Eine Studie in Tintenblau

Herr Fuchs und Frau Elster ermitteln
 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. März 2019
  • |
  • 229 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7438-8624-7 (ISBN)
 
Elijah Fuchs kommt als neuer Pfarrer in die Kleinstadt Bonpoint. Doch gleich am Tag seines Eintreffens wird ein Verwaltungsmitarbeiter tot aufgefunden. In seiner Brust steckt ein Federkiel und er ist vollkommen mit Tinte übergossen. Obwohl Elijah auf ein ruhiges Leben gehofft hatte, wird er von seiner Schwester Harriet, die sich als Polizistin beweisen möchte, in die Mordermittlungen eingespannt. Schnell steht eine Hauptverdächtige fest: Frau Elster. Doch diese begibt sich lieber selbst auf die Suche nach dem Mörder und irgendwie ist sie der Polizei immer eine Nasenlänge voraus.

Anja Stephan wurde in Quedlinburg im Harz geboren und wuchs im schönen Thüringen auf. Sehr schnell entdeckte sie ihre künstlerische Ader, und die Kunst zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. An ihrem ersten Roman 'A Fairy Tale' arbeitete sie schon während ihres Studiums . Die erste 'Geschichte, in der Elfen vorkommen' veröffentlichte sie im April 2017. Geplant ist eine Fortsetzung der Geschichte sowie ein Spin-off. Zurzeit schreibt sie Kurzgeschichten und Novellen, hauptsächlich in der Phantastik. Ihr erster Steampunk-Krimi 'Eine Studie in Tintenblau' wurde im November 2018 veröffentlicht. Die Ermittlungen von Herrn Fuchs und Frau Elster sind als Reihe geplant. Der 2. Band ist bereits in Arbeit.
  • Deutsch
  • 0,91 MB
978-3-7438-8624-7 (9783743886247)

Herr Fuchs kommt in die Stadt


Im Bahnhof herrschte Hochbetrieb. Menschen jeden Alters liefen in der Halle hin und her. Einige drängelten und eilten zu den Gleisen, andere setzten sich auf eine der zahlreichen Bänke und warteten, während sie mitgebrachte Brote aßen.

Elijah blinzelte ins Licht, das durch das bunte Fenster in der Kuppel fiel. Es waren Blumenranken aus farbigem Glas eingesetzt und ganz oben das Stadtwappen: ein Wagenrad, darunter zwei gekreuzte Hämmer. Bonpoint. Benannt nach dem hiesigen Bergwerk.

Er fasste sich in den Nacken. Der Zug war unbequem gewesen und hatte ihm Rückenschmerzen beschert. Er hätte doch mit dem Zeppelin fliegen sollen, aber die wenigen Flüge, die diese Provinzstadt ansteuerten, waren, so kurzfristig wie er abgereist war, völlig ausgebucht gewesen.

Elijah hatte sich das ohnehin winzige Abteil mit fünf anderen Menschen teilen müssen, deren Gerüche ihm immer noch in der Nase hingen und nun langsam von Kohle und Ruß vertrieben wurden. Er wusste nicht, was schlimmer war. Die lange Fahrt mit den vielen Unbekannten, die ihm auf die Pelle gerückt waren, oder die Begrüßung, die ihn am Bahnhof auf einem überdimensional großen Schild empfing. Die hatte dem Ganzen die Krone aufgesetzt: Bonne Chance in Bonpoint - hier finden Sie Ihr Glück. Elijah hatte plötzlich das Verlangen, in den nächstbesten Zug zu steigen, der ihn zurück nach Berlyn brachte.

Elijah wollte nach seinem Koffer greifen, doch der Griff rutschte ihm aus den metallenen Fingern. Das unangenehme Knirschen in der Mechanik stellte ihm die Nackenhaare auf. Er fluchte leise und betrachtete seine Hand. Das Konstrukt aus Metall und Zahnrädern war unzuverlässig. Es sollte seinen Arm ersetzen, doch es funktionierte nicht so, wie es vorgesehen war.

Als er erneut versuchte, den Koffer anzuheben, hörte er es in seinem Oberarm leise quietschen. Er verdrehte die Augen. Dabei hatte er den Arm gestern noch von einem Arzt kontrollieren lassen, der ihm daraufhin versicherte, dass er voll funktionsfähig war.

