Like water in your hands

 
 
LYX (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. November 2021
  • |
  • 477 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7363-1574-7 (ISBN)
 

"Ich denke, Heimat ist auch Ankommen bei den richtigen Leuten."

"Bei der richtigen Person."

Die 19-jährige Arwa ist gerade erst für ihr Studium nach Wien gezogen. Aber statt Freundschaften zu knüpfen, verliert sie sich in ihrer Kunst und meidet den Kontakt zu anderen, wo sie nur kann. Das ändert sich, als sie auf Tariq trifft, der vom ersten Augenblick an nie gekannte Gefühle in ihr weckt. Doch Tariq, dem es zunehmend schwerer fällt, die Traditionen seiner Familie mit dem Wunsch nach Freiheit zu vereinbaren, kämpft gegen seine eigenen Dämonen. Und je näher sich Arwa und Tariq kommen, desto klarer wird, dass ihre Liebe nur eine Chance hat, wenn sie sich ein für alle Mal ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft stellen ...

"Mit Like water in your hands schenkt uns Mehwish Sohail die Stimme der Vielfältigkeit und Sichtbarkeit, die uns solange gefehlt hat. Einblicke in Mental Health, die Angst vor den persönlichen Grenzen und die Suche nach Antworten münden in eine zarte Liebe voll widerstreitender Gefühle." DINABLOGSYOU


Die New-Adult-Trilogie von Mehwish Sohail:

1. Like water in your hands
2. Like feathers between my ribs (22.06.2022)
3. Like words on your our skin (25.01.2023)

weitere Ausgaben werden ermittelt

Mehwish Sohail ist in Pakistan geboren und in der Steiermark aufgewachsen. Sie lebt und schreibt jetzt in Wien.

1. KAPITEL


»Was für ein ungewöhnlicher Name«, sagen sie in einem vorwurfsvollen Tonfall, als würden sie mich dafür tadeln, meinen Eltern erlaubt zu haben, damit davonzukommen. Ich lächle schmallippig und nicke zustimmend, denn all die unzähligen Male, in denen mir das schon gesagt wurde, haben mir nicht beibringen können, wie man sonst auf so eine Aussage reagiert.

Ich könnte mich erklären und von der Bedeutung dahinter erzählen.

»Mein Name«, könnte ich sagen, »ist eine Zusammensetzung der Wörter Ara' und Hawa. Mein Vater wollte mich Ara' nennen, nach dem ersten Wort in der Sure Ma'un. Meine Mutter wollte mich Hawa, also Wind, nennen, weil so ihr liebstes Lied heißt. Weil sie sich nicht entscheiden konnten, wurde daraus schließlich Arwa.«

Aber niemand ist hier, um solche Ausführungen zu hören, also entschuldige ich mich stattdessen vom Gespräch und lasse mich durch den Hochzeitssaal treiben, bis ich vor der nächsten Person stehe, die eine Variation derselben Sätze von sich gibt.

»Was für ein ungewöhnlicher Name.«

»Was für ein ruhiges Mädchen.«

»Was für schöne blasse Haut sie hat!«

Das sind noch die erträglichen Kommentare. Mit denen kann ich umgehen, weil sie keine großartige Reaktion erfordern. Es reicht, wenn ich nur höflich lächle und stillhalte, bis der Moment vorüber ist. Was ich aber wirklich hasse, was mich jedes Mal wie ein Schlag ins Gesicht trifft, ist das vermeintlich überraschte »Acha, du bist also Maida und Atif Bhais Mädchen!«

Wenn ich das höre, schaffe ich es nur knapp, mein Zusammenzucken zu verbergen. Das verschreckte Blinzeln, die verzögerte Antwort.

»Ji«, sage ich hastig, und das Wort fällt mir wie ein Kieselstein aus dem Mund, rau und unangenehm. Ja, ich bin Maida und Atifs Mädchen.

Und dann, unausweichlich, folgen die Fragen.

»Wo sind die beiden denn? Ich habe sie so lange nicht mehr gesehen! Wie geht es Maida? Wie geht es Atif?«

Sagen Sie es mir, würde ich am liebsten erwidern. Mit meinem Vater habe ich zuletzt vor einem Monat, mit meiner Mutter vor zwei Wochen geredet. In keinem der beiden Gespräche konnte ich herausfinden, wie es den beiden geht. Über so was tauschen wir uns nicht aus. Wir sprechen nur über Belanglosigkeiten wie Uni oder Arbeit, werfen mit nichtssagenden Floskeln um uns und ignorieren dabei das Wesentliche: uns als Familie.

