Tödliche Spreewald-Liebe

und 13 weitere authentische Kriminalfälle
 
 
Bild und Heimat Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2018
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95958-765-5 (ISBN)
 
Tragisches Familiendrama in der Spreewald-Stadt Lübbenau: Am 27. September 1989 lässt sich Mario. H. von seiner schizophrenen Ehefrau dazu verleiten,
ihr beim Selbstmord zu helfen. - Im beschaulichen Lindow tötet 1984 ein junger Mann aus Frustration seine 92 Jahre alte Vermieterin, weil er seine sadistischen Sexfantasien nicht ausleben konnte. - An einem schönen Sommertag geht ein zwölfjähriges Mädchen am idyllischen Pinnower See spazieren. Es ist ihr letzter Spaziergang. Mit schweren Kopfverletzungen wird sie am Abend
am Seeufer gefunden. Die Ärzte im Cottbuser Krankenhaus kämpfen verzweifelt um ihr Leben. Vergeblich.
Wolfgang Swat hat erneut Kriminalfälle aus der DDR gesammelt und die alten Verbrechen gewohnt versiert von allen Seiten beleuchtet - spannend und auch nach vielen Jahren noch aufwühlend.
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 2,23 MB
978-3-95958-765-5 (9783959587655)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Wolfgang Swat, geboren 1948 in Hoyerswerda, war Journalist bei der Lausitzer Rundschau und berichtete auch über Mordfälle in der Gegend. Bereits sein erstes Buch Der Tote in der Wäschetruhe (2010) war sehr erfolgreich. Zuletzt bei Bild und Heimat: Die Schneeleiche von Lübbenau (2016).

Mädchenmord am Pinnower See

Der Naturpark Schlaubetal südöstlich von Berlin im Land Brandenburg ist ein kleines Paradies für Wanderfreunde, Wassersportler und Badelustige. Mit seinen 230 Quadratkilometern reicht er von Müllrose im Norden bis Drewitz/Jänschwalde im Süden, und von Grunow-Dammendorf im Westen bis nach Bomsdorf im Osten. Ausgedehnte Kiefern-, Buchen- und Eichenwälder sowie zahlreiche Feuchtwiesen mit einer Vielzahl geschützter Pflanzen- und seltener Vogelarten prägen das Gebiet. Fisch- und Seeadler, Eisvogel und Schwarzstorch sind hier zu Hause.

Einer Perlenkette gleich reihen sich im Schlaubetal Seen aneinander: Der Kleinsee bei Drewitz und der Großsee bei Tauer gehören ebenso dazu wie der Göhlensee, Pastlingsee, Schenkendöberner See oder der Pinnower See. Der Pinnower See liegt am südlichen Rand des Naturparks. Von Cottbus aus sind es 40 Kilometer bis zu dem 54 Hektar großen Gewässer, von Guben, der Stadt an der Neißegrenze zu Polen, sogar nur gut 15 Kilometer. Zahlreiche Bungalows stehen in Seenähe, die Campingplätze sind im Sommer gutbesucht. Tausende finden hier Jahr für Jahr Ruhe, Entspannung und Erholung.

Im Juli 1995 verbringen die Schwestern Yvonne und Kornelia Ludrichs ein paar Tage im Häuschen der Großeltern am Nordufer des Pinnower Sees. Obwohl Sommerferien in Brandenburg sind, ist es hier weniger betriebsam als am Campingplatz, der sich entlang der Südseite des Sees erstreckt.

Es ist Sonntag, der 16. Juli 1995. Am Nachmittag gegen 16 Uhr entschließen sich die Schwestern Yvonne und Kornelia zu einem Bummel am See. Der Campingplatz könnte ein Ziel sein, doch entschieden haben sich die Mädchen nicht. Sie gehen an der Westseite entlang. Ein Pfad führt zwischen See und Teerofenstraße durch ein Wäldchen. Im Schilf ist eine Bresche geschlagen für eine Badestelle, die meistens von Familie Kohlack genutzt wird.

So richtig begeistern können sich die Mädchen nicht am Spaziergang. »Komm, lass uns zurückgehen«, fordert Kornelia. »Ich bleibe noch kurz am See und komme gleich nach«, entgegnet Yvonne. Ihre Schwester macht kehrt und ist wenig später wieder am großelterlichen Bungalow.