Verärgert griff er mit der rechten Hand zu und trug den Koffer nach draußen. Es war warm, beinahe heiß. Er hätte gern seine Jacke ausgezogen und seine Hemdsärmel hochgekrempelt, doch er wollte seinen metallenen Arm nicht zeigen. Die Menschen starrten ihn ohnehin schon genug an. Ein Junge zeigte auf ihn und fragte seine Mutter, ob der Zirkus wieder in der Stadt sei. Elijah seufzte und warf verstohlen einen Blick auf die Tafel, die die Züge nach Berlyn anzeigten. Seine Bekleidung entsprach offensichtlich nicht den hiesigen Gewohnheiten. Er liebte seine Farben, ließ sich Hemden mit wilden Mustern anfertigen, trug Hosen in grellen Tönen und kombinierte die Farben wie es ihm gefiel. In der Hauptstadt war das natürlich nie ein Problem gewesen, aber das hier war Provinz. Alles, was nicht Berlyn war, war Provinz. Er würde damit leben müssen, als Paradiesvogel zu gelten, denn ein Zurück gab es nicht mehr. Er hatte alle Zelte abgebrochen.

Als er sich umsah, erblickte er hohe Schornsteine in der Ferne, die dicken schwarzen Rauch herauspressten. Und noch weiter dahinter flog ein Zeppelin.

Neben der Halle hatte sich eine Gruppe Männer zusammengerottet. Sie waren in einfache Hosen gekleidet und machten allesamt einen kräftigen Eindruck. Der Größte von ihnen gab ein Zeichen, worauf sich die Gruppe in Bewegung setzte und ein Gleis ansteuerte. Neugierig reckte Elijah den Hals. Ein kurzer Zug mit lediglich zwei Wagons fuhr ein und blies den schmutzigen Qualm in die Luft. Die Männer stellten sich ordentlich in Reih und Glied auf. Als der Zug anhielt, stiegen weitere Männer aus. Sie sahen müde aus, einige hatten Ruß im Gesicht. Elijah schätzte, dass es ungefähr genauso viele waren, wie vor den Wagons warteten.

Die Gruppen grüßten sich mit Handzeichen. Als der vermeintliche Anführer die Männer mit "Glück auf" grüßte, war Elijah klar, dass es sich bei den Herren um Bergarbeiter handelte, die zur Kohlemine gebracht wurden. Offenbar hatten sie Schichtwechsel. Als die Männer in den Zug gestiegen waren, wurde sein Blick auf ein Schild freigegeben, das am Gleis stand. Es war das Stadtwappen zu sehen, allerdings waren die zwei gekreuzten Hämmer größer als das Wagenrad. Und der Schriftzug verkündete: Bonpoint Bergbau - Unter Tage und über Nacht. In unserer Kohle liegt Ihr Glück!

Was hatte ihn nur dazu veranlasst, das Angebot des hiesigen Pfarramts anzunehmen? Und was zum Kuckuck hatte er sich dabei gedacht, auf seine Schwester zu hören und zu ihr zu ziehen? Er war sicher, dass er ihr nach spätestens zwei Tagen an die Gurgel gehen würde. Ja, nach all den Strapazen hatte er sich ein ruhiges Leben gewünscht. Ruhig, aber so verschlafen, wie diese Stadt wirkte, konnte man glauben, die Fabriken würden Morphium aus den Schornsteinen stoßen.

Die Bergarbeiter verteilten sich nach wenigen gewechselten Worten in alle Richtungen. Zwischen den Menschen tauchten ein paar Kinder auf, die den Männern entgegenrannten, von den ihnen herzlich begrüßt und auf den Armen getragen worden.

Elijah lächelte. Die Väter kamen von der Arbeit zurück und wurden sofort am Bahnhof daran erinnert, für wen sie diese Schufterei auf sich nahmen.

