Das Jail war sein Schicksal

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. August 2020
  • |
  • 110 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-4347-4 (ISBN)
 
Jim Sumners Flucht missglückt, weil sich sein Pferd das Bein bricht. Das ist U.S. Marshal Rod Jewys Glück, denn er kann ihn schnell wieder zurück ins Gefängnis bringen. Jim ist von einem Gericht aufgrund von falschen Zeugenaussagen zu zwanzig Jahren Haft verurteilt worden. Die soll er nun in Yuma verbringen. Ihm ist klar, dass er dort nur wenige Jahre überleben wird. Während man ihn und drei weitere Gefangene dorthin überführt, überlegt er fieberhaft, wie er fliehen kann, denn er ist unschuldig ...
  • Deutsch
  • 0,49 MB
978-3-7389-4347-4 (9783738943474)

3


Auf der Straße wimmelte es von Menschen, als der Wagen vor dem Office hielt. Die vier Pferde waren von Schweiß und Staub bedeckt, schnaubten, um ihre Nüstern vom Sand frei zu blasen, und warfen wegen der unzähligen Fliegen die Köpfe aufgeregt hoch. Ihre Schweife peitschten die Flanken. Der Fahrer auf dem Bock schob sich den Hut ins Genick, wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn und blickte aus kleinen Schweinsäuglein auf die Menge, die ihn und den Wagen angaffte. Neben dem bulligen Kutscher saß noch ein Begleiter.

Drei Begleitreiter stiegen von den Pferden. Alle drei Männer waren schwer bewaffnet, alle drei hatten harte, verschlossene Gesichter, die Menschen eigen sind, denen im Laufe der Jahre in ständigem Kämpfen das Lachen vergangen ist.

Jim sah sie alle durch das Gitterfenster. Für ihn waren diese drei Begleiter, die jetzt auf das Office zukamen und Jewy mit einem Nicken begrüßten, nichts weiter als wandelnde Kanonen, für die das Wort Pardon gestrichen war. Der Kutscher erinnerte Jim an einen Kopfjäger.

Der Anblick dieser Männer ließ Jim daran zweifeln, während des Transportes entkommen zu können. Der massive Wagen mit den schmalen Fensterschlitzen machte Jims Hoffnungen auch nicht größer.

Er hörte Schritte auf dem Gang. Draußen wurden jetzt die Pferde gewechselt. Jim musste bitter auflachen, als er sah, dass die frischen Tiere von der Wells Fargo stammten, für die er einmal fünf Jahre lang als Postreiter unterwegs gewesen war. Damals hatte die Wells Fargo ihn für einen ihrer zuverlässigsten Leute in Denver gehalten. Heute stellte sie die Pferde, um ihn in eine trostlose Hölle zu verschicken.

Die Schritte dröhnten auf dem Gang. Jim sah sich um und gewahrte Manero und den Halbindianer vor dem Zellengitter.

"Er hat die Suppe immer noch nicht gegessen", meinte Manero.

Tennessee schwieg. Einer der Begleitreiter näherte sich.

"Nichts gegessen? Desto besser. Diese Kerle können gar nicht schlapp genug sein. Die drei, die wir schon im Wagen haben, toben schon seit Salomonsville wie die Irren. Heh, Hundesohn, komm näher!"

In Jim kochte es, aber er musste seinen Zorn bezwingen. Er wusste, dass sie nur auf Widerstand warteten, um ihn dann brutal zusammenschlagen zu können. Matt Manero hatte auch immer darauf gewartet, und nur Jewys korrekte Art hatte ihn davor zurückgehalten. Die Kerle hier, die den Transport begleiteten, würden sich nicht bremsen lassen.

Tennessee schloss auf. Dann schnappten die Handschellen zu. Jim wurde aus dem Gang durch das Office gebracht, trat auf die sonnenüberflutete Straße und sah die vielen Menschen. Sie standen schweigend, wie gebannt. In ihren Blicken las Jim die Abneigung, die sie Fremden zollen, vor allem aber solchen, die anders sind als sie selbst, die man gebrandmarkt hat wie ihn. Er war sicher, dass keiner dieser Menschen an seiner Schuld zweifelte. Und nun schienen sie enttäuscht darüber zu sein, dass er nicht aufgehängt wurde.

