Atelier des Todes

 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Juli 2020
  • |
  • 355 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-6759-4 (ISBN)
 
Lassen Sie sich von einer Mörderin fesseln, die zehn Menschen auf ihrem davon völlig unbelasteten Gewissen hat. Viola Kroll, eine erfolgreiche, schöne und gut situierte Lektorin aus Berlin, ist eine aparte und kluge Person. Und doch ist sie aus dem gleichen psychopathischen Holz geschnitzt, aus dem auch manche Präsidenten und Topmanager gemacht sind. Was hat sie dazu gebracht?Morden ist für Viola eine Kunst. Jeder ihrer Morde bringt sie ihrem Ziel näher, ein perfektes Kunstwerk zu erschaffen. Die Künstlerin kommt der Perfektion sehr nahe. Nur dumme Zufälle bringen Polizei auf ihre Spur. Gegen das Glück der Dummen haben Kunst, Intelligenz und Planung kaum eine Chance, und so gerät Viola in Gefahr, dass ihre Höhenflüge bald enden.
Viola Kroll mordet spurlos. Bis sie eines Tages an einen ebenbürtigen Kollegen gerät, auch er ein verborgen lebender Mörder aus dem Literaturbetrieb, und zugleich wegen seiner Anonymität ein perfektes Opfer für Viola. Doch ihre Opfer machen Fehler. In mühsamer Kleinarbeit nähert sich ihr die Polizei. Wird sie Viola einholen?Nick Stein präsentiert uns eine sympathische Mörderin, bei der es schade wäre, wenn die Polizei sie schnappen würde. Lernen Sie Viola kennen und lassen Sie sich von ihr einwickeln! Oder setzen Sie auf Kommissar Lukas Jansen, der sie schnappen will, komme was wolle ...
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,34 MB
978-3-7407-6759-4 (9783740767594)
Nick Stein lebt und schreibt in der Nähe von Göttingen, seiner alten Alma Mater. Zwischen Studium und Rückkehr nach Deutschland hat er über dreißig Jahre lang in Asien, vor allem in China und Hongkong, gelebt und gearbeitet, zuletzt für erneuerbare Energien.
Stein schreibt außer dieser Reihe auch Ostfrieslandkrimis, Satiren, Kurzgeschichten, ernste Literatur und Sachbücher.
Darüber hinaus widmet er sich dem Natur- und Umweltschutz in seiner Region.

Die Mörderin


Die Wiege der Mörderin

 

Als die kleine Viola wohlriechend und hübsch in ihrer Wiege lag, sah ihr niemand an, dass eine Karriere als erfolgreiche Mörderin vor diesem niedlichen Kind lag. Eine böse Fee war nicht anwesend, als Violas Eltern in bester Gesellschaft die Geburt ihres Kindes feierten.

Kein Fluch lastete auf ihr.

Ihr Vater nannte sie zärtlich Vi, ihre Mutter liebevoll Ola. Unterschiedliche Namen: War dies der erste Riss in der Persönlichkeit dieser jungen und wohlbehüteten Dame?

Wie entwickelte sich die junge Viola?

Es muss Gründe geben, wenn ein behütetes und sorgenfreies Mädchen später reihenweise Menschen ums Leben bringt. Welcher Mensch möchte das schon, dass jemand aus den eigenen Kreisen reihenweise Mitmenschen ermordet. Wie leicht könnte man selbst zum Opfer werden!

Passen Sie auf, wenn Sie jemand schief ansieht oder sich in aller Freundlichkeit erbietet, Ihnen Zucker in den Tee zu geben. Es könnte Ihr letzter sein.

Die Rede ist von einer wohlerzogenen, gesitteten und angenehmen Gesprächspartnerin, die man sich gut als Schwiegertochter vorstellen könnte. Einer Frau, der man die Psychopathin nicht anmerkt; die Massenmörderin, die mit dem kalten Kalkül der Notwendigkeit und aus Bequemlichkeit tötet, nicht aus den niederen Instinkten Wut und Hass oder aus Hilflosigkeit. Auf jenen Typus von Mördern wird die Rede noch kommen.

Im Nachhinein weiß jedermann genau, warum es so und nicht anders ausgehen musste. Alle hatten schon immer so einen Verdacht und haben es lange vorher geahnt.

Die Gene sind schuld, werden einige sagen. Ein Fingerzeig, der heutzutage für das steht, was in früheren Zeiten Vorsehung und Schicksal hieß.

Viola hatte ausgezeichnete Gene mitbekommen.

Ach was, einzig und allein Erziehung und Umwelt haben sie geformt, wenden andere ein.

