SoulSystems 1: Finde, was du liebst

 
 
Carlsen (Verlag)
  • erschienen am 7. Dezember 2017
  • |
  • 379 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-646-60377-4 (ISBN)
 
**Eine perfekte Welt braucht perfekte Rebellen.**
Ella lebt schon von Geburt an in einer der Gründerkolonien auf dem Mars und kennt die Erde nur von Bildern. Alles, was sie über das einstige Zuhause ihrer Vorfahren weiß, ist, dass es durch große Kriege zerstört wurde und so etwas nie wieder vorkommen wird. Dafür sorgt das Unternehmen SoulSystems Inc., das anhand von Tests jedem Bewohner der Sternkolonien den perfekten Beruf und den perfekten Partner vorschlägt. Ella hat diese Tests gerade hinter sich und, obwohl sie die Tochter des Polizeichefs ist, bereits gegen die Regeln verstoßen. Denn ihr Herz schlägt für jemanden, der ihr nicht zur Auswahl steht - und der eigentlich auch nicht auf dem Mars sein sollte.
//Alle Bände der Rebellen-Reihe "SoulSystems":
-- Band 1: SoulSystems. Finde, was du liebst
-- Band 2: SoulSystems. Suche, was dich rettet
-- Band 3: SoulSystems. Erkenne, was du bist
-- Band 4: SoulSystems. Fühle, was in dir brennt
-- Band 5: SoulSystems. Bekämpfe, was dich zerstört
-- SoulSystems: Alle fünf Bände der Rebellen-Serie in einer E-Box!//
Diese Reihe ist abgeschlossen.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Vivien Summer wurde 1994 in einer Kleinstadt im Süden Niedersachsens geboren. Lange wollte sie mit Büchern nichts am Hut haben, doch schließlich entdeckte auch sie ihre Liebe dafür und verfasste während eines Freiwilligen Sozialen Jahres ihre erste Trilogie. Für die Ausbildung zog sie schließlich nach Hannover, nahm ihre vielen Ideen aber mit und arbeitet nun jede freie Minute daran, ihr Kopfkino zu Papier zu bringen.

KAPITEL 1


Ella

»Bitte, Ella«, flehte mich Jordan leise an, wobei er sich Mühe gab, nicht die Miene zu verziehen. »Du musst mir glauben.«

Ich konnte ein Schnauben nicht unterdrücken. Es gab wirklich wenig im Leben, was ich so sehr bereute wie meine Beziehung zu Jordan.

Es war ärgerlich genug, dass ich das dunkelblaue Kleid der letzten Saison nicht kaufen konnte oder den unangekündigten Test in Biologie verhauen hatte, aber nichts grenzte an die Wut, die ich bei dem Anblick des Jungen mir gegenüber empfand. Wie er dasaß, mit diesen verfluchten engelsgleichen Locken und den stahlblauen Augen, und mich eindringlich ansah. Er wollte mich für dumm verkaufen. Etwas anderes konnte dieser ganze Aufzug hier nicht bedeuten.

»Ich meine es ernst«, beharrte er, wobei er den Kopf leicht schief legte und Anstalten machte, über den Tisch hinweg nach meiner Hand zu greifen.

Dass er dabei fast sein Wasserglas umstieß und mit der Krawatte in der Suppe hängen blieb, schien ihn nicht zu stören. Ich zog aber meine Hand rechtzeitig weg und er erwischte nur die Serviette.

Wir befanden uns in meinem Lieblingsrestaurant, einem kleinen Italiener inmitten der Sternkolonie, wo es gratis Pannacotta zum Nachtisch gab. Gerade kostete es mich aber große Mühe, nicht aus dem Restaurant zu stürmen und auf die süße Nachspeise zu verzichten. Ich konnte von Glück reden, dass ich es immerhin schaffte, meine Mimik unter Kontrolle zu halten - aber in den vergangenen Monaten hatte es auch genug Gelegenheiten gegeben, um genau das zu üben.

