Sturm über Branitz

Historischer Kriminalroman
 
 
Gmeiner-Verlag
  • 3. Auflage
  • |
  • erschienen am 8. August 2011
  • |
  • 462 Seiten
 
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978-3-8392-3699-4 (ISBN)
 
Die Lausitz, Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Unwetter tobt über dem Branitzer Schlosspark. Als begeisterter Landschaftsarchitekt ist Fürst Pückler besorgt und schickt am nächsten Morgen seine Gärtner aus. Sie sollen ihm berichten, ob Bäume beschädigt wurden. Bei ihrem Rundgang machen sie einen grausigen Fund: In den Wurzeln eines umgestürzten Baums hängt ein toter Knabe. Sein Körper ist übersät von blutigen Wunden. Im Ort kommt Unruhe auf und das Volk entwickelt abenteuerliche Theorien. Hat etwa der alte Fürst etwas mit dem Verbrechen zu tun?
2019
  • Deutsch
  • 11,97 MB
978-3-8392-3699-4 (9783839236994)
3839236991 (3839236991)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Franziska Steinhauer ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt seit 1993 in Cottbus. Nach dem Abitur studierte sie Pädagogik.
Seit 2004 arbeitet sie als freie Autorin. Die Schwerpunkte ihrer literarischen Tätigkeit sind Kriminalromane und Kurzgeschichten, in und um Cottbus und den Spreewald. 2014 hat sie außerdem ein Studium in Forensik (M.Sc.) an der Technischen Universität Cottbus abgeschlossen. Das hierdurch erworbene Wissen setzt sie ein, um die in ihren Krimis beschriebenen kriminaltechnischen Untersuchungen und die Rekonstruktion von Tathergängen realitätsgetreu darzustellen. Ihre psychologisch ausgefeilten Kriminalromane ermöglichen tiefe Einblicke in das pathologische Denken und Agieren des Täters. Mit Geschick verknüpft sie mörderisches Handeln mit Lokalkolorit und dem Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen.
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39 - Zeittafel [Seite 454]
40 - Veröffentlichungen des Fürsten Hermann von Pückler [Seite 459]
41 - Danksagung [Seite 460]
42 - Literatur [Seite 462]
43 - Zu diesem Buch [Seite 464]

2


Franz, Wilhelm und Kaspar liefen mit schnellen Schritten vom Friedhof her durch den Park.

Ganz mit anderen Problemen beschäftigt, hatten sie kein Auge für die entstehende Schönheit der Anlage oder die während des Unwetters geschlagenen Scharten.

»Bleib doch mal stehen!«, forderte Wilhelm.

Kaspar beschleunigte seine Schritte.

»Lasst mich bloß in Ruhe! Wir sollen nach Sturmschäden Ausschau halten. Der Fürst wartet auf eine Meldung. Vielleicht geht er auch selbst durch den Park - und dann trifft er auf mich, einen seiner Gärtnergehilfen, der sich hier mit Freunden unterhält! So was riskier ich nicht!«, erklärte er etwas außer Atem.

»Nun erzähl schon! Wie ist es mit Sofia gewesen?«, bedrängte Franz den Freund.

Kaspar wand sich. »Das ist kein Thema für euch!«

»Hab dich nicht so!«, forderte auch Wilhelm aufgeregt.

»Was denkt ihr denn? Darüber spricht man nicht! Das geht nur Sofia und mich etwas an!« Kaspar erhöhte noch einmal das Tempo.

»Haha! Du konntest sie nicht überzeugen, sich küssen zu lassen! Gib es nur zu: Die Dame hat sich geziert und du kamst nicht zum Zuge!«, zog Wilhelm den anderen auf.

»Ich glaube, wir brauchen ein paar handgreiflichere Argumente, um seine Zunge zu lösen«, drohte Franz, begann, die Ärmel seines zu dünnen Hemdes hochzukrempeln und schüttelte scherzhaft die geballte Faust unter Kaspars Nase.

»Versuch's!« Ehe sich die beiden Freunde versahen, war Kaspar losgestürmt, schlug geschickt ein paar Haken, wetzte um die nächste Ecke, raste in Richtung Kugelberg davon. Entschlossen setzten die beiden anderen ihm nach.

Nach drei weiteren Bögen, scharfen Kanten und überraschenden Richtungswechseln blieb Kaspar so plötzlich stehen, dass Franz ungebremst in Wilhelm krachte, weil er so schnell nicht anhalten konnte.

Sprachlos starrten sie auf das albtraumhafte Bild, das sich ihnen bot.

