Wer Ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen

Tipps vom Profi für die perfekte Hochzeitsfeier
 
 
Blanvalet (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. März 2013
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09481-2 (ISBN)
 
30 Hochzeitskatastrophen und wie sie sich vermeiden lassen - der Klassiker vom Hochzeits-DJ jetzt als aktualisierte Neuausgabe!

Weinende Bräute, endlose Reden, peinliche Spiele und zu Tode gelangweilte Gäste? Das muss nicht sein! Thomas Sünder, langjähriger und erfahrener Hochzeits-DJ, der zusammengerechnet ein Jahr seines Lebens auf Hochzeiten verbracht hat, berichtet anschaulich und pointiert von den größten Katastrophen, benennt die folgenschwersten Planungsfehler und gibt wertvolle Tipps, wie sich Pannen umgehen lassen. So wird das wichtigste Fest des Lebens garantiert zur unvergesslichen Party!

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Blanvalet
  • 0,66 MB
978-3-641-09481-2 (9783641094812)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Thomas Sünder, Jahrgang 1975, wuchs in einem hessischen Dorf auf und studierte in Marburg alles, was man für den Job eines professionellen Hochzeits-DJ braucht: Neuere Deutsche Literatur und Medien, Philosophie und Kunstgeschichte. Nach einem Volontariat zum PR-Berater machte er sich als Musiker, DJ und Texter selbstständig. Im Jahr 2013 veröffentlichte er mit »Wer Ja sagt, darf auch Tante Inge ausladen« einen sehr erfolgreichen Hochzeitsratgeber, der 2019 bei Blanvalet als aktualisierte Neuausgabe erscheint. Der Nachfolger »Wer hat eigentlich die Ringe?« ist der erste Ratgeber für Trauzeugen und alle Hochzeitsbegleiter. Thomas Sünder hat in zwölf Jahren über fünfhundert Hochzeiten betreut und Brautpaare inhaltlich bei der Planung unterstützt. Er selbst ist ebenfalls verheiratet und lebt mit seiner Frau Sylvia in Hamburg.

Sünde 1: Falsche Bescheidenheit

Eure Feier, Eure Regeln!

Es ist ein strahlend blauer Tag Mitte Juli. Seit einer Woche liegt Hamburg unter einer Glocke aus unbewegter Hitze, in der selbst das gewohnte laue Lüftchen der Hansestadt versagt. Während ich die Musikanlage aus meinem Auto wuchte und in Einzelteilen über eine lange Treppe in den Festsaal schleppe, schießt mir unter dem leichten Sommeranzug der Schweiß aus allen Poren.

Glücklicherweise hat der rundum verglaste Saal mit unverbautem Blick auf die Außenalster eine leistungsstarke Klimaanlage, und es ist angenehm kühl hier. Vor dem beeindruckenden Panorama zahlloser weißer Dreiecke von Hobbyseglern, die auf der quadratkilometergroßen Wasserfläche wohl doch einen Windhauch abzubekommen scheinen, baue ich mein DJ-Pult auf. Für die hundertfach wiederholten Handgriffe muss ich gar nicht mehr nachdenken. Stattdessen gehe ich im Geiste die Hochzeitsfeier durch, die vor mir liegt. Es ist für mich die neunzehnte in diesem Jahr.

Norma (27) und Raoul (32) sind mir von unserem Vorgespräch in lebhafter Erinnerung. Während der Bräutigam nur zu den wichtigsten Punkten seine Meinung äußerte, diese jedoch wohlüberlegt, sprudelte Norma geradezu über vor Ideen. Wir lachten viel, als wir uns alle möglichen - und auch die unmöglichsten - Szenarien ausmalten. Die beiden gingen sehr entspannt damit um, was die Gäste sich Spaßiges für sie ausdenken könnten. Leider zu entspannt, wie sich zeigen würde .

Gegen zehn vor sechs schnalle ich meine Jazzgitarre um und stelle mich gegenüber dem Eingang in Position, um die eintreffenden Gäste mit live gespielter Musik zu empfangen. Als Erstes möchte ich, passend zum sommerlichen Flair, den Bossa-Nova-Klassiker The Girl from Ipanema zupfen. Ich gehe davon aus, dass die Leute wie besprochen gegen 18 Uhr die Treppe heraufkommen werden.

Nichts passiert. Zehn nach sechs, Viertel nach. So eine Gitarre kann auf Dauer ganz schön schwer werden, wenn man nicht spielt. Eine hübsche Servicekraft mit einem Tablett voller Sektgläser neben dem Eingang verlagert ihr Gewicht immer wieder von einem Bein auf das andere und seufzt verhalten. Mit einem gequälten Lächeln heitern wir uns gegenseitig etwas auf.

