Du hast alle Zeit der Welt

Achtsam und gelassen leben in einer Welt voller Hast und Eile
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. November 2011
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06127-2 (ISBN)
 
Der sichere Weg, um Stress und Hektik ins Nirwana zu schicken
Man hetzt durchs Leben, eilt von Termin zu Termin. Die Anforderungen des modernen Alltags wachsen einem über den Kopf, und immer bleibt etwas ungetan liegen ...
»Das muss nicht sein!«, meint Lama Surya Das. Denn eigentlich haben wir alle Zeit der Welt, um unsere Aufgaben ruhig und gelassen zu bewältigen - und zum wirklichen Leben zurückzufinden. Authentisch, humorvoll und mit viel Einfühlungsvermögen zeigt Lama Surya Das, wie wir die Praxis der Achtsamkeit in unser geschäftiges Leben integrieren können. Indem wir dem gegenwärtigen Moment unsere volle Aufmerksamkeit schenken, beruhigen wir unseren Geist und setzen an der Wurzel von Stress und Leistungsdruck an: bei unseren eigenen Gedanken, die von Hektik und Unruhe befallen sind.
Ein Buch von höchstem lebenspraktischem Wert für alle, die aus dem Hamsterrad des Alltagstrubels aussteigen wollen. Mit einfachen und wirksamen Übungen, um in allen Bereichen des Lebens Achtsamkeit zu praktizieren.
Wirkungsvolle, spirituelle Lebenshilfe im Trubel des Alltags - keineswegs nur für praktizierende Buddhisten.


Lama Surya Das geb. als Jeffrey Miller, studiert seit über 30 Jahren Zen, Vipassana, Yoga und den tibetischen Buddhismus. Als einer der ersten autorisierten westlichen Lamas zählt er heute zu den führenden buddhistischen Lehrern. Er leitet Meditations-Retreats und unterrichtet an Universitäten und spirituellen Zentren. Zusammen mit dem Dalai Lama gründete er das 'Western Buddhist Teachers Network'.
  • Deutsch
  • 0,53 MB
978-3-641-06127-2 (9783641061272)
364106127X (364106127X)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Die Wiederbegegnung mit der natürlichen Zeit

Rosalinde: Sagt mir doch, was ist die Glocke?

Orlando: Ihr solltet mich fragen, was ist's an der Zeit;
es gibt keine Glocke im Walde.

William Shakespeare, Wie es euch gefällt (III, 2)
(Übersetzung: August Wilhelm von Schlegel)

Aus der Schweiz, jenem schönen Land der Berge, kristallklaren Seen und reizenden Handwerksprodukte, kommt diese absonderliche Geschichte:

Gestern hat der Uhrmachermeister A.P. Simmerling sein Geschäft samt allen Uhren zerstört. Es entstand Sachschaden in Höhe von mehreren Hunderttausend Franken. Wie aus Simmerlings Umgebung verlautete, war er ein Perfektionist und ständig bemüht, sämtliche Uhren in seinem Laden zu synchronisieren. Die Einführung der Sommerzeit machte es notwendig, sämtliche Uhren zweimal im Jahr umzustellen, was sich als eine zu hohe Anforderung erwies. So wusste sich Herr Simmerling denn keinen anderen Rat mehr, als das gesamte Inventar seines Geschäfts mit dem Vorkriegsmodell einer Schwarzwälder Kuckucksuhr zu zerschmettern. Der Kuckuck selbst überlebte das Massaker wie durch ein Wunder. Auch eine friesische Standuhr gab noch eine Stunde über das Gemetzel hinaus letzte Lebenszeichen. Da traf es sich gut, dass es gleich in der Nähe eine Nervenheilanstalt gab, in der außer den Patienten auch sämtliche Uhren nicht richtig tickten. Als alle Uhren zum Schweigen und ihr Mann in sicheren Gewahrsam gebracht worden waren, vertraute Frau Simmerling den örtlichen Behörden ihre tiefe Erleichterung an.

Wenn wir Ordnung und Zeit allzu wichtig nehmen, kann uns das in den Wahnsinn treiben. Uhren haben wie die moderne Gesellschaft etwas Unpersönliches und Mechanisches, sodass wir manchmal gegen sie aufbegehren möchten. Sicher, im Allgemeinen zerschlagen wir dann nicht unsere Uhren wie der arme Herr Simmerling, aber der erste Schritt zu einem Leben in Buddha-Normalzeit besteht darin, dass wir uns aus der Tyrannei der künstlichen Zeit befreien. Wenn wir in den Einklang mit der Natur und dem rhythmischen Fluss der natürlichen Zeit zurückkehren, werden wir die Zyklen von Wachstum, Wandel, Verfall und Erneuerung in der Welt wiederentdecken und in unseren so geschäftigen Tagen mehr Bewusstheit und Verbundenheit finden.

Seit die Menschen durch Himmelsbeobachtungen die Tage, Monate und Jahre festzulegen gelernt haben, prägen wir dem Strom der Zeit unsere Ordnung auf. Kalender, Tierkreise und andere Neuerungen verhalfen uns zur Berechnung der Auf- und Untergangszeiten von Sonne und Mond und einem System der Verbindung von Himmelserscheinungen mit unserem irdischen Schicksal. Die Ägypter erfanden die Sonnen- und die Wasseruhr, mit der sie geordnete Abläufe in dieser frühen Gesellschaft sicherstellten. Den Chinesen verdanken wir den Sextanten, der Zeit- und Positionsbestimmung zu nautischen Zwecken anhand der Sternenbewegungen erlaubt. Die Inder entwickelten die Vorstellung des Kalpa, einer unvorstellbar langen Zeitspanne, verdeutlicht durch das Bild eines Vogels mit einem Seidentuch im Schnabel, der einmal im Jahr mit diesem Seidentuch über den Berg Sumeru streicht: Wenn der Berg abgetragen ist, wird damit das Ende des Kalpa erreicht sein. Und die größten Zeitmesser der alten Zeit, die Maya, hinterließen siebzehn Kalender, deren längster im Jahr 2012 abläuft. Die Inka dokumentierten die verstreichende Zeit in Form von hochkompliziert angelegten Knotenschnüren, von denen sich einige bis in unsere Zeit erhalten haben. Die Römer steuerten den Julianischen Kalender und das Schaltjahr bei. Die Briten schufen die Zeitzonen und die mittlere Greenwich-Zeit, und schließlich haben wir die besagte Kuckucksuhr, dann aus der Schweiz die juwelenbesetzte Armbanduhr und schließlich aus Amerika die Atomuhr und den Urknall, mit dem alles angefangen haben soll.

Bis zur Renaissance sind die Menschen alles in allem mit der natürlichen Zeit gegangen, sie haben sich an Tageslicht und Dunkelheit, an die Jahreszeiten und Gezeiten und die übrigen Zyklen auf der Erde und am Himmel gehalten. In der wohl größten Umbruchsphase unseres Zeitempfindens, während der industriellen Revolution, trat nicht nur die handwerkliche Fertigung vieler Güter hinter die maschinelle Produktion zurück, sondern die Zeit wurde als solche zu einem Rohstoff, und zwar zu einem rasch knapper und daher wertvoller werdenden Rohstoff. Die Welt schrumpft seitdem und dreht sich immer schneller, weil jeder schneller arbeitet, um immer mehr in immer weniger Zeit zu produzieren.

Das Kettencafé Starbucks hat jüngst noch einmal acht Sekunden von der durchschnittlichen Wartezeit an der Theke abgezwackt, einfach durch den Verzicht auf Unterschriften bei Kreditkartenzahlungen von unter fünfundzwanzig Dollar. Weitere vierzehn Sekunden sprangen durch den Wechsel zu größeren Eisportionierern heraus; jetzt müssen die Baristas für den großen Frappuccino nur noch einmal in den Eiskübel langen. Wenn Sie da für den morgendlichen Anschubser in der Schlange warten, wie es mir schon passiert ist, sind Sie für jede gesparte Minute dankbar. Aber wir müssen dieses halsbrecherische Vorgehen ja mit einem gewaltigen Faktor multiplizieren, und dann wird klar, dass der rasante Lebensstil, den wir uns da antrainieren, uns alle zwangsläufig unter Stress setzt.

Vom Morgen bis in die Nacht, von der Vorschule bis zum Ruhestand hetzen wir durchs Leben, um Zeit herauszuschlagen, schließlich sind wir ja verantwortungsbewusste Bürger. Aber wie wäre es, wenn wir nicht von der Zeit beherrscht würden? Wenn wir uns in dem Gefühl wiegen könnten, dass unsere Zeit und unser Leben uns gehören? Wenn wir sie zurückhaben wollen, müssen wir uns zuerst einmal wieder für die natürliche Zeit sensibilisieren, wir müssen zu den Rhythmen zurückfinden, nach denen Menschen hierzulande bis vor ein paar Jahrhunderten gelebt haben und nach denen viele Menschen in Entwicklungsländern heute noch leben. Solche sesshaften oder nomadisierenden Sippen und Stämme mögen ebenfalls auf Modernisierung, auf materiellen und technischen Fortschritt aus sein, aber sie haben sich ihre Achtung vor den uranfänglichen, ja zeitlosen Rhythmen der natürlichen Zeit noch bewahrt, und wir können viel von ihnen lernen.

