Die Letzten und die Ersten Menschen

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. Oktober 2015
  • |
  • 464 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97178-2 (ISBN)
 
Das visionäre Zukunftsepos der Science-Fiction-Legende Olaf Stapledon: Was wird uns in 100 Jahren erwarten, welche Zivilisationen werden in 1.000 Jahren regieren, welche Kriege in 500.000 Jahren geschlagen? Welchen kosmischen Lebensformen werden wir in Milliarden Jahren begegnen, und wie wird die Menschheit in undenkbarer, entferntester Zukunft ihr Ende finden? In diesem 1930 erstmals erschienenen Klassiker erzählt Autor und Philosoph Olaf Stapledon die gesamte Menschheitsgeschichte von der Gegenwart bis zum Sterben der letzten Galaxie ... Einer der außergewöhnlichsten, faszinierendsten und ambitioniertesten Romane aller Zeiten in hochwertiger Sammlerausstattung.
  • Deutsch
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  • 1,48 MB
978-3-492-97178-2 (9783492971782)
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Olaf Stapledon, 1886 in Wallasey/England geboren, war Philosoph und Autor und schrieb 1930 seinen ersten Roman »Die Letzten und die Ersten Menschen«. Mit seinen Visionen beeinflusste er Generationen von Autoren und Lesern, und Stapledon kehrte in seinen späteren Romanen wie »Star Maker« immer wieder zu seinem bedeutsamsten Werk zurück. Er verstarb 1950 in seiner englischen Heimat.
Vorwort

Dies ist ein Roman. Ich habe versucht, mir eine Geschichte auszudenken, die eine mögliche oder doch zumindest nicht völlig unmögliche Darstellung der Zukunft der Menschheit sein soll, und ich habe diese Geschichte unter Berücksichtigung der sich gegenwärtig wandelnden Zukunftsperspektiven des Menschen zu entwickeln versucht.

Wenn man in die Zukunft schweift, so mag dies aussehen, als würde man, um des Fantastischen willen, seiner unbezähmbaren Spekulationslust nachgeben. Doch eine kontrollierte Fantasie auf diesem Gebiet kann für alle diejenigen eine sehr wertvolle Denkübung sein, die angesichts der Gegenwart und deren Entwicklungsmöglichkeiten verwirrt sind. Wir sollten heute jeden ernsthaften Versuch, sich ein Bild von der Zukunft der Menschheit zu machen, begrüßen und sogar aus ihm lernen, nicht nur um die sehr unterschiedlichen - und oft tragischen - vor uns liegenden Möglichkeiten zu begreifen, sondern um uns auch damit vertraut zu machen, dass viele der von uns besonders gehegten Ideale einem höher entwickelten Intellekt mit Sicherheit kindisch erscheinen würden. Wenn also Streifzüge in die ferne Zukunft unternommen werden, dann in dem Bemühen, die Menschheit im kosmischen Rahmen zu sehen und um uns für das Akzeptieren neuer Werte zu öffnen.

Aber wenn solche Entwürfe imaginärer, möglicher Zukünfte wirklich bedeutungsvoll sein sollen, dann muss unsere Fantasie einer strengen Kontrolle unterworfen sein. Wir müssen uns bemühen, die Grenzen des Möglichen nicht zu überschreiten, die durch die besondere Art von Kultur und Zivilisation, in der wir leben, abgesteckt sind. Das bloß Fantastische hat wenig Überzeugungskraft. Nicht, dass wir uns etwa mit Voraussagen über das beschäftigen sollten, was tatsächlich eintreten könnte, denn außer in eher einfachen Sujets wären solche Prophezeiungen in jeder Hinsicht nutzlos. Wir sind keine Historiker, die statt über die Vergangenheit über die Zukunft zu forschen versuchen. Wir können nur einen einzelnen Faden aus dem Gewirr ebenso vorstellbarer Möglichkeiten aufgreifen. Aber dies muss bewusst geschehen. Womit wir es hier zu tun haben, ist keine Wissenschaft, sondern Kunst, und sie sollte die ihr gemäße Wirkung auf den Leser haben.

Wir beabsichtigen aber auch nicht, eine nach ästhetischen Gesichtspunkten bemerkenswerte Erzählung vorzulegen, vielmehr einen Mythos, nicht bloße Historie und auch nicht bloße Fiktion. Ein echter Mythos bringt das, was in einem bestimmten noch lebendigen oder toten Kulturkreis am höchsten verehrt und geachtet wird, in großer Mannigfaltigkeit und oft in seiner Tragik zum Ausdruck. Ein falscher Mythos verstößt entweder vehement gegen die Grenzen der Glaubwürdigkeit, die durch die Kulturstruktur, auf die er sich bezieht, gegeben sind, oder behandelt weniger markante, den charakteristischsten Vorstellungen dieser Kultur nicht entsprechende Phänomene. Ebenso wenig wie es sich bei diesem Buch um eine echte Voraussage handelt, kann von ihm behauptet werden, es sei ein echter Mythos, vielmehr handelt es sich um einen Versuch in der Schaffung eines Mythos.

Ich glaube, dass die Art von Zukunft, wie sie hier ausgedacht wurde, nicht völlig aus der Luft gegriffen sein dürfte oder doch zumindest nicht so unvorstellbar für diejenigen ist, die mit den Grundzügen gegenwärtigen westlichen Denkens vertraut sind. Hätte ich ein Sujet behandelt, das überhaupt nichts Spekulatives zuließe, dann wäre die Darstellung so plausibel ausgefallen, dass sie allein dadurch schon nicht mehr plausibel erschienen wäre. Denn immerhin eines ist bei der Zukunft so gut wie sicher: dass sehr vieles für uns darin nicht vorhersehbar sein dürfte. In einer Hinsicht mag ich vielleicht stark übertrieben haben. Ich habe angenommen, ein Mensch der fernen Zukunft würde mit uns Heutigen in Verbindung treten. Ich habe behauptet, er besäße die Fähigkeit, die Gedankengänge der gegenwärtig Lebenden teilweise zu beeinflussen - und dass dieses Buch auf eine solche Beeinflussung zurückzuführen sei. Aber selbst eine solche Fiktion muss nicht völlig undenkbar sein. Lediglich durch geringfügige Änderungen meines Themas hätte ich natürlich auf diese Fiktion verzichten können, wenn sie nur aus Gründen der Bequemlichkeit verwendet worden wäre. Doch durch ein solch radikales und verblüffendes Mittel konnte ich verdeutlichen, dass im Wesen der Zeit noch mehr verborgen sein mag, als uns bisher bekannt ist. Nur durch einen Trick dieser Art konnte ich meiner Überzeugung gerecht werden, dass unsere ganze gegenwärtige Mentalität nur ein konfuses und auf die Gegenwart fixiertes erstes Experiment darstellt.

Sollte dieses Buch jemals zufällig von irgendeinem Menschen in der Zukunft entdeckt werden, zum Beispiel durch einen Angehörigen der nächsten Generation, der die Hinterlassenschaften seiner Väter aussortiert, dann wird es sicherlich belächelt werden, denn sehr vieles muss inzwischen geschehen sein, worüber bisher nicht die geringste Andeutung erkennbar ist. Selbst in meiner eigenen Generation können sich die Umstände so unerwartet schnell und so radikal verändern, dass dieses Buch schon sehr bald lächerlich erscheinen mag. Macht nichts. Wir Heutigen müssen unser Verhältnis zum übrigen Universum so gut, wie wir es nur eben vermögen, zu begreifen versuchen, und selbst wenn unsere Bilder den Menschen in der Zukunft skurril erscheinen müssen, dann mögen sie trotzdem heute ihren Zweck erfüllen.

Einige Leser, die meine Geschichte als einen Versuch ansehen, etwas voraussagen zu wollen, mögen sie ungerechtfertigterweise für pessimistisch halten. Es handelt sich aber um keine Prophetie. Es ist - wie zuvor schon gesagt - eine Art Mythos, genauer gesagt ein Versuch zur Schaffung eines Mythos. Wir alle wünschen uns sehnlichst, dass die Zukunft sich als glücklicher erweisen möge, als ich sie mir vorgestellt habe. Insbesondere hoffen wir, dass unsere gegenwärtige Zivilisation sich ständig weiterentwickelt zu einer Art Utopia. Die Vorstellung, dass sie zerfallen und zusammenbrechen und dass all ihre geistigen Schätze unwiderruflich verloren gehen könnten, ist uns zutiefst zuwider; und doch muss dies zumindest als Möglichkeit ins Auge gefasst werden. Eine derartige Tragödie, die Tragödie einer ganzen Rasse, muss aber, so denke ich, bei einem adäquaten Mythos vorkommen dürfen.

