Drachenblut

 
 
Papierverzierer Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. November 2017
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95962-917-1 (ISBN)
 
Beim Ausflug mit der Oberstufe in den Kölner Dom passiert Lea das Unglaubliche: Sie bricht ohne Vorwarnung vor der Klasse zusammen. Kurze Zeit später wird sie von Albträumen und absurden Bildern heimgesucht, die sie zunächst für Visionen hält. Zudem wird sie von jemandem verfolgt. Lea kann sich die Ereignisse zuerst nicht erklären. Erst als ein junger Mann auftaucht, der ihr auf geheimnisvolle Weise verdeutlicht, wer sie eigentlich ist, beginnt sie zu begreifen. Sie trägt ein Erbe in sich, das eng mit dem Element des Feuers verbunden ist. Doch so sehr Gabe und Fluch miteinander verwoben sind, so sehr hängt auch das Schicksal der Welt davon ab. Denn ohne Leas Einwirken wird sich die Welt unweigerlich in die ewige Dunkelheit stürzen ...

Alexis Snow lebt mit ihrem Freund und zwei Katzen in Köln, wo sie 1992 geboren wurde. Nach ihrer Schulzeit entschied sie sich gegen ein Studium und absolvierte eine Lehre als Bauzeichnerin, der Beruf, in dem sie auch arbeitet. Seit sie lesen kann, träumt sie davon, irgendwann eine eigene Geschichte zu schreiben und Menschen in fremde Welten zu entführen, weswegen sie schon als kleines Kind eigene Geschichten verfasste, die sie aber niemandem zeigte. Neben dem Lesen und Schreiben ist sie leidenschaftliche Kampfsportlerin und Tänzerin.
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Kapitel I



Aileana



Um mich herum war alles weiß und undurchsichtig. Über mir, unter mir, zu den Seiten. Bewegte ich meinen Arm, so passierte gar nichts, denn dieser Nebel umhüllte mich wie ein sanfter Kokon.

Ich schloss meine Augen und genoss die leichte, warme Berührung des Nebels auf meiner Haut. Als ich meine Augen wieder öffnete und an mir hinabsah, bemerkte ich, dass ich keine Kleidung trug. Das Einzige, was meine nackte, leicht sonnengebräunte Haut bedeckte, war dieser Nebel. Oder war es Dunst? Vielleicht eine flauschige Wolke?

Als sich das Weiß ein wenig zurückzuziehen begann und nur noch meinen Oberkörper und die Beine bedeckte, konnte ich mich umsehen. Ich stand auf einem grauen Boden in einem hohen, gewölbten Raum. Die Steinwände waren mit Fackeln gesäumt, aber ansonsten kahl und kalt.

Ich beschloss, den Raum zu erkunden, bis mein Blick an einer Silhouette hängenblieb. Sie war mir, als ich den Blick das erste Mal durch den Raum schweifen ließ, noch nicht aufgefallen. Beim genaueren Hinsehen entpuppte sie sich als Joelle, meine ärgste Feindin, die sich keine Situation entgehen ließ, um mir eine reinzuwürgen. Ich seufzte. Warum musste ich ausgerechnet auf sie treffen?

Natürlich entdeckte sie mich ebenfalls, da ich keine Möglichkeit hatte, mich zu verstecken. In ihrem Blick sah ich erst so etwas wie Erstaunen, doch dann verwandelte sich der Ausdruck schnell in Hohn und Schadenfreude. Sie hatte wieder eine Situation gefunden, in der sie mir schaden und mich verletzen konnte. Sie war ja schließlich auch perfekt gekleidet, während mich nur dieser Nebel bedeckte. Doch bevor sie den Mund öffnen konnte, um etwas Gehässiges zu sagen, schreckte ich hoch und erwachte aus meinem Albtraum.

Damit fing der Tag ja echt genial an. Ich seufzte, während mein Herz gegen die Brust hämmerte und mich von innen erbeben ließ. Mit einigen tiefen Atemzügen versuchte ich meinen Puls zu beruhigen, doch es gelang mir nicht ganz. Mein Blick glitt unkoordiniert durch mein dunkles Zimmer, weshalb ich nach meinem Handy griff, das immer neben meinem Kopfkissen lag und mir Halt, etwas Reelles, gab. Ein Blick auf das kleine Display verriet mir, dass es halb sieben war. Also würde mein Wecker sowieso in einer halben Stunde klingeln, weswegen es sich nicht lohnte, noch einmal einzuschlafen.