»Ich glaube dir aber nicht«, antwortete ich ihm schließlich, wobei ich darauf achtete, dass die Leute an den Nachbartischen nichts von unserem Gespräch mitbekamen. »Wieso nicht?«, fragte er und sah mich enttäuscht an. Diese Miene konnte er sich wirklich sparen. »Ich habe dich noch nie angelogen, also wieso sollte ich es jetzt tun?«

»Keine Ahnung. Vielleicht, weil dir nichts Besseres einfällt?« Ich verzog den Mund, hörte aber sofort wieder damit auf. Es würde die Aufmerksamkeit der Wächter erregen, wenn wir ihnen Hinweise darauf gaben, dass wir uns stritten. »Komm schon. Du erzählst mir, du kannst dich nicht mehr daran erinnern, wieso du Schluss gemacht hast? Was ist das für eine bescheuerte Masche? Oder soll es eine Entschuldigung sein?«

Jordan sah sich flüchtig um. Schon klar. In der Öffentlichkeit sollte ich besser mit keinem Wort erwähnen, dass wir zusammen gewesen waren. Wenn das jemand mitbekam, würde es uns den Kopf kosten.

Früher, das wusste ich aus dem Unterricht, war es normal gewesen, Beziehungen zu beenden. Manche Leute hatten daher einen Expartner gehabt, manche gleich zwanzig. In der heutigen Zeit war das nicht mehr so. Wenn man liebte, dann für immer.

»Nein, Ella, so ist das nicht«, versuchte sich Jordan rauszureden. »Ich verstehe es doch auch nicht . Ich sollte wissen, wieso ich das«, er senkte die Stimme, »beendet habe, aber ich weiß es nicht. Wenn ich versuche, mich daran zu erinnern, ist da absolut nichts.«

»Also doch eine Masche.«

Er schüttelte den Kopf. »Nein, jetzt hör mir doch richtig zu. Es ist wie . wie ein Loch. Wie eine Lücke. Ich weiß genau, dass da etwas fehlt. Ich weiß nur nicht, was es ist.«

»Dann helf ich dir gerne auf die Sprünge«, bot ich ihm an, nicht besonders freundlich, und ballte unter dem Tisch meine Hände zu Fäusten. »Du wolltest nicht mehr, weil du dich anderweitig umsehen wolltest.«

Mein Exfreund verlor für einen Moment die Fassung, denn sein Mund klappte auf. Ein schöner Mund, zugegeben. Aber einer, der nur lügen konnte.

»So was würde ich niemals tun!«, stieß er ungeachtet dessen aus, dass ich jetzt diejenige war, die ihn mahnend betrachtete. »Denkst du wirklich, so bin ich?«

»Ich denke, dass du kalte Füße gekriegt hast«, korrigierte ich ihn, stimmte ihm aber eigentlich zu. »Dabei haben wir es uns versprochen. Egal, wie die Ergebnisse sind.«

Jordan nickte. »Ich weiß«, erwiderte er. »Wir wollten uns wählen, auch wenn wir nicht auf der Liste des anderen stehen.«

»Genau. Also, wie würde es für dich rüberkommen, wenn ich mich von dir getrennt hätte, obwohl alles perfekt war?«, fragte ich ihn leise und eindringlich. »Du stehst auf meiner Liste, ganz oben, und ich auf deiner. Wieso .« War es dir nicht gut genug? Willst du dich noch austoben, obwohl du mir eine gemeinsame Zukunft versprochen hast?

Das alles wollte ich wissen, aber weil der Kellner unseren Tisch ansteuerte, verstummte ich.

»Alles in Ordnung bei Ihnen?«, fragte er freundlich und betrachtete die halb vollen Teller, die wir bestimmt schon seit einer Viertelstunde nicht mehr angerührt hatten.

Ich versuchte möglichst nett zurückzulächeln. »Natürlich, alles in Ordnung. Wir haben uns nur so gut unterhalten, dass wir das Essen völlig vergessen haben.«

Weil ich mit dem Fuß leicht gegen Jordans Schienbein stieß, lachte er gekonnt auf. »Aber es schmeckt echt gut.«

Der Kellner nickte zufrieden. »Wenn Sie noch etwas benötigen, klingeln Sie einfach nach mir.«

»Na klar«, antwortete Jordan und sah dem Angestellten kurz hinterher, bis dieser außer Hörweite war.

Mein Herz klopfte aufgeregt. Sollte jemand unser Gesprächsthema mitbekommen und richtig deuten, würde ich mein Zuhause verlieren. Dann würde ich ausgestoßen und auf die Erde geschickt werden, um dort langsam und qualvoll zu sterben. Aber das wollte ich nicht.

Als sich Jordan zu mir zurückdrehte, setzte mein Puls kurz aus. Er besaß immer noch diese verfluchte Wirkung auf mich - das hatte er überhaupt nicht verdient.

