Lassiter 2417 - Western

Die Squaw vom Blutberg
 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. November 2018
  • |
  • 64 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7325-7282-3 (ISBN)
 
Die beiden Berittenen neben Curt Rowman sprachen kein Wort und starrten auf den steinernen Viadukt hinunter, der mit seinen acht mächtigen Gewölbebögen den Studebaker Gorge überspannte. Sie nahmen die Hüte vom Kopf und murmelten das Gebet, das sich Rowman von ihnen erhofft hatte.

"Das Opfer hat sich gelohnt", sagte einer der Männer im Sattel danach. "Die Brücke wird hunderte Siedler ernähren."
"In der Tat", antwortete Rowman und nickte. "Bald trägt der Blutberg seinen Namen zu Unrecht."

Dann zog er den .44er Cimarron aus dem Holster und jagte jedem seiner Begleiter eine Kugel durch den Schädel. Die Männer kippten von ihren Pferden und stürzten auf den nackten Fels.
Aus dem Tal drang der Pfiff des Drei-Uhr-Fünfundvierzig-Zugs herauf.
1. Aufl. 2018
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,84 MB
978-3-7325-7282-3 (9783732572823)

Blood Mountain, Washington-Territorium, vier Jahre zuvor

Von den Flanken des Blutbergs, dessen weißer Gipfel für Tianauwas Begriffe unermesslich hoch in den Himmel ragte, floss das Wasser in Strömen. Die Indianerin stand mit ihrem kleinen Sohn Tanake am Fluss und sah den Stämmen zu, die es aus dem Erdreich gerissen hatte. Sie war den weiten Weg vom Lager heraufgelaufen, um mit eigenen Augen zu sehen, wovon ihre Stammesbrüder berichtet hatten.

»Tianauwa«, sagte der Junge und zog ein ernstes Gesicht. »Wie viele Monde dürfen wir noch in Frieden leben? Der Fluss wird unsere Zelte verschlingen.«

Auf diese Frage hatte auch Tianauwa keine Antwort.

Sie hatte das geräucherte Elchfleisch vom Haken geholt, als die Kanus der Älteren vom Fluss herübergekommen waren. Die Männer hatten Tianauwa aus dem Haus gejagt und danach bis zum Sonnenuntergang gestritten. Der Häuptling hatte mit scharfer Stimme für Ruhe sorgen müssen.

Rasch hatte es Gerüchte im Dorf gegeben.

Die Weißen hätten vier Stämme oben am Runden Fluss getötet, hatte eine der Älteren Tianauwa weismachen wollen, bei lebendigem Leib seien alle verbrannt. Eine andere Frau hatte Tianauwa am Rock in ihr Haus gezogen und sie beschworen, sich in den kommenden Nächten nicht ans Flussufer zu wagen. Das ganze Dorf hatte gezittert vor Angst.

»Ich weiß nicht«, sagte Tianauwa und strich ihrem Jungen über den Kopf. Er war ein Flachhäupter wie sie selbst und hatte das Ritual gut überstanden. »Uns wird nichts geschehen, Tanake. Du musst mutig sein.«

Aus dem Fluss schwemmte es einen querliegenden Stamm an, der sich zwischen den Ufersteinen verkeilte und das Wasser anstaute. Sie hatten den ganzen Sommer über keine Lachse gesehen, und es war nicht zu erwarten, dass der Winter etwas daran ändern würde.

»Ich bin mutig«, versicherte Tanake und schwenkte den Wurfspeer, den ihm jemand im Dorf geschnitzt hatte. Er war fast so groß wie Tanake selbst. »Du musst dich nicht um mich sorgen, Mutter.«

Erst mit dem Häuptling war die Ruhe ins Dorf zurückgekehrt, obwohl seine Worte alles andere als beruhigend klangen. Er hatte auf den Holzstufen vor dem Haus gestanden und mit müden Augen auf die Gemeinschaft geschaut. Die Frauen neben Tianauwa hatten sich ängstlich bei den Händen ergriffen, während er zu ihnen geredet hat.

