Eine wahre Fussballgeschichte

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. November 2019
  • |
  • 180 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7504-7320-1 (ISBN)
 
Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten und zeigt dem fußballbegeisterten Leser, dass es selbst für Außenseiter möglich ist, im Sport (fast) alles zu erreichen.

Daniel ist am Boden zerstört: Statt sich zusammen mit seiner Mannschaft auf das wichtige Spiel vorzubereiten, befindet sich der Mittelstürmer 800 Kilometer von seiner Heimat entfernt an der Ostsee und muss täglich inhalieren, weil er seit langem Probleme mit den Bronchien hat. Während seines Aufenthaltes dort erzählt er in Rückblicken von der laufenden Saison, die damit beginnt, dass die Mannschaft mit Jakob einen neuen Trainer bekommt. Begegnen die Jungs diesem aufgrund seiner ungewöhnlichen und anstrengenden Trainingsmethoden anfangs eher skeptisch, so merken sie doch schnell, wie viel besser sie schon bald dank Jakob spielen und wie sie als Mannschaft zusammenwachsen.
Wenn Daniel mal nicht dem Ball nachjagt, erzählt er seinen Kumpels Gruselgeschichten. Doch wirklich angsteinflößend, ist die Vorstellung, das spannende Saisonfinale ohne seine Jungs zu verbringen. Oder gibt es vielleicht doch noch eine Überraschung?
1. Auflage
  • Deutsch
  • 1,98 MB
978-3-7504-7320-1 (9783750473201)
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Als Jugendspieler verbrachten wir bei Hallenturnieren die Pausen zwischen den Spielen oft damit, unter der Treppe oder der Tribüne Gruselgeschichten zu erzählen. Dreißig Jahre später fand ich beim Stöbern in alten Fotos die Inspiration, das damals erlebte in einem Buch zusammenzufassen und eine Geschichte zu teilen, wie sie nur der Fußball erzählen kann. Nach Steinheim, London und Dublin habe ich nun in Barcelona meine Zelte aufgeschlagen und verbringe meine freie Zeit, als Quereinsteiger, mit dem Schreiben von Geschichten, für Jung und Alt.
Vom Platz gestellt

Das erste Mal, als ich wegen eines Fußballspiels weinen musste, war 1982, als Deutschland gerade das Finale der Weltmeisterschaft gegen Italien verloren hatte. Das Halbfinale gegen Frankreich war eine Schlacht, die in die Geschichtsbücher eingehen sollte, eines der besten Spiele, die es wohl je gegeben hat. Doch im Endspiel waren wir machtlos, Rossi hatte in der 56. Minute das 1:0 erzielt, danach folgten noch zwei Tore von Tardelli und Altobelli. Das 3:1 von Breitner war nicht mehr, als der so oft erwähnte Ehrentreffer. Als Sechsjähriger lag ich damals vor dem Fernseher und weinte so heftig, dass mein Körper zuckte und die Tränen meine Backen hinunterliefen und auf das Trikot mit dem Adler tropften. Mein Vater hatte mir auf den Rücken geklopft und versucht, mich zu trösten. "Wenn es um Fußball geht, weinen die härtesten Kerle", sagte er damals.

Meine Mutter Anna wollte mich mit Vanille- und Schokoladeneis aufheitern. Todtraurig hatte ich zuerst abgewunken, gegessen hab ich es natürlich trotzdem.

Fünf Jahre später saß ich nun mit meiner Familie in unserem Auto auf dem Weg zur Ostsee und weinte wieder. Diesmal ging es nicht um Deutschland, sondern um die D-Jugend des TV Steinheim. Und im Gegensatz zu unserer Nationalmannschaft hatten wir nicht das Finale verloren, denn unser Spiel hatte noch nicht einmal stattgefunden. Und wo war Daniel, der Mittelstürmer? Nun, ich befand mich auf dem Weg zur Ostsee, um eine Kur mit Meeresluft-Inhalationen zu machen. Schniefend wischte ich die Tränen aus dem Gesicht, während mein Vater Paul seinen Schnauzbart zwirbelte. Besorgt schaute er zu mir in den Rückspiegel und sah meine verheulten Augen. Mama lächelte mit zusammengepressten Lippen und reichte meiner Schwester Sabine, die ein paar Ponys auf einer Weide nachschaute, und mir Kekse. Sabine mochte Pferde und sie war eine gute Reiterin, für Fußball hatte sie hingegen nichts übrig.

