TEXAS MUSTANG #28: Rosco bricht durch

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. April 2020
  • |
  • 131 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-3932-3 (ISBN)
 
US-Marshal Allison hat aus King, einem wilden Mustanghengst, einen hervorragenden Helfer gemacht, dessen Eigenschaften ihm mehr als einmal entscheidend zugute kamen und kommen. Eines Tages findet Allison ein verlassenes Adlerjunges. Er versorgt es, zieht es mühsam auf und richtet den heranwachsenden Steinadler mit Hilfe eines erfahrenen Falkners ab. Er nennt den Adler Sky. Fast ein Jahr dauert es, bis aus dem scheuen Greif ein Vogel wird, von dem Allisons Gegner sagen, er ist zu der besten Waffe des US-Marshals geworden. Ein Mann, ein Mustang und ein Adler - ein stahlhartes Trio im Kampf gegen Unrecht und Gewalt.
  • Deutsch
  • 0,44 MB
978-3-7389-3932-3 (9783738939323)

1


In der Mittagsglut war die Luft zum Schneiden. Über den Felsen flimmerte die Atmosphäre. Und das einzige Geräusch, das in Allisons Ohren drang, war das Summen der vielen Insekten, die zwischen den mageren Sträuchern am Felshang herumschwirrten.

Allison hatte seinen mächtigen Steinadler ein Stück entfernt auf einem Felsvorsprung sitzen. Und dort saß der Aar und äugte das Tal entlang, das tief unten wie eine Kerbe im zerrissenen Gebirge verlief. Im Grunde des Canyons herrschte Schatten, was den Adler, aber auch Allison fast sehnsüchtig in die Tiefe blicken ließ, denn hier oben kochte die Luft.

Der Knall der Schüsse zerriss die Stille, und das Echo brach sich vielfältig an den Felswänden, um schließlich grollend durch den Canyon zu hallen. Unmittelbar danach war die Stille vollkommen. Nicht einmal die Insekten gaben einen Laut von sich. Allison meinte das Blut in seinen Adern rauschen zu hören.

Es dauerte nur ein oder zwei Sekunden. Dann war die Überraschung überwunden.

"Sky, flieg!", zischte Allison, und der mächtige Aar hob die Schwingen, schien sie in der Luft ausschütteln zu wollen, stieß sich dann ab und schwebte mit gewaltigen Flügelschlägen in den Canyon ein, zog höher, überstieg die schroffen Felsgrate, flog empor zum Himmel, der in tiefem Blau wie eine Glocke über der Landschaft stand. Höher und höher schwebte der Aar, zog dann einen Bogen, verhielt und rüttelte, scheinbar auf der Stelle stehend.

Allison war sich klar darüber, dass Sky sich genau über der Stelle befand, wo unten die Schüsse gefallen waren. Seiner Schätzung nach war das etwa eine halbe Meile von hier entfernt, eine halbe Meile Luftlinie. Um dort hinzukommen aber hätte er über diesen Felskamm klettern müssen, der mit seinen bizarren Zacken und seiner fast senkrecht abfallenden Steilwand den Canyon von der Felsmulde trennte, sich auf der anderen Seite ausbreitete. Nach Allisons Berechnungen war die Stelle, über der Sky schwebte, in frühestens drei Stunden zu erreichen, so nahe sie auch zu sein schien.

Mit einem schrillen Adlerschrei machte Sky wieder auf sich aufmerksam. Und dann flog er auf einmal weiter. Es war, als wollte er dem Verlauf des Felskammes folgen. Er entfernte sich mehr und mehr von Allisons Beobachtungsplatz, zog nach Südwesten davon. Aber er flog nicht schnell. Einmal kehrte er sogar wieder um, kam ein Stück zurück, folgte aber wieder nach einiger Zeit der alten Richtung.

Etwas bewegt sich dort unten, und Sky bleibt ihm auf den Fersen, dachte Allison. Es wird Zeit, dass ich mich auf die Socken mache.