Warum nur brachte mich der Traum so sehr aus dem Gleichgewicht? Joelle wollte mich nicht gleich umbringen, sondern einfach nur bloßstellen. Okay, das war auch nicht viel besser, aber immerhin ein wenig. Ich schaltete meine Nachttischlampe ein und nahm mir das Buch, das ich derzeit las und schlug es auf. Ich hatte schon immer gerne gelesen, aber seitdem Joelle mich als ihr persönliches Opfer auserkoren hatte, vertiefte ich mich immer mehr in meine Bücher und ihre fantastischen Welten. Dort konnte ich abtauchen und musste mich nicht mehr um meine Probleme kümmern. Dort gab es nur die Sorgen meiner Protagonisten und diese ließen sich leichter bewältigen als meine eigenen. Ihr Weg war immer vorgegeben und ich musste einzig darauf warten, dass alles gut ausging.

Manchmal wünschte ich mir, dass ich mit dem Finger schnippen und dann einfach in einem meiner Bücher verschwinden könnte. Es gab so viele tolle Welten und alle wirkten sonniger als meine eigene.

Viele sahen mich wegen meiner Buchleidenschaft schräg an. Sie konnten nicht verstehen, was Bücher mir bedeuteten, genauso wenig, wie ich verstehen konnte, was Menschen an Schminke oder Shopping mochten.

Meine beste Freundin Louisa war die Einzige, die mich dafür nicht verurteilte. Sie machte vielleicht den einen oder anderen Scherz darüber, aber sie meinte es nie böse.

Als mich jemand an der Schulter antippte, schreckte ich aus der Geschichte hoch und blickte in die smaragdgrünen Augen meines Bruders Christof. Wieder schlug mein Herz heftig gegen meine Brust. Wenn ich las und in einer Welt eingetaucht war, dann konnte die Welt um mich herum untergehen, und ich bekam es nicht mit. Wenn ich etwas machte, dann voll und ganz.

Auf Christofs Gesicht breitete sich ein Grinsen aus, als er sah, wie sehr ich mich erschreckt hatte. Wir fingen beide schallend an zu lachen, weil er mich mal wieder eiskalt erwischt hatte. Als wir uns beruhigten, wechselte der Blick meines Bruders von heiter zu besorgt.

»Wieder schlecht geschlafen, Schwesterherz?«

Ich boxte ihm in die Seite, weil ich es hasste, wenn er mich so nannte. Was für eine dämliche Bezeichnung. Auf seine Frage konnte ich nur nicken.

»Lass mich raten: Joelle hat dich wieder in deine Träume verfolgt? Lea, das kann so doch nicht weitergehen!«, empörte er sich ernst.

Ich rollte mit den Augen. »Jetzt mach mal halblang, Chris. Ich bin alt genug, um mit dieser Situation klarzukommen. Deine Sorge in allen Ehren, aber du benimmst dich wie Mama und eine Glucke im Haus reicht mir voll und ganz.«

»Tut mir leid, dass du mir am Herzen liegst. Dann sorge ich mich eben nicht mehr um dich«, schnappte er beleidigt zurück.

Ich stupste ihn mit dem Ellenbogen an.

»Komm schon, Leberwurst. Ich habe das Unglück doch schon immer angezogen, da werde ich mit so einem Kleinkram wohl fertig.« Ich zwinkerte ihm zu und langsam verschwand der beleidigte Ausdruck aus seinem Gesicht. »Chris, wirklich, mach dir keine Gedanken. Das wird schon wieder und heute bin ich doch erst um halb sieben aufgewacht. Ansonsten hatte ich eine ruhige Nacht. Aber danke für deine Sorge. Du weißt gar nicht, wie viel Kraft du mir immer gibst. In drei Monaten sind unsere Abiturprüfungen und danach habe ich endlich meine Ruhe. Dann muss ich Joelle nicht mehr sehen und sie auch nicht mehr ertragen.«

Meine Worte beruhigten meinen Bruder nur geringfügig, doch mich selbst erleichterten sie sehr. Die Schule war bald vorbei und ich wollte keinen Aufstand wegen der Probleme mit Joelle verursachen. Mein Ziel war es einfach, in Ruhe die Schule zu beenden.

