Bei Ablehnung Mord

Lektorkiller
 
 
TWENTYSIX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. Juli 2020
  • |
  • 368 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7407-6713-6 (ISBN)
 
Was macht ein hoffnungsvoller Autor, wenn sein Roman ein ums andere Mal abgelehnt und verrissen wird?
Gero von Witzleben lässt sich das nicht länger gefallen. Er beginnt, die fiesesten Lektoren und Literaturagenten spurlos verschwinden zu lassen, und baut diese Morde als neue Kapitel in seinen Krimi ein. Trotzdem muss er weitere Ablehnungen hinnehmen.
Schließlich wähnt er sich am Ziel. Eine Lektorin interessiert sich für sein Werk und möchte es groß herausbringen.
Aber auch die Polizei ist ihm auf den Fersen. Die Zeit rennt ihm davon. Wird er sein Ziel erreichen, bevor er erwischt wird?
Ihm erwächst ein Widersacher, mit dem er nicht gerechnet hat.
Er setzt alles auf eine Karte ...

Muss man Lektoren, die ein Werk grundlos ablehnen, gleich umbringen?

Man muss nicht.

Aber man kann.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,34 MB
978-3-7407-6713-6 (9783740767136)
Nick Stein lebt und schreibt in der Nähe von Göttingen, seiner alten Alma Mater. Zwischen Studium und Rückkehr nach Deutschland hat er über dreißig Jahre lang in Asien, vor allem in China und Hongkong, gelebt und gearbeitet, zuletzt für erneuerbare Energien.
Stein schreibt außer dieser Reihe auch Ostfrieslandkrimis, Satiren, Kurzgeschichten, ernste Literatur und Sachbücher.
Darüber hinaus widmet er sich dem Natur- und Umweltschutz in seiner Region.

Kapitel 3


Leseprobe für Frau Herzog


 

Lektorkiller

Herbert Hesse

___

»Der erste Fremde sticht«, sagte Stefan Bein zu seinen drei Mitspielern. »Ich habe Hochzeit!«

Bein freute sich, dass er mal wieder Zeit zum Doppelkopf gefunden hatte. Er wollte etwas tun für die Freundschaften, die er noch pflegte, und seine drei Mitspieler hatte er schon länger nicht mehr gesehen. Gelegenheit zum Kartenspielen und Biertrinken hatte der Kriminalhauptkommissar vielleicht zweimal im Jahr.

Hochzeit hatte er schon lange nicht mehr gefeiert. Er war verheiratet, ja, aber geschlafen hatte er mit seiner Frau Eva das letzte Mal vor drei oder vier Jahren, nach einer der wenigen Partys, auf die sie noch eingeladen wurden. Wenn sie sich sahen, hatten sie Streit. Darüber, dass er Tag und Nacht nur für die Kripo da war, nicht für sie. Dass er sie vernachlässigte. Dass er nicht genug verdiente mit seiner beschissenen Polizeiarbeit. Und dass er an allem schuld war, vor allem aber daran, dass ihr Sohn Jan an der Spritze hing und häufiger in U-Haft als in der Schule war.

In seiner Hose rappelte es. Bein hatte sein Handy auf lautlos gestellt, an einem dieser wenigen Abende, die er ausnahmsweise einmal genießen und an denen er einfach nur »der Stefan« sein wollte.

Dennoch zog er das Gerät aus der Tasche. Seine Freunde sahen sich entnervt an.

»Die Dienststelle«, sagte Bein, stand auf und ging in einen Nebenraum.

»Das wird wieder nix«, hörte er einen seiner Freunde sagen. »Komm, lasst uns Skat spielen. Da sind wir auf der sicheren Seite.«

»Wie, abgestochen und zersägt?«, sagte Bein und stöhnte. »Um Gottes willen! Ich komme sofort!« Er ging mit bleichem Gesicht zurück ins Zimmer.

»Hast du doch gerade gesagt«, scherzte einer seiner Freunde. »Der erste Fremde sticht! Dann bis nächstes Jahr, Stefan. Viel Erfolg. - Gerd, du gibst.«

* * *

Beins Navi lotste ihn zu einem Reihenmittelhaus in der Schmachtenbergstraße in Kettwig. Direkt am Wald. Parkplatz war nicht, die Straße war an beiden Seiten mit rotweißen Banderolen abgesperrt und ansonsten von Polizeifahrzeugen und einem Leichenwagen komplett zugeparkt. Stefan Bein fuhr eine Straße weiter und stellte sich an die nächste Ecke ins Parkverbot. Hier kam jetzt sowieso niemand mehr durch.