Allmählich hatte sich Sky so weit entfernt, dass Allison ihn mit bloßem Auge nicht mehr sehen konnte. Er versuchte ihn noch mit dem Fernglas zu beobachten, aber da hätte er hier oben auf seinem Standplatz bleiben müssen. Er aber musste abwärts klettern, um zu seinem Pferd zu gelangen. King, sein herrlicher Schwarzscheck, stand irgendwo dort unten im Schatten. Aber die Minuten der Ruhe waren jetzt vorbei.

Fast eine Viertelstunde brauchte Allison, bis er unten jenen Platz erreicht hatte, wo der Hengst stand. Er zog ihm den Sattelgurt stramm, tätschelte den Schwarzscheck liebevoll am Hals, dann saß er auf. Prüfend blickte er zum Himmel empor, aber von Sky war dort nichts zu sehen.

Er musste, um zu jener Stelle zu kommen, wo die Schüsse gefallen sein konnten, einen gewaltigen Umweg machen. Aber sonst hätte er sein Pferd nicht mitnehmen können, und darauf wollte er auch nicht verzichten.

Er war fast zwei Meilen weit nach Osten geritten, erreichte jetzt einen Seitencanyon und folgte dessen Verlauf bergan. Als der Canyon in einem Geröllhang endete, saß Allison ab und führte den Hengst den Geröllhang empor. Noch bevor er mit seinem Tier oben anlangte, tauchte Sky am Himmel auf. Er flog in großer Höhe, kam aber, als er seinen zweibeinigen Freund erspäht hatte, rasch tiefer und setzte sich dann auf das Sattelhorn des Hengstes, reckte noch einmal die Schwingen und zog sie dann ein.

"Jetzt müsstest du reden können", brummte Allison, "dann wüsste ich, was du gesehen hast."

Er musste noch zwei Stunden warten, bis er es sah, und es war furchtbar genug.

Die Sonne stand schon erheblich tiefer, als er die Stelle erreichte, wo sich der Canyon weitete. Vor ihm breitete sich ein ellipsenartiges baumloses Tal aus. Die Grasbüschel waren braungelb und zeugten von der langen Dürre, die hier herrschte. Rechts und links ragten grau und verwittert die Felsen empor, verhangen vom Dunst, den die Hitze schuf. Rechts befand sich wie ein riesiges Tor die Öffnung zu einem anderen Canyon, der ziemlich genau in Westrichtung verlief. Aus ihm führte der Postweg heraus, über den die Kutschen nach Wichita Falls fuhren. Der Postweg überquerte das Tal in schräger Richtung bis zu der Stelle, wo der Fluid Creek entsprang und das Tal entlang zum Wichita River floss. Die Einmündung erfolgte genau in Wichita Falls. Und die Stelle, wo der Postweg das Fluid Creek Valley erreichte, war auch der Platz, über dem der Adler kreiste. Linker Hand befand sich jener zackige Felskamm, auf dessen anderer Seite Allison vorhin gewesen war. Um hierher zu kommen, hatte er einen Riesenbogen schlagen müssen.

Sky hatte Mühe, die Geier zu vertreiben, die sich schon in immer größerer Zahl dieser Stelle näherten. Noch gelang es ihm, sie in der Luft zu halten.

Unten auf der Erde aber lag die Kutsche. Sie war auf die Seite gekippt. Daneben lagen Gestalten. Auch zwei der Pferde schienen erschossen worden zu sein, lagen rechts und links der zerbrochenen Deichsel. Die beiden Tiere des vorderen Gespannes hatten sich wohl losreißen können und standen ein Stück entfernt mit hängenden Köpfen, hoffnungslos in den Strängen verheddert, so dass sie weder vor noch zurück konnten.

Allison schnalzte, und King jagte im Galopp auf diese Stelle zu. Nach kurzer Zeit war Allison dort. Und er brauchte keine Vorsicht walten zu lassen. Sky hätte ihn gewarnt.

Über Allison das Krächzen der Geier, dazwischen die hellen Schreie des Adlers, der die Geier immer wieder angriff, obgleich sie größer waren als er.

Neben der Kutsche lag der Fahrer in verrenkter Stellung. Er schien sich das Genick gebrochen zu haben. Ein Stück entfernt zwei der Fahrgäste, beide tot. Der eine war nicht einmal bewaffnet.