»Es geht ihnen gut, sie sind nur beschäftigt«, lüge ich.

Die älteren Damen vor mir sehen missbilligend drein, als hätte ich etwas Unerhörtes gesagt. Ihre gläsernen, bunten Armreifen klackern aneinander, ihre Ohrringe glitzern im bläulichen Licht des Saals. Aus den Stereoanlagen dröhnt ein Bollywoodsong, der das dichte Stimmgewirr übertönt, aber nicht das gelegentliche Platzen der Luftballons, die sich auf dem Boden sammeln. In meinem Kopf pocht es unangenehm.

»So beschäftigt also?«, fragt eine von ihnen und wirft einen vielsagenden Blick in die Runde.

In Wirklichkeit wissen sie alle, wie es um meine Familie steht. Dass meine Mutter depressiv ist, dass sich mein Vater deshalb seit Jahren von der Außenwelt abgekapselt hat. Ich weiß nicht, was diese Menschen von mir erwarten. Also lächle ich stumm und lasse es zu, dass sie mit ihren scharfen Schnäbeln ununterbrochen auf mich piken wie Raben, als die sie mir manchmal vorkommen. Irgendwann sehen sie ein, dass sie nicht ein Korn für ihren Tratsch bekommen werden, und lassen endlich von mir ab.

Ich nutze diese kurzlebige Freiheit, um mich aus der Masse hinaus zum Rand der Feier zu drängen, wo sich alle Außenseiter, Einzelgänger und schwarzen Schafe irgendwann wohl oder übel wiederfinden. Dort, an eine der Wände geschoben, steht auch ein Getränketisch ohne Menschen drumherum.

Erst beim Näherkommen wird mir klar, warum das so ist: Es gibt keine Getränke mehr. Auf dem weißen Stoff, der über alle Möbel im Saal ausgebreitet wurde, stehen nur ein paar leere Krüge und Plastikbecher. Einige von ihnen sind umgekippt und liegen in ihren klebrigen Lachen.

Ich fasse mir an den Hals und werfe einen Blick durch den Saal, um meine Tante zu suchen. Es war zwar meine eigene Entscheidung, mit zu dieser Hochzeit zu kommen - aber ihre, mich ohne einen zweiten Gedanken allein zu lassen, um zu ihren Freundinnen zu gehen. Ich will es ihr allerdings nicht verdenken - könnte ich mich auch einfach zurücklassen, um Spaß zu haben, würde ich es tun. Seufzend schaue ich wieder auf die nicht vorhandenen Getränke vor mir herunter und muss mehrmals blinzeln, weil sich pulsierende Punkte vor meine Sicht geschoben haben.

Ich presse die Lider fest zusammen und versuche die Geräuschkulisse hinter mir auszublenden und tief durchzuatmen. Rufe mir in Erinnerung, warum ich überhaupt zugestimmt habe, mitzukommen: der Wunsch, aus mir selbst herauszukommen, mich an Neues zu wagen. Nicht länger eine Person zu sein, die sich an den Rand drängt, sondern mitten im Leben steht. Die sich nicht zwingen muss, die Mundwinkel zu heben, und schlagfertig auf dreiste Kommentare reagiert, statt vor ihnen zu flüchten.

Aber als ich die Augen öffne, stehe ich doch genau in eine dieser Ecken, am Rande des Geschehens, allein, ohne jede Gesellschaft. Nicht schlagfertig, dafür geschlagen und ziemlich fertig, dabei haben wir nicht einmal die hauptsächliche Zeremonie hinter uns. Auch die pulsierenden Punkte vor meiner Sicht sind noch da, und die leeren Becher haben sich nicht, wie stumm erhofft, magisch wieder aufgestellt und sich mit Flüssigkeit gefüllt.

»Hier, wir haben noch Wasser«, ertönt eine Stimme über den Geräuschpegel hinweg.

