Vergiss mein nicht

 
 
HarperCollins (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 16. Februar 2021
  • |
  • 512 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7499-5024-9 (ISBN)
 
Es sollte ein unbeschwertes Date auf der gut besuchten Rollschuhbahn werden. Doch für Sara Linton und Polizeichef Jeffrey Tolliver überschlagen sich die Ereignisse, als plötzlich die 13-jährige Jenny mit einer Waffe in der Menge auftaucht. Sie droht damit, den Teenager Mark zu erschießen. Obwohl Jeffrey alles tut, um die Situation zu entschärfen, kommt es zur Eskalation: Jeffrey muss Jenny töten, um Mark zu retten. Und der Albtraum hat noch kein Ende gefunden. Als Sara kurz darauf die Leiche obduziert, stößt sie auf ein schockierendes Verbrechen, das selbst die abgebrühtesten Ermittler fassungslos zurücklässt.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Karin Slaughter ist eine der populärsten und gefeiertsten Schriftstellerinnen weltweit. Ihre Bücher erscheinen in 120 Ländern und haben sich insgesamt über 35 Millionen Mal verkauft. Sie hat 20 Bücher geschrieben, darunter die Grant-County- und die Georgia-Reihe. Ihr Thriller Cop Town war für den Edgar-Allan-Poe-Award nominiert. Die Bücher Pretty Girls, Die gute Tochter, Ein Teil von ihr und Die letzte Witwe waren allesamt Bestseller. Slaughter setzt sich als Gründerin der Non-Profit-Organisation »Save the Libraries« für den Erhalt und die Förderung von Bibliotheken ein. Die Autorin stammt aus Georgia, lebt aber mittlerweile in Atlanta. Ein Teil von ihr wird gerade für Netflix, die Grant-County- und die Georgia-Reihe werden fürs Fernsehen verfilmt.

EINS


»Dancing Queen«, sang Sara Linton leise mit, während sie ihre Runde auf der Rollerskates-Bahn drehte. »Young and sweet, only seventeen.«

Links neben sich hörte sie das ungestüme Rattern von Skates und konnte sich gerade noch rechtzeitig zur Seite drehen, um ein Kind aufzufangen, bevor es mit ihr zusammenprallte.

»Justin?«, sagte sie, als sie den Siebenjährigen erkannte. Sie hielt ihn am Jackenkragen fest, denn seine Beine wackelten auf den Inlineskates.

»Hallo, Dr. Linton«, bekam Justin japsend heraus. Der Helm war ihm zu groß, und er schob ihn mehrmals nach hinten, um sie ansehen zu können.

Sara erwiderte sein Lächeln und musste sich beherrschen, um nicht laut loszulachen. »Hallo, Justin.«

»Sie stehen auf diese Musik, was? Meine Mom auch.« Er starrte sie unverhohlen und mit offenem Mund an. Wie die meisten von Saras Patienten wirkte auch Justin ein wenig verschreckt, als könnte er sich nicht vorstellen, ihr außerhalb der Kinderklinik zu begegnen. Manchmal fragte sie sich, ob man glaubte, dass sie dort im Keller wohnte und darauf lauerte, dass die Leute von Erkältungen oder Fieber heimgesucht in ihre Sprechstunde kamen.

»Egal.« Justin schob wieder seinen Helm nach hinten und versetzte sich dabei mit dem Ellbogenschoner einen Nasenstüber. »Aber ich hab gemerkt, dass Sie mitgesungen haben.«

»Lass mich mal«, erbot sich Sara. Sie beugte sich hinunter, um seinen Kinnriemen fester zu ziehen. Die Musik auf der Bahn war so laut, dass Sara die Vibrationen der Bässe in der Plastikschnalle spüren konnte, die sie unter seinem Kinn enger stellte.

»Danke«, brüllte Justin und legte aus unerfindlichem Grund beide Hände oben auf den Helm. Diese Bewegung raubte ihm das Gleichgewicht, und er geriet ins Stolpern, konnte sich aber gerade noch an Saras Bein festklammern.

Sara hielt ihn wieder an der Jacke fest und führte ihn hinüber zum Geländer am Außenrand der Bahn. Sie selbst hatte auch ein Paar Inlineskates anprobiert, sich dann aber für die altmodischen Rollschuhe entschieden, denn sie wollte sich nicht vor den Augen der halben Stadt auf den Hintern setzen.

