Handbuch Migration und Gesundheit

Grundlagen, Perspektiven und Strategien
 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Februar 2021
  • |
  • 496 Seiten
 
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978-3-456-95995-5 (ISBN)
 
Erkennen und Lösen von Barrieren und Herausforderungen Deutschland ist ein zentrales Einwanderungsland Europas und eines der wichtigsten weltweit. Migrant*innen sind nicht grundsätzlich gesünder oder kränker, haben aufgrund ihrer Migrationshistorie aber andere Gesundheitschancen und -risiken. Diese entstehen u.?a. durch biografische Expositionen, andere Lebensgewohnheiten, ein anderes Verständnis von Krankheit und Gesundheit oder durch soziale Benachteiligung oder Diskriminierung im Zielland. Dieses Handbuch bietet einen umfassenden Überblick über zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen zum Thema Migration: Forschung und Theorien: Epidemiologische Modelle und Ergebnisse aus empirischen Studien zu Migration und Gesundheit; Othering; Diversitätssensible Forschungsdesigns Arbeitswelt und Gesundheit: Integration und Belastungen von Pflegekräften und Ärzt*innen mit Migrationshintergrund; Rehabilitative Versorgung Versorgung und Praxis: Kompetenz in interkulturellen Behandlungssituationen wie Pflege- oder der psychosozialen Versorgung; Diversitätssensibler Umgang mit Suchterkrankungen Kommunikation und Ethik: Überwindung von Sprach- und Zugangsbarrieren; Intergenerationale Übertragung von Migrationserfahrungen; Unbegleitete minderjährige Geflüchtete; Gesundheitliche Dimensionen von Rassismus und Diskriminierung; Intersektionalität Prävention und Gesundheitsförderung: Sensible und spezifische Ansätze zur Förderung von Gesundheitskompetenz, Empowerment und Teilhabe; "Mit Migranten für Migranten"-Programme; Lebensweltorientierte Gesundheitsförderung Der Fokus liegt auf dem deutschsprachigen Raum, bezieht aber auch europäische und globale Perspektiven ein.
1. Auflage 2021
  • Deutsch
  • Bern
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  • Deutschland
  • Für Beruf und Forschung
  • |
  • Lehrende und Studierende der Gesundheits- und Sozialwissenschaften, Migrationsforscher_innen, Angehörige von Gesundheits- und Sozialberufen sowie Praktiker_innen und Entscheidungsträger_innen im Gesundheitswesen
  • 22
  • |
  • 14 Tabellen, 22 Abbildungen
  • |
  • 36 Abbildungen
  • 6,68 MB
978-3-456-95995-5 (9783456959955)
10.1024/85995-000
weitere Ausgaben werden ermittelt
1 - Inhaltsverzeichnis, Dank, Vorwort [Seite 9]
2 - Buchteil I: Phänomen Migration - Politik und Geschichte [Seite 25]
2.1 - Einführung [Seite 27]
2.2 - 1 Kritische Betrachtung des Begriffes und der Definitionen eines "Migrationshintergrundes" [Seite 31]
2.2.1 - 1.1 Einleitung [Seite 31]
2.2.2 - 1.2 Differenzierung zwischen Migration, Ethnie und Kultur [Seite 34]
2.2.3 - 1.3 Bedeutung für die Praxis in Klinik und Forschung [Seite 36]
2.2.4 - 1.4 Fazit [Seite 36]
2.3 - 2 Zur Geschichte der Migration nach und aus Deutschland und Europa seit dem 19. Jahrhundert [Seite 39]
2.3.1 - 2.1 Einleitung [Seite 39]
2.3.2 - 2.2 Europäische Migration vor dem Ersten Weltkrieg [Seite 40]
2.3.3 - 2.3 "Europe on the move": Das Zeitalter der Weltkriege [Seite 40]
2.3.4 - 2.4 Nachkriegsmigration: Süd-Nord statt Ost-West [Seite 42]
2.3.5 - 2.5 Migration nach dem Kalten Krieg: Süd-Nord und Ost-West [Seite 43]
2.3.6 - 2.6 2015 im Kontext von globaler Fluchtmigration [Seite 45]
2.4 - 3 Health policy and systems responses to forced migration: the case of Norway [Seite 49]
2.4.1 - 3.1 Introduction [Seite 49]
2.4.2 - 3.2 Norway [Seite 50]
2.4.2.1 - 3.2.1 Migration to Norway [Seite 50]
2.4.2.2 - 3.2.2 Health impacts of migration [Seite 51]
2.4.2.3 - 3.2.3 Integration policies and attitudes to migration [Seite 51]
2.4.3 - 3.3 Health policy objectives and frameworks [Seite 51]
2.4.3.1 - 3.3.1 Health system [Seite 51]
2.4.4 - 3.4 Steering mechanisms [Seite 52]
2.4.4.1 - 3.4.1 Surveillance and complaint mechanisms [Seite 52]
2.4.4.2 - 3.4.2 A national strategy on immigrant health 2013-2017 [Seite 52]
2.4.5 - 3.5 Rights and entitlements to health care [Seite 53]
2.4.5.1 - 3.5.1 Regular migrants [Seite 53]
2.4.5.2 - 3.5.2 Asylum seekers [Seite 53]
2.4.5.3 - 3.5.3 Undocumented migrants [Seite 54]
2.4.6 - 3.6 Forced migration and detention [Seite 54]
