4 Extra Arztromane April 2018

Cassiopeiapress Sammelband
 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. Juni 2019
  • |
  • 501 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7438-6573-0 (ISBN)
 
Arztroman Sammelband 4 Romane - Das Mädchen aus Paris /Es war eine schreckliche Nacht / Der geheimnisvolle Patient / Dr. Mertens setzt sich durch Der talentierte Assistenzarzt Jürgen Kirstein arbeitet mit großer Hingabe in der vorbildlich geführten Paul-Ehrlich-Klinik in Bonn, deren Verbleib jedoch durch den Verkauf an einen französischen Investor bedroht ist. Eine geheimnisvolle, junge Gutachterin aus Paris soll über das Schicksal der Klinik entscheiden und sorgt für großen Wirbel - nicht nur in der Klinik, sondern auch in Jürgen Kirsteins Gefühlen.
  • Deutsch
  • 0,79 MB
978-3-7438-6573-0 (9783743865730)

2


Erika Heigel war eine neue Patientin für Professor Winter. Die junge, dunkelhaarige Frau wirkte ausgesprochen hübsch und das lag nicht nur an ihrem buntbedruckten attraktiven Kleid mit dem weiten schwingenden Rock. Aber das strahlende Lächeln, mit dem sie Professor Winter ansah, täuschte ihn nicht darüber hinweg, dass sie innerlich ängstlich wirkte. Er spürte das richtig, als er ihr gegenübersaß.

"Sie waren bei Doktor Kaufmann in Behandlung? Das ist ein Allgemeinpraktiker, nicht wahr?"

"Ja, er ist unser Hausarzt", erwiderte sie. "Er hat mir auch geraten abzustillen, weil ich ja die Brustentzündung hatte."

"Wann war das?", wollte Professor Winter wissen.

"Vor einem halben Jahr. Da ist auch meine Jüngste geboren." Professor Winter studierte die Karteikarte. Renate Angern hatte schon das Wesentlichste eingetragen. Die Patientin war dreifache Mutter.

"Eine Brustentzündung also nach dem letzten Kind und dann abgestillt. Wo haben Sie das Kind bekommen?"

"In Siegburg, im Krankenhaus." "Aha. Und dann im Wochenbett die Brustentzündung oder zu Hause?"

"Zu Hause. Ich habe mich so vorgesehen und alles so saubergemacht und trotzdem ist es passiert."

"Es kommt immer mal wieder vor, schön ist es nicht", entgegnete Professor Winter. "Und nach der Brustentzündung waren Sie in Behandlung bei Ihrem Hausarzt?"

"Ich bin noch ein paar Mal hingegangen und dann vor allen Dingen, als ich den Knoten spürte in der linken Brust. Hier an der linken Brust, da ist es, da."

"Das untersuchen wir nachher. Ein großer Knoten?"

"Nein, ziemlich klein. Und ich habe es sofort Doktor Kaufmann gesagt, aber er hat es betastet und meinte dann, das hinge mit der Brustentzündung zusammen."

"Kann sein. Ich will es mir nachher noch genau ansehen. Was gibt es noch? Haben Sie Beschwerden? Schmerzen in der Brust oder dergleichen?"

"Nein, nein, das war nur, als ich abgestillt habe. Aber jetzt ist wieder alles gut. Ich spüre nichts mehr."

"Ja, dann würde ich vorschlagen, wenn sonst keine Beschwerden sind, wollen wir und das mal ansehen. Sie können sich dort drüben ausziehen, gleich nebenan. Und dann legen Sie sich schon mal auf den Tisch."

"Alles ausziehen? Oder nur den Oberkörper?"

"Nur den Oberkörper, das genügt", erwiderte Professor Winter lächelnd, "und legen Sie sich auf den Tisch!" Renate Angern kam durch die zweite Tür in den Untersuchungsraum und stellte die Kopfhöhe der Liege ein. Als die Patientin auf dem Tisch lag, gab Renate Angern, die blonde Sprechstundenhilfe, ihrem Chef einen Wink und Professor Winter kam herüber.

"Nehmen Sie bitte die Arme ganz nach hinten", forderte er die Patientin auf und betastete dann ihre Brust. Er spürte den Knoten sofort auf, aber da gab er dem Hausarzt der Patientin recht. Noch sagte er nichts, denn ein Stück entfernt, da machte er plötzlich eine Feststellung. Ein Stück tiefer war es. Er spürte es bei der Palpation ganz deutlich, dass da noch ein Knoten war. Und der lag ziemlich tief. Er konnte ihn nicht deutlich abgrenzen.

Die Patientin stöhnte. Die Drückerei auf ihrer Brust tat ihr nicht besonders gut.

"Setzen Sie sich mal bitte auf, heben und senken Sie jetzt die Arme, so wie ich es Ihnen sage. Jetzt nach oben, jetzt nach unten."

Professor Winter achtete auf die Einziehung der Haut sowie die Verschiebbarkeit der Haut und des Knotens. Aber noch immer war es sehr schwer, eigentlich noch viel schwerer als im liegenden Zustand der Patientin, diesen relativ tiefsitzenden Knoten überhaupt zu tasten. Der andere, auf den die Patientin selbst aufmerksam geworden war, hatte wirklich nichts zu bedeuten. Ein Fettknoten, sonst nichts. Aber der tiefer saß, der war verdächtig.

"Sie können die Arme jetzt senken", sagte er, blickte die Patientin an und meinte: "Es ist vielleicht besser, wenn wir mal eine Mammographie machen. Der Knoten, auf den Sie aufmerksam geworden sind, der hat tatsächlich nichts zu bedeuten. Aber ich habe etwas anderes ertastet und das möchte ich mir einmal ganz genau ansehen."

