Nie im Leben

Auf der Suche nach Glück
 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 3. Juni 2020
  • |
  • 164 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7487-4421-4 (ISBN)
 
Vom Schicksal beauftragt, eine leicht einprägsame Melodie zum Herbeiholen des Glücks zu komponieren, begibt sich Wolfgang Amadeus Mozart mit seinen beiden Begleitern William Shakespeare und Leonardo da Vinci auf eine abenteuerliche Reise. Die anfänglich so einfach wirkende Aufgabe entpuppt sich jedoch als abenteuerliche Unternehmung. Die ersten Probleme beginnen schon während der Vorbereitung, denn Glück, was ist das überhaupt? Eine Empfindung, die jeder anders verspürt? Gibt es vielleicht gar kein Glück und alles entspricht bloß einer Einbildung oder einer Täuschung? Hat sich das Schicksal etwa einen Streich erlaubt und laufen Mozart und seine Mitstreiter bloß einem Gespenst hinterher?
  • Deutsch
  • 0,93 MB
978-3-7487-4421-4 (9783748744214)

Ist Glück ein Kinderlied?


 

Also begann er über das Glück nachzudenken, denn ohne es richtig zu verstehen, konnte er mit seinem Auftrag nicht beginnen und genau so startete er immer. Noch nie machte er sich jedoch über etwas Gedanken, was nicht zu fassen war.

 

Glück weist keine Konturen vor, welche ein Ausmaß bestimmen lässt. Glück besitzt ebenso keine Farbe, keinen Geschmack und auch keine Temperatur. Glück verfügt über keine verlässliche Eigenschaft, die von allgemeiner Gültigkeit ist. Seine Bedeutung ist individuell und somit willkürlich.

Niemand kann das Glück einer fremden Person bestimmen, beziehungsweise ermessen. Wie sollte er demnach eine Weise komponieren, die etwas hervorruft, was unbestimmter nicht sein kann.

Auch spielt die kulturelle Maßgeblichkeit eine entscheidende Rolle, zumal das Glück der einen Welt nicht gleichsam das Glück einer anderen Welt bedeutet. Manchmal kann gerade Pech zum Glück führen, doch genau das würde durch die Melodie nicht herbeigerufen werden wollen.

Seiner Ansicht nach, sollte die zu komponierende Melodie von einem Text begleitet werden, der in seinen Worten die Art von Erklärung zu liefern fähig ist, welche auch die Verständnismäßigkeit der Sache im Sinn führt.

 

 

Umgehend schlug er mit seiner Faust gegen die Wand und kurz darauf erschien der Nachbarsjunge.

»Ich benötige einen Meister der Worte«, holte er aus. »Einen Dichter, der seinesgleichen sucht, der mit den Wassern der Philosophie beträufelt wurde und sich dem Unfassbaren widmen kann, ohne sich eines Aberglaubens ausgeliefert zu wähnen . kannst du mir eine solche Person besorgen?«

»Es wird eine Weile dauern, doch ich bin zuversichtlich!«, gab der Junge des Nachbarn zu verstehen.

»Mir scheint, als hättest du bereits jemanden gefunden - du hast nicht lange nachgedacht!«

»In der Tat. Mein Ansinnen trifft auf einen begnadeten Engländer namens Shakespeare. Er entspricht dem Profil deiner Vorgaben.«

»Dann spute dich und stell ihn mir bitte schleunigst vor!«

 

Während sich der junge Bursche auf den Weg machte, nutzt er selbst die Gelegenheit, um zumindest so zu tun, als würde er aufräumen. Die leeren Flaschen, die Gläser und den sonstigen Unrat verbannte er in die Küche und hoffte, seinen künftigen Besuch dort nie hineinführen zu müssen.

Stünden die Zahlungsmoral, die Auftragslage und die Beliebtheit seiner Kompositionen höher, könnte auch er sich eine Haushaltskraft leisten. Alle seine Konkurrenten konnten es. Er nicht. Ihm flogen die Erfolge nicht zu, er musste sich zunächst überall beliebt machen.

Am Können lag es nicht. Dahingehend war er das Beste und begann schon als 'Dreikäsehoch' sein Publikum zu begeistern. Doch je mehr seine Begabung zunahm, desto geringer schätzte man seine Arbeit. An manchen Tagen hätte er es ohne die vielen Gläser Wein gar nicht ausgehalten. Sie dienten ihm zur Betäubung. Er musste die Welt um sich herum ertragen und der Wein half ihm dabei.

 

Es läutete an der Haustüre. Seine Frau konnte es nicht sein. Sie besaß einen Schlüssel und schied daher aus. Also beschränkte sich die Auswahl auf den Nachbarsjungen und den Engländer.

Freudigen Schrittes eilte er zur Türe. Das Flattern seines Morgenmantels machte ihn darauf aufmerksam, dass er sich zumindest besuchsgemäß hätte umziehen zu können.

Jetzt reichte die Zeit nicht mehr.

So lange lässt man niemanden vor der Türe warten. Er musste eine andere Gelegenheit nutzen, um den Pflichten eines Gastgebers nachzukommen. Mit großem Schwung öffnete er die Türe und blickte zum ersten Mal in das Gesicht von William Shakespeare, dem er seine Hand zum Gruße entgegenstreckte.

»Zunächst darf ich mich für Ihr Kommen aufrichtig bedanken und heiße Sie aufs Herzlichste willkommen!«

»Als mich dieser Knabe hier aufsuchte«, begann der mit auffallend englischem Akzent sprechende Besucher seine Worte und deutete dabei auf den Nachbarsjungen, »mir seinen Auftrag vortrug und mir erzählte, dass ich zu Gast bei Wolfgang Amadeus Mozart sein werde, dachte ich im ersten Moment, er wolle mich an der Nase herumführen. Doch nun bin ich überzeugt und gleichzeitig überwältigt, aber auch sämtlicher Bedenken bar«, gab Shakespeare zu verstehen.

