Potenziale älterer Erwerbstätiger

Erkenntnisse, Konzepte und Handlungsempfehlungen
 
 
Hogrefe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. Dezember 2016
  • |
  • 192 Seiten
 
E-Book | PDF mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8409-2675-4 (ISBN)
 
Angesichts alternder Belegschaften und verlängerter Lebensarbeitszeit in einer zunehmend dynamischen und digitalisierten Arbeitswelt ist die Potenzialerhaltung und -förderung älterer Mitarbeiter und Führungskräfte von zentraler Bedeutung für Organisationen. In diesem Band wird der zentralen Frage nachgegangen, inwiefern eine längere Berufstätigkeit körperlich und geistig möglich sowie für beide Seiten - Arbeitgeber und Arbeitnehmer - erstrebenswert ist. Dazu werden umfangreiche Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung unterschiedlicher Disziplinen, wie der Psychologie, der Ergonomie und der Gerontologie, systematisch aufbereitet und in den Dienst der Anwendung im HR- und Gesundheitsmanagement gestellt. Analysiert werden sowohl nationale als auch internationale Studien, die sich mit Potenzialen, Einstellungen und Erfahrungen älterer Erwerbstätiger (55 bis 70 Jahre) in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft befassen. Darauf aufbauend werden Konzepte und Handlungsempfehlungen für die strategische und operative Umsetzung in den Arbeitsalltag vorgeschlagen und diskutiert. In der Praxis erprobte Maßnahmen und Initiativen zur Potenzialerhaltung und Ressourcenentwicklung werden dargestellt und die angemessene Gestaltung eines förderlichen Arbeitsumfeldes sowie Wissenstransfer und Trainings für ältere Mitarbeiter und Führungskräfte thematisiert.
1. Auflage 2017
  • Deutsch
  • Göttingen
  • |
  • Deutschland
  • Arbeits- und Organisationspsychologen, Experten der Personalentwicklung (Personaler) und der betrieblichen Gesundheitsförderung, Führungskräfte, Personalberater, Arbeitswissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler (Human Resource Management), Gerontologen, Arbeitsmediziner
  • 5,72 MB
978-3-8409-2675-4 (9783840926754)
10.1026/02675-000
weitere Ausgaben werden ermittelt
Prof. Dr. Karlheinz Sonntag, geb. 1950. Studium der Betriebswirtschaftslehre und der Psychologie an den Universitäten in Augsburg und München. 1982 Promotion in Psychologie an der LMU München. 1988 Habilitation in Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Kassel. Seit 1993 Universitätsprofessor und Inhaber des Lehrstuhls für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Heidelberg. Gastprofessuren an der Universität Bern (1999), der Wirtschaftsuniversität Wien (2005) und der Université de Fribourg (2007). 2009-2013 Prorektor für Qualitätsentwicklung an der Universität Heidelberg. Arbeitsschwerpunkte: Demografie und Arbeitswelt, Occupational Health und Gesundheitsmanagement, Personalentwicklung und Trainingsforschung, Anforderungsanalyse und Kompetenzmanagement. Leiter mehrerer Forschungsprojekte zur Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung am Arbeitsplatz, zur Work-Life-Balance und Unternehmenskultur, zu Occupational Health und Gesundheitsmanagement in einer digitalisierten Arbeitswelt, zur Beurteilung von Potenzialen älterer Mitarbeiter sowie zur Qualitätsentwicklung an Hochschulen.
