Das Bärenfest

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. November 2011
  • |
  • 224 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-05651-3 (ISBN)
 
Wozu der Mensch fähig ist - ein Stück Literatur, das unter die Haut geht

Oriol, Franco-Gegner und republikanischer Kämpfer, ist bei der Flucht über die Pyrenäen im Schneesturm umgekommen. So weiß es die Familienüberlieferung. Fast siebzig Jahre später jedoch kommt sein Großneffe mit Hilfe eines Ziegenhirten und einer Waldfrau einer unglaublichen Geschichte auf die Spur. Sie erzählt davon, was aus einem Menschen werden kann, der alles verloren hat. Jodi Solers Roman über die menschlichen Abgründe in einer archaisch anmutenden Welt ist ein erzählerisches Meisterstück.

Was machen Menschen, die alles verloren haben, Heimat, Familie, Überzeugungen? Im Lauf des Jahres 1939 stoßen in den Pyrenäen aus entgegengesetzten Richtungen kommend zahllose Menschen aufeinander, denen eben dies widerfahren ist. Während von der spanischen Seite aus Bürgerkriegsflüchtlinge versuchen, sich nach Frankreich zu retten, fliehen aus der Gegenrichtung immer häufiger Menschen vor den Nazis. Viele von ihnen verlieren elend ihr Leben. Auch Oriol. In seiner Familie wird er seither wie ein Heiliger verehrt. Bis einem Großneffen ein Gerücht zugetragen wird. Nach abenteuerlichen Recherchen steht er schließlich vor dem Mann, der angeblich seit siebzig Jahren tot ist. Und der damals in aussichtsloser Lage alle Prägungen der Zivilisation abgestreift hat.



Jordi Soler, Jahrgang 1963, Sohn katalanischer Emigranten, die am Ende des Spanischen Bürgerkriegs nach Mexiko flohen, gehört zu den bedeutendsten spanischen Autoren der Gegenwart. In seinen hoch gelobten, historisch fundierten Romanen setzt er sich - aus der Perspektive der Enkelgeneration - mit Flucht und Exil auseinander. Dabei deckt er in literarischer Form Verschwiegenes und Verdrängtes auf.
  • Deutsch
  • 0,67 MB
978-3-641-05651-3 (9783641056513)
3641056519 (3641056519)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Teil II (S. 82-83)

7

Eines Nachts brach der Riese wie immer zur gewohnten Rettungsrunde auf. Doch schon eine halbe Stunde später musste er die Arbeit einstellen und aufhören, in Klüfte und Felsspalten zu spähen und ungewöhnliche Schneeanhäufungen in Augenschein zu nehmen, weil ein so heftiger Sturm eingesetzt hatte, dass ihm nichts anderes übrig blieb, als in einer Höhle Zuflucht zu suchen. Mithilfe einiger feuchter Holzscheite brachte er mit Mühe und Not ein Feuer in Gang.

Sein Aufenthalt in der Höhle »dauerte viel zu lange«, wie der Riese erzählte, der diesen Vorfall, die Tatsache, dass er seine Runde hatte abrechen müssen, die Holzscheite, »die einfach nicht brennen wollten«, und das, was danach geschah, hartnäckig miteinander in Verbindung brachte. Das Bestehen auf einem angeblichen Zusammenhang so verschiedener Dinge hat mit bestimmten Vorahnungen und seltsamen Empfindungen zu tun, die er damals offenbar hatte und die sich eine Stunde später bewahrheiten sollten, als tatsächlich ein Unglück seinen Anfang nahm. Zunächst verzog das Unwetter sich jedoch erst einmal, und an dem wie rein gewaschenen Nachthimmel stieg der Mond auf, in dessen Schein der Schnee glitzerte.

Unter diesen unversehens so günstigen Wetterverhältnissen war der Abstieg zur Hütte für den Riesen geradezu ein Kinderspiel, sosehr er dabei auch von den erwähnten Vorahnungen gequält wurde. Als er sich seiner Hütte näherte, sah er Licht darin, und aus dem Schornstein stieg Rauch. Das war nicht weiter verwunderlich, schließlich wohnte Oriol damals ja bei ihm, doch noch bevor Novembre eintrat, »merkte ich, dass nicht nur einer, sondern mehrere Leute in meiner Hütte waren, Ziegenhirten vielleicht, hab ich zu mir gesagt; wahrscheinlich waren sie auch von dem Unwetter überrascht worden, so was war schon öfter vorgekommen«. Als er daraufhin mit ungewohnt heftigem Herzklopfen die Tür öffnete, sah er jedoch vier bewaffnete Guardia-Civil-Beamte vor sich, die schon auf ihn warteten, um ihm Handschellen anzulegen und die Gewehrkolben in die Rippen zu stoßen.

Man führte ihn ab und brachte ihn in ein Feldlager im jenseits der Grenze gelegenen Camprodón. Unterwegs dämmerte dem Riesen allmählich, wie es hierzu hatte kommen können. Einer der Guardia-Civil-Beamten hatte gesagt, er werde beschuldigt, »geflohene Mitglieder der feindlichen Truppen« zu unterstützen. Was zu der Tatsache passte, dass Novembre kurz davor einen seltsamen Zeitgenossen aufgelesen und einige Tage lang in seiner Hütte versorgt hatte: Dieser war, nachdem er sich von ihm verabschiedet hatte, unversehens in Richtung Spanien verschwunden, obwohl er anfangs behauptet hatte, von ebendort geflohen zu sein. »Der muss mich damals angezeigt haben«, sagte Novembre, »und er ist auch schuld, dass sie mich dann nach Spanien verschleppt haben.«

Die riesigen und ungewöhnlich tiefen Fußspuren Novembres, die wohl niemand so ohne Weiteres einem Menschen zugeschrieben hätte, und die normalen Spuren der Guardia-Civil-Beamten müssen zusammen ein ziemlich merkwürdiges Bild abgegeben haben. Auch ich hatte immer wieder darüber gestaunt, wie grundverschieden die Abdrücke waren, die wir bei unseren gemeinsamen Märschen durch den Schnee hinterließen. Wie auch immer, der Riese erzählte weiter, er habe sich der Verhaftung in keiner Weise widersetzt – trotz seines Verdachts in Bezug auf den erwähnten seltsamen Zeitgenossen habe er nicht ausgeschlossen, dass dem Ganzen auch schlichtweg »ein Irrtum« zugrunde liegen könne.
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