Dreckige Rebellen

 
 
Uksak E-Books (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 10. August 2020
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7389-4334-4 (ISBN)
 
Western von Heinz Squarra Der Umfang dieses Buchs entspricht 175 Taschenbuchseiten. Der Texaners Flint Sherman will sich an den Yankeesoldaten rächen, die ihm alles genommen haben. Durch Zufall triff Norman Corrin auf Sherman und seine Leute. Doch Corrin hat genug von dem Krieg und will nach Mexiko, um dort Arbeit zu finden.
  • Deutsch
  • 1,01 MB
978-3-7389-4334-4 (9783738943344)

3


Norman saß an einem aus Brettern zusammengenagelten Tisch, aß das letzte Stück Brot und lehnte sich zurück. Der Farmer und die beiden abgerissenen Kerle lehnten ihm gegenüber an der Wand. Der Mann in der Uniform ohne Rangabzeichen saß rechts von ihm auf einem Stuhl. Er grinste ihn an und sagte: »Tabak?«

Norman nickte.

Der Mann griff in die Tasche und warf einen Tabakbeutel aus Leder auf die unebene Tischplatte. Norman nahm den Beutel, öffnete ihn, zog Papier und Tabak heraus und rollte sich eine Zigarette.

»Die Yankees sind in allen Städten von Texas«, sagte der Mann. »Sie nennen unser Land jetzt den fünften Militärbezirk.«

»Ja, ich weiß. Ich habe es gehört.«

»Nicht gesehen?«

»Nein, gesehen nicht.« Norman klemmte sich die Zigarette in den Mundwinkel. Er suchte in seinen Taschen nach einem Schwefelholz, aber sofort warf der Mann ihm eins zu. Norman rieb es am Tisch an und hielt die Flamme an die Zigarette.

»Wagst du dich nicht in die Städte?« Der Mann grinste breiter.

Norman sah ihn an, blies das Schwefelholz aus und ließ es auf den Boden fallen, der von Unrat bedeckt war.

»Hast du keinen Entlassungsschein, oder bist du kein Soldat gewesen?«, fragte der Mann neben ihm.

»Nein, ich habe keinen Entlassungsschein«, gab Norman zu. »Ich und ein paar andere, wir sind aus einem Gefangenenlager im Norden getürmt. Aber was hat das zu bedeuten? Hätte ich einen Job als Cowboy gefunden, dann würde niemand nach einem Entlassungsschein fragen.«

Der Mann neben ihm nickte.

»Dann vielleicht nicht. Aber du kannst keinen Job finden. Die Rancher sind völlig verarmt und können die zurückkommenden Männer weder ausrüsten, noch bezahlen. Viele können noch nicht einmal Lebensmittel für ihre Männer beschaffen. Und das liegt an den Yankees und den Handlangern, die sie in den Städten gefunden haben. Die wollen uns Texaner vernichten.«

Norman zog an seiner Zigarette und blies den Rauch über den Tisch, hinüber zu den drei anderen, die an der Wand lehnten und ihn anstarrten, misstrauisch und lauernd und ungläubig.

Der andere Mann stand auf und lachte leise.

»Wisst ihr, wer er ist?«

»Was?«, fragte der eine. »Kennst du ihn, Flint?«

»Ich habe ihn schon erkannt, als er ankam. Er heißt Norman Corrin und war eine Weile in meiner Einheit. Damals war er Sergeant. Hast du es noch weiter gebracht, Corrin?«

»Nein.« Norman zog wieder an der Zigarette und blies den Rauch zur niedrigen Decke. Sie sah so schwarz aus wie die Wände, und ein Loch war mit Blech zugenagelt. Dann schaute er den Mann wieder an, der sich umwandte und grinste.

