Der Dwang

Die Geschichte einer kleinen Schweriner Halbinsel im Ostorfer See
 
 
EDITION digital (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 14. Mai 2018
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  • 216 Seiten
 
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978-3-95655-886-3 (ISBN)
 
Das Buch ist ein Streifzug durch 300 Jahre Geschichte einer kleinen Schweriner Halbinsel im Ostorfer See. Im 17. Jahrhundert war sie noch ein rauer Ort, auf dem die niedere Jagd betrieben wurde. Später, über lange Zeit durch Landwirtschaft geprägt, jedoch immer unbewohnt, blieb der Dwang für die Nutzer interessant. Für einen Müller wurde die höchste Geländeerhebung ein begehrter Bauplatz für seine Mühle. Erst durch den Bau der Eisenbahnlinie Schwerin - Hagenow veränderte sich die Fläche der Halbinsel, blieb aber begehrt, als Kleingärten auf beiden Seiten der Bahnstrecke angelegt wurden. Erst im 20. Jahrhundert wurde der Dwang ein attraktiver Wohnort und ist es heute mehr denn je.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 6,68 MB
978-3-95655-886-3 (9783956558863)
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Elke Steinhausen, geboren und aufgewachsen Auf dem Dwang, wo sie auch heute noch mit Mann und zwei Katzen wohnt. Schulische und verschiedene berufliche Ausbildungen in Schwerin. Seit vielen Jahren Beschäftigung mit Genealogie und Personen der Stadtgeschichte. Engagement im Förderverein Alter Friedhof Schwerin e.V.
Die frühe Zeit des Dwang (Zwang) mit den Klüßenern Der Anschluss an die Eisenbahnlinie Hamburg - Berlin Wege, Straßen und Brücken Verpachtungen von Ackerland und Wiesen Kleingartenanlagen Die Büdnerei 15 in Görries Der Dwang wird Wohnsiedlung Das Leben nach dem Krieg Neue Gesetze und Befehle Kulturelles Leben Händler und Käufer Neubauten in der Dwang-Siedlung Anhang Zur Erinnerung an einige Dwang-Bewohner Ergänzende Texte Gauleiter Friedrich Hildebrandt Wilhelm Jesse Familie Kuetemeyer Erich Possögel Wandel & Juhr Emil Winkler Der Ostorfer See mit den angrenzenden Dörfern Ostorf Görries Flugplatz Görries und die Fokker-Flugschule Einwohnerzahlen Schwerins Auszug aus dem Adressbuch Schwerin 1938
Schon ein Jahr nach der Machtübernahme wurden das Gauheimstättenamt der NSDAP und die Deutsche Arbeitsfront gegründet. Beide stellten sehr spezielle, politisch motivierte Anforderungen an zukünftige Siedler. So sollten nur 'rassisch wertvolle und leistungswillige' Menschen eine Siedlerstelle zu günstigen Konditionen erhalten. Der im Juli 1935 in Schwerin neu ernannte Stadtbaurat Heinrich Warnick ging in seiner Forderung sogar soweit, nur 'erbgesunden' Familien eine solche Baumöglichkeit gewähren zu wollen. Die finanzielle und soziale Not der Schweriner Bevölkerung hatte zu einer drastischen Zunahme wohnungsloser Familien geführt. Darauf reagierte die Cämmerei 1934 mit der Errichtung von weiteren zwei Wohnbaracken an der Rogahner Straße mit jeweils 20 Zwei-Zimmer-Wohnungen, zu denen Stall- und Abortgebäude gehörten. In jetzt vier Wohnbaracken lebten obdachlos gewordene Schweriner Familien. Wann die ersten beiden Baracken gebaut wurden, sagen die Akten nicht. Wir lesen jedoch von einer komfortablen Ausstattung der Abortgebäude mit 5 Stück Zinkeimer. Die so genannte Mittelschicht sollte in den Genuss von erschwinglichem Wohneigentum gelangen. Anders als bei der Vergabe von Siedlungshäusern in Neumühle, die allein aus sozialen Gründen vergeben wurden, mussten die Hauseigentümer auf dem Dwang nach den Vorstellungen der NSDAP 'rassisch wertvoll und erbgesund' sein. In den ausgewerteten Archivakten findet sich jedoch kein Hinweis auf die Anwendung dieser radikalen Auswahlkriterien. Wohl aber standen sehr viele Bauherren der Häuser auf dem Dwang dem neuen System mehr oder weniger nahe. Angesichts der neuen politischen Strategien ist es durchaus vorstellbar, dass die Zugehörigkeit zur NSDAP bei der Auswahl der späteren Bauherren eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Nach mündlicher Überlieferung einer Dwang-Bewohnerin waren nur drei der neuen Hausbesitzer nicht in dieser Partei. Auch der soziale Status der Bauwilligen scheint bei der Vergabe eines Bauplatzes eine Rolle gespielt zu haben. Im Jahr 1939 waren die Bewohner der neu errichteten Dwang-Häuser in sehr unterschiedlichen Berufen tätig. Das Schweriner Adressbuch aus diesem Jahr gibt uns Aufschluss darüber. Unter den Hausbesitzern waren 17 Kaufleute, Angestellte und Buchhalter, 6 waren Architekten, Ingenieure oder Techniker, weiter waren 11 Handwerker, 2 Zugführer (bei der Eisenbahn), 2 Wachtmeister, 3 Musiker, 2 Schneiderinnen, 3 Arbeiter, 3 Rentner und 9 in diversen anderen Berufen Tätige. Allein aus der Berufsbezeichnung der Bauherren ist eine Systemtreue aber nicht abzuleiten. Um den notwendig gewordenen Siedlungsbau schnell vorantreiben zu können, wurde schon am 30. März 1935 das Gesetz zur Förderung des Wohnungsbaus von der Reichsregierung beschlossen und verkündet. Für diesen Zweck wurde die enorme Summe von 50 Mio RM zur Verfügung stellte. Der Reichsminister für Finanzen, Graf Schwerin von Krosigk, wird durch dieses Gesetz ermächtigt, die zur Verfügung stehenden Millionen für Zwecke der Kleinsiedlung und des Kleinwohnungsbaues zu verwenden. Nach § 2 dieses Gesetzes hatten die Steuerpflichtigen dem Reich als verzinsliche Anleihe eine Gebäudeentschuldungssteuer zu leisten. Die Verfügung über diese Steuereinnahmen wurde per Gesetz dem Reichsarbeitsminister übertragen. Mit der Verlegung größerer Militäreinheiten nach Schwerin nahm seit 1935 die Wohnungsnot in der Stadt noch einmal enorm zu. Um dem entgegen wirken zu können und gleichzeitig die Menschen an das neue System zu binden, plante die Schweriner Stadtverwaltung verschiedene Wohnsiedlungen an unterschiedlichen Plätzen der Stadt. Zuerst wurde die Siedlung in Neumühle errichtet, aber nicht ohne bestimmte Erwartungen an die Siedler zu knüpfen. Die neuen Machthaber erwarteten als Gegenleistung für den günstigen Kaufpreis der Häuser und Grundstücke absolute Parteitreue. Doch gerade daran mangelte es den meistens politisch anders orientierten, überwiegend aus der proletarischen Unterschicht kommenden Siedlern. Politisch besonders problematische Siedler aus Neumühle wurden kurzerhand in einer Strafaktion in die neu errichteten Polizeiunterkünfte im Ziegelhof umgesiedelt. Völlig anders verlief die Besiedelung der damaligen Tackert-Straße, heute Am Tannenhof. Hier wurden Grundstücke von 1 000 und 2 000 m² Größe zur Errichtung von Eigenheimen an Gauamtsleiter aus dem Land verschenkt oder Personen, die dem Gauleiter Hildebrand persönlich nahestanden, für 6,60 RM / m² oder auch kostenlos zur Verfügung gestellt. Für alle diese Grundstücke, ob geschenkt oder günstig gekauft, musste dem Gauleiter Hildebrand das Vorkaufsrecht eingeräumt werden. Für finanziell etwas besser Gestellte errichtete 1936 die 'Mecklenburger Heimstätte' 25 Häuser in der Mustersiedlung am Sachsenberg. Schon ein Jahr später baute die Gemeinnützige Baugenossenschaft 'Selbsthilfe' 59 Häuser auf dem Dwang. Die Baukosten der Häuser in den Siedlungen Sachsenberg und Dwang lagen zwischen 9.200,- und 13.600,- RM für ein Einfamilienhaus. Einfachen Arbeitern fehlten die finanziellen Mittel zum Erwerb von Eigentum in dieser Preisklasse. Unter diesen Voraussetzungen bekamen die neu angelegten Siedlungen ihr spezielles soziales und auch politisches Gepräge. Die so genannte Mittelschicht baute auf dem Dwang und prägte dadurch das gesellschaftliche Leben. Bis dahin vollkommen fremde Menschen waren nun auf einem räumlich engen Areal plötzlich Nachbarn geworden. Mit den ersten Planungen für die Siedlung Dwang wurde der Berliner Architekt Dipl.-Ing. Karl Kretschmer schon am 3. April 1935 beauftragt. Der Vorentwurf 'B' zur Errichtung von Eigenheimen auf dem Dwang umfasste auch die technische Infrastruktur. Sichtbares Zeichen dafür ist das kompakte, backsteinsichtige Trafo-Haus. Die Städtischen Gas- und Wasserwerke reichten einen Kosten-Anschlag über 22.122,35 Mark ein und für die Ausführung der elektrischen Anlagen wurden 30.900 Mark veranschlagt. Nach dem Plan von Karl Kretschmer sollten auf dem Dwang 41 Doppelhäuser gebaut werden. Sieben davon waren entlang der Bahn und drei diesen gegenüber geplant. An der Wasserseite waren zwölf dieser Häuser vorgesehen, acht diesen gegenüber und drei dahinter. Und noch einmal acht dort, wo noch heute Gärten vorhanden sind, etwa entlang des Gartenweges hinter den Häusern 51 bis 54. Während auf dem Rondell im oberen westlichen Bereich des heutigen Spielplatzes die Errichtung von Winkelbauten geplant war, sollte ein Spielplatz ganz am Ende des Dwang, ungefähr dort, wo heute die Häuser 30 bis 33 stehen, angelegt werden. In diesem unteren Dwang-Bereich wurde die Bodenbeschaffenheit in Ufernähe als moorig und demzufolge als untauglich für die Errichtung von Häusern mit Kellergeschoss ausgewiesen. Jedoch für einen Spielplatz schien dieser Bereich gut geeignet zu sein.

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