

Doch sie ist rau und nur lauwarm. Außerdem ist sie nass.

Irgendetwas stimmt da nicht.

Ich reiße die Hände hoch, versuche, die feuchte Flamme von meinem Gesicht wegzustoßen, und bekomme stattdessen etwas Weiches, Warmes zu fassen.

Direkt über mir.

Erschrocken reiße ich die Augen auf und starre in zwei große, eisblaue Kreise.

Sekundenbruchteile später schleckt meine Schwester mir schon wieder mit ihrer rauen Zunge übers Gesicht.

Finja, lass das, knurre ich und bemühe mich vergebens, dabei entrüstet zu klingen. Finja reibt ihren kleinen Kopf an meinem. Sie schnurrt zutraulich.

Hey, hey, Vorsicht, Kleine!

Der Druck ihres Kopfes wird stärker. Sie weiß noch nicht, wie sie mit ihrer Kraft umgehen soll. Nicht mehr lange, und sie wird um ein Vielfaches stärker sein als ich.

Ist ja gut, ich liebe dich auch. Lachend schlinge ich meine Arme um Finja und presse meine Stirn in die warme Kuhle zwischen ihrem Hals und ihrem Schulterblatt.

Finja lässt ein keckes Fauchen hören. Sie hat keine Lust, zu schmusen. Sie will spielen.

Aber dafür bin ich noch viel zu müde.

Ich lasse sie los und wehre ihre Schnauze ab, mit der sie immer wieder gegen mich stupst.

Später, Kleine. Erst mal muss ich richtig wach werden.

Gähnend rappele ich mich hoch und knete meinen Nacken. Irgendwie war der Waldboden früher bequemer. Oder lag es daran, dass ich als kleines Mädchen immer auf Mamas Beine gebettet geschlafen habe?

At - ta - cke! Lautes Gebrüll durchbricht die morgendliche Stille des Waldes, und schon treffen zwei riesige Tatzen auf meinen Rücken und lassen mich vornüberkippen.

Es gelingt mir gerade noch, den Sturz mit den Händen abzufedern, doch an Aufstehen ist nicht mehr zu denken.

Ich lasse ein Grollen tief aus meiner Kehle erklingen. Timur, lass den Blödsinn! Jemanden anzugreifen, der einem den Rücken zukehrt, ist feige.

Timur wirft den Kopf nach hinten und knurrt spielerisch. Deine Reaktionen waren auch schon mal besser, Borka.

Geh runter von mir, du bist zu schwer!

Aber es ist gerade so bequem hier oben. Ein triumphierendes Brüllen. Mein Bruder verstärkt den Druck seiner Tatzen.

Lass mich gefälligst los, Timur!

Sonst was?

Runter von mir! Sofort!

Von der Seite kommt Finja angetrottet. Interessiert beäugt sie Timur, der mich ohne jede Anstrengung am Boden hält, als sei ich eine Feder.

Finja, hilf mir! Unter Timurs Gewicht klingt mein Knurren erstickt. Finja versteht nicht, was ich von ihr will. Voller Freude umrundet sie Timur und mich immer wieder aufs Neue.

Timur lässt ein stolzes Brüllen hören. Schau nur gut zu, Kleine. In einem halben Jahr kannst du das auch.

Ich fluche innerlich. Wann war noch gleich der Zeitpunkt, da mein kleiner Bruder so schwer und so stark geworden ist, dass unsere Kämpfe fast immer zu seinen Gunsten ausgehen? Früher war ich diejenige, die ihn mit Leichtigkeit überwältigen konnte.

Na los, Borka, steh schon auf, feixt Timur.

Mit aller Kraft stemme ich meinen Rücken gegen seine Tatzen. Doch ebenso gut hätte ich versuchen können, einen Baum mit bloßen Händen umzuknicken.

Finja lässt ein fröhliches Glucksen hören.

Ein Wort von dir, Borka, und ich lasse dich los.

Was?

Sag es: Timur ist der beste, stärkste und schlauste Bruder auf der ganzen Welt.

Mit meinem gesamten Körpergewicht drücke ich gegen seine Tatzen. Das - ist - mehr - als - ein - Wort!

Hm, du musst wohl noch ein bisschen darüber nachdenken. Timur legt nun seinen Oberkörper auf mir ab. Sich mit dem gesamten Körpergewicht auf mir niederzulassen, traut er sich nicht mehr, seit ich im vergangenen Winter fast von ihm zerdrückt worden wäre, nachdem er einen Wachstumsschub gehabt hatte und sich nicht im Klaren darüber war, dass ein ausgewachsener Löwe zu schwer für menschliche Knochen ist.