Vor dem Haus wartete bereits seine Kollegin auf ihn. »Menschenskind, Stefan! Wo bleibst du denn so lange!? Siehst du nicht, was hier los ist?«, fragte ihn die hübsche Kollegin.

Elena Denizoglu war die Tochter einer Deutschgriechin und eines Vaters, der eine blonde Norwegerin und einen Türken als Eltern hatte. Sie sah umwerfend aus, auch wenn sie die Dreißig gerade hinter sich gelassen hatte. Bein fragte sich, wie sie das machte, bei dem Dienst, den sie schoben.

Vielleicht lag es an ihrem griechischen Profil, ihrer vollen Figur und ihren dichtumflorten Augen. Vielleicht aber auch an dem vielen und wilden Sex, den ihr alle nachsagten.

Sie funkelte ihn aus ihren großen, dunkelbraunen Augen an. »Weißt du, was da drin los ist? Und irgendein Arsch hat das alles schon der Presse gesteckt!«

Bein sah sich um. Tatsächlich lungerten einige Typen mit Kameras hinter einer Absperrung auf der anderen Straßenseite und gestikulierten wild auf einen jungen Beamten ein.

»Wo warst du denn?«, fragte sie erneut, jetzt etwas milder.

»Mit Freunden Karten spielen«, entgegnete Bein matt. »Was ist hier denn nun genau passiert?«

»Komm mit rein. Ich zeig' es dir.«

Gehorsam trottete Bein hinter der Oberkommissarin ins Haus. Ein schönes Haus, wie er fand. Eine Art Maisonette über drei Etagen, mit einem riesigen Fenster zum Wald hinaus. Aber jetzt stand die Wohnung voll mit weiß gekleideten Menschen. Jemand drückte ihnen Überschuhe in die Hand. »Nichts anfassen«, erklärte er überflüssigerweise.

Denizoglu zog Bein in einen fensterlosen Raum auf der nächsten Halbetage. »Keller nennen die das hier, dabei liegt es höher als das Wohnzimmer«, sagte sie. »Und hier steht die Kühltruhe.«

Die Truhe war ein massiver Kasten, in dem vermutlich Vorräte für mehrere Monate gelagert werden konnten.

»Komm.« Denizoglu drängte ihn weiter nach vorn. »Macht mal ein bisschen Platz«, bat sie zwei Kollegen von der Spurensicherung und lächelte dabei.

Ihn hätten sie nicht so bereitwillig durchgelassen, dachte Bein.

»Hier.«

Bein blickte auf weiße, mit Frost überzogene Päckchen. Aber dann sah ihn aus einem der Gebilde ein ebenfalls weiß überfrorenes Auge an. Ein Menschenauge, mit langen Wimpern darüber. Aus einem anderen Paket ragte ein rotlackierter Zeh heraus.

»Menschliche Körperteile?«, fragte er. »Von wem?«

»Das ist doch euer Job«, sagte der neben ihm stehende Kollege von der Kriminaltechnik, den Bein schon mal irgendwo gesehen hatte. »Eine Frau jedenfalls, oder besser, der Kopf, der linke Arm und zwei in der Mitte der Oberschenkel abgetrennte Beine. Möglicherweise von der gleichen Person.«

Bein schüttelte den Kopf. »Und wieso abgestochen?«, fragte er.

»Wie, abgestochen?«, fragte seine Kollegin zurück. »Ach so, ja, zeig ihm mal das Messer, Victor.«

Victor. Den kannte sie also auch näher, dachte Bein. Jetzt fiel ihm auch der Name wieder ein. Victor Oberstein, der stellvertretende Leiter der Kriminaltechnik Essen. Der immer als Erster am Tatort war, um Spuren zu sichern und nur ja nichts kontaminieren zu lassen.

Oberstein nahm einen Plastikbeutel von einem Plastikständer. Bein erkannte ein blutverschmiertes Steakmesser mit einer Klinge von mindestens 30 Zentimeter Länge. »Das steckte zwischen Truhe und Deckel«, erklärte Oberstein. »Und das hier steckte auf der anderen Seite.« Er nahm einen weiteren Beutel zur Hand und hielt ihn Bein unter die Nase. »Ein Tranchiermesser. Batteriegetrieben. Unübersehbar übrigens. Das sollte gefunden werden, wenn Sie mich fragen.«

»Verdacht auf Kannibalismus?«, fragte Bein seine Kollegin.

