Keiner rennt für immer

Roman
 
 
Zsolnay (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. Februar 2017
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-552-05837-8 (ISBN)
 
Bankenfusion in der Kleinstadt. Parker erfährt davon von einem Vertrauensmann, dem allerdings nicht wirklich zu trauen ist. Komplizierter wird die Sache noch dadurch, dass die Frau des Bankdirektors ein Techtelmechtel mit dem Tippgeber hat. Außerdem sucht ein Kopfgeldjäger nach dem Spitzel, den Parker verschwinden lassen musste, noch bevor das Unternehmen überhaupt startete. Jeder will an das Geld, aber keiner hält sich an die Abmachungen, sodass der Aktionsplan für den Überfall ständig korrigiert werden muss - ein schwieriger Job für Parker, der für Präzision berüchtigt ist, aber auch dafür, dass er keine Kumpel kennt und kein Erbarmen mit Pfuschern. Nach Parkers glorreichem Comeback mit "Fragen Sie den Papagei" ist dies der zweite Thriller, der den faszinierend coolen Helden in Hochform zeigt. Viele Parker-Romane wurden in den USA verfilmt, darunter "Point Blank" mit Lee Marvin in der Hauptrolle.
  • Deutsch
  • Wien
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  • Österreich
  • 2,22 MB
978-3-552-05837-8 (9783552058378)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Richard Stark, geboren 1933 in Brooklyn, gestorben 2008 in Mexiko, ist eines der Pseudonyme des mit zahlreichen Preisen ausgezeichneten Schriftstellers Donald E. Westlake. Bei Zsolnay erschienen Fragen Sie den Papagei (2008), Keiner rennt für immer (2009), Das Geld war schmutzig (2009), Das große Gold (2009), Der Gewinner geht leer aus (2010), Irgendwann gibt jeder auf (2010), Sein letzter Trumpf (2011), Verbrechen ist Vertrauenssache (2011) und The Hunter (2015).

Vier


Die Stadt hieß Rutherford und lag in einer niedrigen, nach Süden gehenden Bodenfalte der Berkshires. Fünfzehn bis zwanzig Kilometer weiter nördlich lag Vermont und ein Stück weiter westlich der Staat New York. Nach den wenigen Fachgeschäften entlang der Hauptstraße zu urteilen, gab es wegen nahe gelegener Skihänge einen bescheidenen saisonalen Tourismus, aber die Saison hatte noch nicht begonnen, und die Stadt machte einen verschlafenen Eindruck.

Während sie langsam auf die einzige Verkehrsampel zufuhren - inzwischen war es gegen halb fünf am Nachmittag -, sagte Dalesia: »Wir suchen nach einer Arztpraxis auf der rechten Seite, einem großen weißen Schild - da ist es schon. Dr. med. Myron Madchen.«

Ein Blick zeigte Parker ein weiteres zweistöckiges Gebäude, das aussah wie die meisten hier, mit einem Laden im Erdgeschoss und Büros oder Wohnungen im ersten Stock. Dieses hier beherbergte unten ein Blumengeschäft, hatte Jalousien hinter den Fenstern oben und das rechteckige weiße Schild mit schwarzen Buchstaben, das neben dem Schaufenster des Blumengeschäfts quer über dem Bürgersteig hing. Er sagte: »Wir treffen uns in einer Arztpraxis?«

»Beckhams Idee«, sagte Dalesia und fädelte sich in eine Parklücke ein paar Häuser weiter ein. »Mir gefällt sie.«

Sie stiegen aus dem Audi, und während sie den menschenleeren Bürgersteig entlanggingen, sagte Dalesia: »Ich habe schon von Jungs gehört, die das bei einem Anwalt machen, sich in seiner Kanzlei treffen, weil die Bullen eine Kanzlei nicht verwanzen dürfen, von wegen Anwaltsgeheimnis, aber bei einem Arzt funktioniert das genauso. Schweigepflicht. Vielleicht ist es sogar noch besser, weil Anwälte ständig daran denken, was legal ist oder nicht, Ärzte dagegen denken nur ans Geld.«

Dalesia öffnete die Tür unter dem Praxisschild, deren mit einer Gardine verhängtes Fenster ein zweites, diskreteres Schild aufwies, und Parker folgte ihm eine steile Treppe mit Teppichbodenbelag und beidseitigem Eichenholzgeländer hinauf. Oben befanden sich zwei fleckige dunkle Holztüren, beide mit einem angeschraubten Messingschild. Auf der unmittelbar vor ihnen stand PRIVAT, auf der rechts davon PRAXIS.

