Aura - Verliebt in einen Geist

Band 1
 
 
cbj (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. Dezember 2013
  • |
  • 384 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06099-2 (ISBN)
 
Der Beginn einer Liebe zwischen Leben und Tod .

Es sollte eine besondere Nacht werden, doch überraschend stirbt Logan, Auras große Liebe. Unvorstellbar scheint ein Leben ohne ihn, da kehrt ihr attraktiver Freund wieder - körperlos, violett leuchtend und doch . so wirklich. Seit dem sogenannten Shift sind alle danach geborenen in der Lage, Tote zu sehen. Aura, deren lästige Aufgabe es ist, Geistern den Übergang zu ermöglichen, versucht mithilfe von Zach, dem Neuen an ihrer Schule, hinter das Geheimnis des Shifts zu kommen. Doch das hieße auch Abschied zu nehmen von Logan. Nur . je näher sie Zach kommt, desto größer werden ihre Zweifel. Ist es richtig, einen Geist zu lieben?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
cbt
  • 1,14 MB
978-3-641-06099-2 (9783641060992)
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Erstes Kapitel

»Du kannst mich hören, nicht wahr?«

Ich drückte energisch auf den grünen Startknopf am Kopierer, worauf das Gerät summend ansprang und die körperlose Stimme übertönte. Wenn ich sie ignorierte, verstummten sie manchmal von selbst – verwirrt, entmutigt und einsamer denn je. Allerdings klappte das nicht immer.

Okay, so gut wie nie. Meistens wurden sie lauter.

Aber heute hatte ich wirklich keine Zeit. Ich musste nur noch die Heftklammern aus einem Stapel von Gerichtsunterlagen entfernen, die einzelnen Seiten kopieren und anschließend wieder zusammenheften, bevor ich nach Hause fahren, mich endlich aus meiner Büro-Zwangsjacke, bestehend aus Bluse und Kostüm, befreien und bequemere Sachen anziehen konnte. Danach wollte ich zu Logan – den ich hoffentlich noch vor der Bandprobe erwischen würde –, um ihm zu sagen, dass ich nach langem Nachdenken endlich eine Entscheidung getroffen hatte und es mir diesmal ernst damit war. Wirklich ernst.

»Ich weiß, dass du mich hören kannst.« Die Stimme wurde lauter, als die alte Frau sich mir näherte. »Du bist eine von ihnen.«

Ohne eine Miene zu verziehen, griff ich mir die nächste Akte vom Stapel. Im grellen Neonlicht des Konferenzraums konnte ich die Frau nicht sehen, und das machte es mir wenigstens ein winziges bisschen leichter, so zu tun, als wäre sie gar nicht da.

Was mir definitiv am liebsten gewesen wäre.

»Dein Benehmen ist wirklich ausgesprochen unhöflich«, schimpfte sie.

Ich zog die Heftklammern aus den Blättern und schnippte sie mit scheinbarer Gelassenheit in den Papierkorb. Die Geisterfrau durfte nicht mitbekommen, dass ich es eilig hatte, denn wenn sie merkte, dass ich hier gleich fertig war, würde sie mir unaufgefordert ihre Geschichte aufzwingen, und zwar von Anfang bis Ende. Sorgfältig legte ich die Seiten in den Einzugsschacht und drückte wieder auf den Kopierknopf.

»Du bist auf keinen Fall älter als sechzehn.« Jetzt war die Stimme ganz nah, etwa auf Höhe meiner Schulter. »Also gehörst du zu denen, die uns von Geburt an hören können.«

Vielen Dank für die Info. Als hätte ich eine Erinnerung daran gebraucht, wie das ununterbrochene Gejammer der Geister die tröstlichen, selbst ausgedachten Schlaflieder übertönt hatte, die meine Mutter mir immer vorgesungen hatte, als ich klein war. Tante Gina hatte mir erzählt, dass Mom die klassischen Lieder im Stil von »Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt …« zu verstörend für eine zarte Kinderseele gefunden hatte. Wobei die Angst, womöglich im Schlaf zu sterben, wahrlich nicht das Schlimmste ist, wenn ständig wimmernde und wehklagende tote Menschen um dein Bettchen herumstehen.

Viel schlimmer fand ich, dass diese Lieder meine einzige Erinnerung an Mom waren.