»Ich bin Flint Sherman, Corrin. Ich war ein paar Wochen Captain bei dem Kommando in Atlanta.«

Norman nickte. »Ja, kann sein. Aber ich war da nicht lange.«

»Ich auch nicht.«

»Und wieso hat er keinen Entlassungsschein?«, brummte einer der beiden anderen Kerle an der Wand.

»Eben!«, setzte der Farmer hinzu. »Das würde mich auch interessieren!«

»Hat er doch schon gesagt. Sie sind getürmt. Hatten sie dich zu einer längeren Strafe verurteilt?«

»Vielleicht.« Norman zog wieder an seiner Zigarette. »Aber das geht euch sicher nichts an.«

Flint Sherman grinste breiter.

»Das ist ein Irrtum, Corrin. Uns geht alles etwas an, was mit den zurückkehrenden Jungs und den Yankees zu tun hat.«

»Wir müssen die Yankees aus dem Land jagen, wenn wir leben wollen!«, zischte der Farmer gehässig.

»Ihr seid ja verrückt.« Norman zog an der Zigarette, ließ sie auf den Boden fallen und stellte den Stiefel darauf. »Gegen die habt ihr keine Chance.«

»Wer sagt denn das?« Sherman setzte sich an den Tisch zurück und stützte die Ellenbogen auf die rohe Platte. »Alle Texaner haben darunter zu leiden, ausgenommen die paar Spitzel und Handlanger der Yankees. Also sind alle gegen die Yankees.«

»Aber sie werden nichts gegen sie tun. Dazu fehlt es ihnen an Mut und sicher auch an Verrücktheit. Wir haben den Krieg verloren, und eines Tages wird niemand mehr davon reden, und es wird niemand mehr verfolgt werden.«

»Aha.« Sherman nickte. »Und was willst du bis dahin tun?«

»Ich habe vom Red River bis hierher jedes alleinstehende Haus nach einem Job abgeklappert. Vergebens. Nun gehe ich allein nach Mexiko. Ich werde in ein paar Jahren zurückkommen, wenn sich die Lage normalisiert hat.«

»Er spinnt«, brummte der Farmer. »Er bildet sich ein, es würde sich etwas von selbst ändern.«

»Es muss sich ändern«, sagte Norman.

»Wenn du einer Militärstreife in die Arme läufst, nehmen sie dich fest. Dann bist du bald wieder dort, wo ihr ausgebrochen seid.« Sherman lehnte sich zurück und steckte den Tabakbeutel ein.

»Ich bin bis jetzt jeder Militärstreife aus dem Weg gegangen. Und jetzt ist es nicht mehr weit bis Mexiko.« Norman stand auf, warf einen Dollar auf den Tisch und sah den Farmer an. »Es ist Unionsgeld. Dafür können Sie in der nächsten Stadt etwas kaufen.«

Der Farmer kam näher, nahm den Dollar und steckte ihn ein.

»Er hat Unionsgeld, und seine Uniform ist er auch losgeworden. Wie mag er das nur angestellt haben, Flint?«

»Irgendwie«, entgegnete Sherman. »Das interessiert mich nicht. Aber es interessiert mich, ob ein Mann von uns das Land verlässt oder bleibt, um unseren Kampf zu unterstützen.« Er stand auf. »In den Bergen leben Männer, die gegen die Yankees kämpfen, wo immer sie sie treffen!«

»Nennt ihr das Kampf, wenn drei Männer in den Büschen lauern und den Fahrer eines Bagagewagens einfach vom Bock schießen, wenn er auftaucht, Sherman? Das ist ein merkwürdiger Kampf. Dazu sagt man überall Mord!«

Die beiden Männer an der Wand griffen nach den Kolben ihrer Revolver. Norman lächelte sie verächtlich an.

»Ja, das könnt ihr. Das weiß ich schon. Ich habe den Mann gefunden, der von drei Kugeln getroffen wurde. Drei Kugeln, von denen jede tödlich war. Also habt ihr gleichzeitig geschossen.«

Der Farmer fluchte leise.