Jim kam nicht zu weiterem Nachdenken. Einer der Begleitreiter stieß ihn auf den Wagen zu. Die beiden anderen Begleiter standen mit gezogenen Revolvern an der hinteren Tür; der Begleitmann schloss sie gerade umständlich auf, riss die Riegel zurück, und sofort zuckten die Arme der Bewaffneten hoch und stießen die Revolver nach vorn. Doch es gab für die Wächter keinen Grund. Niemand stürzte aus der Tür. Niemand versuchte zu fliehen.

Sie schoben Jim bis an die Tür heran, dann knurrte ihn einer der Männer von hinten an: "Los, weiter!"

Jim hörte eine gewisse Nervosität heraus, aber er hatte nicht die Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Er musste die Klappstiege hoch in den Wagen klettern, gewahrte im Halbdunkel drei Gestalten, die alle auf der linken Seite saßen. Erst beim nächsten Blick stellte er fest, dass man sie an die Bank gekettet hatte.

Zwei der Begleiter drängten Jim an die andere Seite. Einer ging auf den hintersten Gefangenen zu und sagte barsch: "Streck sie etwas vor, Bluey! Los, Sumner. her mit dir! Du wirst mit diesem Kerl hier zusammengeschlossen."

Jims linkes Handgelenk wurde von einer Schelle befreit, damit eine andere, die durch eine Kette mit dem rechten Arm des einen Gefangenen verbunden war, Platz hatte. Der freie rechte Arm wurde an einem Schellenring an der Wagenwand angeschlossen, dann zogen sich die beiden Begleiter zurück. Die Tür knallte zu, und Jim war mit seinen drei Leidensgenossen allein.

Durch die schmalen Fensterschlitze fiel genug Licht, um ihn die Gesichter seiner Gefährten erkennen zu lassen. Gleichzeitig aber regte sich in ihm Widerwillen. Das waren Mörder, Verbrecher, auf die der Strick wartete. Er selbst war nie ein Verbrecher gewesen, obgleich ihm das nun niemand mehr glaubte.

Der Mann, mit dem er zusammen gekettet war, lachte heiser auf.

"Na, wer bist du denn überhaupt?"

Jim sah den Mann. Bluey hatte ihn der Deputy genannt. Bluey war breit, kräftig und hatte Fäuste wie Vorschlaghämmer. Sein Gesicht wirkte verschlagen und brutal und war von vielen Faustkämpfen gezeichnet. Sein linkes Ohr erinnerte an einen Blumenkohl, und von da aus zog sich eine Messernarbe bis zum Hals hinab. Neben Bluey beugten sich die beiden anderen Gefangenen vor, um Jim besser von ihren Plätzen aus sehen zu können.

"Ich heiße Jim Sumner", sagte Jim zurückhaltend.

"Ich bin Hank Bluey", sagte der Mann zu Jims Linken.

"Und ich bin Frank Catlyn, mein Junge. Hast du den Namen schon gehört?", rief der Mann ganz hinten. Er war stoppelbärtig, hatte ein schiefes Gesicht mit einem noch schieferen Mund. Auch er schien schon viele Faustkämpfe überstanden zu haben, doch im Gegensatz zu Bluey war er ein Mittelgewicht. Der Mann in der Mitte lachte leise.

"Ja, Jim, da sind wir nun, und nichts wird es uns nützen, ob du unseren Namen kennst oder nicht."

Bluey beugte sich zu Jim hin und raunte: "Das ist Jack, unser Jack Hanson. Er hat ganz allein in Salomonsville ein Aufgebot aufgehalten. Drei Stunden lang. Zwei Sheriffs und ein Marshal haben ins Gras gebissen. Jack ist ein großer Mann, Jim!"

Jim wusste jetzt, wer da mit ihm fuhr. Die Hansonbande aus Oklahoma, die seit einem Jahr in Arizona die Menschen in Schrecken versetzte. Kaltblütige Mörder, denen nichts heilig war.

