Vielleicht klappt es ja morgen

Liebe in Peine
 
 
Lago (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. Oktober 2018
  • |
  • 176 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95762-217-4 (ISBN)
 
Sophia ist eine ganz normale Frau mit einem ganz normalen Leben. Bisher. Denn von einem Tag auf den anderen ist es aus mit der Beschaulichkeit und ihr Leben in Peine wird gehörig auf den Kopf gestellt: Sophia muss nicht nur entdecken, dass ihr Verlobter Kai sie betrügt, auch beruflich läuft so einiges aus dem Ruder. Und als wäre das alles nicht genug, sind da plötzlich diese geheimnisvollen haselnussbraunen Augen, die Sophia auf einem Foto entdeckt hat und die ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen. Als sie sie dann schließlich im wahren Leben wiedertrifft, ist es sofort um Sophia geschehen. Doch die Umstände dieser schicksalhaften Begegnung könnten kaum komplizierter sein .
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,52 MB
978-3-95762-217-4 (9783957622174)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Kapitel 3


»Frau Kleinschmidt, was war es denn heute wieder? Fuhr der 522er Bus nicht? Mussten Sie auf den Hund Ihrer Nachbarin aufpassen? Oder gab es andere Gründe, die ein pünktliches Erscheinen unmöglich machten? Wie sehen Sie überhaupt aus?«

»Ich hatte einen Unfall. Eine Fahrradfahrerin hat mich umgefahren und nachdem meine Kleidung klitschnass war .«

»Ja, ja. Sparen Sie sich die Ausreden. Ihr Mandant wartet seit einer geschlagenen Stunde auf Sie und Sie hielten es nicht mal für nötig, kurz in der Kanzlei Bescheid zu geben. Oder ist Ihr Handy bei dem Sturz zu Bruch gegangen?«

»Das nicht, aber .«

»Papperlapapp. Sie nehmen das Ganze hier nicht ernst, Frau Kleinschmidt. Das ist keine winzige Klitsche, wie die von Ihrem Vater. Wir sind die erste Anwaltskanzlei am Ort. Hier herrschen Zucht und Ordnung. Wenn Sie weiterhin nicht in der Lage sind, auf unserem Niveau Ihre Arbeit zu verrichten, dann werden sich unsere Wege demnächst trennen müssen. Haben Sie mich verstanden?«

»Ja, Herr Dr. Wackernagel«, antwortete ich kleinlaut, während ich damit kämpfte, mir meine Wut nicht anmerken zu lassen. Entweder hatte mein Chef bisher noch keinen Kaffee bekommen oder der Termin, der auf mich wartete, war so wichtig, dass wir uns es nicht leisten konnten, ihn zu vergraulen. Allerdings konnte ich mich dummerweise überhaupt nicht daran erinnern, dass ich ein Meeting hatte. Wer konnte das nur sein?

Dr. Wackernagel war eigentlich eher der Kategorie liebenswerter Brummbär als der Sparte bissiger Löwe zuzuordnen. Ich hatte ihn noch nie in dieser Weise mit einem meiner Kollegen sprechen hören. Auch bei mir hatte er bisher immer sanfte Töne des Verständnisses angeschlagen. Was war heute nur anders?

»Worauf warten Sie denn noch? All Ihre Kollegen sind entweder vor Gericht oder in Besprechungen. Frau Runge hat sich Herrn Richards angenommen, allerdings wird unsere Sekretärin sicher nicht seine erste Wahl sein, wenn er zu uns gekommen ist, um in rechtlichen Dingen Antworten zu bekommen. Oder sehen Sie das anders?«

Mein Chef strich sich mit einem blütenweißen Stofftaschentuch, das er mühevoll aus der viel zu engen Hosentasche gezerrt hatte, über seine schweißgebadete Stirn und über die Oberlippe, von der bereits die ersten Tropfen auf den Schreibtisch vor ihm geperlt waren.

Trotz des kalten Winters saß er wie immer mit einem kurzen blauen Hemd in seinem Büro. Die Heizung war sicher aus und allein bei dem Gedanken daran begann ich erneut zu frösteln.

