Alea Aquarius 6

Der Fluss des Vergessens
 
 
Oetinger (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. Oktober 2020
  • |
  • 480 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96052-177-8 (ISBN)
 
Sehnsüchtig erwartet: Mit Band 6 der Bestseller-Reihe von Tanya Stewner gehen die Abenteuer mit Alea Aquarius in eine neue Runde. Sämtlicher Erinnerungen beraubt, muss sich die Alpha Cru erst wieder neu orientieren. Wer hat es auf sie abgesehen? Wer ist dieser Mann mit dem schwarzen Mantel und dem Leierkasten, der sie vom Ufer aus beobachtet? Und gab es ursprünglich noch mehr Bandenmitglieder?
Alea wäre nicht Alea, wenn sie nicht trotz aller Widrigkeiten den Kampf mit ihren Gegenspielern aufnehmen würde, um ihre Freunde zu retten.
  • Deutsch
  • Hamburg
  • |
  • Deutschland
  • 5,91 MB
978-3-96052-177-8 (9783960521778)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Tanya Stewner, geboren 1974 in Wuppertal, träumte bereits mit zehn Jahren davon, Schriftstellerin zu werden. Der Traum wurde wahr: Die Autorin der Bestseller über "Liliane Susewind" hat eine riesige Fangemeinde, und ihre Leser warten sehnsüchtig auf jedes neue Buch von ihr.

Claudia Carls wurde 1978 geboren und studierte in Hamburg Kinder- und Jugendbuchillustration. Sie arbeitet als freiberufliche Illustratorin und gestaltet Bilderbücher, auch zu eigenen Texten, Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher und Plakate.

Alea erwachte mit einem seltsamen Gefühl, das sich in den wenigen Augenblicken zwischen Traum und Wirklichkeit in herzrasendes Erschrecken verwandelte. Kerzengerade fuhr sie in die Höhe. Ihr Herzschlag pochte laut und schnell in ihren Ohren, und mit weit aufgerissenen Augen versuchte sie, sich zu orientieren. Was war geschehen? Wo war sie?

Hektisch sah sie sich um. Sie befand sich in einer kleinen Kajüte in der unteren Koje eines Stockbettes. Alea griff sich an den Kopf. Es war schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Bilder, Wörter, Gesichter . alles wirbelte durcheinander wie in einem tosenden Orkan. Angestrengt rieb sie sich die Schläfen. Eines der Wörter, die sich in ihrem Kopf drehten, war Crucis. Sie konzentrierte sich darauf. Natürlich!, dachte sie im nächsten Moment. Ich bin auf der Crucis!

Am Tag zuvor hatte Alea dieses alte Segelschiff zum ersten Mal betreten, nachdem sie stundenlang auf einer Bank am Hamburger Hafen gesessen und darauf gewartet hatte, dass Marianne anrief. Ihre Pflegemutter war gestern wegen eines Herzinfarktes mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus eingeliefert worden, und für Alea waren die Ereignisse ein absoluter Albtraum gewesen. Nicht nur, dass sie Marianne furchtbar lieb hatte und sich schreckliche Sorgen um sie machte. Alea befürchtete auch, zu einer neuen Pflegefamilie geschickt zu werden, und hatte sich zunächst nicht getraut, ins Krankenhaus zu fahren. Denn womöglich wartete dort jemand vom Jugendamt auf sie .

Alea massierte sich die Stirn und versuchte, aus dem Durcheinander in ihrem Kopf die Puzzlestücke herauszufischen, die ihr am ehesten helfen würden, ein Gesamtbild zu erkennen. Ja, sie hatte voller Angst auf dieser Bank gesessen, und dann . dann war die Crucis in den Hafen eingefahren. Zwei Jugendliche und ein etwa neunjähriger Junge waren von Bord geklettert und hatten vor einem nahe gelegenen Café Straßenmusik gemacht. Verdammt gute Musik. Alea erinnerte sich genau an den Song und an Tess' Stimme .

Ja, Tess! Das Mädchen mit der Rockröhre hieß Tess, und die beiden Jungs waren Brüder. Ben und Sammy. Langsam klärten sich Aleas Gedanken, und die durcheinandertobenden Informationen kreisten nicht mehr ganz so wild umher.

