Bindung in Psychologie und Medizin

Grundlagen, Klinik und Forschung - Ein Handbuch
 
 
Kohlhammer (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. November 2016
  • |
  • 416 Seiten
 
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978-3-17-032252-3 (ISBN)
 
Nachdem über viele Jahrzehnte in der Entwicklungspsychologie zahlreiche Befunde zur Bindungsentwicklung vorgelegt wurden, sind diese und die ursprünglich von John Bowlby entwickelte Bindungstheorie auch in der klinischen Psychologie, Psychotherapie und in der Medizin angekommen. Das Handbuch fasst die Befunde zur Bedeutung von Bindung in unterschiedlichen Lebensabschnitten ebenso zusammen wie Ergebnisse der klinischen Bindungsforschung bezogen auf psychische und körperliche Störungen. Die besondere Relevanz der Theorie liegt in ihren Anwendungsbereichen, also der Prävention und der Psychotherapie in unterschiedlichen Behandlungssettings.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Professor Dr. Bernhard Strauß, Dipl.-Psych., Psychologischer Psychotherapeut, ist Direktor des Instituts für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena. Dort ist er Vertreter der Fächer Medizinische Psychologie, Medizinische Soziologie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Professor Dr. med. Henning Schauenburg, Arzt für Neurologie und Psychiatrie sowie für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Psychoanalytiker (DGPT), ist Stellvertreter des Ärztlichen Direktors der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik der Universität Heidelberg.
1 - Deckblatt [Seite 1]
2 - Titelseite [Seite 4]
3 - Impressum [Seite 5]
4 - Inhaltsverzeichnis [Seite 6]
5 - Vorwort [Seite 18]
6 - Verzeichnis der Herausgeber und Autoren [Seite 20]
7 - Teil I Grundlagen [Seite 24]
7.1 - 1 Bindungsentwicklung im Kindesalter [Seite 26]
7.1.1 - 1.1 Einführung [Seite 26]
7.1.2 - 1.2 Phasen der Bindungsentwicklung [Seite 27]
7.1.3 - 1.3 Das Innere Arbeitsmodell von Bindung [Seite 28]
7.1.4 - 1.4 Individuelle Unterschiede der Bindungsqualität: Bindungssicherheit und Bindungsdesorganisation [Seite 30]
7.1.5 - 1.5 Determinanten von Bindungsunterschieden im Kindesalter [Seite 32]
7.1.5.1 - 1.5.1 Transmission von Bindung [Seite 32]
7.1.5.2 - 1.5.2 Elternverhalten: Feinfühligkeit als Prädiktor von Bindungssicherheit [Seite 34]
7.1.5.3 - 1.5.3 Elternverhalten: Prädiktoren der Bindungsdesorganisation [Seite 35]
7.1.5.4 - 1.5.4 Die Rolle individueller Dispositionen des Kindes [Seite 36]
7.1.6 - 1.6 Konsequenzen von Bindungsunterschieden für die Persönlichkeitsentwicklung [Seite 38]
7.2 - 2 Bindung und Mentalisierung in der Adoleszenz [Seite 42]
7.2.1 - 2.1 Einleitung [Seite 42]
7.2.2 - 2.2 Adoleszente Entwicklungsaufgaben [Seite 43]
7.2.2.1 - 2.2.1 Transformation der Qualität von Bindungsrepräsentationen [Seite 44]
7.2.2.2 - 2.2.2 Abwendung von den Eltern [Seite 44]
7.2.2.3 - 2.2.3 Ad hoc Bindungsbeziehungen zu Gleichaltrigen und erste romantische Beziehungen [Seite 45]
7.2.3 - 2.3 Bindungsnetzwerke in der Adoleszenz [Seite 46]
7.2.4 - 2.4 Transformation von Bindung aus ethologischer Sicht [Seite 47]
7.2.5 - 2.5 Integrierte und reflektierte Innere Arbeitsmodelle von Bindung [Seite 48]
7.2.6 - 2.6 Transformation von beziehungsspezifischen Bindungsmustern zu einem übergeordneten Inneren Arbeitsmodell von Bindung [Seite 49]
7.2.6.1 - 2.6.1 Stabilität von Bindung von der Kindheit zur Adoleszenz [Seite 50]
7.2.6.2 - 2.6.2 Bindungsstabilität aus genetischer Perspektive [Seite 52]
7.2.7 - 2.7 Individuelle Unterschiede der Bindungssicherheit in der Adoleszenz [Seite 53]
7.2.8 - 2.8 Risiken und Chancen der Bindungstransformation in der Adoleszenz [Seite 54]
7.3 - 3 Das Innere Arbeitsmodell von Bindung bei Erwachsenen [Seite 55]
7.3.1 - 3.1 Hintergründe und Ursprünge des Interesses an Bindung im Erwachsenenalter [Seite 55]