Dipl.-Psych. Nadine Seiferling, geb. 1983. 2004-2011 Studium der Psychologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der University of Otago in Dunedin, New Zealand. Seit 2011 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Heidelberg. Seit 2013 Doktorandin am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Heidelberg. Thema der Dissertation: Entwicklung und Evaluation einer ressourcenbasierten Gruppen-Intervention für ältere Erwerbstätige (im Rahmen des Projektes "Zufrieden in den Ruhestand").
1 - Potenziale älterer Erwerbstätiger [Seite 1]
1.1 - Inhaltsverzeichnis [Seite 7]
2 - 1Einführung [Seite 9]
3 - 2 Demografischer Wandel und Dynamisierung der Arbeitswelt [Seite 11]
3.1 - 2.1Demografischer Wandel und ältere Erwerbstätige [Seite 11]
3.2 - 2.2Dynamisierung der Arbeitswelt [Seite 19]
4 - 3Leistungsfähigkeit [Seite 24]
4.1 - 3.1Biologische und physiologische Grundfunktionen [Seite 24]
4.2 - 3.2Kognitive (berufliche) Leistungsfähigkeit [Seite 26]
4.3 - 3.3Persönlichkeit [Seite 38]
5 - 4Gesundheit [Seite 47]
5.1 - 4.1Allgemeiner Gesundheitszustand [Seite 47]
5.2 - 4.2 Krankheitsrisiken durch Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganisation [Seite 50]
5.3 - 4.3Fehlzeiten und Krankenstand [Seite 60]
5.4 - 4.4Weitere gesundheitsrelevante Aspekte [Seite 63]
6 - 5 Voraussetzungen und Motive für eine längere Erwerbstätigkeit [Seite 69]
6.1 - 5.1Erwerbstätigkeit Älterer [Seite 70]
6.2 - 5.2Motivlage für die Weiterbeschäftigung [Seite 73]
6.3 - 5.3 Lebenssituation, Alltagsgestaltung und berufliche Aktivitäten im Ruhestand [Seite 76]
7 - 6 Konzepte der Potenzialerhaltung [Seite 82]
7.1 - 6.1Konsequenzen aus der Befundlage [Seite 82]
7.2 - 6.2 Entwicklungspsychologisches Konzept der Selektion, Optimierung und Kompensation (SOK-Modell) [Seite 83]
7.3 - 6.3 Arbeitspsychologische Referenzmodelle zur Potenzialnutzung [Seite 85]
8 - 7Maßnahmen und Initiativen zur Potenzial­erhaltung und Ressourcenentwicklung [Seite 99]
8.1 - 7.1Umsetzungsstand betrieblicher Maßnahmen [Seite 99]
8.2 - 7.2 Führung älterer Mitarbeiter und altersgemischte Teams [Seite 107]
8.3 - 7.3Arbeitsgestaltung [Seite 116]
8.4 - 7.4Wissenstransfer [Seite 130]
8.5 - 7.5Qualifizierungs- und Präventionskonzepte [Seite 134]
9 - 8Proaktiver Ruhestand [Seite 145]
9.1 - 8.1Konzeptionalisierung des Ruhestands [Seite 145]
9.2 - 8.2Den Übergang in den Ruhestand sinnvoll gestalten [Seite 148]
9.3 - 8.3Aktivitäten und Engagement im Ruhestand [Seite 153]
10 - 9Zusammenfassung und Ausblick [Seite 164]
10.1 - 9.1Potenzialnutzung: Ein Kostenfaktor für Organisationen? Mitnichten! [Seite 164]
10.2 - 9.2 "further research is needed" - besonders in realen Settings! [Seite 165]
11 - Literatur [Seite 167]
12 - Sachregister [Seite 189]
3 Leistungsfähigkeit (S. 24-25)