2.4.6.1 - 3.6.1 Barriers to obtaining entitlement [Seite 55]
2.4.7 - 3.7 Implications for public health [Seite 55]
2.4.8 - 3.8 Healthcare for undocumented migrants [Seite 56]
2.4.9 - 3.9 How can these challenges be addressed? [Seite 56]
2.5 - 4 Soziodemografie der Bevölkerung mit Migrationshintergrund und rechtliche Grundlagen des Aufenthalts ausländischer Staatsangehöriger [Seite 59]
2.5.1 - 4.1 Bevölkerung mit Migrationshintergrund [Seite 59]
2.5.2 - 4.2 Ausländische Bevölkerung [Seite 64]
2.6 - 5 Kommunikation und Ethik in interkulturellen Behandlungssituationen1 [Seite 69]
2.6.1 - 5.1 Einführung [Seite 69]
2.6.2 - 5.2 Interkulturalität in Behandlungssituationen [Seite 70]
2.6.3 - 5.3 Interkulturelle Kommunikation im Gesundheitswesen [Seite 71]
2.6.3.1 - 5.3.1 Formen und Charakter der Sprachbarrieren [Seite 72]
2.6.3.2 - 5.3.2 Erforderliche Kompetenzen von Dolmetscher*innen in interkulturellen Behandlungssituationen [Seite 74]
2.6.3.3 - 5.3.3 Filtern und Zensur der Informationen durch Patient*innenangehörige als ethisches Problem [Seite 75]
2.6.4 - 5.4 Fazit [Seite 77]
3 - Buchteil II: Forschung und Theorien [Seite 79]
3.1 - Einführung [Seite 81]
3.2 - 6 Epidemiologische Erklärungsmodelle für den Zusammenhang zwischen Migration und Gesundheit [Seite 83]
3.2.1 - 6.1 Einleitung [Seite 83]
3.2.2 - 6.2 Gesundheit von Migrant*innen - Erklärungsmodelle [Seite 83]
3.2.2.1 - 6.2.1 Paradox des/der gesunden Migrant*in [Seite 83]
3.2.2.2 - 6.2.2 Modell des gesundheitlichen Übergangs [Seite 84]
3.2.2.3 - 6.2.3 Lebenslaufmodell zu Migration und Gesundheit [Seite 85]
3.2.2.4 - 6.2.4 Die zweite und folgende Generationen [Seite 86]
3.2.3 - 6.3 Soziale Determinanten [Seite 88]
3.2.3.1 - 6.3.1 Migration und die soziale Position [Seite 88]
3.2.3.2 - 6.3.2 Soziale Kohäsion [Seite 88]
3.2.3.3 - 6.3.3 Soziales und biologisches Geschlecht [Seite 89]
3.2.4 - 6.4 Fazit [Seite 90]
3.3 - 7 Was wissen wir aus empirischen Studien und was nicht? [Seite 93]
3.3.1 - 7.1 Einleitung [Seite 93]
3.3.2 - 7.2 Gesundheit, Krankheit und Migration: empirische Studien [Seite 93]
3.3.3 - 7.3 Daten zur Mortalität [Seite 95]
3.3.4 - 7.4 Studien bei Kindern und Jugendlichen [Seite 97]
3.3.5 - 7.5 Ältere Menschen mit Migrationshintergrund [Seite 98]
3.3.6 - 7.6 Empirische Studien zur Versorgung und Rehabilitation [Seite 98]
3.3.7 - 7.7 Fazit [Seite 100]
3.4 - 8 Vielfalt planen? Methodische Grundlagen eines diversitätssensiblen Forschungsdesigns [Seite 103]
3.4.1 - 8.1 Einleitung [Seite 103]
3.4.2 - 8.2 Ansätze zur Teilnehmer*innenauswahl und -gewinnung [Seite 104]
3.4.3 - 8.3 Erreichbarkeit und (Nicht-)Teilnahmemotive [Seite 105]
3.4.4 - 8.4 Repräsentativität und Validität [Seite 106]
3.4.5 - 8.5 Operationalisierung des Migrationsstatus [Seite 107]
3.4.6 - 8.6 Herausforderungen und Ressourcen [Seite 108]
3.4.6.1 - 8.6.1 Fragebogenübersetzung [Seite 109]
3.5 - 9 "Intersektionalität" als De-Zentrierung und kritischer Perspektivwechsel in der sozialepidemiologischen Migrationsforschung [Seite 113]
3.5.1 - 9.1 Einleitung [Seite 113]
3.5.2 - 9.2 Was ist "Intersektionalität"? Kategorien, Machtverhältnisse und Institutionen [Seite 115]
3.5.3 - 9.3 Das analytische "Brennglas" einer intersektionalen Methodologie [Seite 116]
3.5.4 - 9.4 Potenziale für eine intersektionale Sozialepidemiologie aus quantitativer Perspektive [Seite 117]
3.5.5 - 9.5 Methodische Barrieren, zukünftige Entwicklungen und Kritik [Seite 118]
3.5.6 - 9.6 Diskussion und Fazit [Seite 119]
3.6 - 10 "Categorical fetishism" and "othering" in (and through) migration research [Seite 125]
3.6.1 - 10.1 Categorical fetishism and othering [Seite 125]
3.6.2 - 10.2 Categorical fetishism and othering in migration and health research [Seite 127]
3.6.3 - 10.3 Ethics of the other: Avoiding categorical fetishism and othering in migration and health research [Seite 129]
3.7 - 11 Akkulturation und Diskriminierung: Fallstricke und Potenziale zweier Konzepte in der Gesundheitsforschung [Seite 135]
3.7.1 - 11.1 Einleitung [Seite 135]
3.7.2 - 11.2 Akkulturation [Seite 136]
3.7.3 - 11.3 Anwendung, Operationalisierung und Messung des Konstrukts in der epidemiologischen Forschung [Seite 137]
3.7.4 - 11.4 Bewertung des Konzepts und Einsatz in der epidemiologischen Forschung [Seite 138]