Sein extremes Übergewicht ließ ihn dermaßen transpirieren, dass die meisten Kollegen es im Hochsommer vermieden, länger als nötig mit ihm in einem kleinen Raum beisammenzustehen.

»Nein, natürlich nicht.« Richards, Richards? Ich kannte niemanden mit diesem Namen. Angestrengt überlegte ich, ob mir der Name nicht doch irgendetwas sagte, doch ich verband rein gar nichts damit.

Dennoch erhob ich mich von meinem Platz, um nicht weiterhin den bösen Blicken meines Arbeitgebers ausgesetzt zu sein, und ging zur Tür.

»Herr Richards ist ein wichtiger Mandant für uns, Frau Kleinschmidt. Denken Sie daran! Egal, welcher Ruf ihm vorauseilt, er ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und spielt eine wichtige Rolle weit über die Grenzen von Peine hinaus. Außerdem hat er ausgesprochen gute Kontakte zur Stadtverwaltung. Vermasseln Sie das ja nicht!«

Na, prima. Als wenn ich nicht schon eingeschüchtert genug gewesen wäre. Schließlich ging ich vollkommen unvorbereitet in einen Termin mit einem Mandanten, der mir absolut nichts sagte. Zudem hatte ich keine Ahnung, was er ausgerechnet von mir wollen könnte.

Schließlich war ich im Rahmen meiner Tätigkeit in der Kanzlei für das Erbschaftsrecht zuständig. Die Schlagworte erfolgreicher Geschäftsmann ließen bei mir aber eher die Lampe Steuerrecht aufblinken.

Trotz meiner Bedenken setzte ich mich in Bewegung, schnappte mir in meinem Büro mein Notizbuch, um etwas zu haben, woran ich mich festklammern konnte, und setzte meine Brille auf, die ich lediglich trug, um kompetenter zu wirken.

»Ach, da bist du ja, mein Kind. Lass dich mal ansehen! Mensch, du bist deiner Mutter ja immer noch wie aus dem Gesicht geschnitten. Erkennst du mich denn gar nicht? Frau Runge, ich danke Ihnen für Ihre Gesellschaft. Wenn Sie so freundlich wären, mir und meiner Patentochter ein Kännchen Kaffee zu bringen, wäre ich Ihnen überaus dankbar.« Die sonst so hochmütige und kaltschnäuzige Chefsekretärin lächelte ergeben in seine Richtung, während sie sich bereits an die Arbeit machte, das Verlangte herbeizuschaffen. Für gewöhnlich erachtete sie derlei niedere Tätigkeiten nicht als Teil ihres Aufgabengebiets.

Jeder in der Kanzlei wusste das. Ich selbst hatte es an meinem vierten Tag bei Dr. Wackernagel und Partner am eigenen Leib erfahren. Noch nie zuvor hatte mich ein Mensch so unverhohlen vor versammelter Mannschaft inklusive des Mandanten zur Schnecke gemacht.

Es war mir wirklich ein Rätsel, wie sie mit diesem Verhalten noch immer ein Teil des Teams sein konnte. Wobei die Tatsache, dass sie Gerüchten zufolge eine entfernte Verwandte meines Chefs war, sicher zu den Gründen zählte, warum sie in diesen Räumen Narrenfreiheit genoss.

Frau Runge schritt einem Engel gleich in ihren viel zu hohen Stilettos und dem viel zu kurzen Rock aus dem kleinen Besprechungsraum, der uns neben neun weiteren zur Verfügung stand.

Ich kam mir unglaublich schäbig und underdressed vor, als ich an meine verschmutzte Jeans und die zerknitterte Bluse dachte.

»Herr Richards, es tut mir sehr leid. Es muss sich hier um eine Verwechslung handeln. Ich habe keinen Patenonkel. Wenn Sie allerdings dennoch in rechtlichen Fragen von mir beraten werden wollen, dann würde ich mich sehr freuen .«

»Sophiechen, das ist doch nicht dein Ernst. Kannst du dich wirklich nicht mehr an mich erinnern? Wie alt warst du, als ich für einige Jahre in die Staaten ging? Bestimmt schon fünf oder sechs. Wobei du noch nicht in der Schule warst. Ich bin doch dein Onkel Lulu, weißt du noch? Du konntest Ludger nicht aussprechen.« Dabei strich er sich hypnotisch über den weißen Vollbart und sah mich durchdringend an, als ob er damit meinen nicht vorhandenen Erinnerungen etwas auf die Sprünge helfen könnte.