Erna Kohlack wohnt ganz in der Nähe in einem Bauernhaus mit Grundstück und Scheune. Heu lagert darin, aber auch allerlei Dinge, die man braucht zur Bewirtschaftung des Anwesens, und Gerümpel, das sich in den Jahren angesammelt hat. Das Haus aus rotem Backstein ist in die Jahre gekommen. Auf dem Hof gibt es eine Pumpe zum Wasserschöpfen. Und einen Hackklotz zum Zerkleinern des Brennholzes. Die Fenster sind klein und hängen etwas schief in den Scharnieren. Die Zimmer werden mit Holz und Kohle über Kachelöfen beheizt. Alles bewahrt dennoch Charme, jetzt, im Sommer ganz besonders.

Vor fast 30 Jahren zogen Kohlacks von Peitz, der Fischer- und Festungsstadt mit dem Kraftwerk Jänsch­walde in der Nachbarschaft, mit Kind und Kegel ins beschauliche Pinnow in das Haus am See. Sohn Jürgen hängt sehr an diesem Zuhause seiner Kinder- und Jugendzeit. Inzwischen hat er eine Familie und wohnt mit ihr in einem Mehrfamilienhaus in Guben, der Stadt, in der Wilhelm Pieck geboren wurde und die nach dem Tod des ersten Präsidenten der Deutschen Demokratischen Republik bis 1990 dessen Ehrennamen trug. Jürgen Kohlack verbringt im Sommer fast jedes Wochenende mit seiner Familie, seiner Ehefrau Melanie und den Kindern, im Haus seiner Mutter am Pinnower See.

Sonntag, 16. Juli 1995, 17 Uhr. Harald Ludrichs wird nervös. Fast im Minutentakt hat der Stiefvater von Yvonne zuletzt aus dem Fenster des Bungalows hinausgeschaut in Richtung Westufer. Das Kind müsste doch endlich auftauchen! Dass sein zwölfjähriges Mädchen zum Campingplatz gelaufen ist, kann er sich nicht vorstellen. Zumal sie ihrer Schwester sagte, dass sie nur noch kurz zum Wasser hinuntergehen wollte.

Harald Ludrichs macht sich auf den Weg in Richtung Campingplatz. Doch wo er auch sucht, wen er auch fragt, Yvonne ist wie vom Erdboden verschluckt. Angst steigt in ihm auf. Der Vater informiert die Polizei über das Verschwinden des Mädchens. Feuerwehrleute aus Guben und Pinnow sowie Angehörige der Wasserwacht werden alarmiert. Bewohner der Bungalowsiedlung schauen sich um. Eine provisorische Einsatzleitung koordiniert die Suche. Als ein Camper auf einen herrenlos auf dem See treibenden Kahn aufmerksam macht, ist Schlimmstes zu befürchten. Mit einem Boot der Wasserwacht wird der See, so gut es jetzt, gegen 22 Uhr, noch geht, in immer weiter gezogenen Kreisen abgesucht. Vergeblich.

Bei der Einsatzleitung meldet sich ein Ehepaar. Bei einem Seespaziergang am Nachmittag hat es am West­ufer etwas gehört, einen Schrei, vielleicht sei es auch ein Lachen gewesen, berichtet der Mann. »Ich habe auf die Uhr geschaut. Es war um 16.40 Uhr«, erinnert sich der Zeuge. »Das hat sich komisch angehört. Meine Frau und ich haben uns aber beruhigt und gedacht, dass wir ein Liebespaar aufgeschreckt haben, und sind weitergegangen.«

Die Einsatzleitung beordert umgehend eine Fahrzeugbesatzung an den Ort. Die Stelle, zu der das Ehepaar weist, ist alles andere als idyllisch. Dürre Bäumchen wachsen hier, Strauchwerk und Brennnesseln erschweren das Laufen. Schon wollen die Suchenden aufgeben, als einer von ihnen hinter einem abgelagerten Heuhaufen Atemgeräusche wahrnimmt. Stammen sie von aufgeschrecktem Wild? Danach hört es sich nicht an. Und Rehe hätten doch längst Reißaus genommen. Im Licht eines Handscheinwerfers erblickt der Feuerwehrmann die Beine eines Kindes. Es sind die von Yvonne. Das Mädchen liegt in einer Erdmulde. Es ist bewusstlos. Die Fundstelle befindet sich nur tausend Meter entfernt vom Bungalow der Großeltern. Dass das Kind Opfer eines Verbrechens geworden ist, daran gibt es kaum Zweifel. Die Zwölfjährige wird mit schwersten Kopfverletzungen ins Carl-Thiem-Klinikum nach Cottbus gebracht. Im Krankenhaus wird der Verdacht zur Gewissheit. Die massiven Verletzungen können nur von Schlägen mit einem Gegenstand oder von Fußtritten stammen. Auch Würgemale am Hals und Verletzungen im Intimbereich sind Belege, dass Yvonne Opfer eines Verbrechens wurde.