3.7.5 - 11.5 Was ist Diskriminierung? [Seite 139]
3.7.6 - 11.6 Diskriminierung und Gesundheit [Seite 140]
3.7.7 - 11.7 Erhebung von Diskriminierung in der Gesundheitsforschung [Seite 141]
3.7.8 - 11.8 Fazit [Seite 143]
3.8 - 12 Migration und Generation(en) [Seite 149]
3.8.1 - 12.1 Einleitung [Seite 149]
3.8.2 - 12.2 "Erste" und "zweite Generation": Auf- und Niedergang einer Klassifizierung [Seite 150]
3.8.3 - 12.3 Generation als Analysekategorie im Migrationskontext am Beispiel der türkisch-deutschen Medizinermigration seit den 1960er-Jahren [Seite 152]
3.8.3.1 - 12.3.1 Die migrierte Generation [Seite 153]
3.8.3.2 - 12.3.2 Die türkisch-deutsche Medizinermigration im generationellen Wandel und die (west-) deutsche Gesundheitsversorgung [Seite 155]
4 - Buchteil III: Arbeitswelt [Seite 159]
4.1 - Einführung [Seite 161]
4.2 - 13 Ergebnisse rehabilitativer Versorgung bei Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland [Seite 163]
4.2.1 - 13.1 Einleitung [Seite 163]
4.2.2 - 13.2 Inanspruchnahme rehabilitativer Versorgung [Seite 164]
4.2.3 - 13.3 Zufriedenheit mit der rehabilitativen Versorgung [Seite 165]
4.2.4 - 13.4 Versorgungsergebnisse [Seite 165]
4.2.5 - 13.5 Barrieren in der Versorgung [Seite 168]
4.2.6 - 13.6 Umsetzung einer diversitätssensiblen Versorgung in der Rehabilitation [Seite 169]
4.3 - 14 Arbeit und Gesundheit bei Beschäftigten mit Migrationshintergrund in Deutschland [Seite 173]
4.3.1 - 14.1 Einleitung [Seite 173]
4.3.1.1 - 14.1.1 Gegenstand: Arbeit und Gesundheit [Seite 174]
4.3.1.2 - 14.1.2 Beschäftigte mit Migrationshintergrund: Besonderheiten [Seite 174]
4.3.2 - 14.2 Studien zu spezifischen Arbeitsbelastungen [Seite 176]
4.3.3 - 14.3 Studien zu Indikatoren der Arbeitsgesundheit (Beanspruchung) [Seite 177]
4.3.4 - 14.4 Stand der Forschung und offene Fragen [Seite 178]
4.3.5 - 14.5 Eigene Auswertungen des European Working Conditions Survey [Seite 178]
4.3.6 - 14.6 Fazit und Ausblick [Seite 180]
4.4 - 15 Interkulturelle Kompetenz in der beruflichen Pflegeausbildung: Herausforderungen und Empfehlungen für die pädagogische Praxis [Seite 183]
4.4.1 - 15.1 Einleitung [Seite 183]
4.4.2 - 15.2 Rechtliche Regelungen zur Ausbildung in den Pflegeberufen [Seite 184]
4.4.3 - 15.3 Pädagogische Diskurse zum Umgang mit Diversität [Seite 184]
4.4.4 - 15.4 Modelle und Theorien zu trans- bzw. interkultureller Kompetenz in der Pflege (-ausbildung) [Seite 185]
4.4.4.1 - 15.4.1 Transkulturelle Kompetenz in der Pflege nach Domenig [Seite 185]
4.4.4.2 - 15.4.2 Das "Heuristische Modell zur Interpretation interkultureller Begegnungen" nach Auernheimer [Seite 185]
4.4.5 - 15.5 Handlungsempfehlungen [Seite 190]
4.4.6 - 15.6 Fazit [Seite 192]
4.5 - 16 Belastungen und Beanspruchungen von Pflegekräften mit und ohne Migrationshintergrund: eine quantitative Analyse in der Altenpflege [Seite 197]
4.5.1 - 16.1 Einleitung [Seite 197]
4.5.2 - 16.2 Ziele und Methoden [Seite 198]
4.5.3 - 16.3 Ergebnisse [Seite 199]
4.5.3.1 - 16.3.1 Studienpopulation [Seite 199]
4.5.3.2 - 16.3.2 Ergebnisse der COPSOQ-Skalen [Seite 199]
4.5.4 - 16.4 Diskussion [Seite 202]
4.6 - 17 Integration migrierter Ärzt*innen in die deutsche "Gesundheitsversorgung" am Beispiel von Rehabilitationskliniken [Seite 209]
4.6.1 - 17.1 Einleitung [Seite 209]
4.6.2 - 17.2 Projekte zur Integration von ÄiM in Rehabilitationseinrichtungen [Seite 210]
4.6.3 - 17.3 Ergebnisse aus der empirischen, qualitativen Studie [Seite 211]
4.6.3.1 - 17.3.1 Herausforderungen und Chancen von ÄiM in deutschen Rehabilitationseinrichtungen [Seite 211]
4.6.3.2 - 17.3.2 Soziale Integration von ÄiM in rehabilitativen Einrichtungen [Seite 212]
4.6.3.3 - 17.3.3 Zusammenarbeit und Führung im interkulturellen Team [Seite 213]
4.6.4 - 17.4 Entwicklung und Evaluation: Maßnahmen der strukturierten Transition [Seite 214]
5 - Buchteil IV: Versorgung und Praxis [Seite 219]
5.1 - Einführung [Seite 221]
5.2 - 18 Health and superdiversity: new ways of thinking about migration and health [Seite 223]
5.2.1 - 18.1 Introduction [Seite 223]
5.2.2 - 18.2 Understanding diversity and healthcare [Seite 224]
5.2.3 - 18.3 The emergence of superdiversity [Seite 225]
5.2.4 - 18.4 Healthcare for the diverse [Seite 226]
5.2.5 - 18.5 Challenges of superdiversity [Seite 227]