Allison hatte die Toten untersucht, schleppte sie zum Wagen, und sah bei der Gelegenheit, dass der Bodenkasten, in dem Geldsendungen unter dem Passagierraum verstaut wurden, aufgeschlagen war. Die Klappe stand offen. Von der Geldsendung, die vermutlich mit diesem Wagen befördert worden war, gab es keine Spur mehr. Der Postwagen hätte gestern schon diese Stelle passieren müssen. Allison hatte ihn schon sicher in Wichita Falls gewähnt, als er vorhin diese Schüsse hörte.

Sky hatte sich jetzt auf einer Radnabe der umgestürzten Kutsche niedergelassen und äugte aufmerksam zu Allison hinüber. Der ging zu den beiden noch lebenden Pferden hin, befreite sie aus ihrem Geschirr, nahm sie an den Halftern und führte sie zu seinem Hengst, wo er sie anleinte. Schließlich beschloss er, die Toten mitzunehmen, packte sie auf die darob scheuenden Zugpferde, schnürte sie fest und deckte sie mit Planenstücken zu, die er in der Kutsche fand. Um das Gepäck, das sich im hinteren Kofferraum der Kutsche befand, konnte er sich nicht kümmern, aber er war entschlossen, zunächst einmal einer deutlichen Spur zu folgen, einer Spur, die von einem Wagen stammte und die frisch war. Zwar war versucht worden, ein Stück weit die Radspuren zu verwischen, aber an einer Stelle war das wohl aus Fahrlässigkeit unterlassen worden. Und das genau machte ihn aufmerksam.

Zudem drängte Sky auf seine Weise zum Aufbruch. Er flog immer wieder in die Richtung, aus der die Kutsche gekommen sein musste. Und das war wohl auch das Ziel jener gewesen, denen Sky vorhin schon gefolgt zu sein schien.

Ein Wagen also, dachte Allison, und er kam auch wenig später schon dahinter, dass dieser Wagen mit sechs Pferden bespannt war. Eine eigenartige Zusammenstellung hatte man dabei gewählt, die Allison völlig ungewöhnlich vorkam. Es waren nämlich nicht drei Doppelgespanne voreinander gehängt worden, sondern zwei Dreiergespanne, also drei Pferde nebeneinander und dann noch einmal drei davor. Allison hatte so etwas bis jetzt erst einmal gesehen, nämlich bei russischen Siedlern.

Sich darüber allzu große Gedanken zu machen, hielt er für überflüssig. Den Spuren nach wurde dieses Gefährt von zwei Reitern begleitet. Allisons Schätzung nach waren es also höchstens vier Mann, mit denen er es zu tun haben würde, sollte er dem Konvoi folgen - und er folgte ihm. Der Abstand betrug mittlerweile gut vier Stunden. Aber Allison kam gut voran.

Und wieder flog der Adler voraus, blieb lange weg, kehrte schließlich zurück, kreiste, setzte sich auf das Sattelhorn von King und ruhte sich so eine Weile aus.

Es ging auf den Abend zu. Von Osten her schoben sich korkenzieherartige Wolkengebilde immer höher zum Himmel empor. Und während die Sonne hinter den Felsen verschwand und sich im Westen der Himmel noch glutrot färbte, näherte sich den Korkenzieherwolken folgend eine blauschwarze Wand, die in kurzer Zeit den Himmel bedeckte und auch das Abendrot hinter sich verschwinden ließ.

Wind kam auf. Von unten her fegte er den Staubschleier das Tal entlang Allison entgegen. Sky stieg jetzt wieder auf. Und während Allison am Zustand der Spuren erkannte, dass der Vorsprung des Konvois geschrumpft sein musste, flog Sky voraus. Und schneller als die vorigen Male kehrte er zurück.

Da Allison ungefähr wusste, wie lange Sky brauchte, wenn er flog, rechnete er sich aus, dass der Konvoi irgendwo angehalten zu haben schien. Der Berechnung nach konnte er keine zwei Meilen...

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