Zeit im Wind

Roman
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. März 2013
  • |
  • 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06016-9 (ISBN)
 
Der siebzehnjährige Landon ist draufgängerisch und überall beliebt, Jamie eine auf den ersten Blick unscheinbare Außenseiterin. Eher notgedrungen gehen sie miteinander auf den Schulball. Doch dann wandelt sich Landons anfängliche Herablassung Jamie gegenüber, und eine tiefe Liebe wächst zwischen dem ungleichen Paar. Bis Jamie Landon ihr lang gehütetes erschütterndes Geheimnis preisgibt. Ein Geheimnis, das alles in Frage stellt.

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 1,46 MB
978-3-641-06016-9 (9783641060169)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Nicholas Sparks, 1965 in Nebraska geboren, lebt in North Carolina. Mit seinen Romanen, die ausnahmslos die Bestsellerlisten eroberten und weltweit in über 50 Sprachen erscheinen, gilt Sparks als einer der meistgelesenen Autoren der Welt. Mehrere seiner Bestseller wurden erfolgreich verfilmt. Alle seine Bücher sind bei Heyne erschienen, zuletzt »Seit du bei mir bist«.

Kapitel 2


Nach der High School hatte ich vor, auf der University of North Carolina in Chapel Hill zu studieren. Mein Vater wollte, daß ich nach Harvard oder Princeton ging, wie die Söhne anderer Kongreßabgeordneter, aber bei meinen Noten war das nicht drin. Nicht, daß ich ein schlechter Schüler gewesen wäre, aber ich nahm die Schule nicht besonders ernst, und meine Noten reichten für die Ivy League nicht aus. Als mein letztes Schuljahr anfing, stand es sogar ziemlich auf der Kippe, ob ich überhaupt einen Studienplatz an der UNC bekommen würde, und dabei war das die Alma Mater meines Vaters, wo er also einen gewissen Einfluß geltend machen konnte. Als mein Vater an einem Wochenende zu Hause war, unterbreitete er mir seinen Plan, mich reinzuhieven. Ich hatte gerade die erste Schulwoche nach den Ferien hinter mir. Er war über Labor Day für drei Tage zu Hause, und wir saßen beim Essen.

»Ich finde, du solltest dich für das Amt des Schülersprechers bewerben«, fing er an. »Im Juni bist du mit der Schule fertig, und ich bin der Meinung, daß es sich auf deinem Zeugnis gut machen würde. Deine Mutter ist übrigens derselben Meinung.«

Meine Mutter nickte und kaute ihre Erbsen. Sie sprach nicht viel, wenn mein Vater da war, aber sie zwinkerte mir zu. Ich glaube, manchmal gefiel es meiner Mutter zu sehen, wie ich mich vor Unbehagen wand, obwohl sie sonst so lieb war.

»Ich glaube nicht, daß ich eine Chance habe, die Wahl zu gewinnen«, erwiderte ich hastig. Ich war zwar der reichste Schüler an der Schule, aber keineswegs der beliebteste. Diese Ehre kam Eric Hunter zu, meinem besten Freund. Er konnte einen Baseball mit fast neunzig Stundenkilometern werfen und hatte dem Football-Team als herausragender Quarterback zu wichtigen Siegen verholfen. Er war ein ganzer Kerl. Selbst sein Name klang cool.

»Natürlich kannst du die Wahl gewinnen«, widersprach mir mein Vater. »Wir Carters gewinnen immer.«

Das war ein weiterer Grund, warum es mir nicht paßte, daß mein Vater ab und zu nach Hause kam. Denn wenn er mal da war, wollte er mich offenbar zu einer Miniaturversion von sich selbst formen. Da ich praktisch ohne ihn aufgewachsen war, gefiel mir seine sporadische Anwesenheit überhaupt nicht. Seit Wochen war das unser erstes Gespräch. Er unterhielt sich nicht gern mit mir am Telefon.

»Und wenn ich nicht Schülersprecher werden will?«

Mein Vater legte die Gabel hin - auf den Zinken stak noch ein Stück Schweinefleisch. Er sah mich verärgert an, und zwar von oben bis unten. Obwohl es fast dreißig Grad im Haus hatte, trug er einen Anzug, und das schüchterte mich noch mehr ein. Mein Vater trug übrigens immer einen Anzug.