Zeiteinteilung auf buddhistische Art

Ich glaube, ich beschäftige mich schon mein ganzes Leben lang mit der Zeit, aber rückblickend fällt mir auf, dass ich nicht immer mit der natürlichen Zeit verbunden war. Als Kind auf Long Island mit seinem Vorstadtcharakter war ich umtriebig und auf Wettkampfsport erpicht, das heißt, ich verlor die Uhr oder Stoppuhr nie aus den Augen. Mit zwanzig allerdings befand ich mich Tausende Kilometer entfernt von dort im staubigen, windgepeitschten indischen Rajasthan, wo ich zehn Tage lang schweigend in einer buddhistischen Tempelhalle meditierte. Ich war schon immer einer gewesen, der alles fest in der Hand haben musste, jede Stunde, jede Minute, ja jede Sekunde, und jetzt hatte ich mich auf einmal der Tatsache zu fügen, dass der Tag einfach aus zwölf bis fünfzehn Stunden Meditation bestand, lediglich unterteilt von den Tempelglocken. Während den Meditationszeiten herrschte vollkommenes Schweigen, außer wenn rezitiert wurde oder der Meditationsmeister am Abend einen fünfzigminütigen buddhistischen Vortrag hielt. Anfangs kam ich nicht gut damit zurecht, dass es nach der Mittagsmahlzeit nichts mehr zu essen gab. Zum Widerkäuen blieb allerdings bis zum nächsten Frühstück reichlich Zeit. Hier jedenfalls hörte und erfuhr ich am eigenen Leib, was der Buddha sagte: Um sich guter Gesundheit zu erfreuen, wahres Glück zu erfahren und allen Menschen Frieden zu bringen, musst du erst einmal den eigenen Geist disziplinieren und kultivieren.

Turbulenzen in der Heimat hatten mich hergeführt. Die Sechzigerjahre hatten die Welt auf den Kopf gestellt. Bomben fielen auf Reisbauern in Vietnam, und friedliche Mönche setzten sich auf offener Straße in Brand - meine ersten Bilder vom Buddhismus überhaupt. Ich wusste einfach nicht mehr, wie ich mein Leben fortsetzen sollte. Nach dem College kratzte ich alles zusammen, was ich an Geldgeschenken zum Examen bekommen oder von meinen Studentenjobs gespart hatte, ich verkaufte meine Gitarre, meine Schreibmaschine, meine Lehrbücher und bestieg ein Flugzeug nach Indien. Lauter Fragen schwirrten mir im Kopf herum. In dieser wahrhaft verkehrten Welt, in der letzte Antworten zu den Fragen der Liebe, des Friedens und des Lebenssinns von vier jungen Rockern aus Liverpool zu kommen schienen, war es nicht gerade einfach, Antworten einer tieferen Art zu bekommen. Mir war nicht bewusst, dass ich auf den Spuren der Beatles nach Indien kam, um mich Zeit, Raum und Ewigkeit zu stellen.

Ich legte nicht nur eine sehr weite Strecke auf der Erdoberfläche zurück, sondern tauchte, so schien es mir, in einem früheren Jahrhundert wieder auf, in einer vergessenen Zeit. Es begann in Indien und führte mich in die Berge des Himalajas, in die Welt des tibetischen Buddhismus, die etwas geradezu Mittelalterliches hatte. Die Ashrams und Klöster, in denen ich in den nächsten fünfundzwanzig Jahren meiner buddhistischen Schulung nachging, wurden noch gänzlich gemäß der Jahrhunderte alten Tradition des tibetischen Buddhismus geführt - ohne Zeitungen, Telefon, Zentralheizung, manche sogar ohne Strom und jegliche sanitäre Installationen. Aber wir alle, die wir da in fröhlichem Miteinander lebten und den großen Weg des Erwachens studierten und praktizierten, empfanden dankbar diese heitere Gelassenheit, den ganzen Reichtum im Innern. Wir sahen dieses einfache Leben auch nicht als etwas Temporäres...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

8,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen

Unsere Web-Seiten verwenden Cookies. Mit der weiteren Nutzung des WebShops erklären Sie sich damit einverstanden. Mehr Informationen zu Cookies finden Sie in unserem Datenschutzhinweis. Ok