»Jetzt mach schon!«, zischte ich ungeduldig, als der Kopierer nicht anspringen wollte, und musste mich schwer zusammenreißen, um ihm nicht einen Fußtritt zu verpassen.

Die LED-Anzeige begann rot zu blinken. Papierstau.

»Mist!« Ich ballte die Hände zu Fäusten und rammte mir dabei prompt die Spitze des Heftklammerentferners in den Daumen. »Au! Verfluchte Scheiße!« Ich betrachtete den winzigen Blutstropfen und steckte mir den Daumen in den Mund.

»Achte auf deine Ausdrucksweise, Mädchen«, empörte sich die alte Frau neben mir. »Als ich in deinem Alter war, kannten wir solche unschicklichen Wörter noch nicht einmal, und selbst wenn, hätten wir unsere schöne Sprache niemals auf diese Weise verunstaltet …« Blablabla … die Jugend von heute … Blablabla … Medien sind an allem schuld … Blablabla.

Ich riss die Kopiererabdeckung auf, bückte mich, um das zwischen den Walzen eingeklemmte Blatt Papier herauszuziehen, und summte dabei einen meiner Lieblingssongs von den Keeley Brothers vor mich hin, damit ich mir das wütende Gekeife des Geists nicht anhören musste.

»Sie sind mit einem Messer auf mich los«, sagte sie plötzlich leise.

Ich hörte auf zu summen und stieß einen so tiefen Seufzer aus, dass es mir die dunklen Ponyfransen aus der Stirn wehte. Manchmal war es einfach unmöglich, sie zu ignorieren.

Ich richtete mich auf und knallte die Klappe am Kopierer zu. »Okay, ich höre Ihnen zu. Aber nur unter einer Bedingung: Ich will Sie dabei sehen.«

»Auf gar keinen Fall«, schnaufte sie.

»Falsche Antwort.« Ich umrundete den Konferenztisch und ging auf die Lichtschalter neben der Tür zu.

»Bitte nicht! Was die mir angetan haben, ist … Das möchtest du nicht sehen, glaub mir.«

»Gut, dann eben gar nicht.« Ich knipste das Licht aus und wollte gerade den Obsidian-Blocker einschalten, als die Geisterfrau wie ein violetter Blitz auf mich zuschoss.

»Nicht!« Sie blieb wenige Zentimeter vor mir stehen und stieß einen schrillen Schrei aus, der meine Ohren zum Klingeln brachte.

Falls sie geglaubt hatte, ich würde zurückzucken, täuschte sie sich. Ich verschränkte die Arme, dann hob ich die Hand und legte sehr langsam und sehr entschlossen den Zeigefinger auf den Schalter.

»Ich warne dich«, kreischte sie mit sich überschlagender Stimme, um mir Angst einzujagen. »Mach sofort das Licht wieder an.«

»Sie haben gesagt, Sie wollen mit mir reden. Ich spreche aber nicht mit Geistern, die ich nicht sehe.« Mein Zeigefinger lag immer noch auf dem Schalter des Blockers. »Unangenehmes Gefühl, so in die Ecke gedrängt zu werden, was? Genau so fühle ich mich Tag für Tag, wenn Geister wie Sie mich zwingen, mir ihre Geschichten anzuhören.«

»Wie kannst du es wagen?« Die Frau schlug mir mit gekrümmten Fingern quer übers Gesicht. Ihre Hand fuhr durch meinen Kopf hindurch, ohne dass ich auch nur einen Lufthauch verspürt hätte. »Nach allem, was ich durchgemacht habe. Sieh mich doch nur an!«

Ich versuchte es, aber sie zitterte vor Empörung so sehr, dass die violetten Konturen ihres Körpers zu einem einzigen Durcheinander heller Linien verschwammen. Es war ein bisschen so, wie wenn ich ohne Kontaktlinsen fernschaute.

»Mal abgesehen von Ihren Schuhen, die etwas schicker sein könnten, sehen Sie ganz okay aus«, sagte ich achselzuckend.