5.2.6 - 18.6 Superdiversity and the implications of the diversification of diversity [Seite 228]
5.2.7 - 18.7 Researching the diversification of diversity and fragmentation [Seite 229]
5.2.8 - 18.8 Where next? [Seite 230]
5.3 - 19 Mehrsprachigkeit in der Gesundheitsversorgung [Seite 235]
5.3.1 - 19.1 Einleitung [Seite 235]
5.3.2 - 19.2 Mehrsprachigkeit [Seite 235]
5.3.3 - 19.3 Sprachbarrieren in der Versorgung aufseiten der Patient*innen [Seite 236]
5.3.4 - 19.4 Sprachbarrieren und Sprachkompetenzen aufseiten der Behandler*innen [Seite 237]
5.3.5 - 19.5 Ansätze zur Überwindung der Sprachbarrieren [Seite 238]
5.3.6 - 19.6 Qualifiziertes Dolmetschen im Gesundheitswesen [Seite 239]
5.3.7 - 19.7 Zugang zu professionellen Dolmetscher*innen [Seite 240]
5.3.8 - 19.8 Qualifikation von Dolmetscher*innen [Seite 241]
5.3.9 - 19.9 Fazit [Seite 242]
5.4 - 20 Das Jahr 2015 und die Reaktion des Gesundheitssystems: Bilanz aus einer Resilienzperspektive [Seite 247]
5.4.1 - 20.1 Einleitung [Seite 247]
5.4.2 - 20.2 Deutschland - ein Einwanderungsland [Seite 249]
5.4.3 - 20.3 Fluchtmigration nach Deutschland 1990-2010: zwei Dekaden verpasster Chancen [Seite 249]
5.4.4 - 20.4 Das Jahr 2015: von Absorption und Adaption zur Transformation [Seite 251]
5.4.4.1 - 20.4.1 Bereitschaft des Systems und absorptive Kapazitäten [Seite 252]
5.4.4.2 - 20.4.2 Adaptive Kapazitäten [Seite 254]
5.4.4.3 - 20.4.3 Transformative Kapazitäten [Seite 255]
5.4.5 - 20.5 Fazit [Seite 256]
5.5 - 21 Auf dem Weg zu einem diversitätssensiblen Gesundheitsmonitoring [Seite 261]
5.5.1 - 21.1 Einleitung [Seite 261]
5.5.2 - 21.2 Bisherige Einbeziehung von Menschen mit Migrationshintergrund im Rahmen des Gesundheitsmonitorings des RKI [Seite 262]
5.5.2.1 - 21.2.1 Maßnahmen im Rahmen der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) [Seite 262]
5.5.2.2 - 21.2.2 Maßnahmen im Rahmen der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) und der Studie Gesundheit in Deutschland aktuell (GEDA) [Seite 264]
5.5.3 - 21.3 Weitere Herausforderungen in der Datenlage zu Migration und Gesundheit [Seite 264]
5.5.4 - 21.4 Entwicklung von Strategien [Seite 264]
5.5.4.1 - 21.4.1 Erreichbarkeit von Menschen mit Migrationshintergrund in Befragungs- und Untersuchungssurveys [Seite 265]
5.5.4.2 - 21.4.2 Anpassung und Weiterentwicklung von inhaltlichen Konzepten [Seite 266]
5.5.4.3 - 21.4.3 Ausbau der Gesundheitsberichterstattung [Seite 267]
5.5.4.4 - 21.4.4 Gewährleistung von Diversity-Sensibilität [Seite 269]
5.5.4.5 - 21.4.5 Vernetzung mit Akteur*innen und Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund [Seite 269]
5.5.5 - 21.5 Ausblick auf den nächsten Befragungs- und Untersuchungssurvey am RKI [Seite 270]
5.5.6 - 21.6 Fazit [Seite 270]
5.6 - 22 Pflegeversorgung von Menschen mit Migrationshintergrund [Seite 275]
5.6.1 - 22.1 Einleitung [Seite 275]
5.6.2 - 22.2 Pflegebedarf von Menschen mit Migrationshintergrund [Seite 277]
5.6.3 - 22.3 Interkulturelle Öffnung [Seite 279]
5.6.4 - 22.4 Fazit [Seite 281]
5.7 - 23 Interkulturelle Kompetenz in der psychosozialen Versorgung [Seite 285]
5.7.1 - 23.1 Einführung [Seite 285]
5.7.2 - 23.2 Psychiatrie und Kultur [Seite 286]
5.7.3 - 23.3 Anforderungen an eine kultursensible Psychiatrie [Seite 287]
5.7.4 - 23.4 Persönliche interkulturelle Kompetenz [Seite 288]
5.7.4.1 - 23.4.1 Gesundheit und Krankheit [Seite 288]
5.7.4.2 - 23.4.2 Soziale Rollen [Seite 289]
5.7.4.3 - 23.4.3 Eigene kulturelle Traditionen [Seite 289]
5.7.4.4 - 23.4.4 Soziale Lebenswirklichkeit [Seite 290]
5.7.5 - 23.5 Institutionelle interkulturelle Kompetenz [Seite 290]
5.7.5.1 - 23.5.1 Migrationssensible und kulturorientierte Organisationsentwicklung [Seite 291]
5.7.5.2 - 23.5.2 Auf diverse Patient*innengruppen zugeschnittene Serviceangebote [Seite 293]
5.7.5.3 - 23.5.3 Pflege des Kontakts zu den Communities und Aufbau von Netzwerken [Seite 293]
5.7.5.4 - 23.5.4 Kulturorientierte Personalentwicklung [Seite 294]
5.7.6 - 23.6 Fazit [Seite 294]
6 - Buchteil V: Themen und Gruppen der Migration [Seite 297]
6.1 - Einführung [Seite 299]
6.2 - 24 Migration, Substanzkonsum und andere Suchtproblematiken [Seite 301]
6.2.1 - 24.1 Einleitung [Seite 301]
6.2.2 - 24.2 Alkohol [Seite 303]
6.2.3 - 24.3 Illegale Substanzen [Seite 305]
6.2.3.1 - 24.3.1 Opiate und Opioide [Seite 305]
6.2.3.2 - 24.3.2 Khat [Seite 306]