Am nächsten Tag, nach der medizinischen Versorgung auf der Intensivstation, begutachtet eine Gerichtsmedizinerin das immer noch im Koma liegende Opfer. Dabei stellt die erfahrene Ärztin eine 1,5 Zentimeter lange Risswunde im Bereich der rechten Augenbraue fest, die etwa einen Millimeter tief ist. Die angesichts des lebensbedrohlichen Zustandes des Kindes eher nebensächliche und scheinbar unbedeutende Entdeckung wird dennoch im Untersuchungsprotokoll notiert.

In Cottbus übernimmt das 1. Kommissariat des Polizeipräsidiums, wie die Morduntersuchungskommission seit der Wende offiziell heißt, die Ermittlungen. Eine 48-köpfige Sonderkommission sucht nach dem Täter. In der Regionalzeitung Lausitzer Rundschau und in anderen, auch überregionalen Medien wird die Bevölkerung um Mithilfe zur Ermittlung des Täters gebeten. Aushänge an Badestellen, in Gaststätten und auf Campinganlagen rund um den Pinnower See informieren über das Verbrechen. Zusätzlich wird das Mithilfeersuchen der Polizei durch Lautsprecherdurchsagen verbreitet.

DIE KRIMINALPOLIZEI BITTET UM MITHILFE!

In den späten Abendstunden des 16.07.95 (Sonntag) wurde ein 12-jähriges Mädchen am Westufer des Pinnower Sees mit schwersten Kopfverletzungen aufgefunden. Es ist von einem Verbrechen auszugehen. Das Mädchen hatte sich mehrere Tage im Bungalow seiner Großeltern am Nordufer aufgehalten.

Zur Personenbeschreibung des Mädchens:

1,65 m groß und schlank

Blondes, bis zur Hälfte des Rückens reichendes glattes Haar, auf den Schultern aufliegend

Bekleidung:

rot-blauer Badeanzug

darüber ein weißes T-Shirt mit Fransen an den Ärmeln und am Bund

im Brustbereich des T-Shirts ein aufgedrucktes Motiv (Mädchenkopf mit Krempenhut)

Am Sonntag, dem 23.07.1995, in der Zeit von 10.00 bis 13.00 Uhr, werden Kriminalbeamte des Polizeipräsidiums Cottbus auf der Zufahrtsstraße zur Bungalow­siedlung Nordufer anwesend sein.

Alle Bewohner der Siedlung, aber auch andere Bürger, die zweckdienliche Angaben machen können, werden gebeten, sich am 23.07.95 direkt an die Kriminalbeamten zu wenden.

Auf Wunsch werden die Angaben auch vertraulich behandelt.

Jeder noch so kleine Hinweis kann wichtig sein!

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass der Täter wahrscheinlich unter den Anwohnern des Sees oder den Wochenendurlaubern zu suchen ist. Inzwischen ist es die Fahndung nach dem Mörder. Acht Tage nach der Tat, am 24. Juli 1995, stirbt Yvonne im Cottbuser Krankenhaus an den schweren Verletzungen. Zu Bewusstsein ist sie nicht mehr gekommen.

Im Laufe der Ermittlungen geht die Polizei über 300 Hinweisen nach. Vielversprechend scheint die Beobachtung eines Zeugen zu sein, der am Tattag gegen 16.40 Uhr einen ungefähr 18- bis 21-jährigen Mann mit kurzen, dunklen Haaren am See gesehen hat. Nach den Angaben des Augenzeugen fertigt die Polizei ein Phantombild an, das die Lausitzer Rundschau, die Bild-Zeitung und andere Medien veröffentlichen. Der Täter soll mit einem metallic-silbernen oder metallic-grauen älteren BMW unterwegs gewesen sein. Hatte er auf Yvonne gewartet? Die Staatsanwaltschaft lobt zur Ergreifung des Täters 3.000 D-Mark aus.

Weiter bringt es die Kripo allerdings nicht. Der BMW-Fahrer wird nie gefunden. Als in Neuruppin ein 34 Jahre alter Mann aus dem...

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