Der Wagen fuhr. Er rumpelte und klapperte, Pferde schnaubten, und ab und zu hörte Jim einen der Begleitreiter fluchen. Im Wagen selbst herrschte eine Hitze, die Jim den Schweiß aus allen Poren trieb.

"Wir haben die Wüste vor uns, Jungs", sagte Hanson, und sein knochiges Gesicht mit den tiefliegenden Augen wandte sich Jim zu. "Dort wartet die einzige Chance, die wir noch haben. Wir müssen aufpassen."

"Diese Kameltreiber haben uns seit dem Militärcamp keinen Tropfen Wasser gegeben", schimpfte Frank Catlyn. "Und dann diese verfluchte Hitze in diesem Jammerkasten. Jack, wie sollen wir überhaupt von den Dingern loskommen?" Er hob die Handschelle hoch, mit der er an Jack Hanson gekettet war.

"Die ist nicht so wichtig. Die hier müssen wir losbekommen!", sagte Jack und hob seine rechte Hand an, mit der er am Wagen festgemacht war.

Hank Bluey wandte sich wieder Jim zu.

"Wenn wir nicht loskommen, werden sie uns die Hanfkrawatte verpassen, mein Junge. Und was bekommst du?"

"Zwanzig Jahre."

Hank lachte rau auf.

"Besteht da ein Unterschied? Zwanzig Jahre oder den Strick. Es ist vielleicht besser, was uns blüht. Wenn schon krepieren, dann wenigstens kurz und gleich. Was sie mit dir vorhaben, ist noch schlimmer. Weißt du, wie es in Yuma ist?"

"Nein."

Hank beugte sich zu ihm hin.

"Was hast du ausgefressen? Ich kenne deinen Namen gar nicht, nie vorher gehört."

"Sie haben mir einen Überfall auf eine Kutsche angehängt, aber ich war es nicht."

Hank wich zurück.

"Hör mal, Junge, uns solltest du den Kohl nicht vormachen, den du den Bullen vorgekaut hast. Von wegen, du warst es nicht und so."

"Hör auf damit!", rief Jack Hanson. "Es spielt keine Rolle. Wenn er unschuldig ist, wird es für ihn ja noch schlimmer. Jim, ich bin schon einmal in Yuma gewesen, nicht als Gefangener. Wir haben dort vor fünf Jahren einen Freund von mir herausgeholt. Wir sind dreißig gewesen, Jim. Sechzehn haben es überstanden, und unser Mann war ein Wrack. Vierzehn Jungs von uns mussten sterben, und dann hatten wir dafür einen Halbtoten. Das hatten wir vorher nicht gewusst. Aber wer zwei Jahre in Yuma war, ist nicht mehr als ein Wrack. Das ist Yuma, Freund."

Jim hatte Ähnliches schon gehört. Er war entschlossen wie diese drei, die geringste Fluchtchance zu nutzen, ganz einfach, weil er nicht wie ein Tier in den Zellenlöchern des Forts von Yuma krepieren wollte. Sterben konnte man es nicht nennen, das hatte sich Jim schon von vielen sagen lassen; zuletzt war es ihm von Matt Manero sehr ausführlich geschildert worden.

"Ich weiß Bescheid", sagte Jim.

Die drei anderen nickten zufrieden. Jack Hanson beugte sich wieder vor.

"Wenn wir eine Chance haben, dann auf dem Transport durch die Wüste. In Yuma könnten uns nur hundert Männer heraushauen. Seit unserem Überfall vor fünf Jahren ist es besser bewacht. Noch sind wir auch kräftig genug für eine Flucht. Nachher haben wir nicht einmal die Kraft, eine Meile zu Fuß zu gehen."

"Aber wie willst du ...?", wollte Jim fragen.

Hank lachte wild auf.

"Warte nur, Jack wird es schon einfallen. Er ist ein Genie, unser Jack, nicht wahr, Frank?"

Frank Catlyn wandte Jim sein zerschlagenes Gesicht zu und erwiderte mit rauer Baritonstimme: "Verdammt, das stimmt sogar. Jack ist ein heller Kopf."

Er ist ein Mörder,...

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