»Sie verwüsten unser Land und wollen uns vernichten«, sagte Sherman sachlich. »Und manchmal verschleppen sie auch Mädchen.«

»Solche Befehle bekommen sie bestimmt nicht.«

»Aber sie machen es«, sagte der Farmer. »Die schlimmsten Halunken sind die Handlanger. Killoe zum Beispiel. Der war früher ein Händler in Altuda. Kurz nach Ausbruch des Krieges ging er fort. Ende letzten Jahres kam er als Major der Yankees zurück. Der ist jetzt Kommandant in diesem Bezirk. Jede Woche kommt er mit seiner Bande von Soldaten und Revolvermännern hierher und durchsucht alles.«

»Wonach denn?«

»Nach allem. Waffen, Geld, Lebensmittel. Irgendwas. Wenn ich verrückt genug wäre, ein Feld mit Mais zu bestellen, dann würde er zur Ernte kommen und alles kassieren.«

»Was denn für Revolvermänner?«, fragte Norman.

»Das ist es ja«, erklärte Sherman. »Killoe hat außer den Soldaten auch noch eine Art Leibwache. Revolvermänner. Die machen dann das, wozu sich Soldaten nicht hergeben oder was gegen die Gesetze ist. Aber in Wahrheit ist das alles legal. Die Yankees wollen uns ausrotten. Deshalb lassen sie solche Männer wie Killoe machen, was sie wollen. Aber das ist alles nicht so wichtig. Für mich geht es nur darum, ob einer von uns unseren Kampf unterstützt oder das Land verlässt.«

»Wer das Land verlässt, ist ein Verräter!«, zischte der Farmer.

Die beiden anderen Männer nickten heftig und zogen die Revolver etwas aus den Holstern.

»Shermans Vater hatte eine große Ranch«, fuhr der Farmer keifend fort. »Er war sozusagen ein reicher Mann. Dann liefen seine Rinder fort, weil niemand mehr da war, der auf sie aufgepasst hätte. Aber er hatte noch Wertgegenstände. Bilder, Schmuck und Gold! Ich weiß es, er hat es mir ein paarmal erzählt. Killoe war noch gar nicht lange hier, als wir den alten Sherman fanden. Er lag tot auf der Treppe vor seinem Haus. Natürlich war von den Bildern keins mehr da. Auch von dem Schmuck und dem Gold fanden wir nichts. Aber eines Tages kam ein Händler, der in der Stadt einen Revolvermann von Killoe wiedererkannte. Der hatte in Waco ein Bild verkauft. An einen Yankee-Offizier! Na, was sagst du dazu, Corrin?«

Norman sah Flint Sherman an.

»Was hast du denn dazu gesagt?«

»Ich habe nach dem Kerl gesucht, fand ihn aber nicht mehr. Er ist weg.«

»Also hast du keinen Beweis, dass es Killoe war, der deinen Vater umgebracht hat.«

»Ich brauche dazu keinen Beweis«, erwiderte Flint Sherman schroff und abweisend. »Er war es, und ich werde ihn dafür vernichten.«

»Wir werden sie alle vernichten!«, rief der Farmer mit seiner keifenden Stimme. »Allen Yankees den Tod!«

Einer der beiden anderen verließ die Hütte.

»Er heißt Joe«, erklärte Sherman, als der Mann durch die Tür ging. Dann nickte er zu dem anderen hinüber, der seinen Colt ins Holster schob. »Und er Cole.«

»Und wir leben in den Santiago Mountains«, sagte Cole. »Wo wir ziemlich sicher sind.«

»Und wohin sie dich mitnehmen!« Der Farmer lachte krähend.

»Ich gehe nach Mexiko«, erwiderte Norman entschieden. »Ich habe die Nase voll von eurem verdammten Krieg.«

»In Mexiko ist auch Krieg«, erklärte Cole.

»Daran muss man nicht unbedingt teilnehmen....

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