7.3.2 - 3.2 Das Adult Attachment Interview zur Erfassung des Inneren Arbeitsmodells von Bindung im Erwachsenenalter [Seite 58]
7.3.2.1 - 3.2.1 Die Durchführung des Adult Attachment Interview [Seite 58]
7.3.2.2 - 3.2.2 Die Auswertung des Adult Attachment Interview [Seite 60]
7.3.2.3 - 3.2.3 Besondere Merkmale und Funktionen des Adult Attachment Interviews [Seite 63]
7.3.3 - 3.3 Kontinuität und Diskontinuität des Inneren Arbeitsmodells (IAM) von Bindung [Seite 64]
7.3.3.1 - 3.3.1 Das Innere Arbeitsmodell von Bindung als zentrales Element für das Verständnis von Bindungsphänomenen [Seite 64]
7.3.3.2 - 3.3.2 Transgenerationale Übertragung von Bindung: Grundsätzliches und organisierte Muster [Seite 66]
7.3.3.3 - 3.3.3 Transgenerationale Übertragung von Bindungsdesorganisation: klinische Implikationen [Seite 67]
7.3.3.4 - 3.3.4 Kontinuität von Bindung bis ins und während des Erwachsenenalters [Seite 69]
7.3.3.5 - 3.3.5 Bindung und Beziehungsverhalten im Erwachsenenalter [Seite 72]
7.3.3.6 - 3.3.6 Bindungsabhängige Unterschiede in psychischen Funktionen [Seite 73]
7.3.4 - 3.4 Zusammenfassung [Seite 78]
7.4 - 4 Bindung im höheren Lebensalter [Seite 80]
7.4.1 - 4.1 Altern als psychische Herausforderung [Seite 80]
7.4.2 - 4.2 Ergebnisse bindungstheoretischer Alternsforschung [Seite 81]
7.4.2.1 - 4.2.1 Anzahl und Qualität der Bindungsbeziehungen im Alter [Seite 81]
7.4.2.2 - 4.2.2 Verteilung von Bindungsmerkmalen bei Älteren [Seite 81]
7.4.2.3 - 4.2.3 Zusammenhänge zwischen Bindungsmerkmalen und Wohlbefinden/Lebenszufriedenheit bei Älteren [Seite 83]
7.4.2.4 - 4.2.4 Zusammenhänge zwischen Bindungsmerkmalen und körperlichen Gesundheitsbeschwerden bei Älteren [Seite 85]
7.4.3 - 4.3 Zusammenfassung [Seite 86]
7.5 - 5 Bindung und Paarbeziehung [Seite 88]
7.5.1 - 5.1 Problem [Seite 88]
7.5.2 - 5.2 Theoretische Grundkonzeptionen, Klassifikation und Diagnostik [Seite 89]
7.5.3 - 5.3 Forschungsergebnisse [Seite 90]
7.5.3.1 - 5.3.1 Metaanalysen [Seite 90]
7.5.3.2 - 5.3.2 Befunde aus Primärstudien zu Partnerschaft und Bindung [Seite 91]
7.5.3.3 - 5.3.3 Befunde aus Primärstudien zu Paar-Interaktionen (einschließlich Aggression und Gewalt) und Bindung [Seite 92]
7.5.3.4 - 5.3.4 Befunde aus Primärstudien zu Emotionen, neuropsychologischer Selbstregulation und interaktioneller Ko-Regulation [Seite 93]
7.5.3.5 - 5.3.5 Befunde aus Primärstudien zu Sexualität und Bindung [Seite 94]
7.5.4 - 5.4 Spezifische Bindungsstörungen in Partnerschaften [Seite 95]
7.5.4.1 - 5.4.1 Das Vermeider-Ausweicher-Beziehungsdilemma [Seite 95]
7.5.4.2 - 5.4.2 Komplexe Traumafolgen und desorganisierten Beziehungen [Seite 96]
7.5.5 - 5.5 Diskussion [Seite 98]
7.6 - 6 Methoden zur Erfassung von Bindungsmerkmalen [Seite 102]
7.6.1 - 6.1 Einleitung [Seite 102]
7.6.2 - 6.2 Erhebung von Bindungsmerkmalen bei Kleinkindern im Alter von etwa zwölf Monaten [Seite 103]
7.6.3 - 6.3 Erhebung von Bindungsmerkmalen bei Kindern im Kindergarten-, Vorschul- und frühen Schulalter (2-9 Jahre) [Seite 105]
7.6.4 - 6.4 Erhebung von Bindungsmerkmalen im mittleren und späteren Schulalter (9-15 Jahre) [Seite 109]
7.6.5 - 6.5 Erhebung von Bindungsmerkmalen bei Adoleszenten und Erwachsenen (ab ca. 16 Jahre) [Seite 112]
7.6.6 - 6.6 Fragebogenmethoden zur Erfassung von Bindungsmerkmalen [Seite 116]
7.6.7 - 6.7 Schlussfolgerungen [Seite 120]
7.7 - 7 Neurobiologie der Bindung [Seite 123]
7.7.1 - 7.1 Einleitung [Seite 123]
7.7.2 - 7.2 Neurobiologische Mechanismen der Bindungsmotivation [Seite 124]
7.7.3 - 7.3 Der Einfluss von Bindung auf neurobiologische Funktionen [Seite 127]
7.7.3.1 - 7.3.1 Körperliche Stresssysteme [Seite 128]
7.7.3.2 - 7.3.2 Haupteffekt der Bindung auf stresssensitive biologische Funktionen [Seite 130]
7.7.3.3 - 7.3.3 Puffereffekt der Bindung auf die neurobiologische Stressantwort [Seite 131]
7.7.3.4 - 7.3.4 Beziehungsinterne Stressoren [Seite 131]