Ich schleudere ihm alle Flüche, die mir einfallen, entgegen, doch es lässt ihn völlig kalt.

Es ist so gemütlich hier oben. Viel besser als der kalte Waldboden.

Finja stupst mich mit ihrer Nase an.

Ich knurre unwillig. Es ist gerade wirklich ungünstig. Ich spiele später mit dir.

Finja lässt die Ohren hängen, wendet sich ihrem Schwanz zu und versucht, ihn mit dem Maul zu fassen zu kriegen.

Ich warte, brummt Timur ganz leise in mein linkes Ohr. Dabei kitzelt mich der leichte Ansatz seiner Mähne. Nicht mehr lange, dann wird sie sein gesamtes Haupt umrahmen. Schon jetzt feiert mein Bruder jedes einzelne Haar, als sei es sein eigenes Verdienst, dass es sprießt.

Die Mähne! Das ist es!

So gut ich kann, winde ich meinen rechten Arm unter Timurs und meinem eigenen Körper hervor. Mein Bruder hat inzwischen seinen Kopf neben mir auf dem moosbewachsenen Boden abgelegt und lässt übertrieben laute Schnarchgeräusche hören. Hach, so schläft es sich wirklich gut. Das machen wir in Zukunft immer so. Langsam, ganz langsam hebe ich meinen Arm. Viel Spielraum habe ich nicht, ohne mir den Arm komplett zu verdrehen. Ich strecke meine Finger aus und kann nun Timurs Mähne ertasten.

Ohne zu zögern, packe ich ein dickes Haarbüschel und ziehe daran. Timur heult auf. Seine rechte Vordertatze schnellt zu der Stelle vor, als wolle er sichergehen, dass der entstandene Schaden nicht zu groß ist.

Diesen Moment nutze ich, um meinen Körper zur Seite zu rollen. Schon ist mein Bruder wieder über mir. Das war gemein!

Ich schaffe noch eine Umdrehung, liege nun auf dem Rücken. Das musst du gerade sagen.

Timurs Tatzen lasten auf meinem Brustkorb. Du musst deine Augen eben überall haben, Borka. Die Welt ist voller Gefahren. Jederzeit könnte dich jemand von hinten angreifen.

Also hast du mir im Grunde nur einen Gefallen getan?

Ja klar, ich bereite dich nur aufs Leben vor. Er wirft übermütig den Kopf in den Nacken.

Ich bin sechzehn Jahre älter als du, entgegne ich und versuche mit beiden Händen, seine Pfoten von mir herunterzuschieben, doch sie lassen sich keinen Millimeter bewegen.

Menschenjahre, Borka, Menschenjahre. Mama hat gesagt .

. dass das was anderes ist, ich weiß!

Umgerechnet bin ich also mindestens genauso alt wie du. Und fünfmal so stark.

Darauf würde ich nicht wetten.

Ich stöhne vor Anstrengung auf, während ich vergeblich an seiner linken Tatze zerre.

Timur mustert mich belustigt. Ich schon.

Also schön, ich gebe auf, keuche ich, du bist .

Der beste, schlauste und stärkste Bruder auf der ganzen Welt, souffliert er mir. Seine Lefzen sind siegessicher nach oben gezogen.

Der beste ., knurre ich und ziehe dabei meine Knie unter seinem Körper bis an meinen Brustkorb heran, schlauste ., spanne sämtliche Muskeln an, und stärkste ., grabe meine Füße in Timurs Bauch, stemme mich dagegen und schaffe es schließlich, ihn mit einem lauten Brüllen auf den Waldboden neben mir zu befördern, . Verlierer der ganzen Welt!

Eilig springe ich auf die Füße und lasse meinen Bruder nicht mehr aus den Augen.

Das war nicht schlecht. Timur taxiert mich anerkennend. Auch wenn es ganz schön lange gedauert hat. In einem echten Kampf hättest du keine Chance gehabt. Er schüttelt sich, und ein paar Blätter rieseln aus seiner Mähne auf den Boden. Finja springt sofort darauf zu und versucht, sie aus der Luft zu schnappen.

Wie gut, dass ich dich habe und du mich im Falle eines echten Kampfes beschützen kannst. Ich zwinkere Timur zu und sehe, wie seine Brust anschwillt. Meine Anerkennung bedeutet ihm mehr, als er je zugeben würde. Auch wenn er noch so lässig tut, bin ich immer noch seine große Schwester. Die, die er in den ersten Monaten seines Lebens richtiggehend...

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