Das Licht zwischen den Meeren

The Light Between Oceans - Roman
 
 
Limes Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 23. September 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-08929-0 (ISBN)
 
Der internationale Bestseller im Kino mit Michael Fassbender, Alicia Vikander und Rachel Weisz!

Die Liebe fordert alles.

Australien. 1920. Als Tom Isabel zum ersten Mal sieht, ahnt er noch nicht, dass sie sein Schicksal verändern wird. Doch er weiß, dass er für diese Frau alles tun würde. Sechs Jahre später - die beiden sind nun glücklich verheiratet und leben auf der einsamen Insel Janus Rock - strandet an der Küste ein Ruderboot. An Bord: die Leiche eines Mannes - und ein zappelndes Baby. Sofort schließt Isabel das kleine Mädchen in ihr Herz, und gegen Toms anfängliche Bedenken nehmen sie das Kind als ihr eigenes an. Doch als sie aufs Festland zurückkehren, müssen sie erkennen, dass ihre Entscheidung das Leben eines anderen Menschen zerstört hat ...

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Limes
  • 1,07 MB
978-3-641-08929-0 (9783641089290)
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27. April 1926

An dem Tag, als das Wunder geschah, kniete Isabel gerade an der Kante der Klippe und pflegte das neue Grab mit dem kleinen aus Treibholz gezimmerten Kreuz. Eine einsame dicke Wolke zog langsam über den Spätaprilhimmel, der sich wie ein Spiegelbild des Ozeans über die Insel spannte. Isabel glättete die Erde rings um den gerade gepflanzten Rosmarinbusch und goss ihn.

». und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel«, flüsterte sie.

Einen Moment lang gaukelte ihr Verstand ihr vor, sie habe das Schreien eines Kindes gehört, doch sie tat das als Sinnestäuschung ab. Stattdessen blickte sie hinüber zu dem Schwarm Wale, die sich auf die Küste zubewegten, um dort im wärmeren Wasser ihre Jungen zu werfen. Wenn die Tiere hin und wieder auftauchten, durchbohrten ihre Schwanzflossen das Wasser wie Nadeln eine Stickerei. Wieder hörte Isabel Geschrei, diesmal lauter, das von der frühmorgendlichen Brise herangetragen wurde. Das konnte nicht sein.

Auf dieser Seite der Insel erstreckte sich eine gewaltige Leere bis nach Afrika, denn hier traf der Indische Ozean mit dem Südpolarmeer zusammen und verband sich mit ihm zu einem endlosen Teppich am Fuße der Klippen. An Tagen wie diesem erschien er Isabel so solide, dass sie fast glaubte, über die blaue Fläche zu Fuß bis nach Madagaskar gehen zu können. Die andere Seite der Insel blickte missmutig hinüber zum etwa hundertfünfzig Kilometer entfernten australischen Festland; sie gehörte nicht wirklich dazu, war jedoch auch nicht davon unabhängig, sondern nur der höchste in einer Reihe von Unterwasserbergen, die wie Zähne in einem schartigen Kiefer aus dem Meeresgrund ragten und nur darauf warteten, ahnungslosen Schiffen in der letzten Etappe vor dem Hafen den Bauch aufzuschlitzen.

Um dieses Unheil abzuwenden, stand auf der Insel - Janus Rock - ein Leuchtturm, dessen Lichtstrahl in einem Umkreis von etwa fünfzig Kilometern Sicherheit bot. Jede Nacht hallte das stete Surren der sich stetig und unablässig drehenden Lampe durch die Luft, den Felsen und Wogen trotzend und, wenn gewünscht, Rettung verheißend.

Das Schreien dauerte an. In der Ferne klapperte die Tür des Leuchtturms, und Toms hochgewachsene Gestalt erschien auf der Galerie. Er suchte die Insel mit dem Fernglas ab.

»Izzy!«, rief er. »Ein Boot!« Er wies auf die Bucht. »Am Strand ist ein Boot.« Er verschwand und erschien kurz darauf am Fuße des Leuchtturms. »Offenbar ist jemand drin«, fügte er hinzu. Isabel lief ihm entgegen, und er hielt sie am Arm fest, als sie den steilen, ausgetretenen Pfad zu dem kleinen Strand hinuntergingen.

»Ganz eindeutig ein Boot«, stellte Tom fest. »Und . oh, Mist! Da ist ein Kerl, aber .«

Die Gestalt rührte sich nicht und hing schlaff über der Sitzbank. Dennoch erklangen weiter Schreie. Tom hastete zu der Jolle hinüber und versuchte, den Mann wachzurütteln, bevor er einen Blick in den Bug warf, von wo die Schreie kamen. Er förderte ein Bündel aus Wolle zutage: eine weiche, lavendelfarbene Damenstrickjacke, gewickelt um ein winziges, weinendes Baby.