Sofia und alle Geheimnisse um das nächtliche Treffen mit dem Gärtnergehilfen waren vergessen.

In einem Anflug von guter Erziehung zog Kaspar hastig seine Mütze vom Kopf und presste sie atemlos mit beiden Fäusten gegen seine magere Brust.

»Oh Gott! Was ist das?«, fragte der lange Wilhelm mit so hoher Stimme, dass der Gehilfe erschrocken herumwirbelte und ihn verwundert ansah.

»Lebt er noch?«, hauchte Franz neugierig, äugte über Wilhelms Schulter und strubbelte durch seine halblangen schwarzen Haare.

»Schau doch richtig hin! Wie kann der wohl noch am Leben sein?« Wilhelm, der zwar seinen burschikosen Ton wiedergefunden hatte, aber noch immer unnatürlich bleich war, schubste Franz ein Stück vor. »Nein, nein! Der tut dir nichts mehr, du Angsthase!«

»Wie ist der bloß hierhergekommen?«, murmelte Kaspar und machte Anstalten, näher heranzugehen. Schaffte aber nur einen halben Schritt auf die Stelle zu, an der durch den Sturz des Baumriesen das gesamte Wurzelwerk aus der Erde gerissen worden war.

»Nicht!«, warnte Wilhelm. Packte den Freund mit eisernem Griff an der Wolljacke. Riss ihn auf den Weg zurück. »Weißt du denn nicht, dass sie giftig sind?«

»Er hat recht. Man muss Abstand halten!«, wusste auch Franz.

Der Körper des Knaben war auf beunruhigende Weise mit den Wurzeln des Baumes verwoben. Als hielten sie ihn wie Finger für die Ewigkeit umklammert und wären nicht bereit, ihn an die Welt der Menschen abzutreten.

Dem Jungen hing die Zunge aus dem Mundwinkel, erdig und fast schwarz. Beide Augen, trübe und ohne Glanz, waren aus den Höhlen getreten. Um seinen Hals wand sich ein grüner Seidenschal, von Goldfäden durchwirkt, der so gar nicht zu der eher ärmlichen Kleidung passen wollte, die er außerdem am Leib trug. Ein hüftlanges weißes Hemd aus grobem Stoff umflatterte den Körper, einige der Knöpfe fehlten. Die Hose reichte nur zur halben Wade, war verschlissen und an manchen Stellen lieblos geflickt. Alles starrte vor Schmutz. Strümpfe oder gar Schuhe trug er nicht.

»Unheimlich!«, stellte Kaspar fest. »Meint ihr, der ist da irgendwie reingeraten?«

»Nie und nimmer!«, entschied Franz großspurig. »War der schon immer so dünn, oder ist das später passiert?«

»Woher sollen wir das wissen? Ich habe den noch nie zuvor gesehen!« Kaspar kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu können. »Die Haarfarbe wäre mir doch aufgefallen!«

»Schade, dass von seinem Gesicht nur so wenig zu erkennen ist. Das meiste fehlt ganz«, bedauerte Franz und gab vor, sich nicht zu grausen.

»Diese Würmer überall!« Wilhelm schüttelte sich angewidert. »Wie bei dem toten Schwein damals, wisst ihr noch? Das wir an der Spree gefunden hatten?«

Die Freunde nickten.

»Wenn ich da noch lange hingucken muss, wird mir schlecht!«, verkündete Kaspar. »Was machen wir denn jetzt?«

Das war ein echtes Problem. Eigentlich sollten die drei längst ihr Tagwerk begonnen haben.

»Meister Julius kriegt einen schrecklichen Wutanfall. Ich müsste schon seit einer ganzen Weile in der Backstube sein«, fiel Wilhelm ein und er schlug sich erschrocken mit der Hand gegen den Kopf.

»Dann sollten wir besser einem der Gärtner von dem Toten erzählen. So macht es im Dorf die Runde und bestätigt unsere Geschichte. Dein Meister wird Verständnis haben!«, behauptete Kaspar.

»Der Petzold wohl nicht!«, dämpfte Franz die Erwartungen des anderen. »Das gibt gewaltig Ärger. Der wird toben! Der Stall sollte zu dieser Zeit ausgemistet sein. Das setzt eine ordentliche Tracht Prügel!«, orakelte er dann. »Am Ende wirft er mich raus!«

Der erneut aufflackernde Wind griff nach dem Leichnam und wiegte ihn hin und her, wie in den letzten Schlaf.

Entgeistert stierten die drei Freunde auf den Arm des Toten, der sie heranzuwinken schien.

