Tough Sh*t

Ein Fettsack mischt Hollywood auf!
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. Januar 2013
  • |
  • 336 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09844-5 (ISBN)
 
DER Kevin Smith? Der Typ, der vor Jahrtausenden diesen Film »Clerks« gedreht hat? Ist der nicht mal mit seinem fetten Arsch aus einem Flugzeug geworfen worden? Was sollte man von dem schon lernen? Wie wär's damit: Er veränderte die Art, Filme zu machen, im Alter von 23. Seitdem macht er, was er will - und wird dafür bezahlt. Er dreht Filme, schreibt Comics, besitzt einen Laden und hat sich ein einzigartiges Podcast-Imperium aufgebaut. Fakt ist: Kevin Smith hat den Erfolgscode geknackt. Aber wie hat der Fettsack das bloß geschafft?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 1,28 MB
978-3-641-09844-5 (9783641098445)
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KAPITEL EINS

Na, dann wollen wir mal loslegen, oder, Leute?!

Hallo, ich bin Kevin Smith, das Produkt der Eier von Don Smith. Das ist eine ziemlich wichtige Feststellung. Zum einen wirkt dadurch alles, was ich in meinem Leben bisher erreicht habe, um zehn Ecken cooler, als es das ohnehin schon tut. Zum anderen werden die Eier meines Dads auf diese Weise ein wenig gefeiert - was meiner Meinung nach bisher sträflich versäumt wurde. Wenn man mal die Aufmerksamkeit beiseitelässt, die meine Mutter ihnen schenkte, wurden die Dinger bisher nie gebührend dafür gewürdigt, was aus mir geworden ist. Außerdem hat meine Mom die Prachtstücke meines alten Herrn nie schriftlich gelobt, geschweige denn in einem Buch verherrlicht, sodass diese Zeilen hier einen ziemlich großen Wurf für die Familie Smith aus der Jackson Street 21 in Highlands, New Jersey darstellen dürften. Mein Vater selbst würde derartige Lobpreisungen seiner Eier in einem Buch wahrscheinlich ganz schmeichelhaft finden, die Smith'schen Kronjuwelen aber nichtsdestotrotz lieber im Mund meiner Mutter versenkt sehen.

Hin und wieder muss man die Leute einfach daran erinnern, dass sie alle mal als einzelnes Spermium in einem Klumpen Wichse angefangen haben. Dabei geht es nicht darum, sie herabzusetzen oder kleinzumachen. Ganz im Gegenteil: Ich sage den Leuten, dass sie aus ein paar Millilitern Ejakulat entstanden sind, um meine Bewunderung für ihre Existenz auszudrücken und ihnen auf diese Weise anerkennend auf die Schulter zu klopfen. So gesehen gibt es auch keine Loser im Leben. Jeder von uns hat als mickrige Samenzelle den Sprung aus dem klebrigen Wichsbrei geschafft und ist damit automatisch ein strahlender Gewinner.

Als ich auf der Filmhochschule war, machte eine fadenscheinige Statistik die Runde, nach der es mehr Film- als Jurastudenten gab. Mit anderen Worten schwammen also unendlich viele Möchtegern-Filmleute in einem riesigen Pool herum, aus dem es nur einen Ausweg gab: Einen wahnwitzig engen Trichter am Beckenboden, durch den sich alle gleichzeitig zu zwängen versuchten, um mit viel Glück oder halb tot in der darunter stehenden Mini-Teetasse der vielversprechenden Möglichkeiten zu landen. Eine Karriere im Filmbusiness? Machen Sie sich keine Hoffnungen, Captain Solo, die Wahrscheinlichkeit ist so gering, dass selbst C-3PO sie nicht berechnen kann. Genauso gut könnte man versuchen, durch ein Asteroidenfeld zu fliegen.