Er ging über den Bahnhofsplatz und stellte sich an eine gut einsehbare Stelle an der Wendeschleife für Kutschen. Seinen Koffer ließ er neben sich hinunter und betrachtete skeptisch das Kriegsdenkmal, das mitten auf dem Platz stand. Ein halbnackter Mann im Lendenschurz und mit wildem Blick rang einen römischen Soldaten nieder, der Hilfe suchend die Hände ausstreckte. Das Standbild befand auf einem mechanischen Sockel und drehte sich um die eigene Achse, sodass Elijah in den zweifelhaften Genuss kam, es von allen Seiten betrachten zu können. Im Reiseführer hieß es, das Denkmal solle an die große Schlacht erinnern, die hier vor Jahrhunderten getobt hatte. Es wurde als sehenswert empfohlen. Hoffentlich fielen die anderen Sehenswürdigkeiten nicht ähnlich enttäuschend aus.

"Entschuldigen Sie bitte der Herr?"

Elijah zuckte zusammen und fuhr herum. Vor ihm stand ein Junge in zerrissenen, schmutzigen Hosen und hielt ihm eine Blechdose entgegen. Hinter ihm befand sich ein Trupp von ebenso schmutzigen wie mageren Kindern mit einem Hund, der gut gefüttert aussah.

"Ja, bitte?"

"Ich wollt fragen, ob Sie nicht ein bisschen Kleingeld für uns hätten. Bitte." Dabei klapperte der Junge laut mit der Dose.

Soweit Elijah wusste, war Betteln am Bahnhof verboten, dennoch griff er in seine Jackentasche und förderte seinen Geldbeutel zutage. Er kramte ein paar Münzen heraus und ließ sie scheppernd in die Dose fallen.

"Das ist sehr nett von Ihnen. Vielen herzlichen Dank." Der Junge umklammerte die Dose mit beiden Händen und verbeugte sich rasch.

Elijah lächelte und wuschelte dem Kind mit seiner unversehrten Hand durch die Haare. Ein dicker Mann, der mit einem Knüppel in der Hand schnellen Schrittes auf sie zukam, rief etwas, was er nicht verstand.

"Bringt euch in Sicherheit", flüsterte Elijah den Kindern verschwörerisch zu. "Da kommt der Bahnhofsvorsteher."

Erschrocken fuhren die Kinder herum und wuselten wild durcheinander, bevor sie über den Platz rannten und in einer Seitenstraße verschwanden.

Schnaufend kam der Mann bei Elijah an. "Haben die Rotzlöffel Sie belästigt, mein Herr?"

Er lächelte verkniffen. "Dank Ihres leidenschaftlichen Einsatzes haben Sie sie verscheucht."

Der Mann nickte freudig. "Die werden immer frecher, diese Gören!" Er wandte sich zum Gehen. "Da muss man schon auf der Hut sein, sonst tanzen die einem auf der Nase herum."

"Schlimm, die Jugend heutzutage." Elijah sah ihm kurz nach und hielt dann Ausschau nach seiner Schwester. Leider vergeblich. Dass sie seine Ankunft vergessen hatte, war unwahrscheinlich, immerhin hatte er sie in seinem Telegramm genau darüber informiert, wann der Zug aus Berlyn ankommen würde. Das sollte sie gestern erhalten haben. Trotzdem war sie jetzt nicht da. Ein Blick auf die Bahnhofsuhr verriet ihm, dass sie ihn bereits eine Viertelstunde warten ließ. Er seufzte.

Als er nach seinem Koffer griff, um im Café zu verweilen, bis seine Schwester daran dachte, ihn abzuholen, sah er von weitem ein Automobil. Der Wagen fuhr zu schnell in die Kurve, eine Seite hob sich gefährlich.

Elijah hielt den Atem an. Ruckartig kam das Auto vor ihm zum Stehen. Der Fahrer einer Kutsche beschwerte sich lauthals über den Rowdy. Elijah ahnte bereits, wer in diesem Auto saß und blickte sich peinlich berührt um.

Auf den vorderen Sitzen entdeckte Elijah einen Mann und eine Frau, die ungewöhnlicherweise auf der Fahrerseite saß. Elijah hatte die gleichen grünen Augen wie sie und früher hatten sie sogar die gleichen blonden Haare gehabt. Mittlerweile waren Harriets Haare auf natürliche Weise dunkler geworden, während sich in seinen noch ein hellrötlicher Schimmer eingeschlichen hatte. Den Mann kannte er nicht, doch er machte mit seinem breiten Lächeln einen sympathischen Eindruck.

"Das ist nicht dein Ernst!"

Doch seine Schwester grinste nur. Harriet stieg aus und lief...

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