Ben hatte Alea zum Abendessen auf das Schiff eingeladen, und obwohl sie normalerweise nicht so schnell neue Freundschaften schloss, war sie an Bord gegangen. Irgendetwas an diesem Schiff und dem ungewöhnlichen Trio gefiel ihr. Sie hatten sich unterhalten. Die drei waren eine Bande und nannten sich die Alpha Cru, wegen irgendeines Sternbildes. Sammy wollte, dass Alea ebenfalls Mitglied wurde, und so hatten sie das Aufnahmeritual gemacht - eine Sache, die allen überraschend ernst gewesen war. Und durch das alte lateinische Buch hatte Alea ihren Bandennamen Aquarius erhalten.

Alea Aquarius.

Der Name verursachte ein Kribbeln in ihrem Nacken. Er klang . groß. Wichtig. Und dabei war er doch nur Teil eines Spiels. Oder etwa nicht?

Alea erinnerte sich, dass sie der Cru von ihrer Pflegemutter und dem Infarkt erzählt hatte, woraufhin sie zusammen ins Krankenhaus gefahren waren. Niemand vom Jugendamt war dort gewesen, niemand hatte etwas von einer neuen Familie gesagt. Alea hatte unbehelligt mit Marianne sprechen können, die sich während der kommenden Wochen schonen und wahrscheinlich eine Reha machen musste. Für die Dauer der Sommerferien durfte Alea bei der Alpha Cru bleiben. Wenn im August jedoch in Hamburg die Schule wieder begann, würde Alea in ihr normales Leben mit Marianne zurückkehren.

Alea zog die Augenbrauen zusammen. Hatte Marianne ihr wirklich erlaubt, mit der Alpha Cru zu segeln? Die Ereignisse des vergangenen Abends lagen halb verschüttet unter dem Geröllhaufen, den der Gedanken-Orkan in ihrem Kopf hinterlassen hatte, und alles wirkte eigenartig undeutlich. Was war nur mit ihr los?

Leise schlüpfte Alea unter ihrer Bettdecke hervor und schaute aus dem Bullauge der Kajüte. Sie waren noch immer im Hamburger Hafen, genau dort, wo die Crucis gestern angelegt hatte.

Ein zartes Schnaufen erklang. In der oberen Koje des Stockbettes lag Tess. Natürlich, sie teilten sich ja die Mädchenkajüte! Ihre Zimmerkameradin schlief noch tief und fest, und Alea konnte der Versuchung nicht widerstehen, sie zu betrachten. Tess hatte schokoladenbraune Haut, Dreadlocks und schöne Hände, die aussahen, als könnten sie ordentlich zupacken. Im Schlaf erschien die Piratenprinzessin, wie Sammy sie gestern immer wieder genannt hatte, viel verletzlicher als bei den Gesprächen, die sie am Tag zuvor geführt hatten. Da hatte Tess sehr tough gewirkt und Alea mit ihrer Lässigkeit beeindruckt. Im Gegensatz dazu empfand Alea sich selbst als ziemlich linkisch und unbeholfen und war bestimmt noch nie von jemandem für irgendetwas bewundert worden. Außer vielleicht für ihre Mode-Ideen. Ihr Styling fanden manche Leute cool, das wusste Alea. Dabei war es um so vieles eindrucksvoller, wenn man eine tolle Persönlichkeit hatte anstatt nur ein tolles Outfit.

Alea lächelte die schlafende Tess an. Sie hoffte, dass dieses Mädchen, das bestimmt auf jedem Schulhof wie keine Zweite aus der Menge herausstach, ihre Freundin werden würde.

Auf Zehenspitzen schlich Alea aus der Kajüte in den Salon der Crucis. Als sie die Tür hinter sich zuzog, wurde ihr schwindelig, und sie musste sich an der Klinke festhalten.

»Ahoi!«, hörte sie Sammy rufen. Sammy hieß mit vollem Bandennamen Samuel Draco - eigentlich Samuel Walendy - und war das jüngste Bandenmitglied. Der Neunjährige kam barfüßig herangehüpft. »Ist dir auch schlecht? Ben hat grade gekotzt!«

Der Schwindel verschwand nur langsam, und Alea traute sich kaum, die Klinke loszulassen. »Irgendwie bin ich ganz durchgerüttelt.«

»Morgen.« Ben kam aus dem Bad. Sein Gesicht war kalkweiß. »Ich hab einen tierischen Brummschädel«, grummelte er und ließ sich stöhnend auf der Couch nieder.