7.7.3.5 - 7.3.5 Beziehungsexterne Stressoren [Seite 131]
7.7.3.6 - 7.3.6 Bindung und Stress im Entwicklungsverlauf [Seite 133]
7.7.4 - 7.4 Ausblick [Seite 134]
7.7.5 - 7.5 Zusammenfassung [Seite 134]
8 - Teil II Klinische Themen [Seite 136]
8.1 - 8 Bindungsbezogene psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen [Seite 138]
8.1.1 - 8.1 Einleitung [Seite 138]
8.1.2 - 8.2 Unsichere Bindungsmuster, elterliche Erziehungsstile und Psychopathologie [Seite 138]
8.1.2.1 - 8.2.1 Zusammenhänge zwischen unsicheren Bindungsstilen und verschiedenen Störungsbildern bei Kindern und Jugendlichen [Seite 138]
8.1.2.2 - 8.2.2 Unsichere Bindungsmuster, elterliche Erziehungsstile und Psychopathologie [Seite 140]
8.1.2.3 - 8.2.3 Hochunsichere Bindungen, Bindungsstörungen und Traumata und ihr Einfluss auf Psychopathologie [Seite 141]
8.1.2.4 - 8.2.4 Einflüsse elterlicher psychischer Störungen und desorganisierte Bindungsmuster ihrer Kinder [Seite 144]
8.1.3 - 8.3 Forschungsprobleme und Forschungsbedarf [Seite 146]
8.1.4 - 8.4 Klinische Implikationen [Seite 148]
8.1.5 - 8.5 Ausblick [Seite 151]
8.2 - 9 Bindungsdesorganisation [Seite 152]
8.2.1 - 9.1 Einleitung [Seite 152]
8.2.2 - 9.2 Definition von Bindung und internalen Arbeitsmodellen von Bindung [Seite 152]
8.2.3 - 9.3 Bindung als Schutz- und Risikofaktor für die psychische Entwicklung [Seite 153]
8.2.4 - 9.4 Genetische Abweichungen bei Kindern mit einer desorganisierten Bindung [Seite 154]
8.2.5 - 9.5 Transgenerationale Weitergabe von Bindung [Seite 155]
8.2.6 - 9.6 Einfluss von Bindungssicherheit oder Bindungsunsicherheit auf die körperliche und psychische Gesundheit [Seite 156]
8.2.7 - 9.7 Diagnostik von Bindungsdesorganisation bzw. unverarbeiteten Traumata [Seite 157]
8.2.8 - 9.8 Befunde zur Bindungsdesorganisation bei verschiedenen Störungsbildern [Seite 159]
8.2.9 - 9.9 Genetische und neuronale Korrelate von Bindungsdesorganisation [Seite 160]
8.2.10 - 9.10 Fazit [Seite 161]
8.3 - 10 Bindungsprozesse bei Angststörungen [Seite 163]
8.3.1 - 10.1 Einleitung [Seite 163]
8.3.2 - 10.2 Panik und Agoraphobie - Definition und klinisches Erscheinungsbild [Seite 164]
8.3.3 - 10.3 Bindungstheorie und die Ätiologie der Angststörung [Seite 165]
8.3.4 - 10.4 Interpersonelle Faktoren als Auslöser von Angststörungen [Seite 166]
8.3.5 - 10.5 Angstvulnerabilität als ätiologisches Modell für die Entstehung der Panikattacken und der Agoraphobie [Seite 167]
8.3.5.1 - 10.5.1 Genetische Modelle [Seite 168]
8.3.5.2 - 10.5.2 Neurophysiologische Vulnerabilität [Seite 168]
8.3.5.3 - 10.5.3 Bindung und Psychophysiologie [Seite 168]
8.3.5.4 - 10.5.4 Konditionierungsmodell [Seite 168]
8.3.5.5 - 10.5.5 Kognitive Faktoren [Seite 169]
8.3.5.6 - 10.5.6 Kindliche Trennungsangst [Seite 169]
8.3.5.7 - 10.5.7 Elterlicher Erziehungsstil [Seite 169]
8.3.5.8 - 10.5.8 Konfliktdynamik der Panikstörung [Seite 169]
8.3.5.9 - 10.5.9 Von der Panikattacke zur Panikstörung [Seite 170]
8.3.5.10 - 10.5.10 Erwartungsangst [Seite 170]
8.3.6 - 10.6 Das Bindungs- und Entwicklungstrauma bei Angststörungen [Seite 170]
8.3.7 - 10.7 Bindungsklassifikation bei Angststörungen [Seite 172]
8.3.8 - 10.8 Bindung, Selbstkonzepte und Konflikttoleranz bei Angststörungen [Seite 173]
8.3.9 - 10.9 Interpersonelles Wechselspiel von Bindungssicherheit und Konflikt [Seite 174]
8.3.10 - 10.10 Angststörungen und Psychotherapie [Seite 175]
8.3.11 - 10.11 Bindungsorientierte Psychotherapie [Seite 176]
8.3.11.1 - 10.11.1 Therapieleitfaden [Seite 176]
8.3.11.2 - 10.11.2 Therapierational bei verstrickter Bindungsunsicherheit: [Seite 178]
8.3.11.3 - 10.11.3 Vermeidender Bindungsstil [Seite 178]
8.3.12 - 10.12 Zusammenfassung [Seite 179]
8.4 - 11 Bindungsaspekte bei der Depression [Seite 180]
8.4.1 - 11.1 Einleitung [Seite 180]
8.4.2 - 11.2 Biologie, Bindung und Depression - eine Vorbemerkung [Seite 180]