 

Einige Sekunden standen sie noch so da und schauten sich ein wenig ungläubig an. Mozart befand sich nach wie vor in seiner Wohnung und Shakespeare im Hausflur.

Doch dann führte Mozart seinen Gast hinein und bedankte sich beim Nachbarsjungen.

»Glück«, wiederholte Mozart, »das ist es, was mir augenblicklich eine Menge Kopfzerbrechen bereitet . das Glück!«, sagte Mozart mit der Stimme der Verzweiflung. »Eine Melodie soll ich komponieren, deren Klang das Glück herbeiruft und das erfordert Ihre Hilfe - Sie wissen, was Glück bedeutet.«

»Das Schicksal selbst wird Ihnen wohl kaum den Auftrag dazu erteilt haben«, wollte Shakespeare seinen Gastgeber trösten.

»Doch genau so war es - ich schwöre!«, reagierte Mozart prompt. »Als optimal empfände ich es jedenfalls, wenn die Melodie von einem eingehenden und selbstklärenden Text begleitet werden würde .«

»Lassen Sie mich raten«, übernahm Shakespeare das Wort, »diesen Part liefere ich?«

»Haargenau«, freute sich Mozart, »so stelle ich mir die Kooperation vor.«

 

Shakespeare blickte ins Leere und sinnierte vor sich hin. »Die Melodie soll demnach mit einer Art Slogan einhergehen . so wie bei einem Kinderlied .«

»Nein, nein, nein!«, platzte es aus Mozart heraus. »Keinesfalls bedarf es eines Slogans . das Glück benötigt kein Motto«, protestierte er und schob: »dennoch es sich dann besser einprägen lässt - das will ich wohl zugeben«, kleinlaut nach.

Die beiden Herren standen sich nur eine Armlänge voneinander entfernt gegenüber und jeder schien in seinen Gedanken vergraben zu sein. Shakespeare nuschelte irgendwelche Reimworte wie Stück, Blick, Trick oder Genick in seine vor den Mund gehaltene Hand und Mozart summte trotz seiner Skepsis Fetzen von Kinderliedern vor sich hin.

 

Der Dramatiker wandte sich ab, schaute sich um, drehte sich wieder zu Mozart zurück und feixte:

»Ist Glück nicht die rastlose Hand der drallen Gespielin am Gemächt eines Mannes? Auch würde mich interessieren, was die antiken Knabenliebhaber dazu sagten.«

»Die wer bitte?«, entfuhr es Mozart. Völlig irritiert verzog er dabei sein Gesicht.

»Die Philosophen des alten Griechenlands . noch vor der Zeitrechnung, die meine ich . deren Füllhorn ergoss sich doch ständig über viele derartige Metaphysiken«, parierte Shakespeare. »Glück ist eine Empfindung und jeder interpretiert diesen Eindruck auf seine Weise. Es zu verallgemeinern entspricht einer Vergewaltigung der Individualität . da verlangt das Schicksal etwas von Ihnen, was schnell in einer Sackgasse enden kann.«

Mozart schaute seinen Gast teilweise verständnisvoll und teils ebenso misstrauisch an. Ihn überkam das Gefühl, dass sich Shakespeare auf diese Weise und mit dieser Erklärung aus seiner Mitarbeit befreien mochte.

»Sie wollen demnach aussteigen?«, giftete Mozart. Seine Äußerungen klangen ebenso angriffslustig wie unsicher. »Mit diesen Worten wollen Sie mir also zu verstehen geben, dass die Sache für Sie erledigt ist? Sie machen den weiten Weg von der Insel hierher, um mich mit dieser Lossagung zu konfrontieren?«

Shakespeare wusste mit dieser Situation kaum umzugehen. Einerseits betrachtete er derlei Verhalten als Affront und hätte am liebsten auf dem Absatz kehrtgemacht, doch andererseits reizte ihn das nahezu Unmachbare. Dem Schicksal die Stirn zu bieten? Diese Gelegenheit bot sich ihm nicht alle Tage.

»Ich bleibe!«, reagierte er entschlossen, fast trotzig. »Sie können fest auf mich zählen!«

Dann machte der Dichter eine auffällige Pause, schaute demonstrativ zur Seite und fokussierte Mozart anschließend erneut.

»Eine Kleinigkeit hätte ich allerdings anzumerken«, gab er zu bedenken.

»Und die wäre?«, erfragte Mozart.

»Das alles kommt mir doch viel zu einfach vor«, begann der Meister der Worte. »Eine klangvolle Vertonung, ein einprägsamer Text und fertig ist das Glück? Wer soll das glauben? Wer soll das prüfen und wer soll das benutzen? Stellen Sie sich doch bitte einmal vor, die Aussage meines Textes würde nicht stimmen? Es wäre eine Katastrophe und dieses Risiko bin ich keinesfalls gewillt einzugehen! Wir sollten uns zunächst absichern und ich habe auch schon eine Idee!«

Mozart neigte seinen Oberkörper nach vorne und drehte seinen Kopf so in Richtung Shakespeare, dass ein Ohr die erforderliche Aufmerksamkeit signalisiert.

»Nun spannen Sie mich aber wirklich auf die Folter«, sagte Mozart. »Na dann lassen Sie doch mal hören, was Ihnen...

Schweitzer Klassifikation
BISAC Classifikation
Warengruppensystematik 2.0

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

3,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen