Nachhaltigkeit messbar machen

Integrierte Bilanzierung für Wirtschaft, Sozialwirtschaft und Verwaltung
 
 
Walhalla und Praetoria (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. April 2017
  • |
  • 100 Seiten
 
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E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8029-0476-9 (ISBN)
 
Best Practice-Beispiele für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg

Für Unternehmen und die öffentliche Verwaltung werden Nachhaltigkeitsaspekte wie das Einsparen von Energie, saubere Technologien oder Artenschutz immer wichtiger.

Wie aber lässt sich Nachhaltigkeit bilanzieren und als Potenzial für Mehrwert transparent darstellen? Und wie kann man darüber Bericht erstatten?

Führende Experten aus unterschiedlichen Disziplinen geben Führungskräften aus den Bereichen Wirtschaft, Sozialwirtschaft und Verwaltung Hilfestellung und Orientierung:

Aktueller Diskurs


Prof. Dr. Karl Peter Sprinkart, Hochschule München
Jeremy Nicholls, SROI Network


Methodische Ansätze


Dr. Andreas Rickert, PHINEO gAG
Lena Maria Wörrlein und Dr. Marius Mews, Universität Hamburg
Christiane Ksienzyk, Management Consultant
Dr. Volker Then und Konstantin Kehl, Centrum für soziale Investitionen und Innovationen, Universität Heidelberg


Chancen und Potenziale


Prof. Dr. Klaus Schellberg, Evangelische Hochschule Nürnberg
Ryan Little, BMW Stiftung Herbert Quandt
Nicolette Behncke und Armin Slotta, PwC AG
Simone Fischer, Johann Schnabel und Tobias Klinkert, KPMG AG


Erfahrungen aus der Praxis


Helmut Lind und Christine Miedl, Sparda-Bank München eG
Ottmar Schader, Sozialreferat der Stadt München
Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Schweisfurth-Stiftung
Prof. Dr. Peter Dürr und Prof. Dr. Georg Zollner, Hochschule München sowie Nadine Tschauner, Allianz SE
Prof. Dr. Klaus Sailer, Strascheg Center for Entrepreneurship
Dr. Domink Domnik, Social Entrepreneurship Akademie


Wer nachhaltig handelt, gestaltet Zukunft!
  • Deutsch
  • Regensburg
  • |
  • Deutschland
  • 1,18 MB
978-3-8029-0476-9 (9783802904769)
3802904761 (3802904761)
Prof. Dr. Karl Peter Sprinkart lehrt Kultur- und Kommunikationswissenschaft an der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München. Als Berater begleitet er Innovations- und Change-Prozesse in Finanz- und Medienunternehmen.
  • Titelinformation
  • Cover
  • Kurzbeschreibung
  • Schnellübersicht
  • Vorwort
  • A. Orientierung
  • Integrierte Bilanzierung im aktuellen Diskurs
  • Die Renaissance der Werte
  • Investment: The Ethical Perspective
  • B. Methoden
  • Kernmethoden der neuen Bilanzierung
  • Öffentlichkeitswirksam über soziale Arbeit berichten: Social Reporting Standard
  • Corporate Citizenship und Reporting: Ein Ansatz zur Standardisierung und Wirkungsorientierung
  • 1. Soziale Gewinn- und Verlustrechnung als Medium der Transparenz für CSR-Aktivitäten
  • Social Return on Investment: Werkzeugkasten für eine integrierte Bilanzierung
  • C. Potenziale
  • Integriertes Reporting und integrierte Bilanzierung: Ein weitreichendes Potenzial
  • Der Social Return on Investment: Strategische Möglichkeiten für den Sozialbereich?
  • Impact Investing: New Sources of Capital to Finance Social and Environmental Outcomes
  • Anforderungen an die Assurance eines Integrated Reporting und dessen Einfluss auf die Welt der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
  • a) Ein wachsender Markt für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften
  • D. Praxis
  • Integriertes Reporting und integrierte Bilanzierung - Erfahrungen aus der Praxis
  • 1. Eine bessere Wirtschaft für eine bessere Welt: Der Prozess der Gemeinwohlorientierung bei der Sparda-Bank München eG
  • Wirkungsorientierung als Steuerungsprinzip im Sozialreferat
  • Gemeinwohlbilanzen im Stiftungsbereich: Der Einstiegsbericht der Schweisfurth-Stiftung
  • Versicherungen als Solidargemeinschaften
  • Verknüpfung von Entrepreneurship Teaching und Bilanzierung
  • 1. Integriertes Reporting und integrierte Bilanzierung in der Arbeit der Social Entrepreneurship Akademie
  • Appendix
  • Fahrpläne
  • Die Social Return on Investment-Analyse in der Praxis - Entscheidungen und Fragestellungen in einzelnen Prozessphasen
  • Danksagung
  • Kurzvita der Autoren
  • Kurzvita des Herausgebers
  • Weiterführende Literatur
  • Auszüge aus referenzierten Vorschriften
  • HGB (Auszug)
  • § 242 Pflicht zur Aufstellung
  • § 243 Aufstellungsgrundsatz
  • § 316 Pflicht zur Prüfung
  • § 317 Gegenstand und Umfang der Prüfung
  • Stichwortverzeichnis
  • A B
  • C D E
  • F G
  • H I
  • J K L M
  • N O Ö P
  • R S
  • T U V W
  • X Z
Denn wie man weiß, sind "hauptsächlich drei Dinge
für den notwendig, der mit gebührendem Fleiß Handel
treiben will": erstens "das bare Geld und jede andere
Vermögenssubstanz"; zweitens, daß "man ein guter
Rechner und geschickter Buchhalter sei", und drittens,
daß man zum Schluß "mit schöner Ordnung alle
seine Geschäfte in gebührender Weise einträgt, damit
man in aller Kürze von jedem Kenntnis haben kann,
sowohl von den Schulden als auch von den Guthaben,
denn auf anderes erstreckt sich der Handel nicht."Luca Pacioli, Abhandlung über die Buchhaltung 1494 4