8.4.3 - 11.3 Bindungsbezogene Krankheitsmodelle der Depression [Seite 181]
8.4.4 - 11.4 Bindungsaspekte der Depression [Seite 182]
8.4.4.1 - 11.4.1 Bindungsmuster bei depressiven Erkrankungen [Seite 182]
8.4.4.2 - 11.4.2 Transgenerationale Weitergabe depressiver Risikofaktoren [Seite 184]
8.4.4.3 - 11.4.3 Von der frühen Bindungsunsicherheit zur Depression des Erwachsenen [Seite 184]
8.4.4.4 - 11.4.4 Bindungssicherheit, Emotionsregulation und Konfliktverarbeitung [Seite 186]
8.4.5 - 11.5 Bindungsaspekte in der Psychotherapie depressiver Erkrankungen [Seite 188]
8.4.5.1 - 11.5.1 Bindungsmuster und Therapieergebnis [Seite 188]
8.4.5.2 - 11.5.2 Bindungsbezogene Wirkfaktoren [Seite 189]
8.4.6 - 11.6 Zusammenfassung [Seite 190]
8.5 - 12 Bindung und Persönlichkeitsstörungen [Seite 191]
8.5.1 - 12.1 Persönlichkeitsstörungen und unsichere Bindung [Seite 191]
8.5.2 - 12.2 Zusammenhänge der einzelnen Persönlichkeitsstörungen mit Bindung [Seite 193]
8.5.2.1 - 12.2.1 Paranoide Persönlichkeitsstörung [Seite 193]
8.5.2.2 - 12.2.2 Schizoide Persönlichkeitsstörung [Seite 193]
8.5.2.3 - 12.2.3 Schizotypische Persönlichkeitsstörung [Seite 194]
8.5.2.4 - 12.2.4 Antisoziale Persönlichkeitsstörung [Seite 195]
8.5.2.5 - 12.2.5 Borderline-Persönlichkeitsstörung [Seite 195]
8.5.2.6 - 12.2.6 Histrionische Persönlichkeitsstörung [Seite 196]
8.5.2.7 - 12.2.7 Narzisstische Persönlichkeitsstörung [Seite 197]
8.5.2.8 - 12.2.8 Vermeidende Persönlichkeitsstörung [Seite 199]
8.5.2.9 - 12.2.9 Dependente Persönlichkeitsstörung [Seite 199]
8.5.2.10 - 12.2.10 Zwanghafte Persönlichkeitsstörung [Seite 200]
8.5.3 - 12.3 Abschließende Bewertung [Seite 201]
8.6 - 13 Bindung und substanzbezogene Störungen [Seite 202]
8.6.1 - 13.1 Einleitung [Seite 202]
8.6.2 - 13.2 Substanzbezogene Störungen [Seite 202]
8.6.3 - 13.3 Theoretisches Modell der Zusammenhänge zwischen Bindung und substanzbezogenen Störungen [Seite 203]
8.6.4 - 13.4 Empirie [Seite 204]
8.6.4.1 - 13.4.1 Methodische Probleme [Seite 204]
8.6.4.2 - 13.4.2 Sichere und unsichere Bindung [Seite 205]
8.6.4.3 - 13.4.3 Befunde zu einzelnen Bindungsmustern [Seite 205]
8.6.4.4 - 13.4.4 Befunde zu spezifischen Konsumentengruppen [Seite 206]
8.6.4.5 - 13.4.5 Exkurs: Ist Bindung eine Suchtstörung? [Seite 207]
8.6.4.6 - 13.4.6 Adoleszenz und familiäre Bindungsmuster [Seite 207]
8.6.4.7 - 13.4.7 Exkurs: Elterliche Sucht als Risikofaktor [Seite 208]
8.6.5 - 13.5 Diskussion [Seite 209]
8.6.6 - 13.6 Therapeutische Implikationen [Seite 209]
8.6.6.1 - 13.6.1 Die therapeutische Beziehung [Seite 209]
8.6.6.2 - 13.6.2 Mentalisierungsbasierte Psychotherapie (MBT) [Seite 210]
8.6.6.3 - 13.6.3 Systemisch-familientherapeutische Ansätze [Seite 210]
8.6.7 - 13.7 Fazit [Seite 211]
8.7 - 14 Bindung und somatoforme Störungen [Seite 212]
8.7.1 - 14.1 Einleitung [Seite 212]
8.7.2 - 14.2 Verhältnis zum Körper und interaktionelle Aspekte bei somatoformen Störungen [Seite 212]
8.7.3 - 14.3 Körper und Beziehung: eine entwicklungspsychologische Perspektive [Seite 213]
8.7.4 - 14.4 Ein bindungstheoretisches Modell somatoformer Störungen [Seite 215]
8.7.4.1 - 14.4.1 Bindung, Mentalisierung und Affektregulation [Seite 216]
8.7.4.2 - 14.4.2 Bindung und Stressregulation [Seite 217]
8.7.4.3 - 14.4.3 Bindung und Schmerzwahrnehmung [Seite 219]
8.7.4.4 - 14.4.4 Bindung und Krankheitsverhalten [Seite 220]
8.7.5 - 14.5 Untersuchungen zur Bindungsrepräsentationen bei somatoformen Störungen [Seite 221]
8.7.6 - 14.6 Ausblick: klinische Implikationen [Seite 223]
8.8 - 15 Bindung, körperliche Krankheit und Krankheitsbewältigung [Seite 225]
8.8.1 - 15.1 Einleitung [Seite 225]
8.8.2 - 15.2 Bindung und physiologische Stressverarbeitung [Seite 227]
8.8.3 - 15.3 Bindung und Rückgriff auf externe Stressregulatoren [Seite 228]
8.8.4 - 15.4 Bindung und Krankheitsverarbeitung [Seite 230]
8.8.5 - 15.5 Zusammenfassung und Ausblick [Seite 232]