"Noch circa eine Viertelstunde, dann sind wir da", schätzte meine Mutter, als wir von der Autobahn runterfuhren. Es hätte genauso gut ein Vierteljahrhundert sein können, jetzt war es eh egal.

Etwas mehr als acht Stunden waren wir nun schon unterwegs. Wir hatten nur kurz angehalten, um Mittag zu essen, und zwei Pinkelpausen gemacht. Nichts hatte uns auf unserer Fahrt aufgehalten - kein Stau, keine Umleitung, kein Warnschild, das uns aufforderte, wieder umzudrehen, weil die tobende Ostsee die ganze Küste verschlungen hatte - und so fuhren wir letztendlich doch durch Kellenhusen, unserem Ziel. Dort würden wir Ferien machen. Nun ja, für meine Familie waren es Ferien. Ich war hier, weil ich vom Platz gestellt worden war. Es war aber kein grobes Foulspiel oder gar eine Tätlichkeit, mit der ich mir diese Sperre eingefangen hatte. Mir war weder eine rote Karte gezeigt worden, noch hatte der "Mann in Schwarz" mich aus dem Spiel genommen. Nein, der Mann, der diese Reise veranlasst hatte, war ein in Weiß gekleideter Arzt gewesen. Er hatte meiner Mutter die Ergebnisse seiner Untersuchung gezeigt. "Grobes Foulspiel" von den Bronchien. Diesem Teil der Lunge war es zu verdanken, dass ich sozusagen gesperrt war. Schöner Mist.

Die Häuser hier an der Ostsee sahen ganz anders aus als bei uns zu Hause, überall, wo man hinsah, rote Ziegelsteine. Und die Landschaft war ganz flach, deswegen waren wohl auch so viele Leute mit dem Fahrrad unterwegs. Unter anderen Umständen hätte ich mich wohl mit diesem Nest anfreunden können, aber so?

Vier Wochen Meeresluft und Inhalationen waren mir verordnet worden. Es hätten auch zehn Wochen sein können oder zwanzig, nur nicht jetzt, ausgerechnet jetzt. Wir hielten an einer roten Ampel und kamen direkt vor einer Litfaßsäule zum Stehen. Auf der Säule klebten verschiedene Plakate und Poster von Konzerten und Veranstaltungen. Es spielten die "Bucht-Jungs" im "Alten Keller", am Samstag gab es einen Segelwettbewerb, und ein Theaterstück mit dem Namen "Dein Unstern" wurde beworben. "Mama, was bedeutet Unstern?" Meine Mutter las gerne und wusste ziemlich viel und es gab kaum ein Wort, das sie nicht kannte.

"Unstern?", wiederholte sie, "Unstern heißt so viel wie Unglück oder Katastrophe oder zum Beispiel ." - "Ja, ja", unterbrach ich sie, "ich verstehe schon." Na großartig, sogar die Litfaßsäule wusste Bescheid über mich. Hätte ich bloß gar nicht erst gefragt.

Nach ausführlicher Prüfung mehrerer Reisekataloge hatte meine Mutter unsere Unterkunft per Telefon gebucht. Eine Art "Villa Kunterbunt", ein charakterstarkes Ziegelhaus mit Garten, wie die Vermieterin ihr beim Anruf anscheinend versichert hatte. Als wir vor dem Gebäude anhielten, vermutete mein Vater erst einmal, dass wir uns in der Adresse geirrt hätten. Da stand ein Schuttcontainer vor der Einfahrt und das Haus sah aus, als ob es darauf wartete, darin abtransportiert zu werden. Meine Eltern gingen zur Tür und klingelten, während Sabine und ich gelangweilt im Auto warteten. Wir waren so lange unterwegs gewesen und nun sollten wir die kommenden vier Wochen in diesem Geisterhaus verbringen? Na dann, gute Nacht!

Eine Frau öffnete die Tür und bat unsere Eltern herein.

