Diagnostik in der Psychotherapie

Ein Praxisleitfaden
 
 
Kohlhammer (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. November 2016
  • |
  • 227 Seiten
 
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978-3-17-028721-1 (ISBN)
 
Eine differenzierte Diagnostik sollte nicht nur zu Beginn einer Psychotherapie durchgeführt werden, sondern auch kontinuierlich im Verlauf, um den Erfolg der Behandlung zu evaluieren. Unter klinischen Praxisbedingungen wird eine Erfolgskontrolle jedoch eher zögerlich bis gar nicht durchgeführt. Der vorliegende Band zeigt vielfältige Möglichkeiten einer therapiebegleitenden Diagnostik auf. Neben allgemeinen Grundlagen und den therapieschulenspezifischen Ansätzen liegt der Schwerpunkt des Buchs auf der Diagnostik bezogen auf die wichtigsten Störungsgruppen: u. a. affektive Störungen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen.
  • Deutsch
  • Stuttgart
  • |
  • Deutschland
  • 3,59 MB
978-3-17-028721-1 (9783170287211)
3170287214 (3170287214)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Prof. Dr. rer. nat. Rolf-Dieter Stieglitz ist Professor für Klinische Psychologie und Psychiatrie an der Universität Basel.
Prof. Dr. med. Harald J. Freyberger ist Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Greifswald und am Hanseklinikum Stralsund.
1 - Deckblatt [Seite 1]
2 - Titelseite [Seite 4]
3 - Impressum [Seite 5]
4 - Geleitwort zur Reihe [Seite 6]
5 - Inhalt [Seite 8]
6 - Einführung: Diagnostik in der Psychotherapie [Seite 11]
7 - I Allgemeine Grundlagen [Seite 18]
7.1 - 1 Allgemeine Grundlagen der Diagnostik in der Psychotherapie [Seite 20]
7.2 - 2 Störungsübergreifende Verfahren in der Psychotherapie [Seite 32]
7.3 - 3 Erfassung von Veränderungen [Seite 40]
8 - II Diagnostik in verschiedenen therapeutischen Schulen [Seite 48]
8.1 - 4 Diagnostik in der Psychoanalyse und in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie [Seite 50]
8.2 - 5 Diagnostik in der Gesprächspsychotherapie [Seite 63]
8.3 - 6 Diagnostik in der Verhaltenstherapie [Seite 75]
8.4 - 7 Diagnostik in der Systemischen Paar- und Familientherapie [Seite 87]
9 - III Störungsspezifische Diagnostik [Seite 102]
9.1 - 8 Diagnostik bei schizophrenen Störungen [Seite 104]
9.2 - 9 Diagnostik bei affektiven Störungen [Seite 114]
9.3 - 10 Diagnostik bei Panik und Agoraphobie [Seite 124]
9.4 - 11 Diagnostik bei Generalisierter Angststörung [Seite 136]
9.5 - 12 Diagnostik bei sozialen Angststörungen [Seite 146]
9.6 - 13 Diagnostik bei posttraumatischen Belastungsstörungen [Seite 156]
9.7 - 14 Diagnostik bei Zwangsstörungen [Seite 167]
9.8 - 15 Diagnostik bei dissoziativen Störungen [Seite 178]
9.9 - 16 Diagnostik bei Essstörungen [Seite 188]
9.10 - 17 Diagnostik bei somatoformen Störungen und anderen Störungen mit unspezifischen körperlichen Beschwerden [Seite 197]
9.11 - 18 Diagnostik bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen [Seite 210]
10 - Verzeichnis der Herausgeber und Autoren [Seite 220]
11 - Sachwortverzeichnis [Seite 226]
12 - Zusatzmaterial [Seite 229]

1          Allgemeine Grundlagen der Diagnostik in der Psychotherapie


Anton-Rupert Laireiter und Karin Kalteis


 

1.1       Einleitung


 

Von den vielen Aufgaben, die Diagnostik in der Klinischen Psychologie hat (Befundung, Begutachtung, Erklärung, Indikation etc.; Röhrle et al. 2007), sind diejenigen im Rahmen der Psychotherapie von besonderer Bedeutung: Diagnostik übernimmt hier im Vergleich zu anderen Anwendungsbereichen eigene Aufgaben und ist zentraler Bestandteil derselben und Voraussetzung für diese. Die Bedeutung der Diagnostik für die Psychotherapie wird daher heute kaum mehr in Frage gestellt (Laireiter 2011a) und die Anzahl entsprechender Publikationen hat in den letzten Jahren zugenommen (z. B. grosse Holtforth et al. 2009; Röhrle et al. 2007). Auch sehen verschiedene Richtlinien, z. B. zur Dokumentation oder Qualitätssicherung (grosse Holtforth et al. 2009; Laireiter 2011c), Diagnostik als einen verpflichtenden Bestandteil der Psychotherapie.