Das ist es dann auch, wofür ich Anerkennung von den Leuten ernte: die einfache Tatsache, dass ich - so unspektakulär und normal ich eben bin - den Code geknackt und es in den Club der vermeintlich Erfolgreichen geschafft habe. Mein Name erscheint in Großbuchstaben auf der Leinwand, weil ich mich beim Kampf um den Traumjob mehr oder weniger aktiv gegen Milliarden toughe Mitstreiter durchsetzen konnte. Und das erinnert die Leute dann daran, dass ihre - und auch eure, liebe Leser - größte Leistung darin besteht, in einem Klumpen Herrensahne über eine Unzahl an Mitbewerbern triumphiert zu haben. Der heiße Scheiß auf dem Sundance Film Festival zu sein ist nichts im Vergleich zu dem Kraftakt, den ich als Einzelkämpfer-Spermatozoon in der von meinem alten Herrn gedankenlos abgefeuerten und glücklicherweise in meiner Mutter gelandeten Spermaladung vollbrachte. Der Erfolg dieser Mission war nämlich so unwahrscheinlich, wie Kurgan zu schlagen und zum Highlander zu werden. Es kann nur einen geben, heißt es also auch im Wettrennen der Spermazellen (Zwillinge, Drillinge, Vierlinge etc. pp. - die Mutanten unter den Babys - mal außen vor gelassen). Immer wenn mir jemand sagt, dass ich ein Fettsack sei, erwidere ich, dass das nicht immer so war: Irgendwann war ich sogar mal fit genug, um einer Heerschar Spermien davonzuschwimmen. Mittlerweile bin ich aber eher einer der ehemaligen, in die Jahre gekommenen Weltklasseathleten und lasse es mir gut gehen. Den wichtigsten Pokal habe ich ja gleich am Anfang meiner Karriere abgeräumt, also lasst mich bitte endlich zufrieden, und gönnt mir meinen geliebten Schinkenspeck und die leckeren Brownies (vielleicht sogar auf einem Teller).

Jeden Tag werden Unmengen von Socken mit zum Tode verurteilten Spermaladungen vollgepumpt. Wie hoch ist da wohl die Chance, dass ausgerechnet du in einer Eizelle statt in einem Tempo-Taschentuch landest? Ich sag's dir: astronomisch gering.

Sicherlich waren die Eier meines Vaters für viele Leute nichts weiter als stumme Zeugen im großen Masturbationskrieg von Don Smith gegen seinen Schwanz - nicht aber für Grace Schultz. Meine Mutter erkannte das Potenzial des Gemächts meines Vaters und sah ihre ungeborenen Kinder nicht so sehr in seinen Augen, sondern vielmehr in den schrumpeligen Falten seines Hodensacks. Mein Vater hat während seines viel zu kurzen Aufenthalts in diesem Teil der Galaxie unzählige Samenladungen abgefeuert. Unfassbar, dass gerade ich das große Los gezogen habe und mit dem alles entscheidenden Volltreffer herausgeschleudert wurde. Sogar dem qualvollen Ende vieler Samenzellen - die wie Anakin Skywalker am Ufer glutroter Lavaströme, sprich: im heiß umkämpften Genitalbereich der möglichen Mutter zu Tode geschmort werden - bin ich entgangen. Wie schon gesagt: Ich bin, du bist . Wir alle sind die Besten der Besten von Milliarden!

Lacht nur, wenn ihr nicht anders könnt, aber dieser ganze Wichse-Prolog ist der wichtige erste Schritt auf dem Weg zur Selbstverwirklichung. Wer braucht schon Motivationstrainer wie Tony Robbins? Um Leute zu inspirieren, muss man sie nur daran erinnern, dass sie sich entgegen aller Wahrscheinlichkeiten gegen ein riesiges Teilnehmerfeld durchgesetzt haben. Somit könnten sie ihr Dasein eigentlich als eine Art Ehrenrunde nach einem überwältigenden Triumph ansehen. Im Grunde haben sie nämlich schon am Anfang ihres ungewissen Lebens Spitzenleistungen vollbracht und bräuchten sich nicht weiter unter Druck zu setzen. Stattdessen könnten sie alles Folgende als riesengroße Siegesfeier betrachten - den einzigen Wettbewerb, der jemals eine Rolle spielen wird, haben sie nämlich schon gegen eine Milliarde Mitbewerber für sich entschieden.