Die Renaissance der Werte


Karl Peter Sprinkart

Mit den eingangs zitierten Worten beschreibt der italienische Mathematiker Luca Pacioli (1445-1514), ein Zeitgenosse und Weggefährte Leonardo da Vincis, in seinem Werk Summa de arithmetica, geometria, proportioni et proportionalità das Potenzial der "Venezianischen Methode". Dabei handelt es sich um einen für die damalige Zeit revolutionären Ansatz zur Bilanzierung der Geschäftstätigkeit frühneuzeitlicher Wirtschaftsunternehmen.

Paciolis Satz verweist auf die Macht, die der Bilanzierung in den Anfängen des modernen Wirtschaftslebens zugeschrieben wurde. Für uns hat Bilanzierung als Begleitaktivität jeder Art von wirtschaftlicher Tätigkeit eine derart integrale Rolle, dass man sich nur selten Gedanken über die enorme kulturelle Durchsetzungs- und Standardisierungsleistung macht, die sich hinter den methodischen Spielregeln der Bilanzierung verbirgt. Der kulturhistorische Blick auf das Thema ist der Versuch, das Potenzial an wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Dynamik, das mit der Bilanzierung gewonnen wurde, zu identifizieren. Diese Analyse soll helfen auszuloten, was infolge der jüngsten Diskussion um integriertes Reporting und integrierte Bilanzierung an positiver Veränderungsdynamik zu erwarten ist.

In wirtschaftsgeschichtlichen Darstellungen 5 wie auch kulturwissenschaftlichen Analysen 6 der Renaissancezeit, die die Moderne einleitet, wird der Etablierung der Bilanzierung ein zentraler Stellenwert für die sich entfaltende Wirtschaftsdynamik und die damit verbundene gesellschaftliche Innovationsdynamik eingeräumt. Für den deutschen Ökonom Werner Sombart (1863-1941) ist die Erfindung Paciolis die Grundlage des ökonomischen Fortschritts schlechthin: "Die doppelte Buchhaltung ist aus demselben Geist geboren wie das System Galileis und Newtons, wie die Lehren der modernen Physik und Chemie [.]. Man kann schlechthin Kapitalismus ohne doppelte Buchführung nicht denken." 7 Die Abbildung komplexer wirtschaftlicher Transaktionen in Bilanzform wird als wesentlicher Treiber einer gesellschaftlichen Innovationsdynamik gesehen, deren Zeugnisse wir auf allen Feldern der Kultur heute noch immer bewundern.

Um diese zu verstehen, lohnt der Blick auf den gesellschaftlichen Status und Stellenwert, den wirtschaftliche Aktivitäten, insbesondere Kreditwirtschaft und Finanzwesen, in der spätmittelalterlichen Gesellschaft in Europa innehatten. 8 Leben war Leben mit Blick auf einen göttlichen Heilsplan, ein zyklisches Geschehen, an dessen Anfang die göttliche Schöpfung von Welt und Menschen und an dessen Ende die Wiederkunft Christi, der Tag des Jüngsten Gerichts, der Tag der finalen Bilanz stand. Es ist eine statische Sicht auf das Leben, die keinen Raum lässt für individuellen Aufstieg oder eine über das Gottgewollte hinausgehende allgemeine Wohlfahrt infolge wirtschaftlichen Wachstums.

In diesem Kontext stellt sich der gesteigerte Reichtum Einzelner dar als Verletzung sozialer Regeln, als Verstoß gegen eine gottgewollte Ordnung und eines religiös geprägten Weltbilds. Im Erfolgsfall wird der Einzelne damit zum Außenseiter in einer Gesellschaft, die von einem geteilten Wertekanon geprägt ist und zudem sein Seelenheil aufs Spiel setzt. Insbesondere das Verleihen von Geld gegen Zinsen fällt unter das Verdikt, ein Verstoß gegen die göttliche Ordnung zu sein, wie es eine Reihe von päpstlichen Edikten zum Ausdruck brachten. Geld gegen Zins zu verleihen galt als unsittlich, weil die Zeit Gott gehört; Kinder der Zeit sind Kinder des Teufels. 9 So verwundert es nicht, dass die frühen Protagonisten der Finanzindustrie stets um ihr Seelenheil fürchteten und in der Angst lebten, in der Hölle brennen zu müssen.