6.2.4 - 24.4 Pathologisches Spielen [Seite 307]
6.2.5 - 24.5 Suchthilfe [Seite 308]
6.2.5.1 - 24.5.1 Menschen mit Migrationshintergrund im deutschen Suchthilfesystem [Seite 308]
6.2.5.2 - 24.5.2 Kulturspezifisches Suchtverständnis [Seite 310]
6.3 - 25 Psychische Gesundheit von Migrantinnen und Migranten in Deutschland [Seite 315]
6.3.1 - 25.1 Einleitung [Seite 315]
6.3.2 - 25.2 Psychische Erkrankungen bei Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland [Seite 316]
6.3.2.1 - 25.2.1 Die Prävalenz psychischer Störungen insgesamt [Seite 316]
6.3.2.2 - 25.2.2 Die Prävalenz ausgewählter psychischer Störungsbilder bei Menschen mit Migrationshintergrund [Seite 319]
6.3.3 - 25.3 Schlussfolgerungen [Seite 321]
6.4 - 26 Praktische Relevanz des intersektionalen Ansatzes für die Gesundheitsversorgung am Beispiel von unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten [Seite 329]
6.4.1 - 26.1 Einleitung [Seite 329]
6.4.2 - 26.2 Makroebene der Förderung intersektionaler Gesundheitsversorgung [Seite 330]
6.4.3 - 26.3 Implementierung eines intersektionalen Ansatzes auf Mikroebene [Seite 332]
6.4.4 - 26.4 Trauma [Seite 332]
6.4.5 - 26.5 Identität [Seite 333]
6.4.6 - 26.6 Diskriminierung [Seite 334]
6.4.7 - 26.7 Praxisrelevanz von Konzepten, Kategorien und Kultur in der Gesundheitsversorgung [Seite 335]
6.4.8 - 26.8 Interaktion und Kommunikation in der Versorgung [Seite 336]
6.4.9 - 26.9 Zusammenfassung [Seite 337]
6.5 - 27 Migration und Geschlecht [Seite 341]
6.5.1 - 27.1 Einleitung [Seite 341]
6.5.2 - 27.2 Migration - Eckdaten zu Deutschland [Seite 342]
6.5.3 - 27.3 Gesundheit von Migrant*innen [Seite 343]
6.5.4 - 27.4 Zusammenspiel von Migration und Geschlecht: Konsequenzen für Erklärungsansätze auch gesundheitlicher Unterschiede [Seite 346]
6.5.5 - 27.5 Ungleichheiten im intersektoralen Gewand - Konsequenzen für Forschung und Praxis [Seite 349]
6.6 - 28 Intergenerationale Übertragung von Migrationserfahrungen und fetale Programmierung von Krankheit und Gesundheit [Seite 353]
6.6.1 - 28.1 Einleitung [Seite 353]
6.6.2 - 28.2 Gesundheit im Kontext von Schwangerschaft, Geburt und frühen Lebensjahren bei Müttern und Kindern mit Migrationshintergrund [Seite 354]
6.6.2.1 - 28.2.1 Mütterliche Gesundheit in der Schwangerschaft [Seite 354]
6.6.2.2 - 28.2.2 Geburtsmodus, Frühgeburtlichkeit und Geburtsgewicht [Seite 356]
6.6.2.3 - 28.2.3 Gesundheit in frühen Lebensjahren [Seite 357]
6.6.3 - 28.3 Mechanismen der intergenerationalen Übertragung von Gesundheitsdisparitäten [Seite 358]
6.6.4 - 28.4 Fazit [Seite 360]
6.7 - 29 Migrant*innen ohne Dokumente [Seite 371]
6.7.1 - 29.1 Einleitung [Seite 371]
6.7.2 - 29.2 Strukturelle Faktoren, die den Zugang zur Gesundheitsversorgung beeinflussen [Seite 372]
6.7.3 - 29.3 Prekarität und Unsicherheit [Seite 372]
6.7.4 - 29.4 Strategien [Seite 374]
6.7.5 - 29.5 Die Situation in Deutschland [Seite 375]
6.8 - 30 Gesundheitliche Situationen von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen [Seite 379]
6.8.1 - 30.1 Einleitung [Seite 379]
6.8.2 - 30.2 Aktuelle Forschungsergebnisse zur physischen Gesundheit von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen [Seite 380]
6.8.2.1 - 30.2.1 Infektionen, übertragbare Erkrankungen [Seite 380]
6.8.2.2 - 30.2.2 Nicht übertragbare Erkrankungen und sonstige Versorgungsbedarfe [Seite 382]
6.8.3 - 30.3 Aktuelle Forschungsergebnisse zur psychischen Gesundheit von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen [Seite 384]
6.8.3.1 - 30.3.1 Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) [Seite 384]
6.8.3.2 - 30.3.2 Depressionen und Angststörungen [Seite 385]
6.8.3.3 - 30.3.3 Verhaltensauffälligkeiten, Suizidalität und sonstige Indikatoren der psychischen Gesundheit [Seite 385]
6.8.3.4 - 30.3.4 Entwicklung der psychischen Gesundheit im Aufnahmeland, Ressourcen und Schutzfaktoren [Seite 386]
6.8.4 - 30.4 Implikationen für die Praxis [Seite 387]
6.9 - 31 Gesundheitliche Dimensionen von Rassismus und Diskriminierung [Seite 391]
6.9.1 - 31.1 Einleitung [Seite 391]
6.9.2 - 31.2 Was bedeutet Rassismus und rassistische Diskriminierung? [Seite 392]
6.9.3 - 31.3 Rassistische Diskriminierung im Gesundheitswesen [Seite 392]
6.9.4 - 31.4 Einfluss rassistischer Diskriminierung auf die Gesundheit [Seite 394]
6.9.5 - 31.5 Fazit [Seite 396]