"Eine Mammographie?", fragte Erika Heigel ängstlich. "Aber das ist doch mit Strahlen verbunden? Ist das nicht schädlich? Ich habe gelesen, dass es schädlich ist."

"Wir werden die Strahlendosis so gering wie möglich halten, aber es gibt im Augenblick nur eine Methode, die sogar noch besser ist als die Mammographie, aber das ist eine so teure Sache, dass wir sie uns noch nicht leisten können, die heißt Xeroradiographie. Wir müssen uns also mit der Mammographie begnügen, aber immerhin bringt sie bis zu neunzig Prozent richtige Ergebnisse. Ich habe, muss ich ehrlich sagen, überhaupt noch kein falsches Ergebnis damit erzielt. Wir wollen doch schließlich wissen, was mit Ihrer Brust los ist, nicht wahr?", fügte er eindringlich hinzu.

Sie nickte und sah ihn aus großen Augen gläubig an.

Renate Angern wusste schon Bescheid. Sie führte die Patientin nach nebenan in den Röntgenraum. Die Aufnahme aber machte dann Professor Winter selbst.

Nachdem der Patientin der Gonadenschutz wieder abgebunden war, sagte Professor Winter zu ihr: "Sie können sich jetzt wieder anziehen, Frau Heigel. Es dauert einen kleinen Augenblick, bis die Aufnahme fertig ist. Sie können dann schon in den anderen Raum hinübergehen."

Während die Patientin nach drüben ging, blickte Renate Angern Professor Winter gespannt an. "Ich wollte Sie schon lange fragen, eigentlich schon sofort nach dem Essen, aber es ergab sich keine Gelegenheit bisher. Mir wurde erzählt, die Klinik ist verkauft worden. Herr Professor, was ist daran wahr?"

Professor Winter erkannte auf Anhieb die ganze Not seiner bewährten Sprechstundenhilfe. Renate Angern schien völlig außer sich zu sein. Das also, sagte er sich, ist der Grund, warum sie seit Beginn der Nachmittagssprechstunde so konfus gewirkt hatte.

"Es ist richtig, dass sich jemand dafür interessiert, Anteile, wesentliche Anteile, an dieser Klinik zu erwerben. Für die Klinik ist das eine Notwendigkeit, weil man neue Geräte braucht, Investitionen dringend erforderlich sind und weil wir überhaupt in ziemlichen Geldschwierigkeiten stecken. Das hängt zum großen Teil damit zusammen, dass die Kosten uns einfach auf und davon laufen."

"Es soll eine Unfallklinik daraus gemacht werden, habe ich gehört."

Er fragte nicht, von wem sie es gehört hatte. Er ging sofort darauf ein und erwiderte ihr: "Eine Unfallklinik will man nicht daraus machen, man will nur die Unfallstation bedeutend erweitern. Und diese Interessenten möchten bestimmte Spezialteile der Klinik abstoßen. Dazu gehören wir vorerst aber nicht. Die urologische Abteilung ist damit gemeint, auch unser Nebengebäude mit der neurologischen und psychiatrischen Abteilung sollen wegkommen. Ob das geschieht, darüber ist noch gar nicht entschieden. Wir jedenfalls bleiben zunächst, wo wir sind. Im Gegenteil, wir werden möglicherweise in Zukunft den OP III dazubekommen und das gibt uns eine ganze Reihe von zusätzlichen Möglichkeiten. Denn als erstes wollen die Geldgeber einen neuen hochmodernen OP für die chirurgische Abteilung bauen und hier soll eben die Unfallrettung absoluter Schwerpunkt sein."

Renate Angern atmete hörbar auf. "Dann ... dann ist es also nicht so, dass wir alle gefeuert werden."

Professor Winter lächelte nachsichtig. "Nein, damit ist nicht zu rechnen, im Gegenteil, ich wollte, ich hätte noch zwei Renate Angern und nicht nur eine. Aber eins müssen Sie mir

versprechen. Sie werden kein Klatschweib sein und das, was ich Ihnen erzählt habe, herumtragen, nicht wahr?"

Sie schüttelte den Kopf und presste die Lippen zusammen, als müsse sie befürchten, jetzt schon etwas herausrutschen zu lassen, von dem, was sie wusste.

"Und jetzt gehen Sie und erledigen das mit den Aufnahmen. Sie können mir schon die nächste Patientin in den Untersuchungsraum schicken." Für Erika Heigel wurde die Viertelstunde lang, die sie warten musste, ehe Professor Winter dann zu ihr kam. Er hatte inzwischen noch eine andere Patientin nebenan untersucht.

Bevor er sich setzte, steckte er die Röntgenaufnahme, die er in der Linken hielt, in den Leuchtschirm, setzte sich dann aber nieder und blickte auf diesen Leuchtschirm, der zwei Meter neben seinem Schreibtisch stand.

"Sehen Sie", sagte er, "das ist Ihre Brust. Da oben dieser Kreis, das ist die Stelle, die Sie selbst ertastet hatten, die Ihnen verdächtig vorgekommen ist. Ich glaube nicht, dass sie etwas zu bedeuten hat. Aber ein Stück links davon, sehen Sie, da ist etwas Kleines, auch mit einem Ring, wie es scheint, dieser Fleck da. Der gefällt mir nicht. Um ehrlich zu sein, da müssen wir etwas tun. Es kann sein, Frau Heigel, dass sich das als völlig harmlos erweist. Es kann aber auch sein, dass die Geschichte böse ist."

Er sah deutlich...

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