Don Smith war ein toller Kerl, und ich verdanke ihm und meiner Mutter Grace einfach alles. Genau genommen verdanke ich meinem Dad sogar noch ein wenig mehr als meiner Mutter, weil mein gesamtes Leben eine Reaktion auf das Leben meines Vaters ist (wobei »Reaktion« hier nichts mit der klassischen Sohn-rebelliert-gegen-Vater-Nummer zu tun hat). Schon ganz am Anfang war das so, denn ich bin im wahrsten Sinne des Wortes als eine Reaktion (das Kind) auf seine Aktion (Sex mit meiner Mutter) entstanden. Auch der unbändige, fast schon mit dschihadistischem Fanatismus gepflegte Hass meines Vaters gegen seine Arbeit beim US Postal Service ist ein ganz gutes Beispiel für dieses Prinzip von actio et reactio. Sicher, die meisten Leute hassen ihre Jobs, aber mein alter Herr verabscheute den seinen so, wie Ahab Moby - oder zeitgemäßer: wie Eminem Moby - hasst. Dieser Hass war später meine größte Motivationsquelle in meinem eigenen Berufsleben. Mein Vater sagte nie so etwas wie: »Junge, versuch's doch mal in der Unterhaltungsbranche.« Das brauchte er auch nicht. Sein Leben war Ansporn genug für mich. Durch seine bloße Existenz zeigte er mir jeden Tag aufs Neue, dass es sich sehr wahrscheinlich lohnte, alles auf eine Karte zu setzen und seinen Träumen nachzujagen, anstatt einfach nur irgendeinen Job zu machen. Ich musste immer wieder mit ansehen, wie sehr mein Vater seinen Job verabscheute - zu Recht, muss man sagen, denn Arbeit, wie wir sie heute verstehen, ist einfach Scheiße. Auf diese Weise lernte ich schnell: Wenn du hasst, was du tust, wird es immer nur irgendein Job für dich sein.

Irgendwann begann ich mich zu fragen, ob sich diese Gleichung nicht auch umkehren ließe. Mein Vater hatte nie die Möglichkeit gehabt, das auszuprobieren, denn er musste sein Leben lang hart schuften, um die nimmersatten Mäuler seines Nachwuchses zu stopfen und die Rechnungen zu bezahlen. Nachdem ich aber zwei Jahrzehnte lang miterlebt hatte, wie sehr er seinen Job verabscheute, wurde mir klar: Wenn du liebst, was du tust, wird es nie einfach nur ein Job für dich sein.

Aus diesem Grund entschied ich mich für Filme.

Meine Leidenschaft für Filme kam nicht von ungefähr: Mein alter Herr hatte mich praktisch jeden Mittwoch in die preiswerten Nachmittagsvorstellungen geschleppt, die damals zwischen 1,75 und 3,50 Dollar kosteten. Auf dem Weg zum Kino sprachen wir nie sonderlich viel miteinander. Auch auf dem Rückweg hatten wir unsere Meinungen zum jeweiligen Streifen meist schon ausgetauscht, bevor wir am Auto angekommen waren. Somit war auch auf der Heimfahrt nicht wirklich viel Unterhaltung angesagt. Trotz des eklatanten Mangels an Austausch und Kommunikation war das unser Ding: Wir gingen gemeinsam ins Kino. Ich habe ihn nie gefragt, ob er das aus eigenem Interesse tat oder mir - seinem fetten Bengel, der seine Zeit mit Star-Wars-Figuren verplemperte und nutzlose Dialoge aus Laverne and Shirley auswendig aufsagen konnte - zuliebe machte.

Unsere Vater-Sohn-Beziehung beschränkte sich aber nicht auf Kinobesuche. Mein Dad brachte mir auch jede Menge Comedy-Schallplatten von der Arbeit mit, die er dort von einem Second-Hand-Plattenhändler kaufte. Meine Favoriten waren Redd Foxx, Bill Cosby und der wichtigste, schlaueste und lustigste von allen: George Carlin. Dieser Über-Comedian schaffte es auch, die Generationskluft zwischen mir und...

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