Angesichts alternder Belegschaften und einer fortschreitenden Dynamisierung menschlicher Arbeit (Digitalisierung, Globalisierung) ist die Frage nach dem Einfluss altersbedingter Veränderungen auf die berufliche - sowohl kognitive als auch physische - Leistungsfähigkeit für Forschung und Praxis essenziell. Insbesondere die ausgeprägten interindividuellen Unterschiede erschweren dabei die Generalisierbarkeit der Befunde.

Im Folgenden werden zunächst Veränderungen in den biologischen und physiologischen Grundfunktionen berichtet. Anschließend werden altersbedingte Entwicklungen verschiedener kognitiver Leistungsbereiche (wie Intelligenz- und Gedächtnisleistungen, Planungs- und Problemlöseleistungen, Expertise, Entscheidungsverhalten und Lernleistungen) ausführlich dargestellt. Der letzte Abschnitt beschäftigt sich mit der Stabilität und Veränderlichkeit von Persönlichkeitsmerkmalen.

3.1 Biologische und physiologische Grundfunktionen

Sich mit der Leistungsfähigkeit älterer Erwerbstätiger zu befassen (hier: 55- bis 70-Jährige), heißt notwendigerweise auch altersbedingte Veränderungen in den biologischen und physiologischen Grundfunktionen zu thematisieren. Es ist unstrittig, dass im Verlauf des Alterns ein Leistungswandel zu verzeichnen ist. Veränderungen gegenüber jüngeren Erwachsenen zeigen sich aufgrund vielfältiger epidemiologischer, medizinischer, gerontologischer oder neurowissenschaftlicher Studien im physiologischen, sensorischen und motorischen Bereich, aber auch in Bezug auf Gehirnfunktionen und -strukturen sowie neurologische Funktionen:
1. Physiologischer Bereich (vgl. bspw. Maertens, Putter, Chen, Diehl & Huang, 2012)
Verringerte oder zeitlich verzögerte Wiederherstellung der Homöostase (dies zeigt sich bspw. in längeren Erholungszeiten nach Belastungssituationen) sowie
Veränderungen im Hormonhaushalt und Schwächung des Immunsystems. Abnahme der Muskelkraft und Sauerstoffaufnahme (vgl. Kenny, Yardley, Martineaux & Jay, 2008). In Messreihen an Männern und Frauen zeigen Voorbij und Steenbekkers (2001) eindrucksvoll, wie sich Körperkräfte über das Alter abschwächen, so z. B. Dreh- und Druckkraft der rechten und linken Hand. Biomechanische Analysen von Ganzkörperkräften belegen altersbedingte Reduktionen beim Heben und Tragen von Lasten.

In einer arbeitswissenschaftlichen Studie berichteten Landau et al. (2007), dass arbeitsbedingte Körperhaltungen (wie Überkopfarbeit, kniende, gebückte, verdrehte, liegende Körperhaltungen, Stehen auf Podesten usw.) im Alter (55+) die körperliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit teilweise erheblich beeinträchtigen.

2. Sensorischer und motorischer Bereich (vgl. bspw. Lindenberger & Ghisletta, 2009)
Seh- und Höreinbußen (vgl. Tesch-Römer & Wahl, 2012): Altersbedingte Defizite im optischen Wahrnehmungsapparat setzen verstärkt um das 45. Lebensjahr ein (vgl. Verillo & Verillo, 1985). Das betrifft die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Akkommodation (Fähigkeit des Auges, unterschiedlich entfernte Gegenstände deutlich abzubilden), ebenso wie die Leistungsfähigkeit beim Tag- und Nachtsehen oder bei Farbunterscheidung (Schieber, 2006).
Untersuchungen zur Altersabhängigkeit der otoakustischen Emission bestätigen Befunde, dass das Hörvermögen mit zunehmendem Alter eingeschränkt wird (vgl. Hoth & Gudmundsdottir, 2007). Organische Funktionsdefizite des Innenohrs und funktionelle Leistungsverluste der beteiligten Gehirnregionen werden als Begründung genannt. Über eine Beeinträchtigung der Sinneswahrnehmung (Hören und Sehen) bei einer größeren Stichprobe von Berufstätigen (65+) in den USA berichten Davila et al. (2009).
Sensumotorische Einbußen: Ältere Mitarbeiter benötigen am Beispiel komplexer Montagearbeiten - so eine japanische Studie - mehr Zeit als jüngere, verursacht durch verminderte Bewegungsgeschwindigkeit, begrenztes Blickfeld sowie eingeschränkte Beweglichkeit im Greifraum (vgl. Kawakami, Inoue, Ohkubo & Ueno, 2000). Auch verlangsamen sich mit dem Alter - wie Untersuchungen des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung gezeigt haben - präzise Zielbewegungen (vgl. Hegele & Heuer, 2010).

3. Bereich der Gehirnfunktionen und -strukturen (vgl. bspw. Raz & Rodrigue, 2006) oder bei neurologischen Funktionen
Reduzierte Integration von motorischen und sensorischen Informationen bei der Bewegungsausführung; infolgedessen sind vermehrt (Beinahe-)Stürze zu verzeichnen.

Die Studien zu den biologischen und physiologischen Grundfunktionen machen aber auch deutlich, dass
starke altersdifferenzierte Effekte sich in der Regel erst im höheren Alter zeigen.
bei den festgestellten Effekten eine wesentlich größere interindividuelle Varianz innerhalb der Alterskohorte auftritt, als bei den jüngeren Altersgruppen; d. h. vielfältige Gründe, die in der jeweiligen Person selbst (z. B. Gesundheitsbewusstsein) oder in der Situation (z. B. Zugang zur medizinischen Versorgung) liegen, führen dazu, dass der Status der analysierten Funktionen oft nicht mit dem chronologischen Alter korreliert.
DNB DDC Sachgruppen
BISAC Classifikation

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