Viola hatte die bestmöglichste Erziehung genossen, die man in Berlin bekommen konnte. Das kann es nicht gewesen sein.

Die Vorsichtigen wiegen mahnend den grauen Schädel und weisen uns darauf hin, dass beides eine Rolle spiele.

Man könne das nicht einfach auf das eine oder andere reduzieren. Das wäre doch alles verwickelt und verzwickt. Kaum jemand wäre in der Lage, das in seiner ganzen Komplexität richtig zu verstehen.

Es hätte doch alles auch ganz anders kommen können, wenn da nicht zufällig dies und jenes passiert wäre. Man weiß es nicht, man weiß es nicht!

Die erwachsene Viola hätte aus ihrem Herzen keine Mördergrube gemacht und berichtet, dass es sich so ergeben hat. Dass es zielführend war. Dass es sogar Spaß gemacht hat. Lust. Die ihr immer noch Herz und Schoß wärmt.

Wenn Viola denn darüber ein Wort verloren hätte. Denn vom redseligen Typ war sie nicht. Sie hätte sich nie herabgelassen, ihre geistigen, künstlerischen und mörderischen Höhenflüge von Zuhörern verwässern und beschmutzen zu lassen.

Worüber man nicht reden kann, darüber kann man sich zumindest ordentlich freuen.

Ihre Mutter, Genoveva Kroll, geborene Heinemann, war mit den berühmten Wittgensteins verwandt, über drei Ecken, wie Genoveva gern ungefragt erzählte. Sie hatte deren aristokratisches Aussehen geerbt. Hochgewachsen, blond, strahlend helle blaue Augen, schlank.

Selbst die letzten Kriegsjahre, in denen sie aufgewachsen war, hatten es nicht vermocht, ihren aufrechten Gang und ihren Sinn für das Gute, Schöne und Bare zu brechen.

Natürlich trug die Mutter keine Mördergene in sich. Ihre Erziehung war makellos gewesen, und so wollte sie ihr Erbe weitergeben. Viola, spätgeborenes Einzelkind, sollte ihr spiegelblank geputztes tafelsilbernes Ebenbild werden, um eine Stufe erhöht.

Ola sollte gebildet sein, Tennis und Golf spielen, Dressur reiten, Musik und Literatur beherrschen. Und halte auf dich, Kind, sonst wird nichts aus dir!

Materiell reich beschenkt, sah die kleine Viola auch noch hervorragend aus. Was für ein edles Profil sie hat, meinte die arme Verwandtschaft, ohne schmeicheln zu wollen. Denn das brachte nichts ein; im Hause Kroll gab man nichts auf Schönrederei, weder gute Worte noch Brot und Schinken.

An ihrem Aussehen waren tatsächlich die Gene schuld. Das schafft die Umwelt nicht, aus einem hässlichen Entlein einen Schwan zu machen. Auch ihr Vater, Julius Kroll, geborener Kroll, sah erstklassig aus, weshalb sich Genoveva Heinemann schlussendlich für ihn entschieden hatte.

Der andere Grund für das verarmte Fräulein Heinemann hatte darin gelegen, dass Krolls Vater sich als Produzent strategisch wichtiger Waren gut über den Krieg gerettet hatte.

Gustav Kroll hatte keine Waffen hergestellt, was ihm die Alliierten schlecht angekreidet hätten, sondern die Werkzeugmaschinen dafür, mit denen bei Bedarf auch andere Güter hergestellt werden konnten. Kroll war nicht einmal Parteimitglied gewesen, nur Förderer der lokalen freiwilligen Feuerwehr.

Er hatte gelöscht, nicht gezündelt.

Auch dies war kein Wesenszug, der seinem Sohn und später seiner Enkelin eine Veranlagung zum Morden mitgegeben haben könnte. Zumal er mit seiner Firma im Wiederaufbau so viel Geld erwirtschaftet hatte, dass er nicht einmal die Steuer betrügen musste.

Kein Kristallisationskern von Kriminalität hatte sich so in Julius bilden können, der als einziger Sohn vom Krieg übrig geblieben war und alles geerbt hatte.

Und das hatte Genoveva noch mehr überzeugt als Julius' gutes Aussehen. Denn die Kunst, den Krieg zu überleben und während aller Wirren seine Schäfchen im Trockenen zu halten, zeugte von Tatkraft und Intelligenz. Das Geld war lediglich die logische Dreingabe, wie Genoveva Heinemann sich selbst gegenüber überzeugend argumentierte.