6.10 - 32 Medizinethnologie im Anwendungskontext: theoretische und methodische Orientierungen im Stadtteillabor Bochum [Seite 399]
6.10.1 - 32.1 Einleitung [Seite 399]
6.10.2 - 32.2 Medizinethnologie im Anwendungskontext: theoretische und methodische Orientierungen im Stadtteillabor Bochum-Hustadt [Seite 400]
6.10.3 - 32.3 Ergebnisse aus dem Stadtteillabor Bochum [Seite 402]
6.10.4 - 32.4 Fazit [Seite 406]
6.11 - 33 Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen [Seite 409]
6.11.1 - 33.1 Der rechtliche Rahmen für die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen [Seite 409]
6.11.2 - 33.2 Das Problem der Kommunikation [Seite 412]
6.11.3 - 33.3 Eine weitergehende Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge ist trotzdem möglich [Seite 412]
6.11.4 - 33.4 Das Bremer Modell der Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge [Seite 413]
7 - Buchteil VI: Prävention und Gesundheitsförderung [Seite 419]
7.1 - Einführung [Seite 421]
7.2 - 34 Health Literacy und Empowerment [Seite 423]
7.2.1 - 34.1 Einleitung [Seite 423]
7.2.2 - 34.2 Theoretischer Rahmen [Seite 425]
7.2.2.1 - 34.2.1 Der Begriff "Health Literacy" [Seite 425]
7.2.2.2 - 34.2.2 Gesundheitskompetenz als soziale Praxis [Seite 426]
7.2.3 - 34.3 Lebensweltorientierte Gesundheitskompetenz [Seite 427]
7.2.3.1 - 34.3.1 Die soziale Dimension von Health Literacy: Wissen und soziale Beziehungen [Seite 427]
7.2.3.2 - 34.3.2 Gesundheitswissen hat heterogene Quellen und ist multidimensional [Seite 429]
7.2.3.3 - 34.3.3 Gesundheitsinformation und somatisches Wissen [Seite 429]
7.2.4 - 34.4 Lebensweltorientierte Gesundheitskompetenz [Seite 430]
7.2.5 - 34.5 Fazit [Seite 431]
7.3 - 35 Diversity-Mainstreaming in der kommunalen Gesundheitsförderung: Aspekte der Kultursensibilität in der Ausgestaltung lebensweltorientierter Gesundheitsförderung [Seite 435]
7.3.1 - 35.1 Einleitung [Seite 435]
7.3.2 - 35.2 Lebensweltbezogene Gesundheitsförderung zur Stärkung der gesundheitlichen Chancengleichheit [Seite 436]
7.3.3 - 35.3 Aspekte der Umsetzung kultursensibler kommunaler Gesundheitsförderung [Seite 437]
7.3.3.1 - 35.3.1 Förderung von Kooperation und Vernetzung der lokalen Akteure und Institutionen [Seite 437]
7.3.3.2 - 35.3.2 Unterstützung von Prozessen des niederschwelligen Zugangs [Seite 439]
7.3.3.3 - 35.3.3 Förderung der partizipativen Einbindung von Migrant*innen [Seite 440]
7.3.3.4 - 35.3.4 Kultursensible Gesundheitskommunikation und Angebote [Seite 441]
7.3.3.5 - 35.3.5 Entwicklung einer gesamtkommunalen Gesundheitsförderungsstrategie [Seite 442]
7.3.4 - 35.4 Fazit [Seite 442]
7.4 - 36 Partizipation in der Gesundheitsförderung und Prävention mit Migrant*innen [Seite 447]
7.4.1 - 36.1 Einleitung [Seite 447]
7.4.2 - 36.2 Die Anwendung des Partizipationsmodells im Bereich Gesundheit und Migration [Seite 447]
7.4.3 - 36.3 Der Mehrwert der Partizipation für die Gesundheitsförderung und Prävention mit Migrant*innen [Seite 451]
7.4.3.1 - 36.3.1 Die kritische Reflexion von Begrifflichkeiten und Kategorien [Seite 452]
7.4.3.2 - 36.3.2 Die Neu-Definition von Gruppen und das Erkennen unterschiedlicher Bedarfe [Seite 452]
7.4.3.3 - 36.3.3 Die Offenlegung von Ungleichbehandlung und Ausgrenzung [Seite 453]
7.4.3.4 - 36.3.4 Die Entwicklung wirksamer _Präventionskonzepte in unterschiedlichen "Sprachen" [Seite 453]
7.4.4 - 36.4 Schritte in Richtung Partizipation [Seite 454]
7.5 - 37 Capacity Building "mit Migrant*innen für Migrant*innen" - Das MiMi-Programm zur interkulturellen Gesundheitsförderung bei zugewanderten Bevölkerungsgruppen [Seite 457]
7.5.1 - 37.1 Einleitung [Seite 457]
7.5.2 - 37.2 Capacity Building in der Gesundheitsförderung [Seite 458]
7.5.3 - 37.3 "Mit Migranten für Migranten" - Capacity Building und Empowerment zur Stärkung der Gesundheitskompetenz [Seite 458]
7.5.4 - 37.4 "MiMi" als bundesweites Capacity-Building- und Präventionsprogramm - die MiMi-Gesundheitsinitiative Deutschland [Seite 460]
7.5.5 - 37.5 Standardisierung, Qualitätssicherung und Evaluation [Seite 460]
7.5.6 - 37.6 Verbreitung, Impact, Forschung und Nachhaltigkeit [Seite 461]
7.5.7 - 37.7 Übertragbarkeit und Weiterentwicklung [Seite 463]
7.5.8 - 37.8 Fazit [Seite 463]
7.6 - 38 Sensible und spezifische Ansätze zur Prävention und Gesundheitsförderung bei Menschen mit Migrationshintergrund [Seite 467]