»Wow«, kicherte Justin und hängte sich haltsuchend an das Geländer. Er sah auf ihre Skates hinunter. »Mann, haben Sie große Füße!«

Sara blickte ebenfalls hinab und wurde vor Verlegenheit rot. Seit sie sieben Jahre alt war, hatte man sie wegen ihrer großen Füße gehänselt. Obwohl sie sich nun fast dreißig Jahre lang diesen Spott hatte anhören müssen, wäre Sara immer noch am liebsten mit einer Schüssel Schokoladeneis unters Bett gekrochen, wenn sie auf ihre Füße angesprochen wurde.

»Sie haben ja Skates für Jungs an!«, kreischte Justin und ließ das Geländer los, um auf ihre Skates zeigen zu können. Sara konnte ihn gerade noch stützen, bevor er ausglitt und stürzte.

»Mein Lieber«, flüsterte Sara ihm zuckersüß ins Ohr. »Das wirst du spätestens dann bereuen, wenn deine Nachimpfungen fällig werden.«

Justin lächelte seine Kinderärztin unsicher an. »Ich glaube, meine Mom will was von mir«, murmelte er und hangelte sich am Geländer entlang, wobei er argwöhnisch über die Schulter blickte, um sich davon zu überzeugen, dass Sara ihm nicht folgte.

Sie verschränkte die Arme und lehnte sich an die Balustrade, während sie ihm nachschaute. Wie die meisten Kinderärzte liebte Sara ihre Patienten, aber es sprach einiges dafür, am Samstagabend von ihnen unbehelligt zu bleiben.

»Ein Verehrer?«, fragte Tessa, die neben ihr bremste.

Sara warf ihrer Schwester einen strengen Blick zu. »Erklär mir doch bitte mal, wie ich hierhergeraten bin.«

Tessa versuchte ein Schmunzeln. »Aus purer Liebe zu mir?«

»Genau«, erwiderte Sara sarkastisch. Auf der anderen Seite der Bahn erspähte Sara Devon Lockwood, Tessas derzeitigen Freund, der auch im Klempnerbetrieb der Familie Linton arbeitete. Devon führte seinen Neffen auf der Bahn für die Kleinen im Kreis herum, während sein Bruder zuschaute.

»Seine Mutter hasst mich«, murmelte Tessa. »Sobald ich in seine Nähe komme, sieht sie mich giftig an.«

»Daddy ist bei unseren Freunden doch auch nicht besser«, erwiderte Sara.

Devon merkte, dass sie zu ihm hinschauten, und winkte.

»Er kann gut mit Kindern umgehen«, sagte Sara und winkte zurück.

»Er kann auch noch mit was anderem gut umgehen«, sagte Tessa leise. Sie wandte sich wieder Sara zu. »Dabei fällt mir ein - wo ist denn Jeffrey?«

Sara blickte wieder zum Haupteingang und stellte sich dieselbe Frage. Und auch, warum es ihr eigentlich nicht egal war, ob ihr Ex-Mann auftauchte oder nicht. »Weiß ich nicht«, antwortete sie. »Seit wann ist es denn in dem Laden hier so voll?«

»Es ist Samstagabend, und die Football-Saison hat noch nicht angefangen. Was sollen die Leute denn sonst machen?«, sagte Tessa, ließ Sara aber nicht das Thema wechseln. »Also, wo bleibt Jeffrey?«

»Vielleicht kommt er ja gar nicht.«

Die Art, wie Tessa grinste, verriet, dass sie sich einen boshaften Kommentar verbiss.

»Mach schon, sprich es aus.«

»Ich wollte gar nichts sagen«, antwortete Tessa, und Sara war nicht ganz klar, ob sie log.

»Wir sehen uns nur ab und zu.« Sara hielt inne und fragte sich, wem sie eigentlich etwas beweisen wollte: Tessa oder sich? Dann fügte sie hinzu: »Es ist ganz und gar nichts Ernstes.«

»Ich weiß.«

»Wir haben uns noch nicht mal richtig geküsst.«

Tessa hob resigniert die Hände. »Ich weiß«, wiederholte sie, ein spöttisches Grinsen um die Mundwinkel.

»Wir sehen uns manchmal. Das ist alles.«

»Mich brauchst du nicht zu überzeugen.«

Sara lehnte sich seufzend ans Geländer. Sie kam sich dämlich vor, eher wie ein Teenager als wie eine erwachsene Frau. Sie hatte sich vor zwei Jahren von Jeffrey scheiden lassen, nachdem sie ihn mit der Inhaberin des Schilderladens im Bett erwischt hatte. Warum sie sich neuerdings wieder mit ihm traf, war sowohl Sara als auch ihrer Familie ein Rätsel.