Mitte der Sechziger heirateten Julius Kroll und Genoveva, und ihr Geschäft gedieh so gut wie ihr Einfluss in der Gesellschaft. Das Paar zog vom Osten nach West-Berlin, in die Enklave der Freiheit.

Dann muss es eben andere Einflüsse gegeben haben, die aus Viola das machten, was sie heute ist, hören wir. Ohne Grund wird so eine doch nicht zur Mörderin! Die hat es doch nicht nötig!

Mord aus Notwendigkeit?

Wir denken an die gequälte Ehefrau, die vor Gericht aussagt, es wäre nicht mehr anders gegangen, sie hätte sich nicht mehr zu helfen gewusst.

An einen gemobbten Lehrer, der zum Überleben keinen anderen Ausweg mehr sieht, als den Quälgeist von Schüler mit seinem Auto zu überfahren.

Das verstehen wir. Wir heißen es nicht gut, aber wir verstehen es. Nur wären diese Fälle kein Mord gewesen. Zwar war ein Vorsatz vorhanden, es fehlten aber die kaltblütige Planung und die niederen Motive, wie Habgier oder Sadismus. Der echte Mörder weiß und billigt, dass er eine rote Linie überschreitet.

Zurück zu unserer Viola.

Wenn sie in den frühen Achtzigerjahren geboren worden war, als einziges Kind eines reichen und angesehenen Paares, waren die Eltern schon jenseits der Vierzig. Klar, für den Mann vielleicht kein großes Problem, aber eine Mutter? Mit über Vierzig?

Da sind die Gene doch schon mutiert, hören wir. Rauchende Schornsteine und saurer Regen, Strahlung aus den neuen Kernkraftwerken, das macht doch die beste DNA kaputt.

Die Umwelt auch, gerade in Berlin, Mensch, das zerstört die wohlerzogenste Psyche, wenden andere ein. Die Insellage, diese Leute in Kreuzberg, ein korrupter Senat, die Mauer.

Und die Gewissheit, von außen versorgt zu werden, es soll dir nicht mangeln, da meint man schnell, man könne sich alles erlauben.

Sehen Sie sich doch nur die Kinder der Gutsituierten in den Siebzigern und Achtzigern an! Alle in der APO, in K-Gruppen und deren Nachfolgeorganisationen! Berlin ist doch voller Langhaariger und linker Spinner!

Ein behütetes Kind wie Viola, ein zartes, blondes Mädchen, das schon beinahe eine Etüde von Mozart auf dem Klavier konnte, soll plötzlich in eine Kita mit all den Kindern dieser linken Besserwisser? Womöglich den Nachmittag zusammen mit den anderen Kindern in irgendwelchen Wohngemeinschaften verbringen, wo die Leute Hasch rauchen und vor aller Augen rumvögeln? Vor den Kindern! Das soll sie nicht verdreht haben?

Lassen wir die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche besser am Breitscheidplatz. So schlimm wird das nicht gewesen sein. Viola lebte in Dahlem, nicht in Kreuzberg. Violas Freundinnen im Kita-Alter waren alle wie sie, verrückt nach rosa Ponys für Barbie, die sie kämmen konnten, und nach schönen Sachen zum Anziehen.

Und selbst die Radikalinskis aus den Siebzigern waren zehn Jahre später von den Spießbürgern, die sie so vehement kritisiert hatten, kaum noch zu unterscheiden.

Das alles tropfte von Viola ab wie Morgentau von einer Rose.

Was bleibt an Zündschnüren übrig, die in Viola glommen?

Sehen wir uns die minderen Charakterzüge der Eltern an.

Die kleine Genoveva hatte schon früh gelernt, dass ihre Familie mütterlicherseits mit dem arischen Zweig der Familie Wittgenstein verwandt war, nicht etwa mit dem jüdischen. Das hatte sie schon mit vier vor jedem, der es nicht wissen wollte, herausgeplärrt.

Es war nicht einmal gelogen, aber doch kokett und sehr unkameradschaftlich dem Rest der Verwandtschaft gegenüber, Ludwig Wittgenstein eingeschlossen. Ein kleiner, schwarzer Fleck auf dem Tafelsilber ihres Charakters, der sich partout nicht wegputzen ließ.

Ein winziger Verrat. Ein Im-Stich-Lassen von anderen zum eigenen Nutzen. Ein Schuss Selbstgerechtigkeit. War es das, dieses Manko im Charakter? Aber tun wir das nicht alle, unseren Vorteil wahren und dafür kleine Unebenheiten in Kauf nehmen? Macht uns das zu potenziellen Mördern? Ich bitte Sie! Uns doch nicht! Mich...

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