Nuramon

Ein Elfenroman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. November 2013
  • |
  • 832 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11300-1 (ISBN)
 
Ein lange gehütetes Geheimnis aus der Welt der Elfen wird gelüftet

»Eine Reise endet hier, eine neue beginnt.« So endet die Geschichte von Noroelle, Farodin und Nuramon im Bestseller-Epos »Die Elfen«, doch für Nuramon, den letzten Elfen in der Welt der Menschen, ist es auch ein neuer Anfang. Von seiner großen Liebe zurückgewiesen, von seinem besten Freund getrennt und gestrandet auf einem fremden Kontinent, beginnt für Nuramon das größte Abenteuer seines Lebens - ein Abenteuer voller Intrigen, Gefahren und Magie ... Ein atemberaubendes Epos - endlich erzählt James Sullivan die Geschichte der sagenumwobensten Figur der deutschen Fantastik.

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 1,87 MB
978-3-641-11300-1 (9783641113001)
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Die Stimme des Orakels

Die Zukunft eilt uns stets voraus und hinterlässt Spuren, die ich zu lesen vermag. Und so entdeckte ich euch in all den Jahren, was vor euch liegen könnte, und mein Blick erwies sich oft als wahr. Gelegentlich aber traten Dinge nicht ein, die ich sah. Manchmal blieb die prophezeite Zukunft aus, gerade weil ich sie euch entdeckte. Etwas zu betrachten heißt oft, es zunichtezumachen. Denn dem Wissen um das Schicksal mögen Taten folgen, welche die gesehene Zukunft verändern. Zum Besseren, wie ich stets hoffe, zum Schlechteren, wie ich fürchte. Es kann beim Blick voraus nie Gewissheit geben. Nur die Vergangenheit ist festgeschrieben. Denn kein Augenblick ist je verloren; er steht für immer im Buch der Welten.

Nun stehe ich in diesem Thronsaal, ein Orakel aus Fleisch und Blut, und spreche zu euch von jener besonderen Zeit; einer Zeit, in der ein Elf hier in Jasbor unter uns lebte. Noch heute erzählen die Märchen und Lieder, die unzähligen Sagen und wenigen Chroniken, die die Jahrhunderte überstanden haben, von dem letzten Alvaru, dem letzten Albenkind – von Nuramon aus Albenmark.

So, wie ihr durch diesen Saal, durch diesen Palast, die Straßen dieser Stadt und auf den Pfaden dieser Insel schreitet, in der Gewissheit, dass auch Nuramon einst auf diesen Wegen ging; so wusste ich, dass seine Vergangenheit irgendwo im Gewebe des Schicksals ruht. Und nach fast zehn Jahren habe ich nun die Spur zu Nuramon gefunden. Zu seinen Sinnen und seinen Gedanken. Das Schicksal flüstert es mir zu, und ich sehe den Elf und schwebe wie ein Geist zu ihm hin.

Dort in der Vergangenheit warben er und Farodin zwanzig Jahre um die Liebe der Zauberin Noroelle. Nur ein Moment im Leben eines Elfen, eine Ewigkeit für einen Menschen. Sie versprach, sich bald zwischen ihnen zu entscheiden. Doch ein Dämon zog alles ins Übel, ehe es so weit kommen konnte.

Es war ein Devanthar, der Letzte der alten Feinde der Alben. Er war es, der Noroelle in Nuramons Gestalt erschien und sie schwängerte. Er musste gewusst haben, dass Noroelle ihr Neugeborenes in die Menschenwelt bringen würde und dass die Elfenkönigin Emerelle sie deswegen auf eine Insel in der Zerbrochenen Welt verbannen würde; die Welt, die einst im Krieg zwischen den Alben und den Devanthar zerbarst. Er musste vorausgeahnt haben, dass Noroelles Sohn in der Stadt Aniscans als Priester des Gottes Tjured die Menschen heilen und unter dem Namen Guillaume weithin bekannt werden würde. Auf sein Geheiß hin erschienen Meuchelmörder in Aniscans, als Nuramon mit seinen Gefährten bei Guillaume war.