Langsam werde ich unruhig. Um zwanzig Minuten nach sechs lege ich die Gitarre ab und trabe zur Treppe, um einen Blick auf die gläserne Eingangstür unten zu riskieren. Tatsächlich steht dort eine bunte Menschentraube, merkwürdigerweise alle mit dem Rücken zur Tür. Was machen die da bloß?

Halb neugierig, halb voller unguter Vorahnungen schleiche ich runter in die stickige Hitze des späten Nachmittags. Zunächst einmal kann ich nichts erkennen außer einer Wand aus Köpfen und schweißglänzenden Gesichtern. Hier draußen, direkt am Alsterufer, gibt es keinen Quadratmillimeter Schatten.

Als ich bemerke, dass sich die Aufmerksamkeit der Leute auf einen Punkt links konzentriert, bahne ich mir einen Weg in diese Richtung, bis ich Normas blonde, aufwändig frisierten Haare über die anderen Köpfe hinweg entdecke. Warum bewegt sich ihr onduliertes Haupt ruckartig vor und zurück?

Ich bin nah genug, um ein rhythmisches Schaben hören zu können, regelmäßig unterbrochen von einem fiesen Quietschton. Raouls dunkler, von Pomade glänzender Kopf taucht gegenüber seiner Braut auf, in derselben unerklärlichen Bewegung vor und zurück. Erst als ich noch näher herankomme, wird mir klar, dass seine Haare nicht durch die Pomade glänzen. Der Mann brät von Kopf bis Fuß in seinem eigenen Saft.

Zwischen dem Brautpaar stehen zwei Holzböcke, wie man sie von Tapeziertischen kennt. Dazwischen keine Tischplatte, sondern ein langer Holzscheit. Er stammt offenbar von einer Birke und hat den Durchmesser eines Ofenrohrs. Das Ding ist so massiv, dass ein Neandertaler damit ein Mammut mit einem einzigen Schlag niederstrecken könnte.

Jetzt wird alles klar: Bewegungen, Geräusche, Verzweiflung. Raoul und Norma umklammern die Enden einer uralten verrosteten Schrotsäge - ein langes, sichelförmiges Sägeblatt mit vergilbten Holzgriffen an den Enden. Das dunkelbraune Metall steckt vier Finger tief in dem Holzklotz, nichts geht mehr. Sie versuchen tapfer, tiefer zu sägen. Zieht der eine, muss der andere schieben und umgekehrt. Aber die Klinge ist entweder stumpf oder die beiden bekommen die gegenläufige Bewegung nicht in den Griff, jedenfalls bleibt die Säge immer wieder stecken. Dabei quietscht es derart, dass man sich am liebsten die Ohren zuhalten möchte.

Natürlich kenne ich diesen Brauch, bei dem das Brautpaar einen Holzstamm durchsägt. Er soll die gleichberechtigte Arbeit in der Ehe symbolisieren. Hier frage ich mich jedoch: Was hat dieses Stück Holz mit Norma und Raoul zu tun, die offensichtlich noch nie im Leben eine solche Säge in den Händen hielten? Er ist Bankkaufmann, sie Assistentin der Geschäftsführung in einem Lebensmittelgroßhandel. Handwerk scheint nicht gerade beider Stärke zu sein.

Verstohlen mustere ich rundherum die gelangweilten und teilweise peinlich berührten Gesichter der Gäste. Offensichtlich ist diese ganze Aktion nicht nur für das Brautpaar unangenehm und hochnotpeinlich. Raoul bemüht sich um ein Pokerface, doch der Schweiß läuft ihm in die Augen und er muss ständig blinzeln.

Norma dagegen kann ihre Verzweiflung kaum verbergen. Dieser verdammte Holzstamm will einfach nicht entzweigehen. Je tiefer sie sägen, desto schwieriger wird es. Immer häufiger bleiben sie hängen. Ein Wunder, dass das 2000 Euro teure Kleid der Braut noch nicht schmutzig ist oder beschädigt wurde. Bustiercorsage und ein langer Seidenrock eignen sich denkbar wenig für unfreiwillige Zimmermannsarbeit.