Dalesia stieß die Tür mit dem PRAXIS-Schild auf, und sie traten in ein großes, quadratisches Wartezimmer mit schäbigen Sesseln und einem abgewetzten Teppich. Dort warteten drei Leute, die zu dem Zimmer passten; alle blickten von ihrer Zeitschrift auf und senkten den Blick dann wieder.

In der gegenüberliegenden Wand befand sich ein Fenster ohne Scheibe und dahinter ein kleineres Büro, in dem eine Frau an einem Schreibtisch saß, hinter sich eine Reihe weißer Aktenschränke. Von Parker gefolgt, ging Dalesia zu dem Fenster hinüber und sagte zu der Frau: »Turner, ich habe einen Termin.«

»William Turner? Ja, da haben wir Sie. Waren Sie schon einmal bei uns?«

»Aber ja, ich stehe in Ihren Akten.« Er zeigte mit dem Daumen auf Parker und sagte: »Das ist Dr. Harris, mein Diagnostiker.« Das schien die Frau keineswegs zu überraschen. Sie machte sich eine kurze Notiz und sagte: »Bitte nehmen Sie noch einen Moment Platz, der Doktor hat gleich Zeit für Sie.«

»Danke.«

Sie setzten sich auf nebeneinanderstehende Sessel vor den mit Jalousien versehenen Fenstern und durchblätterten ziemlich alte Zeitschriften. Nach etwa drei Minuten sagte die Frau hinter dem Fenster: »Mrs. Hancock«, und eine der wartenden Patientinnen stand auf und ging durch die Innentür.

Parker sagte: »Anwälte sind schneller.«

Dalesia fand das komisch. »Ja, stimmt.«

Zwei, drei Minuten später kam ein Mann, bei dem es sich um den Doktor persönlich handeln musste, zu der Tür heraus, durch die Mrs. Hancock hineingegangen war. Er war ein kräftig gebauter, gepflegt wirkender Mann um die Fünfzig mit üppigem eisengrauem Haar, das über der hohen Stirn straff nach hinten gekämmt war, und einer großen Brille mit leicht getönten Gläsern, die das Licht reflektierten. In der Hand hielt er einen Hefter, und sein Blick wanderte beiläufig über Parker und Dalesia, während er zu dem offenen Fenster hinüberging, sich dort niederbeugte und kurz mit der Frau sprach. Er gab ihr den Hefter, wandte sich ab, ließ abermals den Blick über Parker und Dalesia wandern und ging zurück in sein Sprechzimmer.

Nun verging weniger als eine Minute, bis die Frau »Mr. Turner« sagte.

Dalesia stand auf. »Ja?«

»Gehen Sie einfach hinein.«

Dalesia und Parker gingen durch die Innentür in einen schmalen, von einer Neonröhre erleuchteten Flur mit geschlossenen Türen zu beiden Seiten. Eine schüchterne junge Frau in Schwesterntracht lächelte sie an, öffnete eine Tür auf der rechten Seite und sagte: »Hier hinein, bitte. Dr. Madchen wird gleich kommen.«

»Danke«, sagte Dalesia.

Sie gingen hinein, und sie schloss die Tür hinter ihnen. Sie befanden sich in einem Untersuchungszimmer mit einer langen Liege und zwei Stühlen aus Chrom und grünem Vinyl. An den Wänden hingen Schränkchen mit Glastüren, die medizinischen Bedarf enthielten, und Poster mit Darstellungen verschiedener Krankheiten.

Auf der Untersuchungsliege saß mit über dem Boden baumelnden Beinen ein stämmiger Mann um die Fünfzig, der eine offene graue Windjacke mit Reißverschluss und formlose Baumwollhosen trug und eine Ausgabe von People las. Er sah aus wie ein Schaustellergehilfe, der nicht gemerkt hatte, dass er zu alt war, um mit dem Zirkus durchzubrennen.

Als Parker und Dalesia hereinkamen, warf er die Zeitschrift auf die Liege, sprang auf den Boden, streckte die Hand in Dalesias Richtung und sagte: »Was meinst du, Nick?«

»Hübsch hast du's hier«, sagte Dalesia und gab ihm die Hand.

Der Mann lachte, streckte Parker die Hand entgegen und sagte: »Sie sind dann wohl Parker, schätze ich. Ich heiße Jake Beckham.«

Parker ergriff die angebotene Hand, die er kräftig, aber nicht aufdringlich fand, und sagte: »Das ist doch ein Untersuchungszimmer.«

»Allerdings, das ist es«, sagte Beckham. Er war stolz auf seinen Treffpunkt.