»Nein, ich weiß leider wirklich nicht, wer Sie sind. Meine Eltern haben auch nie von Ihnen gesprochen. Doch, Moment mal . Rauchen Sie Pfeife? Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, warum ich das wissen möchte. Das ist mehr so ein Gefühl; ich kann es mir selbst nicht erklären. Lachen Sie mich nicht aus, aber ich musste gerade an Vanillekipferl denken.«

»Ich habe früher tatsächlich Pfeife geraucht. Vorzugsweise mit Tabak darin, der nach Vanille roch. Eine lästige Angewohnheit, die ich mir im Ausland abgewöhnt habe. Ja, das passt. Manchmal erinnert man sich auch an Gerüche, wenn man im Gedächtnis nach Wegweisern sucht. Das ist doch zumindest ein Anfang. Oder wie siehst du das? Schließlich konntest du mich anscheinend immer gut riechen.« Dabei zwinkerte er mir vielsagend zu und klopfte sich energisch auf den Oberschenkel.

»So, und nun lassen wir das mit dem Sie. Ich bin dein Onkel Ludger oder Lulu, ganz wie du willst.«

»Ähm, ja. Herr Richards, ich meine, Onkel Ludger, was kann ich denn für dich tun?« Erst jetzt wagte ich es, mich zu ihm an den ovalen Tisch zu setzen.

Während mein Gegenüber zu einer Erklärung ausholte, öffnete sich die Tür und Frau Runge trippelte lasziv ins Zimmer. Gekonnt balancierte sie auf ihrer rechten Hand ein rundes rotes Tablett mit einem Kännchen Kaffee und zwei Tassen darauf, schenkte meinem Patenonkel ein Tässchen ein und verließ den Raum wieder.

Es wäre auch wirklich zu viel verlangt gewesen, wenn sie die Güte gehabt und auch meine Tasse gefüllt hätte. Noch ehe ich mir selbst einschenken konnte, reichte mir Ludger seine Tasse.

»Nun, liebe Sophia, es gibt einige Dinge in meiner Vergangenheit, auf die ich nicht stolz bin. Früher hat mich dein Vater rechtlich beraten. Doch das ist lange her und war vor . nun, es ist lange her. Ich war, wie gesagt, eine ganze Zeit im Ausland und lebe erst seit drei Jahren wieder in Peine. Mein Vater ist verstorben und hat mir seine Firma vermacht.«

»Ludger, wie kommt es, dass du gerade jetzt zu mir kommst? Sicher hast du in deinem Unternehmen eine eigene Rechtsberatung. Wie soll ich dir behilflich sein? Warum hast du dich nie bei meinen Eltern gemeldet und ihnen gesagt, dass du zurück bist? Sie hätten sich doch sicher gefreut.«

»Ja, natürlich habe ich ein fähiges Team aus Anwälten in meiner Firma. Darum geht es auch nicht. Es ist eher eine persönliche Angelegenheit, wegen der ich dich besuchen komme. Deine Eltern und ich haben uns vor Jahren wegen einer Nichtigkeit zerstritten. Ich weiß nicht mal mehr, worum es dabei ging.« Das schwache Lächeln auf seinen Lippen erreichte seine Augen nicht. So merkwürdig die ganze Situation auch anmutete, eines wusste ich bereits in diesem Moment ganz sicher: Der Streit war wesentlich einschneidender gewesen, als er mich glauben lassen wollte.

Weshalb sonst meldete man sich nicht bei ehemals besten Freunden, wenn man zurück in der Stadt war? Onkel Ludger war wirklich kein sonderlich guter Schauspieler. Und dass er sich gerade nervös am Hinterkopf kratzte, war ein Grund mehr, ihm in dieser Sache keinen Glauben zu schenken.

»Meine Ärzte haben vor einiger Zeit Krebs im fortgeschrittenen Stadium bei mir diagnostiziert.« Schockiert blickte ich auf den Mann, der schätzungsweise so alt wie mein Vater war. Ganz genau konnte ich es nicht sagen, da...

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