So habe ich mir eben aus literarischen Gründen vorgestellt - wobei ich voll Freude feststelle, dass es gegenwärtig starke Keime der Hoffnung, aber auch der Verzweiflung gibt -, dass unsere menschliche Rasse sich selbst zerstört. Es gibt heute eine sehr aufrichtige Bewegung für den Frieden und für eine internationale Einigkeit, die auch mit Glück und unter intelligenter Leitung triumphieren mag; ich habe die Dinge in diesem Buch allerdings so entwickelt, dass diese große Bewegung nicht zum Erfolg gelangt. Letztlich halte ich sie für nicht in der Lage, eine Reihe von nationalen Kriegen zu verhindern, und ich gestehe ihr erst zu einer Zeit, in der die Mentalität der Menschheit bereits ausgehöhlt ist, zu, ihr Ziel der Einheit der Welt und des Friedens zu erreichen. Möge dies nie in dieser Form eintreten. Möge der Völkerbund oder eine stärker kosmopolitisch orientierte Autorität Erfolg haben, bevor es zu spät ist! Aber lassen Sie bitte in unserem Intellekt und in unserem Herzen auch die Vorstellung zu, dass das ganze Unternehmen unserer Menschheit schließlich nur eine geringfügige und erfolglose Episode in einem weit größeren Drama sein könnte, das möglicherweise auch tragisch endet.

Wenn es überhaupt amerikanische Leser dieses Buches geben sollte, dann werden diese das Gefühl haben, dass ihre große Nation eine wenig reizvolle Rolle in meiner Geschichte spielt. Ich habe mir vorgestellt, dass die etwas primitivere Art des Amerikanismus über das Beste und Vielversprechendste in der amerikanischen Kultur obsiegt. Möge dies nie Wirklichkeit werden! Doch einige Amerikaner haben selbst zugegeben, dass ein solches Problem bestehe, und sie werden mir hoffentlich verzeihen, wenn ich es besonders hervorhebe und es als einen Wendepunkt in dem langen Drama der Menschheit benutze.

Bei jedem Versuch, ein solches Drama zu entwickeln, muss berücksichtigt werden, was die gegenwärtige Wissenschaft über die Natur des Menschen selbst und über seine physische Umwelt zu sagen hat. Ich habe versucht, meine eigenen geringen Kenntnisse in den Naturwissenschaften dadurch zu erweitern, dass ich meine Freunde aus diesem Bereich durch Fragen belästigt habe. Gespräche mit den Professoren P. G. H. Boswell, J. Johnstone und J. Rice, Liverpool, haben mir in dieser Hinsicht außerordentlich geholfen. Aber sie dürfen für die vielen absichtlichen Übertreibungen nicht verantwortlich gemacht werden, die, obwohl sie in meinem Konzept ihren Zweck erfüllen, Naturwissenschaftlern einen Schauer über den Rücken jagen mögen.

Dr. L. A. Reid bin ich für seine allgemeinen Kommentare und Mr. E. V. Rieu für viele wertvolle Anregungen sehr zu Dank verpflichtet. Gegenüber Professor L. C. Martin und seiner Frau, die beide das gesamte Buch in Manuskriptform gelesen haben, kann ich meine Dankbarkeit für ihre stetige Ermutigung und für ihre Kritik gar nicht stark genug ausdrücken. Dem erfrischend gesunden Menschenverstand meiner Frau verdanke ich weit mehr, als sie annimmt.

Bevor ich dieses Vorwort abschließe, möchte ich den Leser darauf aufmerksam machen, dass der im Folgenden in der ersten Person Singular Sprechende nicht der Verfasser dieses Buches ist,...

»Außergewöhnlich - definitiv! Science Fiction - auf jeden Fall! Olaf Stapledon hat schon 1930 Kriege kommen sehen, die auch wirklich eingetreten sind. Manch Utopie klingt so unglaublich, dass sie schon in der Idee unmöglich ist und dennoch bleibt die Faszination, dass er mit dem damaligen Wissen solche Zukunftsbilder geschaffen hat.«, SF-Board.de, 21.10.2016
 
»Stapledon hat ein umfassendes Verständnis für die Prinzipien der Evolution und eine beeindruckende Fantasie, die diese Prinzipien für den Leser greifbar macht.«, literatopia.de, 22.03.2016
 
»Was Stapledon hier an Gedanken und Ideen entwickelt, ist einfach grandios«, phantastiknews.de, 13.10.2015

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