»Du heiliger Strohsack!«, rief er aus. »Herrgott, Izzy, es ist .«

»Ein Baby! O mein Gott! Oh, Tom! Tom! Hier, gib es mir!«

Er reichte ihr das Bündel und unternahm noch einen Versuch, den Fremden wiederzubeleben: kein Puls. Tom drehte sich zu Isabel um, die gerade das kleine Geschöpf untersuchte. »Er hat es nicht geschafft, Izz. Und das Baby?«

»Sieht aus, als wäre alles in Ordnung. Keine Verletzungen oder Blutergüsse. Es ist so klein!«, fügte sie hinzu und drückte das Kind an sich. »Schon gut. Jetzt bist du in Sicherheit, Kleines. Du bist in Sicherheit, du süßes Ding.«

Tom stand reglos da, betrachtete die Leiche des Mannes, schloss die Augen und öffnete sie wieder, um sicherzugehen, dass er nicht träumte. Inzwischen hatte das Baby zu weinen aufgehört und lag, nach Luft schnappend, in Isabels Armen.

»Ich kann an dem Burschen keine Wunden entdecken, und krank scheint er auch nicht zu sein. Er kann nicht lang auf dem Wasser getrieben haben . möchte man wenigstens meinen.« Er hielt inne. »Bring das Baby ins Haus, Izz. Ich hole etwas, um die Leiche abzudecken.«

»Aber, Tom .«

»Es wäre eine ordentliche Schinderei, ihn den Weg hinaufzuschleppen. Wir lassen ihn besser liegen, bis Hilfe kommt. Doch ich will nicht, dass Vögel und Fliegen sich über ihn hermachen. Im Schuppen ist noch Segeltuch, das müsste genügen.« Seine Stimme klang zwar ruhig, doch er bekam kalte Hände und Füße, als die Schatten der Vergangenheit die strahlende Herbstsonne verdunkelten.

Janus Rock war ein anderthalb Quadratkilometer großes Stück grüner Landschaft mit genug Gras, um die wenigen Schafe und Ziegen und eine Handvoll Hühner zu ernähren, und einer ausreichenden Erdschicht für einen kümmerlichen Gemüsegarten. Die einzigen Bäume waren zwei riesige Norfolktannen, gepflanzt von dem Bautrupp aus Point Partageuse, der den Leuchtturm 1889, über dreißig Jahre zuvor, errichtet hatte. Einige alte Gräber erinnerten an ein Schiffsunglück vor langer Zeit, als die Pride of Birmingham am helllichten Tag auf die gnadenlosen Felsen aufgelaufen war. Mit einem solchen Schiff war später die Lampe selbst aus England hierhergeschafft worden. Sie trug stolz die Aufschrift Chance Brothers, was für die modernste Technik jener Tage stand, die auch an den unwirtlichsten und entlegensten Orten in Betrieb genommen werden konnte.

Die Strömung schwemmte alle möglichen Dinge an und wirbelte Strandgut herum wie zwischen zwei Propellern: Wrackteile, Teekisten und Walknochen. Gegenstände tauchten auf, wann und wie es ihnen gefiel. Der Leuchtturm erhob sich mitten auf der Insel wie ein Fels in der Brandung. Das Häuschen des Leuchtturmwärters und die Nebengebäude duckten sich daneben, gebeugt von jahrzehntelangen Sturmwinden.

Isabel saß in der Küche an dem alten Tisch. Das Baby in ihren Armen war in eine flauschige gelbe Decke gewickelt. Sorgfältig trat Tom sich die Füße an der Matte ab, kam herein und legte ihr eine schwielige Hand auf die Schulter. »Ich habe den armen Teufel zugedeckt. Wie geht es dem Kleinen?«

»Es ist ein Mädchen«, antwortete Isabel und lächelte. »Ich habe sie gebadet. Sie scheint gesund zu sein.«

Das Baby drehte sich mit großen Augen zu ihm um und erwiderte seinen Blick.

»Was mag sie wohl von all dem halten?«, fragte er.

»Ich habe ihr auch etwas Milch gegeben, richtig, du süßer Fratz?«, säuselte Isabel, an das Baby gewandt. »Oh, sie ist so wunderschön, Tom«, fügte sie hinzu und küsste das Kind. »Der Himmel weiß, was sie durchgemacht hat.«

Tom nahm eine Flasche Brandy aus dem Schrank aus Fichtenholz, schenkte sich ein kleines Glas voll ein und kippte es hinunter. Dann setzte er sich neben seine Frau und beobachtete das Spiel des Lichts auf ihrem Gesicht, während sie den Schatz in ihren Armen betrachtete. Das Baby verfolgte jede ihrer Bewegungen mit den Augen, als befürchte es, Isabel könne ansonsten verschwinden.