»Sag mal .«, Sammy musterte Alea, »hattest du gestern nicht hellere Augen? So ein krasses Grün?«

»Ich .« In Aleas Kopf hakte etwas, und sie konnte nicht genau sagen, was sie eigentlich für eine Augenfarbe hatte.

Detektivisch reckte Sammy den Kopf vor und hätte wahrscheinlich eine Lupe gezückt, wenn eine da gewesen wäre. »Im Ernst, deine Augen sind heute dunkler als gestern!«

»Hör mit dem Quatsch auf, Sammy«, kam es von der Couch. »Mach mir lieber ein Käsebrot. Ich hab echt Hunger.«

Das hörte Sammy wohl nicht. »Du hast aber zum Glück noch immer dieses wundersame Märchengesicht«, sagte er zu Alea. »Dunkle Haare, blasse Haut und rote Lippen wie Schneewittchen - ein absolutes Wunderwittchen!«

Ben warf ein Kissen nach Sammy. Der lachte und ließ sich neben Ben auf die Couch fallen. Ben verpasste ihm eine Kopfnuss. Doch dann zog er seinen kleinen Bruder in die Arme, und Sammy schmuste sich wie ein Kätzchen an ihn.

Alea staunte ein bisschen. Sie hatte noch nie erlebt, dass Jungs derart ungeniert herumkuschelten.

Ben streichelte Sammy über den Kopf. »Sag mal, sind deine Haare seit gestern länger geworden?«

»Klar, sie wachsen jeden Tag!«, erwiderte Sammy. »Aber mein letzter Schnitt ist echt noch nicht long hair!«

Alea lachte, und Sammy strahlte sie an.

Jetzt nahm Sammy Bens Rockstar-Frisur genauer ins Visier. »Deine Friese ist allerdings ziemlich kurz! Als hätte ich sie dir vor nicht allzu langer Zeit erst gemäht.« Während Alea wieder lachen musste, wuschelte Sammy Ben fachkundig durch die Haare. »Wahrscheinlich liegen sie heute nur besonders gut.«

Tess kam aus der Mädchenkajüte geschlurft. »Bonjour«, murmelte sie in schnodderigem Tonfall und gähnte.

»Hast du auch Kopfweh?«, überfiel Sammy sie.

Mit einer lässigen Bewegung ließ Tess sich auf das gegenüberliegende Sofa fallen, trank aus einem herumstehenden Glas und verschränkte die Arme. Erst dann antwortete sie. »Nö.«

Sammy stieß einen verträumten Seufzer aus. »Guck dir das an, Schneewittchen!«

Das tat Alea. Tess trug eine Jogginghose mit Sternchen und ein rosafarbenes Schlafshirt, aber allein ihr selbstbewusster Blick und ihre aufrechte Körperhaltung machten klar, dass man kein Mäuschen vor sich hatte.

»Ist unser Tesselchen nicht einfach spektakulös anschwärmenswert?«, säuselte Sammy. »Ich bin total verliebt!«

Tess verdrehte die Augen und band unbeeindruckt ihre Dreadlocks zu einem hohen Zopf zusammen. »Wer hat denn Kopfweh?«, erkundigte sie sich mit ihrem leichten französischen Akzent.

»Ben und Schneewittchen«, informierte Sammy sie. »Ben braucht ein Käsebrot.«

Tess nickte beiläufig, erhob sich und ging zur Küchennische hinüber, offenbar, um Ben ein Käsebrot zu machen. Einen Augenblick später fragte sie: »Wer hat denn den Käse gekauft?« Reklamierend hielt sie ein Stück Edamer in Bens Richtung. »So einen holen wir doch grundsätzlich nicht, weil Draco keinen Käse mit Löchern mag .«

Ben schien verwundert. »Also, ich hab den nicht gekauft.«

»Aber du bist im Laden gewesen!« Kopfschüttelnd schmierte Tess ihm das Brot und setzte zwischendurch Teewasser auf.

»Ich möchte bitte einen Kakao mit Schlagsahne und Schokostückchen.« Sammy schenkte Tess ein breites Frechdachslächeln. Allerdings reagierte Tess nicht darauf, sondern brummte nur etwas auf Französisch und hantierte geschäftig herum.

Alea ging erst einmal aufs Klo und wusch sich in dem winzig kleinen Badezimmer des Schiffs das Gesicht. Als sie ihr Spiegelbild sah, erschrak sie. Ihre Augen waren tatsächlich dunkel, irgendwie...

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