»Ich finde«, sagte er langsam, »daß es eine gute Idee wäre.«

Wenn er in diesem Ton sprach, wußte ich, daß es beschlossene Sache war. So war das in meiner Familie. Das Wort meines Vaters war Gesetz. Aber es blieb dabei: Auch nachdem ich mich bereit erklärt hatte, wollte ich nicht Schülersprecher werden. Ich hatte keine Lust, für den Rest des Schuljahres einmal in der Woche nachmittags nach der Schule - nach der Schule! - auf Schüler-Lehrer-Versammlungen rumzusitzen, um mir ein Motto für den nächsten Schulball auszudenken oder über die Farbe der Luftschlangen zu diskutieren. Mehr taten die Schülervertreter doch nicht, wenigstens nicht zu meiner Zeit. Bei wichtigen Fragen mitentscheiden durften wir Schüler doch sowieso nicht.

Andererseits wußte ich, daß mein Vater recht hatte. Wenn ich zur UNC gehen wollte, mußte ich etwas tun. Ich spielte weder Football noch Baseball, ich spielte kein Instrument, ich war nicht im Schach-Club oder im Bowling-Club oder sonst irgendwo drin. In der Schule war ich auch nicht unbedingt eine Leuchte - ich war in nichts eine Leuchte. Mich verließ der Mut, und ich fing an, mir die Dinge aufzuzählen, die ich gut konnte, aber um ehrlich zu sein, es kam nicht viel dabei heraus. Ich konnte acht verschiedene Seglerknoten, ich konnte barfuß auf kochendheißem Asphalt eine längere Strecke zurücklegen als sonst jemand, ich konnte einen Bleistift dreißig Sekunden lang auf der Fingerspitze balancieren . aber es war klar, daß nichts davon bei einer Bewerbung um einen Studienplatz besonderen Eindruck machen würde. Da war ich also, lag die ganze Nacht wach im Bett und machte mir langsam bewußt, daß ich ein Versager war. Besten Dank, Dad.

Am nächsten Morgen ging ich ins Sekretariat und setzte meinen Namen auf die Kandidatenliste. Zwei andere Schüler bewarben sich mit mir um das Amt - John Foreman und Maggie Brown. John, das war sonnenklar, hatte keine Chance. Er war einer von denen, die einem die Fusseln von den Kleidern zupften, wenn man mit ihnen sprach. Er war zwar ein guter Schüler, aber er saß immer in der ersten Reihe und hob jedesmal, wenn der Lehrer eine Frage stellte, die Hand. Wenn er aufgerufen wurde, gab er fast immer die richtige Antwort und sah sich dann mit einem so selbstgefälligen Ausdruck nach rechts und links um, als hätte er, im Vergleich zu den übrigen Trotteln im Raum, den Beweis seiner intellektuellen Überlegenheit erbracht. Eric und ich beschossen ihn mit Spuckebällchen, wenn der Lehrer gerade nicht guckte.

Bei Maggie Brown standen die Dinge anders. Auch sie war eine gute Schülerin. Sie war schon drei Jahre lang in der Schülervertretung gewesen, und im Jahr zuvor war sie Klassensprecherin der Vorabschlußklasse gewesen. Das, was gegen sie sprach, war die Tatsache, daß sie nicht besonders attraktiv war, und da sie im Sommer noch einmal zehn Kilo zugenommen hatte, war es klar, daß nicht ein einziger Junge für sie stimmen würde.

Nachdem ich wußte, gegen wen ich antrat, rechnete ich mir doch eine Chance aus. Meine ganze Zukunft stand auf dem Spiel, also entwarf ich eine Strategie. Eric war der erste, der mir beipflichtete.

»Klar, ich sorge dafür, daß die Leute im Team dich wählen, gar keine Frage! Wenn du das wirklich willst.«

»Und ihre Freundinnen?« fragte ich.