Damals gelang es Nuramon und Farodin nicht, den Sohn Noroelles zu retten. Und schlimmer noch war, dass die Ermordung des Priesters ihnen angelastet wurde. Der Devanthar schürte den Hass auf die Albenkinder, und so wuchs der Tjuredglaube, und am Ende beherrschte er nicht nur die Menschenreiche des Kontinents im Westen, sondern bedrohte auch Albenmark und die Albenkinder.

Trotz allem gaben Nuramon und seine Gefährten nicht auf. Heimlich erlernten sie den Zauber, der ihnen die Albenpfade öffnete. Diese magischen Wege verknüpften besondere Orte innerhalb einer Welt ebenso wie jene zwischen den Welten. So suchten Nuramon und dessen Gefährten nach dem Tor zu Noroelles Verbannungsort und folgten der Spur in die Menschenwelt. Auf ihrem Weg fanden sie die abtrünnigen Elfen von Neu Valemas, das Exil des Zwergenvolkes und das Orakel Dareen. Und Nuramon fand ein namenloses Elfenmädchen, das er Yulivee nannte, sich zur Schwester erwählte und in Kriegszeiten zur Elfenkönigin nach Albenmark brachte. Diese hatte seit Jahrtausenden auf Yulivees Ankunft gewartet, war jedoch trotz ihrer Dankbarkeit nicht bereit, Noroelle zu befreien.

Dann aber taten Nuramon und seine Gefährten sich im Kampf gegen die Tjuredanbeter hervor. Sie vernichteten den Devanthar, und als die Tjuredanbeter nach Albenmark vorstießen, wurden sie zu Helden. Sie verschafften der Elfenkönigin als Anführer in ihrem Heer die Zeit, die Albenkinder ein für alle Mal von der Bedrohung der Tjuredanbeter zu befreien. Emerelle, Yulivee und die anderen großen Zauberer setzten mittels ihrer Magie ein Geschehen in Gang, um Albenmark von der Welt der Menschen und der Zerbrochenen Welt abzutrennen.

Noroelles Verbannungsort aber war nur durch die Welt der Menschen zu erreichen, und so gab die Elfenkönigin Nuramon und Farodin die Macht, den Zauber, der den Weg zu Noroelle versperrte, zu lösen. Durch eines der letzten Weltentore kehrten Nuramon und Farodin ihrer Heimat den Rücken. Sie befreiten Noroelle aus ihrem Gefängnis in der Zerbrochenen Welt, und diese hielt ihr Versprechen und wählte zwischen ihnen.

Sie entschied sich für Farodin. Und auch wenn Nuramons Herz schmerzte, so erkannte er doch, dass es die richtige Wahl war. Silbernes Licht umgab Noroelle und Farodin im Moment ihrer Erfüllung, bis sie vor Nuramons Augen verschwanden. Durch ihre Liebe hatten sie ihr Schicksal gefunden und waren dadurch ins Mondlicht, ins elfische Jenseits, entschwebt.

Nuramon aber war allein zurückgeblieben. Am Morgen stand er am Rande der Insel, auf der Farodin und Noroelle entschwunden waren, und schaute den weißen Bergen am Festland entgegen. Er war der Letzte, der letzte Elf dieser Welt, das letzte Albenkind. Jenseits des Wassers lag ein fremdes Land, das es zu erkunden galt. Dort gab es neue Wege, neue Erfahrungen und neue Erinnerungen zu finden. Als die Ebbe zurückkehrte, schritt er über den welligen Boden dem Festland entgegen. So betrat er unseren weiten Kontinent, unser geliebtes Arlamyr, das er lange von der Insel aus beobachtet hatte. Und er betrachtete die Landschaft, als hätte er sie noch nie zuvor gesehen.

Diese Welt würde niemals aufhören, ihn zu faszinieren. Und doch fragte er sich, warum die Elfenkönigin Noroelle nicht selbst befreit hatte, ehe der Weg nach Albenmark abgeschnitten war. Und immer wieder fand er nur eine Antwort: Emerelle, die mit ihrem Zauberspiegel in die Zukunft schauen konnte, mochte gesehen haben, dass sein Schicksal, sein Weg ins Mondlicht, irgendwo hier in der Menschenwelt lag.

So vertraute er sich der Schönheit unseres Kontinents an und durchwanderte ihn auf Elfenweise. Und was er sah, tröstete ihn. Die Menschen aber beobachtete er nur aus der Ferne, denn er wollte keine Bande knüpfen, damit er nicht enttäuscht würde. Doch die Einsamkeit brachte ihm Bitternis, und das Heimweh entzündete Wunschträume. Das Bedauern der eigenen Taten und die Zweifel an den Taten anderer gebaren einen Hass, der Nuramon bis an den Rand der Verzweiflung trieb. Als er schließlich erwog, seinem Leben ein unerfülltes Ende zu setzen, merkte er, dass er sich fremd geworden war.

Und so suchte er nach einem Weg zurück zu sich und glaubte, er könnte sein Ziel nur erreichen, indem er nach Albenmark zurückfände. Vielleicht, so dachte er, gab es doch noch irgendwo einen schmalen Pfad, der in die Heimat führte. Doch ganz gleich, wo er suchte, ihm war nicht der geringste Erfolg beschieden.

Als er sich nach Jahrzehnten an einer Quelle im Wald nahe der Stadt Teredyr niederließ, um sich auszuruhen, ahnte er nicht, dass er der Erfüllung seines Schicksals näher gekommen war. Die Menschen der von Dornenbüschen umgebenen Stadt entdeckten ihn und staunten. Dass er anders war als sie, erkannten sie sogleich. Zwar war sein mittelbraunes Haar hier ebenso weit verbreitet wie seine hellbraunen Augen, doch die weiße Strähne, die ihm auf die Stirn fiel, zog ihre Blicke ebenso auf sich wie seine vergleichsweise großen Augen, die für die meisten Menschen ein wenig zu lang geratene Nase und seine viel blassere Haut. Da man aber jede dieser Einzelheiten für sich genommen irgendwo in den Weiten von Arlamyr antreffen kann, hätte man ihn dennoch für einen Menschen halten können. Seine spitzen Ohren jedoch, die zwischen dem welligen Haar hervorstachen, verrieten ihn.

Die Menschen näherten sich ihm mit Interesse und Offenheit, und er ließ sie an sich heran. Er war fasziniert von ihnen. Sie erinnerten ihn an alte Zeiten und an Freunde, die längst dem Leben entschwunden waren.

Immer wieder kehrte er an die kleine Quelle nahe der Stadt zurück, und ehe er sich versah, war er des Arlamyrischen mächtig und bei den Menschen von Teredyr als Heiler bekannt. Er ließ sich von den anderen freien Städten erzählen, von denen er sich ferngehalten hatte; ebenso von Fürstentümern und Königreichen, die er unbemerkt durchwandert hatte, und vom Ahnenkult, dem die Menschen auch damals schon anhingen. Und dabei ahnte er nicht, dass sein Name einst für immer mit dem Fürstentum Yannadyr und unserer Insel Jasbor verbunden sein würde – mit euren Ahnen und über diese auch mit euch.

Bald merkte er, dass er im Grunde immer wieder an den Anfang eines reizvollen Weges zurückkehrte, nur um sich dann nicht vorzuwagen. Ihm wurde bewusst, dass er davor zurückschreckte, sein Schicksal bei den Menschen zu suchen. Eines Tages aber machte er den ersten Schritt hinein in ein neues Leben voller Abenteuer, von denen er nicht mehr zu träumen gewagt hätte. Abenteuer, die ein ganzes Zeitalter begründen sollten.

So folgt meinem Orakelblick, wenn er entlang der Zauberpfade auf der Suche nach Nuramon ist, ihn findet und umschwebt, ihn durch die Augen anderer sieht, in den Worten anderer findet und sich schließlich mit seinem Blick...

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