7.6.1 - 38.1 Individuelle Gesundheitsprofile, Teilnahme an Prävention und die Notwendigkeit gezielter Gesundheitsförderung [Seite 467]
7.6.2 - 38.2 Migrationssensibilität und -spezifität [Seite 469]
7.6.3 - 38.3 Präventionsprogramme für Menschen mit Migrationshintergrund - eine Bestandsaufnahme [Seite 471]
8 - Zur partizipativen Entstehung dieses Handbuchs: Rückblick und Empfehlungen [Seite 475]
9 - Abkürzungs-, Autoren- und Sachverzeichnis [Seite 477]

|25|Einführung


Zahra Mohammadzadeh, Ahmet Kimil

Oberflächlich betrachtet ist Migration das Resultat eines urwesentlichen Bedürfnisses des Menschen, nämlich der Mobilität, um sich an einem anderen als dem bisherigen Ort niederzulassen, gleich ob dauerhaft oder nur für eine gewisse Zeit. In der menschlichen Geschichte ist von allen Entwicklungen die Herausbildung politischer Strukturen diejenige, die wahrscheinlich am meisten dieses Bedürfnis gefördert und es gleichzeitig behindert hat. Die freie Bewegung von Menschen über nationale Landesgrenzen hinweg betrifft wesentliche Merkmale der von modernen Staaten ausgeübten Herrschaft unmittelbar, und so sind alle politischen Systeme bemüht, Migration einzugrenzen, zu kontrollieren und zu regulieren bzw. gar zu verhindern. Dafür nutzen sie nicht nur eng auf die Wanderungsbewegungen selbst bezogene Gesetze, die auch die Anwendung von physischer Gewalt einschließen können, sondern auch die Gestaltung der Rahmenbedingungen, unter denen sich Menschen innerhalb ihres Herrschaftsbereichs niederlassen können. Aber Migration birgt nicht nur Risiken für den Einzelnen oder die aufnehmende Gesellschaft, sondern bietet gleichzeitig auch vielfältige Chancen. Migrant*innen besitzen viele Potenziale und Ressourcen (z.?B. Sprach-, Kultur-, Bildungs- und soziales Kapital). Die daraus resultierenden Chancen rücken aber leider in der gesellschaftlichen Wahrnehmung in krisenhaften Zeiten zugunsten der Risiken in den Hintergrund. Dies hat auch Auswirkungen auf die gesundheitliche Chancengleichheit und die Integration der Migrant*innen in das Sozial- und Gesundheitswesen. Ohne eine Reflexion dieser politischen und historischen Kontexte kann die Entwicklung von nachhaltigen Lösungen und Konzepten für diese gesundheitlichen Herausforderungen erheblich erschwert werden. Die folgenden Artikel beleuchten daher unterschiedliche Aspekte dieses Themas und bieten den Leser*innen wichtige Hintergrundinformationen dahingehend, wie sie aktuelle Entwicklungen und Prozesse differenzierter verstehen und einordnen können.

In ihrer Kritischen Betrachtung des Begriffes und der Definitionen eines "Migrationshintergrundes" (Kap. 1) geben Ulrike Kluge und Lisa Rau Einblicke in die vielfältige Weise, in der schon die Definition der Betroffenen im gesellschaftlichen und politischen Diskurs zu einer repressiven Gestaltung dieser Rahmenbedingungen beiträgt. Sie richten dabei den Fokus auf den Begriff des Migrationshintergrundes. Dieser Begriff wird in der gegenwärtig in Deutschland etablierten Definition bis in die dritte Generation eingewanderter Familien angewandt. Die Autorinnen erkennen darin eine ethnisch begründete "Differenzmarkierung", die letztlich eine ausgrenzende Funktion erfüllt. In der englischsprachigen Literatur wird dafür häufig der Begriff des "Othering" verwendet. Nicht nur sei damit eine wertfreie Differenzierung der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen in der Gesellschaft verbunden, sondern eine Wertung per se. Das "Eigene", befinden Kluge und Rau, werde als positiv und das "Andere" als negativ konnotiert. Wie in anderen Rassismen auch, beeinflusse eine solche Konnotation der Minderheit durch die Gesellschaft auch die Selbstwahrnehmung der so |26|Markierten. Das wiederum führe, wie die Autorinnen anhand von Beispielen verdeutlichen, zu re-ethnisierenden Gegenreaktionen bis hin zur Tendenz bei Migrant*innen aus dem Nahen und Mittleren Osten der dritten Generation, "die sich stärker mit dem Islam identifizieren als ihre Eltern". Kluge und Rau hinterfragen den empirischen und praktischen Nutzen der Kategorie des Migrationshintergrundes für die Gesundheitsversorgung und plädieren für eine stärkere Berücksichtigung sozialer und individueller Einflüsse neben den migrations- und kulturbedingten.

