Die Kupferhändlerin

Roman aus der Hansezeit
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Januar 2015
  • |
  • 352 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-98193-4 (ISBN)
 
Die Handelsherrin Anne Persdotter muss nach dem Einzug der Hanse ihre Geschäfte in Stockholm aufgeben. Als sie dem Kupferhändler Leonardo begegnet, ergeben sich jedoch neue Möglichkeiten. Anne und der attraktive Venezianer, die sich seit ihrem ersten Treffen unwiderstehlich voneinander angezogen fühlen, beschließen zusammenzuarbeiten. Gemeinsam brechen sie auf einem Schiff in Richtung Konstantinopel auf, um dort schwedisches Kupfer zu verkaufen. Doch unterwegs wird die Kogge von Piraten gekapert. Anne gerät in die Gewalt Klaus Störtebekers, der von der schönen Handelsherrin überaus fasziniert ist.
  • Deutsch
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Piper ebooks in Piper Verlag
  • 3,44 MB
978-3-492-98193-4 (9783492981934)
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Catharina Sundberg arbeitete viele Jahre als Meeresarchäologin und Historikerin. Nach Tätigkeiten in mehreren skandinavischen Museen besuchte sie die Journalistenhochschule in Göteborg und begann historische Romane zu schreiben, zuletzt »Gebrandmarkt«, »Die Handelsherrin« und »Die Kupferhändlerin«. Heute lebt sie in Stockholm und arbeitet als Journalistin bei der Tageszeitung Svenska Dagbladet.

3. Kapitel

In der untergehenden Sonne glänzte der Marmor des Dogenpalasts, und die Wellen glitzerten golden. Der Kaufmann Leonardo Omicelli betrachtete das hell dekorierte Dach, die Pfeilergänge und die hohen Fenster und dachte bei sich, dass das prächtige Gebäude der Dogen aussah, als habe Gott selbst es so geschaffen. Er wandte sich seinem Kompagnon zu, der neben ihm in der Gondel saß.

»Sieh doch nur, welch schöne Stadt Venedig ist! Mächtiger als Konstantinopel.«

»Du hast recht. Und der Handel florierte noch nie besser«, erwiderte sein alter Freund Giorgio Faccioli und strich sich über den kahlen Kopf. Früher hatte er langes kastanienbraunes Haar gehabt, doch geblieben war ihm davon nur noch ein graubrauner Kranz über Ohren und Nacken.

Die Männer näherten sich dem Kai, wo schon eine ganze Reihe vertäuter schwarzer Gondeln auf dem Wasser schaukelte. Eine Möwe tauchte mit einem Schrei vor ihnen ins Wasser und erhob sich mit einem Fisch im Schnabel wieder in die Lüfte. In einiger Entfernung sah man, wie einige Gondolieri ihre Fahrzeuge für die Nacht zudeckten. Leonardo lauschte dem Stimmengewirr, das vom Markusplatz herüberdrang, und dem Geräusch der Wellen, die gegen die Hausmauern rechts und links der Kanäle schlugen. Er strich sich die Falten aus seinem Samtgewand und setzte seine Kopfbedeckung auf.

»Da wären wir also. Eine erfolgreiche Reise war das.«

»Ja, ich kann es kaum erwarten, meine Gewinne schriftlich festzuhalten, damit ich sie den Ratsherren zeigen kann.«

»Man merkt, dass du Besitzer eines Handelshauses bist«, bemerkte Leonardo.

»Das wirst du eines Tages auch von dir behaupten können. Du weißt doch: Erbe, Verwandtschaft oder harte Arbeit«, erwiderte er und stieß seinen Kompagnon in die Seite. »Und Geld, mein junger Mann, ist das ganze Leben. Kräuter aus Ostindien, Seide aus China, Edelsteine aus Indien. Wenn die Leute in Lübeck und Brügge sehen, was wir hier haben, spielen sie verrückt.«

Das Boot hatte mittlerweile die Brücken vorm Dogenpalast erreicht, wo der Gondoliere es festmachte. Dann manövrierte er seine Gondel geschickt an den Kai. Leonardo stützte sich am Bootsrand ab und erhob sich.

»Du zuerst.«

Sie gingen an Land, und Giorgio zückte seinen Geldbeutel. Nachdem er den Fahrpreis kurz im Kopf überschlagen hatte, reichte er dem Fährmann ein paar Münzen. Obwohl der den Kopf schüttelte und mehr verlangte, schloss Giorgio die Finger um den Geldsack und steckte ihn wieder an den Gürtel.

»Ein andermal, Fährmann, wenn du geschickter mit dem Ruder umgehst. Die Überfahrt vom Lido hat zu lange gedauert.«

Trotz der Proteste des Gondoliere legte Giorgio ihm nur beschwichtigend die Hand auf die Schulter, nickte Leonardo zu und schritt mit ihm auf die Treppe dem Markusplatz entgegen.

Die letzten Sonnenstrahlen fielen über den Platz, und auf dem Wasser zeichneten sich die Säulen als lange dunkle Schatten ab, ein Anblick, den Leonardo als fast mystisch empfand. Rasch gingen sie an der Markuskirche vorbei und bogen gerade in eine der Gassen ein, als Leonardo plötzlich innehielt.

»Ein Glas Wein könnten wir uns doch gönnen, meinst du nicht? Vor morgen früh müssen wir uns doch nicht ums Löschen der Ladung kümmern.«

»Ich sollte lieber nach Hause gehen. Immerhin waren wir mehrere Monate fort.«

»Da macht eine kleine Weile in der Weinschänke doch auch nichts mehr aus. Komm!«

Leonardo legte dem älteren Freund den Arm um die Schulter und zog ihn mit zu einer Taverne, wo sie sich niederließen. Als jeder sein Glas Wein vor sich stehen hatte, sprach er weiter.

»Diesmal lief es in Konstantinopel gut für uns, aber ich mache mir Sorgen wegen der nächsten Reise. Dieses Kupfer, für das wir so gutes Geld bekommen haben 

»Das aus Schweden, meinst du?«

»Genau. Vielleicht habe ich zu viel versprochen, aber Zerxes, der Kaufmann, der uns den größten Teil der Waren abnahm, will beim nächsten Mal unbedingt eine ganze Schiffsladung voll Kupfer. Und es soll wieder dieses reine schwedische Metall sein, das ich schon letztes Mal von der Hanse gekauft hatte.« Zerstreut fingerte Leonardo an seinem Glas herum.

»Das über Stockholm und Lübeck kam?«

»Ja, und ich habe versprochen, es ihm zu besorgen. Zerxes erzählte, dass der Kaiser sich einen Palast baut und das Metall für Skulpturen und Gebäude benötigt. Offensichtlich lässt sich dieses Kupfer besonders gut verarbeiten und glänzt schöner und heller als jedes andere. Er verglich es geradezu mit Gold.«

»Aber das wirft doch gar keinen Gewinn für uns ab. Die Hanse kassiert fast das ganze Geld.«

»Ich weiß, aber ich habe es ihm nun einmal versprochen.«

Leonardo trank einen Schluck Wein und stellte seufzend das Glas ab. Er geriet leicht in Eifer, und dann versprach er mehr, als er halten konnte. Trotzdem bereute er seine Zusage nicht. Andernfalls hätte er die Seide und die Gewürze niemals zu einem so günstigen Preis erwerben können. Kaufmann Zerxes hatte in Konstantinopel großen Einfluss und gute Verbindungen. Schon jetzt hatte ihre Zusammenarbeit erklecklichen Gewinn abgeworfen, kein Wunder also, dass Leonardo dem Griechen diese Kupferlieferung zugesagt hatte.

Er trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte und betrachtete die dunklen Farben der Dämmerung auf dem Wasser.

»Die Hanse hat die Macht in Stockholm übernommen, und der Handel ist wieder in Schwung gekommen. Dann sollte auch Kupfer aus den Bergslagen zu haben sein. Vielleicht kann ich es ja dort einkaufen. Wenn ich es auf eigene Faust besorge 

»Natürlich«, nickte Giorgio zerstreut. Er hatte seinen Wein bereits ausgetrunken und sich nachgeschenkt. »Aber jetzt denk doch nicht so viel ans Geschäft.«

»Nein, heute Abend wollen wir feiern.«

»Du bist unverheiratet, also kannst du feiern. Ich an deiner Stelle genösse auch so lange wie möglich mein Leben. Deine Heirat lässt sich nicht mehr allzu lange aufschieben, und ich erwarte, dass du dich deiner Verantwortung stellst.«

Leonardo runzelte die Stirn und blickte über den Marktplatz. Mittlerweile war es fast ganz dunkel, und die Bewohner der Stadt eilten nach Hause, um zu Abend zu essen. Verantwortung? Er wollte selbst entscheiden, wen er heiratete. Giorgio erwartete so viel von ihm. Leonardo wich dem Blick des Freundes aus und betrachtete stattdessen einige Frauen mit hochgestecktem Haar und langen, weiten Röcken, die über den Platz gingen. Als sie näher kamen, hörte er ihr helles Lachen. Er war schon einmal heftig verliebt gewesen, doch die Frau hatte ihn für einen anderen aufgegeben. Ihr Vater hatte sie einem Cousin versprochen, der mehrere Paläste in Venedig besaß, und obwohl sie sich lange geweigert hatte, diesen Mann zu heiraten, hatte sie irgendwann doch eingewilligt.

Er erinnerte sich noch lebhaft an seinen Schmerz und die Hoffnungslosigkeit. Eine ganze Weile war er nur ziellos durch die Stadt gestreift und hatte sich in der Nacht betrunken. Erst als seine Eltern ihn an die Universität von Bologna geschickt hatten, hatte er sich wieder zusammengenommen. Er hatte sich ganz von seinen Studien der Rechte, der Theologie und Medizin gefangen nehmen lassen und mit gelegentlichen Frauenbekanntschaften getröstet. Wenn irgendwann der Tag käme, eine Familie zu gründen, müsste er sich eben zusammennehmen, aber bis auf Weiteres wollte er nicht daran denken und wehrte sich gegen Giorgios Forderungen. Der wollte seine Tochter mit einem Mann verheiraten, der sein Handelshaus weiterführen konnte, und ließ keine Gelegenheit aus, sie in den höchsten Tönen zu loben. Deutlicher hätte er gar nicht mit dem Zaunpfahl winken können. Doch Leonardo verdrängte den Gedanken rasch wieder. Das lag alles noch in ferner Zukunft.

»Weiß deine Frau, dass das Schiff heute angelegt hat? Ich habe sie am Kai gar nicht gesehen«, sagte er.

»Sie weiß, dass ich zu ihr nach Hause komme, sobald ich meine Angelegenheiten geregelt habe.«

»Sprichst du vom Zoll und den Schiffspapieren, oder meinst du das andere?« Leonardo zwinkerte seinem Freund zu. Dieser behauptete immer, er müsse nach Hause gehen, doch vorher pflegte er sich stets nach Kräften zu amüsieren.

Giorgio Faccioli fuhr sich wieder mit der Hand über die Glatze und verdrehte die Augen.

»Wenn man so alt ist wie ich, kennt man seine Ehefrau in- und auswendig. Dann ist es schon schön, dass es auch noch andere Frauen gibt.«

Leonardo lachte. Giorgio Faccioli war schon über fünfzig, sah aber wesentlich jünger aus. In seinem hübschen Gesicht zeigte sich keine Falte, und er hatte eine lebhafte und würdevolle Haltung. Seine Lust auf Frauen war unersättlich, und in jedem Hafen hatte er eine andere. Doch nun waren sie wieder zu Hause in Venedig.

Giorgio schien seine Gedanken zu erraten. »Eine letzte Nacht. Dagegen ist doch nichts einzuwenden, oder?« Er lächelte und bestellte eine weitere Karaffe Wein. »Jetzt führen wir uns ein ordentliches Mahl zu Gemüte und dann eine schöne Frau. Und dann gehen wir nach Hause. Du weißt doch, dass wir der Kirche damit einen Dienst erweisen. Sie wollen jetzt auch Steuern von den Huren verlangen.«

»Ja, die Männer der Kirche haben sich schon immer aufs Geldmachen verstanden.«

Leonardo fand den Gedanken befremdlich, bezahlen zu müssen, um mit einer Frau zusammen zu sein. Es war zwar strafbar, eine verheiratete Frau zu verführen, und deshalb gingen viele Männer zu den Huren. Aber musste es wirklich so sein? Sein Blick verlor sich in der Ferne.

»Prosit, mein Freund!«

Giorgio hob das Glas. Leonardo stieß mit ihm an und trank, doch als sein Freund ihn noch mit ins...

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