»Nur, weil wir in Essen sind?«, fragte die zurück. »Alles vernaschen die hier auch nicht.«

Bein verzog das Gesicht. »Wer hat das hier entdeckt, und wann war das? Und habt ihr eine Ahnung, wie lange der oder die Toten hier schon hinüber sind?«, fragte er in Richtung der Spurensicherung.

Der Kollege zuckte nur mit den Achseln. »Wir bringen das nachher in die Pathologie, der Richter wird's dann schon richten.«

Georg Richter, dachte Bein. Ihr Gerichtsmediziner, und ein Arsch vor dem Herrn.

»Die Putzfrau«, beantwortete Denizoglu seine erste Frage. »Die kommt hier zweimal die Woche. Sie hat einen eigenen Schlüssel, aber sie hat die Wohnungseigentümerin schon seit Monaten nicht mehr angetroffen. Es war alles immer sauber und aufgeräumt, sagte sie. Die Eigentümerin ist übrigens Veganerin, was deine erste Frage beantwortet. Kein Fleisch. Nur Grünzeug und Körner in den Schränken.«

Bein sah sie fragend an.

»Eine Frau Segers, Monika Segers. Ihr gehört die Wohnung. Würde vom Alter her zu unserem Kopf passen, würde ich sagen.«

»Wissen wir noch mehr über sie? Und wo ist der restliche Körper - oder weitere Teile?«

»Anfrage läuft«, beschied ihm seine Kollegin achselzuckend. »Gesehen wurde hier auch keiner, ich habe die Nachbarn schon befragen lassen. Und es ist elf Uhr, ich habe noch was vor. Was dagegen, wenn wir die Kollegen alles einpacken lassen, und ich dampfe ab?«, fragte sie und legte ihr hübsches Köpfchen schief, sodass die verschiedenfarbigen Strähnchen ihr zu kleines Ohr freilegten. »Wie sehe ich aus?«, fragte sie ihn und baute sich vor ihm auf.

Bein musterte sie. Ihre eigentlich mediterran-gelbblonden Haare hatte sie schwarz gefärbt, und am unteren Rand und in Höhe der Ohren einige rote Strähnen eingefügt. Es sah aus, als ob sie in Flammen stünde. Der sehr kurze Rock zeigte ihre rundlichen Hüften und noch mehr von ihren langen, aber etwas zu kräftigen Beinen.

Ihre hohen Hacken ließen die Beine noch länger wirken - und das, obwohl Denizoglu viel kleiner war als er selbst. Auf ihr Oberteil zu schauen, oder eher zu starren, hatte Bein sich schon länger abgewöhnt. Das machte ihn nur unruhig. »Nuttig«, brummte er unwillig.

Sie grinste, wackelte mit den Hüften und klappte die eine Seite ihrer roten Lederjacke mehrmals auf und zu. Dem konnte auch Stefan Bein nicht widerstehen. »Zisch schon ab. Wir sehen uns morgen im Büro. Pünktlich.«

* * *

Am nächsten Morgen war es Bein selbst, der zu spät und unausgeschlafen mit grauem Gesicht ins Büro geschlurft kam. Nach einer guten Stunde Streit mit seiner Frau hatte er nur bis drei Uhr geschlafen und war dann von seinem Sohn geweckt worden, der laut und zugedröhnt nach Haus gekommen war. Nach einem sinnlosen Gesprächsversuch mit ihm hatte er dann bis zum Morgen schlaflos auf der Couch im Wohnzimmer gelegen und Gott und die Welt verflucht.

Denizoglu dagegen pfiff munter eine flotte Melodie und strahlte aus allen Poren Vergnügtheit aus. »Wenn du so weitermachst, Stefan, kannst du bald mit deinen Tränensäcken einkaufen gehen«, schlug sie vor. »Ärger?«

»Ich habe die ganze Nacht kein Auge zugekriegt«, klagte er.

»Ich auch nicht«, strahlte sie. »Das Leben ist schön!«

»Das Leben ist scheiße«, erwiderte Bein. »Und für unseren Tiefkühl-Kopf vorbei. Hat sich die Pathologie schon gemeldet? Oder hat die Spurensicherung was?«

»Wir sollen gleich rüberkommen«, klärte sie ihn auf. »Zu beiden. Oberstein hat was für uns. Georg Richter auch. Die scheinen auch die halbe Nacht wach gewesen zu sein.«

Sie gingen zum Parkplatz. Bein fuhr.

Unterwegs...

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