Das war mehr oder weniger meine Kampagne. Natürlich bin ich auch zu den Diskussionen gegangen und habe Flugblätter verteilt, auf denen stand: »Was ich tun werde, wenn ich Schülersprecher bin«, aber am Ende war es wahrscheinlich Eric Hunter, der mir das gewünschte Ergebnis brachte. Beaufort High School hatte nicht viel mehr als vierhundert Schüler; wenn man also die Sportlerriege hinter sich hatte, war das die halbe Miete, und den meisten von denen war es egal, wen sie wählten. Am Ende ging alles so auf, wie ich es geplant hatte.

Ich wurde mit ziemlich großer Mehrheit zum Schülersprecher gewählt. Natürlich ahnte ich nicht, was ich mir damit eingebrockt hatte.

 

 

 

Als ich noch in der Vorabschlußklasse war, hatte ich eine feste Freundin, Angela Clark. Sie war meine erste richtige Freundin, obwohl das Ganze nur ein paar Monate dauerte. Kurz vor den Sommerferien hatte sie mit mir Schluß gemacht und ging jetzt mit einem gewissen Lew, der schon zwanzig war und in der Werkstatt seines Vaters als Automechaniker arbeitete. Sein wichtigstes Wesensmerkmal war, soweit ich sehen konnte, sein wirklich klasse Auto. Er trug immer ein weißes T-Shirt und hatte sich eine Packung Camel in den Ärmel gesteckt. Dann stand er da, an die Motorhaube seines Thunderbird gelehnt, ließ den Blick schweifen und sagte so was wie: »He, Schätzchen«, wenn eine Frau vorbeikam. Er war echt der Siegertyp, könnte man sagen.

Also, wie auch immer, es kam die Zeit des Schülerballs, und wegen der Sache mit Angela hatte ich immer noch keine Partnerin. Diejenigen, die in der Schülervertretung waren, mußten zu dem Ball gehen - es war Pflicht, denn wir mußten helfen, die Turnhalle zu schmücken, und am nächsten Tag beim Aufräumen dabeisein -, außerdem machte es normalerweise auch Spaß. Ich rief ein paar Mädchen an, aber sie hatten alle schon einen Partner, also rief ich noch ein paar an. Die hatten auch schon Partner. Eine Woche vor dem Ball war die Auswahl ziemlich mies. Das Angebot beschränkte sich jetzt auf die Mädchen, die dicke Brillen trugen und lispelten. Beaufort hatte sich noch nie seiner Schönheiten rühmen können, aber das kümmerte mich jetzt nicht, ich brauchte eine Ballpartnerin. Ich wollte nicht ohne Partnerin auf dem Ball erscheinen - wie sähe das aus? Ich wäre der einzige Schülersprecher, der je allein bei einem Schulball aufgekreuzt war. Ich wäre dann der, der den ganzen Abend alkoholfreie Bowle ausschenken oder Erbrochenes in den Toiletten aufwischen müßte. Das machten nämlich normalerweise diejenigen, die keinen Partner hatten.

In einem Anfall von Panik nahm ich mir das Jahrbuch vom Jahr davor heraus und blätterte es ganz durch, um zu sehen, wer vielleicht noch solo war. Zuerst guckte ich mir die Seiten der Abschlußklasse an. Die meisten waren inzwischen zwar auf dem College, aber einige waren in der Stadt geblieben. Obwohl ich mir keine großen Chancen ausrechnete, rief ich ein paar von ihnen an, aber natürlich hatte ich keinen Erfolg. Ich konnte kein Mädchen finden, keins, das mit mir gehen würde. Inzwischen nahm ich jede Absage gelassen hin, obwohl das ja nichts ist, womit man vor seinen Enkelkindern angibt, wahrhaftig nicht. Meine Mom wußte, was ich durchmachte, und schließlich kam sie in mein Zimmer und setzte sich neben mich aufs Bett.

»Wenn du niemanden findest, könnte ich mit dir gehen«, bot sie an.

»Danke, Mom«, sagte ich niedergeschlagen.

Als sie wieder gegangen war, fühlte ich mich noch mieser als vorher. Selbst meine Mom dachte, ich würde niemanden finden. Und wenn ich mit ihr als Partnerin ginge? Selbst wenn ich hundert Jahre alt würde, das würde ich nie verwinden.

Es war übrigens...

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