9 - Teil III Interventionen/Psychotherapie [Seite 236]
9.1 - 16 Frühe Hilfen und Kinderschutz [Seite 238]
9.1.1 - 16.1 Einleitung [Seite 238]
9.1.2 - 16.2 Frühe Hilfen und Kinderschutz: Entwicklungen in Deutschland [Seite 238]
9.1.3 - 16.3 Interdisziplinäre Kooperations- und Vernetzungsstrukturen für passgenaue Unterstützung und Versorgung von jungen Familien [Seite 240]
9.1.4 - 16.4 Optimierung des Angebotsrepertoires zur Förderung elterlicher Beziehungs- und Erziehungskompetenzen [Seite 242]
9.1.5 - 16.5 Stand der empirischen Evaluation zur Förderung elterlicher Beziehungs- und Erziehungskompetenzen [Seite 245]
9.1.6 - 16.6 Zusammenfassung und Ausblick [Seite 249]
9.2 - 17 Bindungsaspekte in der primärmedizinischen Versorgung [Seite 251]
9.2.1 - 17.1 Einführung und bindungstheoretische Grundlagen [Seite 251]
9.2.2 - 17.2 Interindividuelle Unterschiede in den Bindungsmerkmalen [Seite 252]
9.2.3 - 17.3 Modell der Aktivierung des Bindungssystems und deren Bedeutung für die Primärmedizin [Seite 253]
9.2.4 - 17.4 Bindung und Krankheitsverarbeitung [Seite 256]
9.2.5 - 17.5 Bindung und Selbstmanagement in der Primärversorgung [Seite 256]
9.2.6 - 17.6 Die Arzt-Patient-Beziehung in der Primärmedizin [Seite 257]
9.2.7 - 17.7 Bindungsmerkmale des Arztes [Seite 259]
9.2.8 - 17.8 Bindung als Prädiktor für Adherence und Behandlungserfolg [Seite 259]
9.2.9 - 17.9 Ausblick [Seite 260]
9.3 - 18 Bindung und Psychotherapie [Seite 261]
9.3.1 - 18.1 Einleitung [Seite 261]
9.3.2 - 18.2 Hintergrund [Seite 261]
9.3.3 - 18.3 Bindung als Prädiktor [Seite 263]
9.3.4 - 18.4 Bindung als Outcome [Seite 265]
9.3.5 - 18.5 Desiderate für zukünftige Forschung [Seite 267]
9.3.6 - 18.6 Fazit für die therapeutische Praxis [Seite 269]
9.4 - 19 Bindungsaspekte im Psychotherapieprozess [Seite 271]
9.4.1 - 19.1 Einleitung [Seite 271]
9.4.2 - 19.2 Theoretische und klinische Grundlagen [Seite 271]
9.4.3 - 19.3 Bindungsmerkmale von Patienten [Seite 272]
9.4.3.1 - 19.3.1 Exploration in der Psychotherapie: Öffnungsbereitschaft und narrativer Prozess [Seite 273]
9.4.3.2 - 19.3.2 Qualität der therapeutischen Allianz [Seite 274]
9.4.3.3 - 19.3.3 Andere Merkmale von therapeutischen Beziehungen [Seite 276]
9.4.4 - 19.4 Bindungsmerkmale von Therapeuten [Seite 277]
9.4.4.1 - 19.4.1 Verteilung der Bindungsmuster von Therapeuten [Seite 277]
9.4.4.2 - 19.4.2 Reaktion und Gegenübertragung auf verschiedene Patienten [Seite 278]
9.4.4.3 - 19.4.3 Therapeutische Allianz und Bindung an den Therapeuten [Seite 279]
9.4.4.4 - 19.4.4 Passung von Patienten und Therapeuten [Seite 280]
9.4.5 - 19.5 Veränderungen von Bindungsmerkmalen während der Therapie [Seite 282]
9.4.6 - 19.6 Implikationen für die therapeutische Praxis [Seite 283]
9.5 - 20 Bindungsaspekte in der Gruppenpsychotherapie [Seite 284]
9.5.1 - 20.1 Einleitung [Seite 284]
9.5.2 - 20.2 Bindung und Gruppentherapie: Theoretische Überlegungen [Seite 284]
9.5.3 - 20.3 Befunde zum Zusammenhang zwischen Bindungsmerkmalen und Gruppenprozessen [Seite 288]
9.5.4 - 20.4 Bindungsstatus und Behandlungserfolg in Gruppentherapien [Seite 291]
9.5.5 - 20.5 Schlussfolgerungen [Seite 291]
9.6 - 21 Bindungstheorie und Verhaltenstherapie [Seite 295]
9.6.1 - 21.1 Einleitung [Seite 295]
9.6.2 - 21.2 Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) [Seite 296]
9.6.2.1 - 21.2.1 Liste prägender Bezugspersonen und Übertragungshypothese [Seite 296]
9.6.2.2 - 21.2.2 Diszipliniertes persönliches Einlassen [Seite 297]
9.6.2.3 - 21.2.3 Situationsanalyse [Seite 298]
9.6.2.4 - 21.2.4 Zusammenhang zwischen CBASP und Bindungstheorie [Seite 298]
9.6.3 - 21.3 Strategisch-Behaviorale Therapie (SBT) [Seite 299]
9.6.3.1 - 21.3.1 Überlebensregel [Seite 299]
9.6.3.2 - 21.3.2 Interventionen aus der SBT [Seite 300]
9.6.3.3 - 21.3.3 Zusammenhang zwischen SBT und Bindungstheorie [Seite 301]
9.6.4 - 21.4 Schematherapie [Seite 301]
9.6.4.1 - 21.4.1 Interventionen aus der Schematherapie [Seite 302]
9.6.4.2 - 21.4.2 Zusammenhang zwischen Schematherapie und Bindungstheorie [Seite 303]
9.6.5 - 21.5 Interpersonelle Psychotherapie (IPT) [Seite 304]
9.6.6 - 21.6 Verschiedene weitere Verfahren [Seite 305]
9.6.7 - 21.7 Zusammenfassung [Seite 306]
9.7 - 22 Bindungstheorie und Humanistische Psychotherapie [Seite 307]
9.7.1 - 22.1 Einleitung [Seite 307]
9.7.2 - 22.2 Zur Bedeutung einer emotionalen zwischenmenschlichen Beziehung für die menschliche Entwicklung [Seite 307]
9.7.3 - 22.3 Grundannahmen der Gesprächspsychotherapie zur Persönlichkeitsentwicklung [Seite 308]
9.7.4 - 22.4 Die Persönlichkeitstheorie von Rogers und die Bindungstheorie von Bowlby im Vergleich [Seite 309]
9.7.5 - 22.5 Zur Qualität der Beziehung zwischen Kind und Pflegeperson [Seite 311]
9.7.5.1 - 22.5.1 Die Qualität einer bindungsfördernden Beziehung aus Sicht der Bindungstheorie [Seite 311]
9.7.5.2 - 22.5.2 Die Qualität einer psychischen Stabilität fördernden Beziehung aus Sicht der Gesprächspsychotherapie [Seite 312]
9.7.6 - 22.6 Mentalisierung und empathische Erfassung des Inneren Bezugsrahmens [Seite 312]
9.7.7 - 22.7 Ein empirischer Vergleich von »Mentalisierung« und »Selbstexploration« [Seite 314]
9.7.8 - 22.8 Welchen praktischen Gewinn können humanistische Therapieansätze aus den Erkenntnissen der Bindungstheorie ziehen? [Seite 315]
9.7.9 - 22.9 Zusammenfassung [Seite 315]
9.8 - 23 Bindungstheorie und Psychodynamische Therapie [Seite 317]
9.8.1 - 23.1 Einleitung [Seite 317]
9.8.2 - 23.2 Die Veränderbarkeit von unsicheren Bindungsrepräsentationen durch Psychodynamische Psychotherapien [Seite 320]
9.8.2.1 - 23.2.1 Psychodynamische Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung [Seite 320]
9.8.2.2 - 23.2.2 Langzeitpsychoanalysen und Veränderung von Bindungsrepräsentationen im Münchner Bindungs- und Wirkungsforschungsprojekt [Seite 322]
9.8.2.3 - 23.2.3 Veränderung von Bindungsrepräsentation bei chronisch depressiven Patienten in der Hanse-Neuro-Psychoanalyse-Studie [Seite 323]
9.8.2.4 - 23.2.4 Einsatz der Bindungsdiagnostik in der Katathym Imaginativen Therapie [Seite 325]
9.8.3 - 23.3 Fazit [Seite 327]
9.9 - 24 Bindung, Paar-/Familientherapie und Systemische Therapie [Seite 328]
9.9.1 - 24.1 Problem [Seite 328]
9.9.2 - 24.2 Systemische Therapie und ihre theoretischen Grundlagen [Seite 329]
9.9.3 - 24.3 Bindungstheorie [Seite 330]
9.9.4 - 24.4 Versuch einer Integration: Systemische Bindungstheorie [Seite 331]
9.9.5 - 24.5 Implikationen für die therapeutische Praxis [Seite 333]
9.9.6 - 24.6 Spezifische bindungsorientiert-systemische Paar- und Familientherapie-Ansätze [Seite 337]
9.9.6.1 - 24.6.1 Emotionsfokussierte Paartherapie (Emotion Focused Couple Therapy, EFT) [Seite 337]
9.9.6.2 - 24.6.2 Multidimensionale Familientherapie (Multidimensional Family Therapy, MDFT) [Seite 338]
9.9.6.3 - 24.6.3 Bindungsorientierte Familientherapie (Attachment-Based Family Therapy, ABFT) [Seite 339]
9.9.7 - 24.7 Diskussion und Ausblick [Seite 340]
10 - Teil IV Versuch einer Integration [Seite 342]
10.1 - 25 Bindung in Psychologie und Medizin - Perspektiven einer klinischen Bindungsforschung [Seite 344]
10.1.1 - 25.1 Einleitung [Seite 344]
10.1.2 - 25.2 In welchem Spannungsfeld bewegt sich die Bindungstheorie und -forschung heute? [Seite 344]
10.1.2.1 - 25.2.1 Manifestationen von Bindungsstrategien und ihre Erfassung [Seite 346]
10.1.2.2 - 25.2.2 Psychobiologie der Bindung [Seite 348]
10.1.2.3 - 25.2.3 Bindung und (Psycho-)Pathologie [Seite 348]
10.1.2.4 - 25.2.4 Bindung und psychologische Interventionen [Seite 349]
10.1.3 - 25.3 Was nützt die Bindungstheorie den Psychotherapeuten? [Seite 351]
10.1.4 - 25.4 Potential und Grenzen der Bindungstheorie in Psychologie und Medizin [Seite 352]
11 - Literaturverzeichnis [Seite 353]
12 - Stichwortverzeichnis [Seite 410]

 

1          Bindungsentwicklung im Kindesalter


Gottfried Spangler und Iris Reiner


 

1.1       Einführung


Unser Wissen über die Bindungsentwicklung beim Kind ist wesentlich durch die Bindungstheorie und die darauf aufbauende empirische Forschung geprägt. Die Bindungstheorie geht auf John Bowlby zurück (1969), der sie in den 1950er Jahren vor dem Hintergrund psychoanalytischer und verhaltensbiologischer Grundannahmen erstmals formuliert hat. Sie befasst sich mit dem Aufbau von emotionalen Beziehungen zwischen dem Kind und seinen Bezugspersonen, deren individuellen und sozialen Grundlagen sowie mit deren Konsequenzen für die weitere Entwicklung. Im Gegensatz zu früheren psychoanalytischen und lerntheoretischen Vorstellungen von Bindung als sekundärem Motivationssystem, das sich aus der Befriedigung von Primärbedürfnissen des Säuglings (z. B. Hunger) durch die Mutter entwickelt, wird Bindung aus der Sicht der Bindungstheorie als ein Primärmotiv gesehen, also einem grundlegenden Bedürfnis des Kindes nach Geborgenheit, Kontakt und Liebe, welches sich unabhängig von anderen Primärbedürfnissen entwickelt. Die Entstehung des Primärmotivs wird phylogenetisch mit dessen biologischer Schutzfunktion bzw. dem daraus resultierenden Überlebenswert erklärt. Das Potential zur Ausbildung des Bindungsverhaltenssystems ist also universell. Allerdings können sich durch Lerneinflüsse Unterschiede in ihrer qualitativen Ausprägung ausbilden (Grossmann und Grossmann, 1986a).

Die psychologische Funktion von Bindung besteht in der emotionalen Regulation des Kindes (z. B. Zimmermann, 1999). Vor allem Neugeborene und Säuglinge sind auf Regulation durch ihre Bezugspersonen angewiesen. Ältere Säuglinge können ihr Verhalten in Alltagssituationen, die nur geringe emotionale Belastungen mit sich bringen, zu einem gewissen Grad selbst organisieren (Als, 1986; Spangler et al., 1994), benötigen aber die Unterstützung der Bindungsperson, um Situationen, die in ihnen negative Emotionen auslösen, angemessen bewältigen zu können. Entsprechende Erfahrungen führen zum Aufbau spezifischer Erwartungen des Kindes bezüglich der Verfügbarkeit der Bezugsperson, die sich nach Bowlby in sogenannten Inneren Arbeitsmodellen von Bindung widerspiegeln und welche in zukünftigen bindungsrelevanten, emotional belastenden Situationen entscheidend zur Verhaltens- und Emotionsregulation beitragen. Nachdem dies etwa bis zur Mitte des 2. Lebensjahres prozedural organisiert ist, also kindliche Erwartungen mit spezifischen Verhaltensstrategien einhergehen, spielen mit fortschreitender kognitiver und sprachlicher Entwicklung zunehmend mentale Strategien und kognitive Repräsentationen eine zunehmend wichtige Rolle in der Organisation des Inneren Arbeitsmodells (Spangler und Zimmermann, 1999). Diese beinhalten schließlich Vorstellungen und Erwartungen bezüglich der Bezugsperson und ihrer Verfügbarkeit, über die eigene Person und verfügbare Handlungsmöglichkeiten und Bewertungen über die Bedeutung von Bindungen.

Sowohl die biologische Schutzfunktion als auch die emotionale Regulationsfunktion von Bindung wird gewährleistet durch eine stabile Neigung des Kindes, Nähe zu Bezugsperson zu suchen. Zur Herstellung von Nähe dienen Bindungsverhaltensweisen, beim Kleinkind beispielsweise Schreien, Weinen, Anklammern, Rufen oder Nachfolgen. All diese Verhaltensweisen haben Nähe oder Körperkontakt zur Bezugsperson zur Folge, entweder weil sie die Bezugsperson veranlassen, die Nähe zum Kind herzustellen, oder weil das Kind diese Nähe aktiv herstellt. Bindungsverhalten zeigt das Kind allerdings nur dann, wenn sein Bindungsverhaltenssystem aktiviert ist, welches die innere Organisation von Bindung darstellt. Das Bindungsverhaltenssystem steht antithetisch zum Explorationsverhaltenssystem (Bowlby, 1969; Ainsworth et al., 1978), einem weiterem biologisch angelegtem Verhaltenssystem, das darauf ausgerichtet ist, die Umwelt zu erkunden. Eine Aktivierung des Explorationsverhaltenssystems ist nur dann möglich, wenn das Bindungsverhaltenssystems nicht aktiviert ist, da das Gefühl gewisser psychischer Sicherheit Voraussetzung für Spiel und Exploration beim Kind ist. Gleichermaßen führt eine Aktivierung des Bindungssystems unmittelbar zu einer Deaktivierung des Explorationsverhaltenssystems. Auf Seiten der Bezugsperson steht dem Bindungsverhaltenssystem des Kindes das sogenannte Fürsorgeverhaltenssystem gegenüber, welches Aufmerksamkeit gegenüber dem Kind und eine Bereitschaft oder Tendenz beinhaltet, auf kindliches Signalverhalten angemessen zu reagieren. Durch die Komplementarität der Verhaltenssysteme ist das Kind prä-adaptiv an seine soziale Umwelt angepasst.