Als ungefähr fünf Minuten später alle wieder das Haus verließen, sprach Papa sehr energisch auf die Frau ein, während meine Mutter gar nicht mehr damit aufhörte, den Kopf zu schütteln. "Sie können mir mit ihrem Vertrag den Buckel runterrutschen!", hörte ich meinen Vater schimpfen. Die Vermieterin zuckte mit den Schultern und zeigte verlegen auf das brüchige Haus.

Sabine nahm ihren Kopfhörer ab. "So eine Bruchbude lassen die sich nicht andrehen." Kopfschüttelnd setzte sie sich wieder die Kopfhörer auf, während unsere Eltern ins Auto einstiegen. "So eine Frechheit." Mama fühlte sich betrogen. "Da fällt schon der Putz von den Wänden und alles ist total dreckig", erklärte sie mir den Schlamassel. "Ein Loch! Ein absolutes Loch!", fasste Papa zusammen. "Wir wären die letzten Mieter gewesen, bevor das Haus abgerissen wird." Ich zog die Augenbrauen hoch. Da denkt man, dass diese Reise ein absolutes Desaster ist und es nicht schlimmer kommen kann, doch das Leben legt noch mal ein abbruchreifes Ferienhaus obendrauf. Respekt.

Die Vermieterin stieg ebenfalls ins Auto und fuhr voraus, um uns eine alternative Unterkunft zu zeigen.

Kurze Zeit später waren wir am Ziel und meine Eltern betraten das Haus zusammen mit der Vermieterin. Von außen sah es ganz in Ordnung aus, aber nachdem die Erwachsenen kurz darauf wieder herauskamen, wiederholte sich das Schauspiel von vorhin. Mein Vater wedelte der Frau wütend mit dem Finger vor dem Gesicht herum und Mama schüttelte wieder missbilligend den Kopf. Wie es aussah, warteten in Kellenhusen wohl mehrere Häuser auf ihren Abriss.

"Das kommt ja gar nicht infrage!", schimpfte meine Mutter, als sie wieder einstieg. "Im Keller wollte die uns schlafen lassen, keine Fenster, nur ein Schacht, in den etwas Licht fällt", berichtete mein Vater. Sabine war komplett unbeeindruckt, wohl auch, weil sie gar nicht erst zuhörte. "Und hast du die Flecken an den Wänden gesehen?" Wenigstens hatte uns die Hüterin des Kellerverlieses die Adresse eines Bekannten aufgeschrieben, der ebenfalls Ferienwohnungen vermietete und wo wir vielleicht doch noch unterkommen könnten. So fuhren wir also ein paar Ecken weiter, bis wir schließlich in einer Auffahrt vor einem knallroten Garagentor zum Stehen kamen. Die Garage gehörte zu einem kleinen, aber sauberen Ziegelhaus, das einen recht stabilen Eindruck machte.

Davor wartete schon ein rundlicher Mann mit Brille, der uns freundlich begrüßte. In aller Seelenruhe zeigte er uns das Haus und erklärte, wie der Herd und der Fernseher funktionierten und wo der nächste Supermarkt war. Da das Häuschen nicht danach aussah, als würde es in naher Zukunft auf einer Schutthalde enden und niemand von uns irgendwelche verdächtigen Flecken oder Verfärbungen an den Wänden entdeckte, beschlossen meine Eltern, hier einzuziehen. Sabine und ich würden zwar im Keller in einem Stockbett schlafen, aber damit konnten wir gut leben. Zum Abschluss zeigte uns der Mann noch die Garage. "Da stehen ein paar Drahtesel, die ihr gerne nutzen könnt." Ich warf einen gelangweilten Blick ins Halbdunkel, doch nachdem der Vermieter das Licht angeschaltet hatte, machte ich einen schnellen Schritt hinein. "Für meine Söhne sind die inzwischen zu klein."

Mir fiel die Kinnlade herunter: Das, was der gute Mann als "Drahtesel" bezeichnet hatte, war ein BMX-Rad, in Schwarz und Rot, mit der Nummer sieben, also meiner Rückennummer, um genau zu sein. Daneben stand ein Rennrad, das von der Größe her genau für Sabine passte. Wir sahen uns nur kurz an und wussten sofort, dass wir das Gleiche dachten. Baldmöglichst würden wir uns mit den Rädern auf eine Entdeckungstour machen.

"Bis zum Abendessen seid ihr aber wieder da, verstanden", rief uns Mama hinterher,...

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