»Ich hoffe, dass sie dich bis dahin nicht zerstört hat, Schwesterherz«, flüsterte Christof leise, so dass ich die Worte gerade so verstehen konnte.

»Chris, bitte. Ich bin stark und schaffe das schon. Es sind nur noch drei Monate, dann habe ich meine Ruhe.«

Drei lange Monate, aber das fügte ich nur in Gedanken hinzu.

Ich ignorierte Joelles Sticheleien. Bald würde sie bestimmt die Lust daran verlieren, wenn sie bemerkte, dass mich das alles kalt ließ. Selbst wenn es nur nach außen so aussah.

Das Ganze lief jetzt seit zwei Monaten und ich wusste nicht, warum sie mich ausgewählt hatte. Nie gab ich ihr einen Anlass dazu, der dieses Verhalten rechtfertigte. Vielleicht dachte sie sich, dass ich, weil ich in dem Schatten meines strahlenden Bruders stand, anfälliger für so etwas sei.

Ich zwinkerte Christof aufmunternd zu, worauf er seufzte und den Kopf schüttelte. Damit hatte ich fürs Erste gewonnen und lächelte ihn an.

Chris erhob sich und ging zur Tür. Dort drehte er sich noch einmal um und blickte mich finster an. »Wenn sich die Situation nicht bald ändert, dann werde ich trotzdem eingreifen, Lea. Ich ertrage es einfach nicht mehr, dich leiden zu sehen. Für dich mag es angeblich nicht schlimm sein, aber für mich ist es das. Und du vergisst, dass ich spüre, was du fühlst.« Damit verließ er mein Zimmer und ließ mich sprachlos auf meinem Bett zurück.

Ich schüttelte den Kopf, weil ich nicht so ganz begreifen konnte, was mein Bruder mir an den Kopf geworfen hatte. War es nicht meine Entscheidung, wie ich mit dem Mist umging? Und ich dachte, ich hätte gewonnen. Pustekuchen.

Als ich noch einmal auf meine Uhr sah, bemerkte ich, dass ich mich beeilen sollte, wenn ich noch pünktlich in die Schule kommen wollte.

***



Als ich die Küche betrat, saß mein Bruder schon am Tisch, den er für uns beide gedeckt hatte. Es lagen frische Brötchen im Brotkorb und mehrere Sorten Aufstrich um diesen verteilt.

Unsere Eltern waren heute schon früh aus dem Haus gegangen, weil sie in die Niederlande fahren mussten, um dort neue Blumen für das Geschäft abzuholen. Mein Vater war Gärtner und meine Mutter Floristin, und vor der Ladenöffnung wollten sie wieder zurück sein.

Christof musterte mich mit hochgezogenen Brauen, als ich mich gerade setzen wollte.

»Was ist denn?«, fragte ich ihn verwirrt.

Er schnaubte belustigt. »Du weißt noch, dass heute der Ausflug zum Dom ansteht?«

Mist. Das hatte ich voll vergessen. Einerseits freute ich mich, dass die Schule ausfiel, doch andererseits machten wir einen Ausflug zum Kölner Dom. Es war ein tolles Bauwerk, ja, aber so einen ähnlichen Ausflug hatten wir schon in der Grundschule veranstaltet. Damals fand ich das ja noch faszinierend, aber mittlerweile waren wir für so etwas zu alt.

Ich hatte mir einen kurzen schwarzen Rock mit einer schwarzen Bluse aus meinem Kleiderschrank rausgesucht, zu denen ich meine flauschigen, hohen Stiefel anziehen wollte. Selbst mit der dünnen Strumpfhose würde ich frieren, wenn man davon absah, dass sich hohe Schuhe ebenfalls nicht für einen solchen...

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