Ich drehe mich um und entdecke am Tisch nebenan eine Frau in einer weißen Salwar Kameez mit silberner Stickerei und einem dazu passenden Kopftuch. Sie sitzt dort ganz allein, ebenfalls ohne Gesellschaft. In ihrer Hand hält sie eine halb leere Wasserflasche.

»Becher haben wir aber auch keine. Du musst so trinken, wenn es dir nichts ausmacht.«

Ich zögere. Noch eine Aunty. Noch ein potenzielles Gespräch über mein Aussehen, meinen Namen oder meine Eltern. Aber es gilt als unangebracht, Wasser von jemandem abzuschlagen, also nehme ich die Flasche widerwillig an.

»Danke«, sage ich, das krampfhafte Lächeln wieder auf den Lippen.

Während ich den Deckel aufschraube und einen ordentlichen Schluck nehme, mustert sie mich eingehend aus ihren dunklen Augen.

»Du bist Arwa, oder?«

Ich verschlucke mich.

»Ähm, ji«, antworte ich hustend und presse meinen Handrücken an den Mund.

»Ich bin Nadia Sadeem.« Sie klopft auf den Sessel neben sich. »Komm, setz dich zu mir.«

Ich presse die Lippen zusammen, um meinen Protest runterzuschlucken, und setze mich zögerlich hin, die Hände um den Hals der Flasche verkrampft. Die Unbekannte mustert meine Finger und hebt kaum merklich ihre Augenbrauen, woraufhin ich meinen Griff ein wenig lockere und nervös lächle. Bevor ich etwas sagen kann, hält sie ihre Hand hoch.

»Warte einen Moment«, sagt sie zu mir, schaut dann auf und erhebt ihre Stimme. »Oy, Uzair!«

Unter all den Kindern, die sich quer über den Saal verteilt haben, blickt ein besonders energisch wirkender Junge auf. Vielleicht neun oder zehn Jahre alt. Er hält einen anderen Jungen im Klammergriff fest und rauft ihm mit der Faust durch die Haare, bevor er lachend den Rufen Nadia Auntys folgt und zu uns herüberkommt.

»Ja, Ma?«, fragt er mit einem neugierigen Blick in meine Richtung. Er hat rote Wangen, leuchtende Augen und ein breites Grinsen im Gesicht.

»Oho! Wie du wieder aussiehst.« Sie versucht nach seiner Krawatte zu fassen, aber er weicht alarmiert zurück.

»Hush«, sagt er und hält die Hände hoch, als würde er sich zum Kampf bereit machen.

Seine Mutter sieht ihn streng an, was ihn lediglich zum Kichern bringt. Er beugt sich vor, um ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange zu drücken, bevor er sich wieder vor ihren griffigen Fingern in Sicherheit bringt.

»Was ist denn los?«, fragt er. »Warum hast du mich gerufen?«

Nadia Aunty seufzt und lässt ihre Hände sinken. »Bringst du mir und deiner Api hier bitte zwei Tassen Chai aus dem Hinterzimmer?«

Bei uns benutzt man höfliche Anreden, um Ältere anzusprechen, ganz gleich, ob man wirklich miteinander verwandt ist oder sich überhaupt kennt. Deswegen nenne ich sie Aunty und werde selbst als Api, also große Schwester bezeichnet.

»Alles klar«, sagt er, salutiert vor seiner Mutter und läuft dann Richtung Ausgang davon.

»Danke, das wäre nicht nötig gewesen«, sage ich an Nadia Aunty gewandt.

Sie macht eine wegwerfende Handbewegung und blickt ihrem Sohn nach, bevor sie wieder mich ansieht. Für einen Moment kann ich nicht anders, als ihren Blick zu erwidern. Als die weißen Lichtstreifen, die träge durch den sonst blau beleuchteten Raum fahren, auf ihrem Gesicht landen, fällt mir auf, dass ihre tiefbraun wirkenden Augen einen grauen Stich besitzen. Mir fällt auch auf, dass sie nicht lächelt, dass sie seit Beginn unserer Interaktion nicht ein einziges Mal gelächelt hat. Aber das lässt sie weder distanziert noch ernst wirken, das Lächeln scheint auf eine natürliche und unbeabsichtigte Art und Weise in ihrem Gesicht zu fehlen.

Ich finde das irgendwie bewundernswert. Mir selbst fällt es schwer, einen nüchternen Ausdruck zu formen. Ich...

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