Ein Schmusesong erklang, und das Licht wurde schwächer. Eine rotierende Spiegelkugel sank von der Decke herab und verteilte blitzende kleine Lichtquadrate im gesamten Raum.

»Ich muss mal«, sagte Sara zu ihrer Schwester. »Pass bitte auf, ob Jeff kommt.«

Tessa schaute über Saras Schulter. »Geht aber gerade jemand rein.«

»Es gibt jetzt zwei Kabinen.« Sara steuerte auf die Damentoilette zu und sah, dass gerade ein dicker Teenager hineinging. Sie erkannte Jenny Weaver, eine ihrer Patientinnen, und winkte ihr zu, aber das Mädchen hatte sie nicht gesehen.

Tessa kommentierte: »Hoffentlich hältst du es noch aus.«

Sara runzelte die Stirn, als sie beobachtete, wie ein weiteres Mädchen, das sie nicht kannte, Jenny auf die Toilette folgte. Wenn das so weiterging, würde Sara noch die Blase platzen.

Tessa deutete mit dem Kopf zur Eingangstür. »Wie war das noch mal? Hochgewachsen, dunkelhaarig und gut aussehend?«

Sara fand es irgendwie albern, dass sie unwillkürlich lächeln musste, als sie Jeffrey auf die Bahn zusteuern sah. Er kam wohl direkt von der Arbeit, denn er trug immer noch seinen anthrazitfarbenen Anzug mit einer burgunderroten Krawatte. Als Polizeichef von Grant County kannte er die meisten Anwesenden. Er sah sich um, und sie hoffte, dass sie es war, nach der er Ausschau hielt. Er lavierte sich durch die Menschenmenge, blieb dabei hier und dort stehen, um Hände zu schütteln. Sie verzichtete darauf, ihn irgendwie auf sich aufmerksam zu machen. In dieser Phase ihrer Beziehung überließ sie Jeffrey die Initiative.

Sara hatte Jeffrey bei einem ihrer ersten Fälle als Coroner der Stadt kennengelernt. Sie hatte die Stellung als leitende Amtsärztin angenommen, um ihren Partner an der Kinderklinik von Heartsdale auszahlen zu können, der in den Ruhestand gehen wollte. Und Sara hatte diesen Posten behalten, obwohl es inzwischen Jahre her war, dass sie Dr. Barney abgefunden hatte. Ihr gefielen die Herausforderungen der Pathologie: Vor zwölf Jahren, als Sara ihre Zeit als Assistenzärztin in der Notaufnahme des Grady Hospital in Atlanta abgeschlossen hatte, war es eine gewaltige Umstellung von der hektischen Arbeit dort, bei der es oft um Leben und Tod ging, auf Bauchschmerzen und Schnupfen in der hiesigen Kinderklinik gewesen. Und der Job als Coroner stellte Anforderungen, die ihren Verstand hellwach hielten.

Schließlich wurde sie von Jeffrey entdeckt. Abrupt hörte er auf, Betty Reynolds die Hand zu schütteln, und seine Mundwinkel wanderten aufwärts, bevor sie gleich darauf wieder nach unten sanken, als die Besitzerin des Kramladens weiter auf ihn einredete.

Sara konnte sich vorstellen, worüber Betty sprach. Im Laufe der letzten drei Monate war zweimal bei ihr eingebrochen worden. Ihr war anzusehen, dass sie sich beschwerte, und sie merkte gar nicht, dass Jeffreys Aufmerksamkeit nicht mehr ihr galt.

Schließlich nickte Jeffrey, tätschelte Betty die Schulter und gab ihr noch einmal die Hand. Wahrscheinlich hatte er versprochen, sich in den nächsten Tagen mit ihr zu unterhalten. Nachdem er sich befreit hatte, kam er auf Sara zu, ein verschmitztes Lächeln im Gesicht.

»Na, du«, sagte er und gab ihr die Hand. Ehe sie sichs versah, schüttelte Sara sie ihm, so wie fast alle anderen Besucher der Inline-Bahn zuvor.

»Hallo, Jeffrey«, unterbrach Tessa in ungewohnt scharfem Tonfall. Normalerweise erledigte ihr Vater es, Jeffrey anzuraunzen.

Jeffrey lächelte verdutzt. »Hi, Tessie.«

...

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