»Oh, du Kleines«, flötete Isabel. »Armes, armes Ding.« Das Baby schmiegte das Gesicht an ihre Brust. Tom hörte die Tränen in ihrer Stimme, und die Erinnerung an den Verlust hing zwischen ihnen in der Luft.

»Sie mag dich«, sagte er und ergänzte, wie zu sich selbst: »Ich stelle mir vor, wie es hätte werden können. Ich meine . So habe ich es nicht gemeint«, sprach er rasch weiter, ». du siehst einfach aus, als wärst du dafür geboren.« Er streichelte ihre Wange.

Isabel blickte ihn an. »Ich weiß, Liebling. Ich weiß. Mir geht es genauso.«

Er legte die Arme um seine Frau und das Kind. Isabel roch den Brandy in seinem Atem. »Oh, Tom, Gott sei Dank, dass wir sie rechtzeitig gefunden haben«, murmelte sie.

Tom küsste sie und berührte dann die Stirn des Babys mit den Lippen. So verharrten die drei eine ganze Weile, bis das Baby zu zappeln begann und eine Faust unter der Decke hervorstreckte.

»Nun.« Tom stand auf und streckte sich. »Dann werde ich mal einen Funkspruch absetzen, das Boot melden und ein Schiff anfordern, das die Leiche abholt. Und unsere Kleine hier.«

»Noch nicht!«, protestierte Isabel und streichelte die Finger des Babys. »Es besteht doch kein Grund zur Eile. Dem armen Mann ist nicht mehr zu helfen. Und ich vermute, dass die Kleine für den Moment genug von Seefahrten hat. Warte noch ein bisschen und gib ihr Zeit, zur Ruhe zu kommen.«

»Es wird sowieso Stunden dauern, bis sie hier sind. Sie schafft das schon. Du hast das arme Kind ja recht gut beruhigt.«

»Lass uns trotzdem warten. Es spielt doch sicher keine Rolle.«

»Ich muss es ins Protokollbuch eintragen, Schatz. Du weißt ja, dass ich verpflichtet bin, alles sofort zu melden«, wandte Tom ein, denn es gehörte zu seinen Aufgaben, jedes wichtige Ereignis im oder rund um den Leuchtturm, von vorbeifahrenden Schiffen und dem Wetter bis hin zu technischen Problemen anzuzeigen.

»Das kannst du doch auch morgen erledigen, oder?«

»Und wenn das Boot von einem Schiff stammt?«

»Es ist eine Jolle, kein Rettungsboot«, widersprach sie.

»Dann hat das Baby sicher eine Mutter, die irgendwo auf dem Festland wartet und vor Sorge fast den Verstand verliert. Wie würdest du empfinden, wenn es deins wäre?«

»Du hast die Strickjacke gesehen. Bestimmt ist die Mutter über Bord gefallen und ertrunken.«

»Liebling, wir haben keine Ahnung, was aus der Mutter geworden ist. Oder wer der...

"Eine ganz klare, starke Erzählung. [.] Es ist das erste Buch dieser australischen Autorin M. L. Stedman - und ich hoffe, da kommen noch mehr."
 
".ein wundervolles Buch über die Schicksale mehrerer Familien und ein großer Liebesroman. Stedman rührt mit der Geschichte über gebrochene Herzen zu Tränen."
 
"Das Buch lässt einen so schnell nicht mehr los. Der Roman ist ungeheuer warmherzig geschrieben."
 
"[.] ein herrlicher Schmöker mit Tiefgang."
 
"Spannend, mit großartigen Naturbeschreibungen."
 
"M.L. Stedman ist ein herzergreifendes Buch gelungen über den Moment, in dem Liebe und Schuld aufeinandertreffen."
 
"Diese Buch ist voller Tragik, aber außergewöhnlich."
 
"Dieses Buch reißt mit. So tragisch ist die Geschichte um den Leuchtturmwärter und Kriegsheimkehrer Tom und seine Frau Isabel."
 
"Ein herzzerreißendes Drama um Recht und Unrecht."
 
"Grandios."
 
"Ein wunderschönes Buch über kurzes Glück und große Emotionen."
 
"Ein herzergreifendes Buch über den Moment, in dem Liebe und Schuld aufeinandertreffen. Hochdramatisch, zutiefst bewegend."
 
"Emotional und herzergreifend - so, dass man es kaum aus den Händen legen kann."
 
"Die australische Autorin M. L. Stedman hat einen packenden Roman geschrieben, der einem die Tränen in die Augen treiben kann."
 
"Berührend."

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