»Mein Gott! Lasst uns von hier verschwinden! Er will uns mit in sein Grab locken, wir sollen ihn begleiten. Bestimmt ist er ein Nachzehrer.«

»Oh, von denen erzählt mein Vetter Siegfried auch. Du weißt schon, der beim Totengräber arbeitet. Er meint, wenn man über den Friedhof geht, hört man sie in den Gräbern schmatzen!«, zischte Franz. »Solche wie er, die wollen errettet werden.«

»Und wovon? Wie?«, fragte Kaspar mit gesenkter Stimme.

Keiner hatte sich auch nur einen Schritt wegbewegt, es war, als stünden sie unter einem unheilvollen Bann.

»Wahrscheinlich liegen wir übers Jahr auch in der Grube!«, jammerte Wilhelm. »Vielleicht konnte er irgendeine Aufgabe nicht zum Abschluss bringen und will, dass wir für ihn .«

»Diese Nachzehrer winden sich in ihren Gräbern, kauen an ihren Leichentüchern und geben sich erst zufrieden, wenn ihnen andere in den Tod gefolgt sind!« Franz' Stimme hatte einen unheimlichen Klang.

Als Wilhelm sich zu ihm umdrehte, glaubte er zu sehen, wie Franz' borstige Haare sich sträubten und weit vom Kopf abstanden, als habe er versäumt, die Seife gründlich auszuspülen. Wie versteift. Das ist das Grauen, dachte er, weil er weiß, dass wir nun ebenfalls sterben müssen. Siegfried hatte ihm das sicher erklärt, so wie Wilhelms Großmutter ihren Enkel schon vor Jahren über das unheimliche Wesen der Nachzehrer aufgeklärt hatte.

Kaspar schüttelte sich, als könne er den Fluch damit vertreiben.

»Ich glaube nicht an so was. Mein Vater sagt, wer tot ist, der verrottet, und es dauert nicht lange, bis kaum mehr etwas übrig bleibt. Außerdem ist nichts zu hören, wenn man nachts über den Friedhof geht, bestenfalls irgendeine Eule.«

»Was sollen wir nun tun?«, fragte Wilhelm rasch dazwischen. Er wusste genau, wie leicht sich zwischen den beiden anderen eine Rauferei entwickeln konnte, und dazu hatten sie nun wirklich keine Zeit.

»Wir geben den Gärtnern Bescheid. Sollen die sich um die Angelegenheit kümmern. Im Grunde geht uns der Junge nichts an, wir kannten ihn ja nicht einmal!«, entschied Franz, sah vorwurfsvoll zu den Wolken auf. »Außerdem fängt es an zu regnen.«

Lang mussten die Freunde nicht suchen.

Die Gärtner waren nach dem verheerenden Sturm schon im anbrechenden Tageslicht unterwegs, um Schäden festzustellen und zu entscheiden, was zur Rettung der einzelnen Pflanzungen unternommen werden sollte.

So kam es, dass nur wenig später ein ratloser gesetzter Herr vor dem Leichnam stand und sich am Kinn kratzte. Er betrachtete den Körper, grunzte unzufrieden. Nach und nach kamen andere hinzu, blieben schweigend stehen.

»Was nun?«, fragte Christian Sommerfeld, der Obergärtner. »Kennt jemand den Jungen?«

Er drehte sich einmal um sich selbst und sah nur leere Gesichter und einheitliches Kopfschütteln.

»Wir haben ihn auch noch nie gesehen!«, beteuerte Wilhelm stellvertretend für die Freunde.

»Lukas, lauf zurück und hol die Karre. Wir können ihn doch nicht da hängen lassen. Es regnet!«, gab Sommerfeld Anweisung. »Bernd, du rennst zum Schloss und gibst dort Bescheid.«

»Der Regen stört den bestimmt nicht mehr«, flüsterte Franz in in Wilhelms Ohr. Jetzt, wo sich so viele an diesem unheimlichen Ort eingefunden hatten, fürchtete er sich deutlich weniger.

Sommerfeld hatte das Geflüster gehört. Mit traurigem Blick wandte er sich den Freunden zu. »Einen Arzt braucht er nicht mehr, das stimmt sicher. Stellt sich die Frage, wie der Körper hierhergelangen konnte. Eine einfache Erklärung dafür will mir auf die Schnelle nicht einfallen!«

»Ungewöhnliche Haarfarbe.« Walter, ein Aushilfsgärtner, runzelte die Stirn. »Ich kann mich gar nicht erinnern, so jemanden in...

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