Die Diagnostik selbst und das Verhältnis von Diagnostik und Therapie zueinander haben sich stark verändert: Vermehrt werden therapierelevante Methoden entwickelt (z. B. OPD, klinische Verhaltensanalyse, Therapietracking), ebenso wird anerkannt, dass der Wert der Diagnostik nicht nur zu Beginn einer Therapie gegeben ist, sondern auch in der Verlaufs- und Prozesssteuerung (Boswell et al. 2015) und für die Evaluation ( Kap. 3). Störungsbezogene Therapieprogramme haben vermehrt an Bedeutung gewonnen, exakte Diagnostik ist hier integraler Bestandteil einer qualitätsgerechten Durchführung (Röhrle et al. 2007).

Im vorliegenden Kapitel wird die Bedeutung, die die Diagnostik für die Psychotherapie besitzt, anhand ihrer spezifischen Funktionen in den verschiedenen Therapiephasen aufgezeigt. Abschließend werden Qualitätskriterien erörtert, die für deren Durchführung relevant sind.

 

1.2       Diagnostik im Prozess der Psychotherapie


 

Allgemein kann man drei große diagnostische Fragestellungen unterscheiden (Laireiter 2011a): Statuserfassung, Prozess- und Veränderungsdiagnostik sowie Evaluation. Diese entsprechen gleichzeitig den zentralen Aufgaben der Diagnostik im Verlauf der Psychotherapie (grosse Holtforth et al. 2009).

1.2.1     Diagnostik zu Therapiebeginn


Zu Therapiebeginn hat Diagnostik vor allem statusdiagnostische und indikatorische Aufgaben. Entsprechend wird diese häufig auch als indikative oder indikationsorientierte Diagnostik bezeichnet (grosse Holtforth et al. 2009).

Funktionen und Aufgabenbereiche von Diagnostik zu Therapiebeginn - indikationsorientierte Diagnostik (erweitert nach Laireiter 2011, S. 16 f.)


  Beschreibung/Identifikation und Erfassung psychischer Auffälligkeiten und Probleme

  Erfassung psychopathologischer Status (status psychicus) und Diagnostik der Suizidalität

  Klassifikation und Diagnostik psychischer Störungen

  Differenzialdiagnostik

  orientierungsspezifische Beschreibung, Erfassung und Analyse von Therapieproblemen (»Theorienbezogene Diagnostik«, z. B. Problem-/Verhaltensanalyse, psychodynamische Diagnostik, systemische Diagnostik)

  biografische Analyse und Anamnestik; Klärung ätiologischer Fragestellungen

  Klärung prognostischer Fragestellungen: möglicher Therapieverlauf, Störungsverlauf etc.

  Ressourcendiagnostik: Erfassung psychologischer und sozialer Ressourcen, Resilienz

  Analyse möglicher therapeutischer Zielvariablen und Zielbereiche (Goal Attainment Scaling, GAS)

  Unterstützung von Indikation, Fallkonzeption und Therapieplanung

  Dokumentation

  therapeutische Aufgaben: Rückmeldung, Psychoedukation etc.

  berufsrechtliche Aufgaben: Aufklärung, Informed Consent, Therapievereinbarung etc.

  Beginn evaluativer Diagnostik: Statuserhebung psychischer Auffälligkeiten, therapeutischer Zielvariablen, sonstiger evaluativer Parameter, Zielvereinbarungen und -festlegungen, Kernsymptomatik etc.

Neben der Einschätzung des psychopathologischen Status und der Vergabe von Diagnosen sind die Therapieprobleme im Sinne der jeweiligen Therapieorientierung zu erfassen und zu analysieren, um darauf aufbauend eine Fallkonzeption und eine therapeutische Strategie mit entsprechendem Vorgehen zu entwickeln.