Das übliche Verfahren, um diesem Schicksal zu entgehen, waren eine Rückführung der exzessiven Profite und die Einrichtung religiöser Stiftungen. Dieser theologischen Verdammung von durch wirtschaftliche Transaktionen erworbenen Reichtums verdanken wir einige der spektakulärsten Werke der bildenden Kunst. Werke wie etwa Giottos Fresken in der Scrovegni-Kapelle in Padua oder die Stiftung des Klosters San Marco in Florenz durch die Familie Medici wären ohne diese Post-Mortem-Philanthropie und Kulturförderung nicht denkbar. Erleichtert wurde diese Form der Freigebigkeit auf dem Totenbett von einer in jener Zeit entwickelten theologische Innovation: der Idee eines Fegefeuers. Dies war konzipiert als eine Art Wartesaal der Seelen, bevor über ihren jeweiligen Fall vor dem himmlischen Richter endgültig entschieden wurde. Das Fegefeuer, jener zwischen Himmel und Hölle angesiedelte Ort, an dem die Seelen abhängig von der Schwere ihrer Schuld unterschiedlich lange verweilen, brachte beiden Seiten, dem Einzelnen wie der Institution Kirche, Vorteile. 10 Für den Einzelnen (oder seinen Nachfahren) bestand die Hoffnung, die Verweildauer im Fegefeuer mittels nachträglicher religiöser Stiftungen an die im Hier und Jetzt Lebenden dramatisch zu verkürzen, für die Kirche ergab sich so ein enormer Zufluss von Kapital, ohne die deren Patronage der Künste nicht denkbar gewesen wäre.

An dieser Stelle kommt eine mathematisch begründete Darstellung von Geschäftsaktiviäten ins Spiel, kurz gesagt: die Bilanzierung. 11 Es sind nicht unbedingt der technische Vorteil, das Mehr an Transparenz, verbesserte Informationsflüsse zur Abbildung komplexerer Geschäftsbeziehungen, die den Unterschied machen. Vielmehr ist es die Göttlichkeit der Mathematik, die sacred geometry, die das Geschäft mit Geld, ja das Geschäft überhaupt von der Anrüchigkeit des Tabubruchs befreit. 12

Mit der sogenannten Venezianischen Methode (doppelte Buchführung) eröffnet sich eine Darstellung wirtschaftlicher Aktivitäten, die zum ersten Mal dem Geschäft auf dem Umweg über die Mathematik einen unbestreitbaren Platz im Reich der freien Künste beschert und damit jene Gruppe, die dieses Geschäft betreibt, von ihrem sozialen Stigma befreit. Diese Freisetzung macht wirtschaftliches Handeln in neuer Weise attraktiv, vermehrter wirtschaftlicher Erfolg wird zur Garantie gesellschaftlichen Erfolgs, zum Gradmesser gelingenden Lebens.

Der individuelle Wirtschaftsakteur kann sich als autonom begreifen und ungeachtet religiöser Vorgaben handeln, solange er sich streng an die Regeln der doppelten Buchführung hält. Er ist ein Ehrenmann, er ist moralisch entschuldet, solange er sich an die Spielregeln des korrekten Bilanzierens, der korrekten Buchführung hält. "Schon in den Republiken galt nichts höher als das Wort des guten Kaufmannes und so bekräftigten sie ihre Eide, indem sie sagten: 'Bei der Ehre des wahren Kaufmanns'" (Per fidem bonae et fidelis mercatoris), so Pacioli in seinen Ausführungen. Die Ehre des Kaufmanns kann nun nicht mehr von dem Inspielkommen einer zweiten Sphäre, der Sphäre religiöser und sonstiger gesellschaftlicher Verpflichtungen angegriffen werden. Die Bilanzierung begründet Wirtschaft als Sphäre mit autonomen Regeln, mit Wertfreiheit, in der keine der sonst üblichen Anforderungen gesellschaftlicher oder himmlischer Instanz gelten.

Bilanzierung reklamiert einen von theologischen Anforderungen freien gesellschaftlichen Raum. Sie legitimiert eine neue Akteursgruppe und schafft so die Basis für eine Neuausrichtung des gesellschaftlichen Lebens, dessen, was soziale Ordnung bedeutet.

Noch ist dabei der Maßstab des Buon Governo, der guten Regierung, wie es die Fresken im Rathaus von Siena deutlich zeigen 13 , nicht auf Innovation gestellt. Stattdessen bildet der stetige Kreislauf landwirtschaftlicher Produktion die Garantie eines sicheren Weges. 14 Aber mit dem Aufbruch in neue Welten, mit der zunehmenden Bedeutung des Fernhandels im Zuge der ersten europäischen Globalisierungswelle, taucht auch die Vorstellung von technologischer Innovation am Horizont auf, Nova Atlantis. Sozialutopien, die neue Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens auf der Basis der konsequenten Nutzung des Potenzials technischer Naturbeherrschung und technologischer Innovation vorstellen, machen...

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