Die Geisterfrau blickte an sich herab und zog überrascht die Brauen hoch. Sie hatte ihre blassvioletten Haare, die zu Lebzeiten wahrscheinlich grau gewesen waren, zu einem Knoten hochgesteckt, trug ein elegantes Kostüm mit Schluppenbluse und dazu Pumps mit niedrigen Absätzen. Die Frau sah aus wie all die anderen alten Bonzenzicken, die in den Villen hier im noblen Vorort Roland Park residierten und sich mit Golf und Cocktails im Country Club die Zeit vertrieben. Vermutlich betrachtete sie ihr eigenes Ableben als absolut skandalös.

»Ich konnte mich bis jetzt nicht sehen«, sagte sie erstaunt, »und hatte angenommen, ich wäre …« Sie strich sich über den Bauch.

»Was? Dicker?«

»Aufgeschlitzt worden …«

»Oh.« Plötzlich schämte ich mich. »Sie sind ermordet worden?« Die Geister alter Menschen waren normalerweise an Herzinfarkten oder Schlaganfällen gestorben. Aber das erklärte natürlich, warum sie so aufgebracht war.

Sie warf mir einen bösen Blick zu. »Selbstmord war es jedenfalls ganz bestimmt nicht.«

»Ich weiß«, sagte ich sanft und beschloss, geduldiger mit ihr zu sein. Obwohl sich die Regierung seit dem Shift immer wieder darum bemühte, die Bevölkerung in groß angelegten Kampagnen über das zu informieren, was sie nach ihrem Tod möglicherweise erwartet, gab es genug arme Seelen, die es immer noch völlig unvorbereitet traf. »Wenn Sie sich umgebracht hätten, wären Sie jetzt kein Geist, weil Sie vorher gewusst hätten, dass Sie sterben«, klärte ich sie auf. »Und von den Stichwunden ist deshalb nichts zu sehen, weil Ihr Geist im letzten glücklichen Moment Ihres Lebens materialisiert wurde.«

Um die Mundwinkel der alten Frau spielte die Andeutung eines Lächelns, während sie ihr Kostüm in Form zupfte. Vielleicht dachte sie an den Tag zurück, an dem sie es getragen hatte. Doch dann hob sie plötzlich ruckartig den Kopf und sah mich mit verzweifeltem Blick an. »Aber warum

»Woher soll ich das wissen?«, stöhnte ich. »Ich habe keine Ahnung, warum wir Sie überhaupt sehen können. Das weiß niemand, okay?«

»Nicht in diesem Ton, junges Fräulein!« Sie hob streng einen violetten Zeigefinger. »Als ich in deinem Alter war …«

»Als Sie in meinem Alter waren, hatte der Shift noch nicht stattgefunden. Sie sollten froh sein, dass Sie überhaupt jemand hören kann.«

»Ich wäre noch froher, wenn ich nicht …« Die Worte tot wäre brachte sie offensichtlich nicht über die Lippen. Sie holte tief Luft. »Ich brauche jemanden, der das in Ordnung bringt.«

»Verstehe. Sie wollen also Anklage erheben?« Solche von Geistern angestrengte Mordprozesse waren das Spezialgebiet von Tante Gina, die nicht nur die Schwester meiner Mutter und mein gesetzlicher Vormund war, sondern auch eine leidenschaftliche Rechtsanwältin. Sie glaubte fest an das Konzept des »Inneren Friedens durch Gerechtigkeit« und war davon überzeugt, dass ein ordentliches Gerichtsverfahren den Geistern half, in die nächste Sphäre überzuwechseln – wo auch immer sich die befinden mochte. Im Himmel vielleicht. Auf jeden Fall an einem Ort, der schöner war als Baltimore, Maryland.

Leider konnte meine Tante – genau wie alle anderen vor dem Shift geborenen Menschen, also alle, die älter als sechzehn Jahre und...

"Furioser Auftakt einer neuen Teenagerreihe über die Liebe, die über den Tod hinaus anhält."
 
"Eine wunderschöne, düstere, emotionale, ergreifende, spannende, mysteriöse, paranormale Liebesgeschichte. (...). Mein Highlight des Monats!"
 
"Es ist ein MUST-READ für romantisch veranlagte Jugendbuchleser. Für mich war es eines der Highlights in diesem Jahr!"
 
"Verliebt in einen Geist in ein toller erster Band über Liebe, Trauer und Verlust, der mit vielen überraschenden Wendungen und Geheimnissen aufwartet."
 
"ein großartiger Reihenauftakt und eine Überraschung sondersgleichen"

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