Ein zentrales weiteres Element zu Therapiebeginn ist im Sinne der Sicherung der Prozess- und Ergebnisqualität die Durchführung quantifizierender Erhebungen, vor allem in den zentralen Behandlungsbereichen, den vereinbarten Therapiezielen (grosse Holtforth et al. 2009) und wichtigen Prozessvariablen, um nach späteren Erhebungen Veränderungsbeurteilungen vornehmen zu können ( Kap. 3). Welche Bereiche dabei erfasst und welche Verfahren eingesetzt werden sollen, wird kontrovers diskutiert (z. B. grosse Holtforth et al. 2009; Röhrle et al. 2007). Einigkeit besteht hingegen darin, dass qualitätssichernde Evaluation in der Praxis ökonomisch sein muss und sowohl die Kernsymptomatik wie auch darüber hinausgehende Bereiche, z. B. Befindlichkeit, zwischenmenschliche Probleme, Therapieziele und relevante Prozessvariablen, abdecken soll.

1.2.2     Diagnostik im Therapieverlauf


Nach Abschluss der diagnostischen und indikatorischen Phase (Probatorik) und der Genehmigung der Therapie durch den Kostenträger beginnt die eigentliche Behandlung, in deren Verlauf die Diagnostik neue Funktionen annimmt.

Funktionen und Aufgabenbereiche von Diagnostik im Therapieverlauf - therapiebegleitende Diagnostik (erweitert nach Laireiter 2011, S. 17 f.)


  Verlaufs- und Prozessmonitoring/Therapietracking: kontinuierliche Erfassung von

-  psychischen Symptomen und therapeutischen Zielvariablen (Verlaufsdiagnostik)

-  therapeutischen Prozessvariablen (Prozessdiagnostik)

  evaluative Diagnostik/ Zwischenevaluation(en):

-  Status- und Veränderungsdiagnostik ( Kap. 3)

-  Zielerreichungsbeurteilung (GAS)

  Unterstützung adaptiver Indikation

  Unterstützung weiterer Prognose

  Dokumentation

  therapeutische Aufgaben: Information, Psychoedukation, Einsicht etc.

  berufsrechtliche Aufgaben: Aufklärung, Informed Consent etc.

Die zentralste Funktion ist das Monitoring des Behandlungsverlaufs (therapiebegleitende Diagnostik, vgl. Schulte 1996) auf zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene erbringt das Ergebnis- oder Verlaufsmonitoring die Grundlage für die Einschätzung, ob sich eine Therapie in die richtige Richtung hin entwickelt (positive Veränderungen der Therapieprobleme, Erreichung der avisierten Therapieziele). Auf der zweiten Ebene erlaubt die Erfassung zentraler Prozessvariablen (Prozessmonitoring) im Sinne Schultes (1996) zweigleisigem Therapiemodell eine Beurteilung, ob sich diese Variablen (Therapiemotivation, Beziehungsqualität etc.) im funktionalen Bereich bewegen, sodass ein entsprechender Therapieerfolg erwartet werden kann (grosse Holtforth et al. 2009; Laireiter 2011b). Im Falle nicht positiver Ergebnisse wären in beiden Fällen unterschiedliche Maßnahmen der adaptiven Indikation zu setzen (Laireiter 2011b): Abänderung der Therapieziele, Bearbeitung der Therapiemotivation, neue Indikationsentscheidungen, Überweisung in stationäre Therapie etc. (vgl. Lambert und Vermeersch 2008).

Hinsichtlich des Designs kann therapiebegleitende Diagnostik unterschiedlich betrieben werden (Laireiter 2011b): Im Rahmen prospektiver Erfassungen finden sich längere und kürzere Erhebungsintervalle. Längere Erfassungen werden im Rahmen von Zwischenevaluationen durchgeführt und entsprechen herkömmlicher Veränderungsmessung ( Kap. 3). Kurzfristige Erfassungen variieren zwischen hoch- (z. B. täglich bis mehrmals täglich) und niederfrequenten Aufzeichnungen (einmal wöchentlich bis seltener). Hochfrequente Aufzeichnungen werden meist im wissenschaftlichen Kontext appliziert (grosse Holtforth et al. 2009), in der Praxis findet man meist tägliche (Tagebücher) bis wöchentliche Aufzeichnungen (Sitzungs-, Postsession-, Intersession-Aufzeichnungen) (Hoyer et al. 2009).

Unter methodischer...

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