»Ella«, begann er eindringlich. »Wir sollten hier besser nicht darüber reden.«

»Eigentlich will ich nie wieder mit dir reden, Jordan.«

Ein Seufzen verließ seine Lippen. »Du kannst uns nicht einfach aufgeben. Ich . ich will dich wiederhaben. Ich liebe dich und ich weiß, dass du mich auch liebst. Wieso können wir das nicht einfach vergessen und wieder zusammen sein?«

Empört blinzelte ich ihn an und bemühte mich, nicht hastig ein- und auszuatmen. »Gerade verabscheue ich dich«, stellte ich klar. »Du bist auf meinem Herzen rumgetrampelt, falls du das vergessen hast.«

Er öffnete den Mund, aber weil der Protest deutlich in seinem Blick abzulesen war, ließ ich ihn nicht zu Wort kommen.

»Wir haben beide dieses Risiko völlig umsonst aufgenommen. Jetzt tun wir es immer noch.«

»Wenn wir wieder zusammen wären, wäre doch alles gut!«

Ich schüttelte den Kopf. »Überhaupt nichts ist gut, versteh das doch.«

Als ich mit Jordan eine Beziehung eingegangen war, hatten wir uns in große Gefahr gebracht. Sich zu verlieben, bevor man den Test gemacht hatte, war verboten und wurde mit der Verweisung aus der Kolonie bestraft. Ich hätte alles verloren, wenn unsere Gefühle ans Licht gekommen wären. Auch jetzt durfte nie jemand erfahren, dass wir gegen das Gesetz verstoßen hatten, indem wir uns damals ineinander verliebt hatten.

Seit ich denken konnte, wurde ich gelehrt, dass Emotionen das Urteilsvermögen trübten. Sie gaukelten unserem Gehirn vor, das Leben wäre vorbei, sollten wir einen geliebten Menschen verlieren. Unnötig, zu erwähnen, dass ich genau dieses Phänomen gerade am eigenen Leib spürte und SoulSystems Inc. recht geben musste. Deswegen gab es sie - die Tests.

»Du bist einer der drei Menschen, der auf meiner Liste steht«, erinnerte ich ihn erneut. »Du wurdest vom System als mein perfekter Partner ermittelt. Und was hast du getan, statt dein Versprechen einzulösen?«

»Ich weiß es doch nicht!«, verteidigte er sich verzweifelt.

Aber ich wurde nicht müde, es immer wieder zu erwähnen. »Mich verlassen«, ließ ich ihn mit zusammengepressten Zähnen wissen.

Gott, wie sehr ich in ihn verliebt gewesen war. Vom ersten Moment an, als wir uns begegnet waren. Es war auf einer Sportveranstaltung seiner Schule gewesen, die ich mit meinen Freundinnen besucht hatte. Er war im Lacrosse-Team und sogar ziemlich gut gewesen - ich war völlig aus dem Häuschen, als er mir am Brezelstand heimlich einen Zettel mit seiner ID zugesteckt hatte.

Es war total aufregend gewesen, so verboten. Immerhin hatten wir keinerlei romantische Gefühle füreinander entwickeln dürfen, da sie die Tests beeinflussten und das Ergebnis verfälschten.

Wir hatten deswegen auf unseren IDs nur total belanglose Sachen geschrieben und Codewörter benutzt. Das Glück war auf unserer Seite gewesen, denn wir waren nie erwischt worden. Wir waren nicht mal in die Gefahr gekommen, selbst dann nicht, als wir uns heimlich irgendwo getroffen und uns unbeobachtete Ecken gesucht hatten, um ein paar Küsse auszutauschen.

Jetzt wollte ich Jordan einfach niemals wiedersehen. Ich wollte die ganzen Kleinigkeiten vergessen, die mich in ihn verliebt gemacht hatten.

»Ella, ich glaube«, sagte er nach einer Weile, in der wir uns angeschwiegen und das Essen angestarrt hatten, »dass irgendetwas mit mir nicht stimmt.«

»Was?«, hakte ich nach, war aber zu wütend, um mehr rauszubringen.

Er hob den Kopf und sah direkt in meine Augen. »Ich glaube, die haben irgendwas mit mir gemacht«, wisperte er so leise, dass ich ihn kaum hörte.

Natürlich verstand ich sofort, was er meinte. Aber wie viele Ausreden würde er sich denn noch suchen? Als ob SoulSystems in der Lage wäre, seine Entscheidung zu beeinflussen, ohne dass er es mitbekam. Das war doch völlig absurd!

Jordan wollte nur von der Tatsache ablenken, dass er mir das Leben versaut hatte. Für ihn hatte ich meinen Test manipuliert. Für ihn nahm ich die Gefahr in Kauf, aus der Kolonie ausgestoßen...

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