Da entdecke ich Johannes, den blonden Trauzeugen. Ich kämpfe mich zu ihm durch und frage ihn leise: »Wessen Idee war das, und wie lange geht das jetzt schon so?«

Er deutet auf eine unbewegt dreinblickende Frau Mitte fünfzig in einem lindgrünen Etuikleid, gekrönt mit einem riesigen Ascot-Wagenrad von Hut, die am Rande des Spektakels lauert. Schmales Gesicht, schmale Nase, schmaler Mund und schmale Schultern. Vom Körperbau her erinnert sie an Iggy Pop. Vom harten Zug um den Mund auch. Neben ihr steht ein mehr als einen Kopf kleinerer, rotgesichtiger Mann ohne Hals, der wie hypnotisiert auf die olle Säge starrt.

»Das sind Tante Inge und Onkel Norbert aus Buxtehude, die das Zeug hier angeschleppt haben«, flüstert Johannes. »Wir wussten davon nichts. Norma und Raoul mühen sich schon seit sechs Uhr damit ab.«

Ich schaue auf die Uhr. Kurz vor halb sieben. Wahnsinn! Fast eine halbe Stunde dauert dieses Trauerspiel nun schon. Am liebsten möchte ich alle Gäste einfach hineinbitten. Aber erstens werden die wohl kaum auf einen völlig Unbekannten hören. Zweitens ist mir klar: In einigen starren Köpfen hier ist fest verankert, dass dieser blöde Holzklotz durchgesägt werden muss. Das jetzt abzubrechen wäre ja ein »böses Omen« für die Ehe. Da der Stamm mittlerweile aber erst zur Hälfte durch ist und sich die Säge immer fester in dem schiefen Schnitt verkeilt, kann das noch dauern. Willkommen in Absurdistan, dem irren Reich des Hochzeitsterrors, wo das Brautpaar die eigene Feier nicht betreten darf!

Hier muss etwas geschehen, denke ich, und zwar schnell! Ich sehe mich um. Vor dem Nebengebäude, einer Segelschule, dümpeln Holzboote auf dem Wasser. Dort sollte es doch auch Werkzeug geben! Unauffällig stehle ich mich davon, und kurze Zeit später komme ich mit einer zeitgemäßen Handsäge zurück, einem so genannten Fuchsschwanz. Ich klopfe dem Bräutigam auf die Schulter.

»Hallo, Raoul«, sage ich, »versuch es doch mal hiermit.« Die angespannte Stille der Gäste entlädt sich in einem kollektiven Lachen, und Raoul nimmt die Säge dankbar entgegen. Aus den Augenwinkeln beobachte ich, wie Tante Inges Kinnlade herunterklappt. Unsere Blicke treffen sich, und aus ihren dick geschminkten Augen durchbohren mich Laserstrahlen. Onkel Norbert scheint gar nicht zu begreifen, was gerade passiert. Er starrt weiter auf seine in dem Ast feststeckende Schrotsäge, als warte er darauf, dass sie sich von alleine weiterbewegt.

Raoul setzt mit dem Fuchsschwanz an einer neuen Stelle an. Ritsch-Ratsch. Was für ein herrlicher Sound! Die Säge gleitet durch das Holz wie ein Streichmesser in weiche Butter. Ich kämpfe mich durch die schwitzende Meute zurück zum Gebäude. Gleich wird diese Farce beendet sein, dann strömen endlich alle in den angenehm temperierten Raum - um mit mehr als einer halben Stunde Verspätung die eigentliche Feier zu beginnen.

Jede Wette, dass Tante Inge mir aus Rache für den skandalösen Eingriff in ihre »kleine Überraschung« an diesem Abend das Leben schwer machen wird. Ob ich will oder nicht: Teil meines Jobs ist es, ab jetzt zu verhindern, dass sie dem Brautpaar und den anderen Gästen die Stimmung verdirbt.

Der teuerste Holzklotz der Welt

Was dieser scheinbar harmlose Brauch des Stammdurchsägens für die Feier von Norma und Raoul bedeutete, haben wir gerade miterlebt: Er hat den Auftakt des Festes gründlich vermasselt und die Gastgeber erniedrigt. Überschlagen wir doch auch mal, welche Kosten dem Brautpaar durch diese unerwartete Sägeaktion entstanden sind.

Norma und Raoul haben 80 Gäste geladen, sie zahlen pro Kopf eine Pauschale von 170 Euro für Menü und Getränke. Dieser hohe Preis erklärt sich vor allem durch die exklusive Location in bester Hamburger Lage, direkt an der Alster. Wir reden also allein für den Raum und die Bewirtung von 13600 Euro.1 Dafür darf die Location von 18 Uhr bis 4 Uhr früh genutzt werden. 10 Stunden kann die Feier also dauern, wenn kein Aufpreis gezahlt werden soll.

13600 Euro geteilt durch 10 Stunden ergibt, dass...

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