Parker sagte: »Warum machen wir dann nicht alle den Oberkörper frei?«

Mit verblüfftem Lachen sagte Beckham: »Bei Gott, Sie haben recht! Nick, der Mann ist gut.«

Sie zogen sich bis zur Hüfte aus und zeigten so, dass keiner von ihnen ein Aufnahmegerät oder einen Sender trug. Während sie sich wieder anzogen, sagte Beckham zu Parker: »Nick hat Ihnen gesagt, worum es geht, schätze ich.«

»Zwei Banken fusionieren, der ganze Kram wird von einer zur anderen transportiert. Sie haben eine Insiderin, die Ihnen sagt, in welchem Wagen das Bargeld ist.«

»Und was für eine Insiderin«, sagte Beckham und grinste, um sie wissen zu lassen, dass er mit ihr geschlafen hatte. »Setzt euch, Leute, dann sage ich euch, was Sache ist.«

Während sich die beiden anderen auf die Vinylstühle setzten, hievte sich Beckham wieder auf die Untersuchungsliege. Er war ein massiger Typ, bewegte sich aber so, als hielte er sich für einen mageren Jüngling. Als er bequem saß, sagte er: »Im ganzen Land werden kleine Banken gefressen. Wenn sie sich nicht vergrößern, indem sie miteinander fusionieren, werden sie von irgendeinem internationalen Monster aus London oder Hongkong geschluckt. Die Bank in dieser Stadt - vielleicht ist sie euch beim Reinfahren aufgefallen: ganz altmodisch, Ziegelstein, mit einem Glockenturm - heißt Rutherford Combined Savings, und das >Combined< bedeutet, dass sie schon ein paar noch kleinere gefressen hat, Läden mit drei Filialen in drei Städten, die fünfzehn Kilometer auseinanderliegen. Und damit hat Rutherford jetzt vielleicht zwanzig Filialen überall in der Westhälfte des Staates, und ein bisschen weiter südlich gibt es die Deer Hill Bank mit vier Filialen. Deer Hill ist der Laden, für den ich gearbeitet habe, bevor sie mich mit der Hand in der Kasse erwischt haben.«

»Nick sagt, Sie haben gesessen«, sagte Parker.

»Hab sieben bis zehn Jahre gekriegt und drei davon abgerissen. Na ja, zwei Jahre, elf Monate und vier Tage.« Mit dem jungenhaften Grinsen, das auf dem massigen Gesicht seltsam wirkte, sagte er: »Sie wissen ja, wie das ist, es gibt ein paar Sachen, die rundet man nicht auf.«

»Ja.«

»Meine Geschichte ist ganz einfach«, sagte Beckham, »aber ich finde, ihr solltet sie kennen. Mit Achtzehn zur Army, dort dann zur Militärpolizei, eine Zeitlang in Deutschland stationiert und dort gelernt, wie man als Militärpolizist sein Einkommen aufbessern kann. Aber so richtig gefallen hat es mir nicht bei der Army, und nachdem sie...

"Der Witz der Parker-Romane besteht darin, dass die Projekte des eiskalt kalkulierenden Berufsverbrechers immer wieder scheitern, weil nicht alle Umstände zu kontrollieren und nicht alle Beteiligten auf Kurs zu halten sind. Das Leben ist zu unvollkommen für perfekte Verbrechen. ... Die Souveränität des Autors verbürgt Lesegenuss. Er hat seine Figuren und den Plot ebenso sicher in der Hand wie die Sprache. Sie ist trocken und lakonisch. Einsprengsel von Komik, pointierte Dialoge und präzise sprachliche Bilder zeigen die Kunstfertigkeit Donald Westlakes." Wolfgang Schneider, Deutschlandradio Kultur, 12.06.09

"Sehr schnörkellos, sehr vertrackt, sehr gut: Die Parker-Krimis sind eine Reihe mit enormer Sogkraft." Brigitte, 13/2009

"Donald E. Westlakes Kriminalromane graben Wurmlöcher zurück in eine Zeit, als die Männer New Yorks noch Hüte trugen und es für Coolness kein Wort brauchte, weil eine andere Daseinsform undenkbar war." Simon Hadler, ORF, 26.02.09

"Hehre Krimi-Kunst." Stern, 4/09

"Ein herausragender Krimi." Ralf Stifel, Westfälischer Anzeiger, 07.05.09

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