Einen Überblick über die Geschichte der Migration nach und aus Deutschland und Europa seit dem 19. Jahrhundert gibt Jannis Panagiotidis (Kap. 2). Darin beschreibt er, wie sich die Bevölkerungsmobilität insbesondere in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten entwickelt hat. In dieser Zeit sei Europa von einem Kontinent der Auswanderung zu einem der Einwanderung geworden. Parallel dazu habe sich in Deutschland die gleiche Entwicklung vollzogen. Gleichzeitig sei eine Richtungsänderung der Bevölkerungsbewegungen feststellbar, von einer primären Ost-West-Migration vor dem Zweiten Weltkrieg hin zu einer vorwiegenden Süd-Nord-Migration in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im späten 20. Jahrhundert habe dann wieder eine Ost-West-Migration Bedeutung gewonnen. Vor dem Hintergrund dieser globalen Bewegungen fragt Jannis Panagiotidis nach der migrationshistorischen Einordnung der sogenannten "Flüchtlingskrise" von 2015. Er kommt zu dem Schluss, dass die "Flüchtlingskrise" den bis dahin etablierten Umgang mit dem Thema Migration in Europa ins Wanken gebracht habe und zur Folge hatte, dass die "bereits länger andauernde humanitäre Krisensituation jenseits von Mittelmeer und Ägäis ins europäische Bewusstsein" gerückt sei.

Özlem Konar und Johannes Grafs Beitrag Soziodemografie der Bevölkerung mit Migrationshintergrund und rechtliche Grundlagen des Aufenthalts ausländischer Staatsangehöriger (Kap. 4) gibt einen fundierten Überblick über die Bevölkerungsgruppe "mit Migrationshintergrund" (zur Problematik des Begriffs siehe Kluge und Rau im ersten Beitrag dieses Buchteils). Sachlich und klar stellen die Autor*innen die zentralen demografischen, sozialen und politischen Fakten zusammen, die einen gewichtigen Einfluss auf die Gesundheitsversorgung der Migrant*innen in Deutschland haben. Der Beitrag beschreibt auch die wichtigsten Rechtsgrundlagen, die wesentlicher Teil der Rahmenbedingungen von Zuwanderung nach Deutschland sind.

In ihrem Beitrag Health Policy and Systems Responses to Forced Migration - Influencing policy: the Norwegian Experience (Kap. 3) beschreiben Bernadette N. Kumar, Anand Bhopal und Esperanza Diaz, welchen Einfluss die Migration (insbesondere die erzwungene infolge von Kriegen, Umweltzerstörungen, Genozide etc.) auf die Gesundheitspolitik in Norwegen hat und wie das Gesundheitssystem auf diese Entwicklungen in den letzten Jahren reagiert hat. Die Autor*innen machen deutlich, dass die norwegischen Erfahrungen der letzten Jahre angesichts der jüngsten Entwicklungen (z.?B. Krieg in Syrien) einen wichtigen Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung und damit auch auf die Politikentwicklung gehabt haben. Sie beschreiben sehr dezidiert, welche Faktoren die Gesundheit von Migrant*innen in Norwegen begünstigen und welche sie behindern. Systematisch analysieren und bewerten sie das norwegische Gesundheitssystem (Politik und Praxis) im Hinblick darauf, wie die Leistungserbringer sich mit der Gesundheit von Migrant*innen befassen und diese versorgen. Gleichzeitig stellen sie wichtige politische Leitlinien und Ziele im Kontext der Migration vor, an denen sich die norwegische Gesundheitspolitik in den letzten Jahren orientiert hat. Der Artikel bietet den Leser*innen aus dem deutschsprachigen Raum eine gute Vergleichsmöglichkeit in Bezug auf den aktuellen Standpunkt deutscher Gesundheitspolitik zum Thema Migration.

Im Kapitel Kommunikation und Ethik in interkulturellen Behandlungssituationen (Kap. 5) erörtert Ilhan Ilkilic die Gegenseitigkeit des |27|Kommunikationsgeschehens zwischen Ärzt*innen einerseits und Patient*innen andererseits. Der Autor legt dar, dass die Verständigung nicht nur über Beschwerden und wie man sie behandeln könnte, sondern auch über Werte und Präferenzen, die den Erfolg einer Behandlung beeinträchtigen können, aus verschiedenen, keineswegs zu vernachlässigenden Gründen beeinträchtigt werden kann. Auswege aus der allgegenwärtigen Sprachbarriere seien häufig nicht professionell, beklagt der Autor, sondern werden mit wenig bis gar nicht qualifizierten Hilfspersonen bewerkstelligt, was oft keine authentische Kommunikation zulasse. Die erforderliche und dem vorhandenen Bedarf entsprechende professionelle Sprach- und Kulturmittlung sei in Deutschland, so Ilkilic, bisher nicht realisiert, trotz guter, auch versorgungsethischer Gründe, sie flächendeckend zu etablieren.

...
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