Die Organisation des Bindungsverhaltenssystems erfolgt nach Bowlby (1969) über Emotionen, die als Bewertungsprozesse der gegebenen Situation sowohl als Warnsystem zur Regulation der eigenen Verhaltensweisen als auch - über den emotionalen Ausdruck - als Kommunikationssystem zur Regulation der Verhaltensweisen der Bezugsperson dienen. So aktivieren negative Emotionen des Kindes (z. B. Kummer oder Angst) das Bindungsverhaltenssystem, was durch Weinen oder ängstliches Rufen zum Ausdruck kommt und/oder aktives Bindungsverhalten wie Suchen oder Nachfolgen hervorruft. Durch den emotionalen Ausdruck teilt das Kind dabei der Bezugsperson seine emotionalen Bedürfnisse mit und veranlasst sie über die Aktivierung ihres Fürsorgeverhaltenssystems, Körperkontakt aufzunehmen und es zu trösten (Bowlby, 1969). Beide Prozesse, also sowohl die internen wie die externen Regulationsmechanismen, tragen zur Herstellung und Aufrechterhaltung der nötigen Nähe zur Bezugsperson bei.

1.2       Phasen der Bindungsentwicklung


Kindliche Bindungen entwickeln sich im Laufe der ersten Lebensjahre in vier Phasen (Bowlby, 1969; Marvin und Bittner, 2008). Bindungsverhaltensweisen wie Weinen, Schreien oder Anklammern zeigt ein Kind schon nach der Geburt. In der ersten Phase von zwei bis drei Monaten zeigt das Kind deutlich Orientierungsverhalten gegenüber Menschen, reagiert spezifisch auf soziale Reize, differenziert aber noch kaum zwischen verschiedenen Personen. Während dieser Phase werden allerdings beim Kind schon gewisse Erwartungen an Personen seiner Umwelt aufgebaut (Ainsworth et al., 1978). In der zweiten Phase, die bis etwa zum 6. Monat dauert, wird das Orientierungsverhalten zunehmend auf vertraute Personen, die primären Bezugspersonen, beschränkt. Von einer Bindung wird hier noch nicht ausgegangen. In der dritten Phase, ab ca. sechs bis sieben Monaten, wird das Kind zunehmend wählerisch im Umgang mit Personen. Fremden begegnet es mit Zurückhaltung, Vorsicht oder Angst. Es bemüht sich, Nähe zur Bezugsperson aufrechtzuerhalten und benutzt sie als «sichere Basis« für seine Erkundungen der Umwelt. Es zeigt Kummer, wenn die Bezugsperson weggeht, und lässt sich gegebenenfalls nur von ihr trösten. Mit fortschreitender lokomotorischer Entwicklung zeigt es zusätzlich zu Signalverhalten zunehmend aktives Bindungsverhalten in Form von Kontaktaufnahme, Nachfolgen usw. Die Bindungsverhaltensweisen sind zunehmend ziel-orientiert und werden dem Bindungsverhaltenssystem funktionell untergeordnet (Ainsworth et al., 1978), so dass sie in Abhängigkeit vom Aktivierungszustand des Bindungsverhaltenssystems nach Art und Intensität zunehmend flexibel eingesetzt werden können. In der vierten Phase, die etwa im dritten Lebensjahr beginnt, bildet das Kind eine zielkorrigierte Partnerschaft zu seinen Bezugspersonen aus (Marvin und Bittner, 2008). Es ist aufgrund seiner kognitiven Entwicklung nun auch zunehmend in der Lage, Erwartungen, Bedürfnisse und Pläne der Bezugspersonen in die eigene Verhaltenssteuerung mit einzubeziehen und sie mit eigenen Plänen zu koordinieren. Das Kind kann auf zielkorrigierte Weise mit der Bezugsperson um Zeitpunkt und Ausmaß von Nähe verhandeln und benötigt zunehmend weniger körperlichen Kontakt zur emotionalen Regulation.

Die Bindungsentwicklung ist kein individueller Prozess auf Seiten des Kindes, sondern findet in enger Wechselwirkung mit dem Interaktionsverhalten der Bezugsperson statt, deren komplementäres Fürsorgeverhaltenssystem prä-adaptiv zum kindlichen Verhalten ist. Nach Bowlby (1969) versuchen auch Mütter, eine gewisse Nähe zum Kind aufrechtzuerhalten, und zeigen Rückholverhalten, wenn das Kind zu weit entfernt ist. Eine wesentliche Komponente des elterlichen Fürsorgeverhaltens ist nach Ainsworth et al. (1978) die Feinfühligkeit der Mutter für kindliche Signale. Durch die prä-adaptiv komplementären Verhaltenssysteme von Kind und Eltern ist in der Regel die Entwicklung einer ersten Bindung gewährleistet. Steht allerdings keine Bindungsperson zur Verfügung, so hat dies gravierende Konsequenzen, wie die...

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