Maddrax - Folge 305

Nach Millionen von Jahren
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 27. September 2011
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1340-3 (ISBN)
 
Eigentlich soll sich Gilam'esh nach seiner Rückkehr in die Stadt nur die todkranke Xij ansehen, um abzuschätzen, ob er ihr helfen kann. Doch die Begegnung läuft völlig aus dem Ruder - als die beiden sich erkennen!
Es ist nicht nur eines von Xijs früheren Leben, das sich plötzlich in ihr Bahn bricht; es ist ihre erste, ursprüngliche Existenz!
Für sie, aber auch Matt, Gilam'esh und E'fah ändert das alles. Falls Xij überlebt.
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 2,00 MB
978-3-8387-1340-3 (9783838713403)
3838713400 (3838713400)
"(S. 11-12)

Vergangenheit, Rotgrund Gilam’esh blickte mit glühenden Blicken hinunter in die Senke mit dem kleinen See. Das Auge der Schöpfer senkte sich. Bald würde die Finsternis anbrechen. Die Zeit drängte. Wir sind nur zu dritt, flüsterte der Matt-Geist in ihm. Brich die Verfolgung ab. Das ist Wahnsinn! „Halt dich da raus“, gab Gilam’esh halblaut zurück. Angst kroch in seine Brust und versteifte seine Schuppen. Der Fremde sollte schweigen, wie er es sonst tat.

Aber er ahnte schon, dass sein zweites Ich ihm den Gefallen nicht tun würde. Immer wenn er besonders riskante Entscheidungen traf, mischte Matt sich in seine Gedanken ein. Als ob er ihn jemals würde aufhalten können! Auch dieses Mal versuchte er es hartnäckig. Du kannst gegen sie nichts ausrichten! Das wäre dein Ende! „Du hast mich schon oft unterschätzt“, knurrte Gilam’esh. Das Feuer der gerechten Wut brannte in ihm. In den vergangenen Umläufen6 wurden die Angriffe und Überfälle der Patrydree immer dreister. Sie jagten die Ikairydree, diesen friedlichen und hilflosen Stamm seines Volkes, der niemandem etwas antat. Sie überfielen küstennahe Städte und verschleppten die Einwohner an Land. Aber damit nicht genug: Sie fraßen sie auch, denn die Patrydree waren Kannibalen.

Gilam’esh schüttelte sich. Beim gestrigen Lichtend war er auf Abfälle einer ihrer Rotten gestoßen. Auf Knochen von Ikairydree, die verbrannt in erloschenen Feuerstellen lagen. Wie sollte er da ruhig bleiben und sich zurückhalten? Gerade erst hatte man ihn zum Kriegsmeister ernannt, und das gewiss nicht, weil er unentschlossen und feige war. Den Bestien musste Einhalt geboten werden. Jede Faser seines Körpers schrie nach Vergeltung für die grauenhaften Taten, die sich zu jedem Hochlicht mehrten. Und wieder einmal beweist du mir, dass dich die niedere Mathematik überfordert, spottete der Matt-Geist.

Drei gegen vierzig. Was für ein Wahnsinn. Warte wenigstens auf Verstärkung. „Damit sie die anderen Gefangenen in der Zwischenzeit auch noch fressen?“, gab Gilam’esh patzig zurück. „Gilam’esh?“ Die Stimme seines Lehrers Kazar’bal lenkte ihn von seinem inneren Dialog ab. Er schob den Gedanken an den fremden Geist von sich und wandte sich dem ehrwürdigen Meister zu. Der alte Hydree kroch über zwei rote Steinplatten in seine Richtung. Dabei hielt er sich so tief, dass er in der Senke nicht gesehen wurde. „Meine Entscheidung ist gefallen“, klackte Gilam’esh mit fester Stimme. „Wir greifen an. Sofort. Wir müssen die Gelegenheit nutzen und sie in der Nähe des Sees stellen, solange der Dunst aufsteigt.“ Kazar’bal nickte. „Kar’iryish ist bereit.

Die Kriegsmeisterin wartet nur auf deine Anordnungen.“ Gilam’eshs Scheitelkamm verfärbte sich zufrieden. „Wir greifen von drei Seiten aus an. Sobald ich die Muy’laals rufe, betäubt oder tötet ihr so viele von ihnen, wie ihr könnt.“ Er zog seinen Kombacter und stellte ihn auf volle Leistung. Kazar’bal wandte sich bereits ab, um sich in den Gelbfiederbüschen auf der anderen Seite der Senke zu verbergen. „Sie verdienen keine Gnade“, murmelte Gilam’esh halblaut. Noch einmal atmete er die staubige Luft ein, dann bezog er seine Position. Sein Geist weitete sich. Seine Mentalstrukturen griffen nach jenen Wesen, die ungeduldig auf das Zeichen zum Angriff warteten. Kommt, sang er in Gedanken. Kommt an Land und tötet die, die euch fressen! Von seiner erhöhten Position aus sah er das Wasser brodeln. Die ruhige Oberfläche des Sees in der Mitte der Senke platzte auf."

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