»Brüder und Schwestern«, hatte Häuptling Axaxo gesagt. »Die Weißen nördlich unseres Flusses sind zahlreich geworden. Sie jagen nach unseren Elchen, sie verzehren unseren Fisch, sie fällen unsere Bäume.«

Unter den Versammelten war es still wie in einer Vollmondnacht gewesen. Sie hatten der zitternden Stimme Axaxos ehrfürchtig gelauscht und sich nicht von der Stelle gerührt. Die Finger von Tanake hatten sich in Tianauwas Kleid gekrallt.

»Tianauwa! Tianauwa!«

Die helle Stimme von Tanake riss die Chinook-Squaw aus ihren Gedanken. Der Junge hatte sich losgerissen und deutete mit dem Arm hinüber zum anderen Flussufer. Er rannte wieder zu seiner Mutter und verbarg sich hinter ihrem Rücken.

»Was hast du?«, fragte Tianauwa und lugte gleichfalls zur anderen Flussseite. Sie machte eine vage Bewegung im Unterholz aus, die ebenso gut von einem Dachs hätte stammen können. »Komm nur, wir mü-«

Das fahle Antlitz eines Bleichgesichts jenseits des Flusses brachte Tianauwa zum Verstummen. Der Fremde stand zwischen den Büschen, die an dieser Stelle bis zum Wasser reichten, und hielt ein Gewehr in der Hand. Er hielt es auf Tianauwa gerichtet.

»Gut gemacht!«, rief ein zweites Bleichgesicht und klopfte dem ersten auf die Schulter. Der Mann trug gleichfalls ein Gewehr bei sich. »Hey! Hey, du! Schick uns den Jungen herüber!«

Nacheinander erschienen fünf weitere Weiße und gingen am gegnerischen Ufer in die Hocke. Sie starrten Tianauwa mit reglosen Mienen an und erwarteten die Kommandos ihres Vorgesetzten.

»Halt mich nicht zum Narren, Rothaut!«, schrie der Fremde, dessen Bart so rot wie die Muschel war, die Tianauwas Vater seiner Tochter vom Ozean mitgebracht hatte. »Du sprichst meine Sprache! Du musst nicht die Einfältige spielen!«

Tatsächlich begriff Tianauwa mehr schlecht als recht, was der Weiße zu ihr herüberrief. Sie hatte auf Vaters Geheiß mit einer Siedlergruppe Handel getrieben, die sich weiter östlich am Hood River niedergelassen hatte.

Aber Tanake bekam niemand in die Hände!

»Wie du willst!«, rief der Weiße und schüttelte mit dem Kopf. Er trat mit dem Stiefel das Gestrüpp beiseite und sprang ins Wasser. »Willst du uns den Kleinen nicht geben, kommen wir ihn uns holen! Vorwärts! Ergreift die Rothaut!«

Die übrigen Männer gehorchten dem Befehl ihres Anführers und waren nach einigen Sprüngen im Wasser. Sie trugen zum Teil Fellmäntel über den Schultern, von denen getrocknete Hasenpfoten und andere Proviantreste hingen. Einer von ihnen wagte sich bis auf den Stein in der Mitte des Stroms vor.

»Ruhig, Jean!«, hielt ihn der rothaarige Anführer zurück. »Sei auf der Hut! Rothäute sind ohne rechte Moral!«

Aus Tanakes weit geöffneten Augen sprach die Furcht. Er hatte sich hinter Tianauwa hervorgetraut und nahm die Weißen fest in den Blick. Er würde zur Beute ihrer Angreifer werden, die indianische Kinder auf Schwarzmärkten in San Francisco oder Portland verkauften, und den Fluss und die Berge niemals wiedersehen.

»Feuer!«, stieß der Weiße mit dem roten Bart hervor, kaum dass Tianauwa ihren Sohn ergriff und zum Wald zerrte. Sie hörte die peitschenden Kugeln aus den Feuerrohren der Bleichgesichter und trieb Tanake vor sich her.

Dann zerriss ein Gewehrschuss Tianauwas rechte Schulter.

Die Ureinwohnerin sah einen blutigen Fetzen ihrer Haut durch die Luft segeln, ehe Tanake sich an ihre Hand hängte und sie dadurch hinab ins Gras zog. Sie prallte mit der Stirn gegen einen Baumstumpf und sah benommen, dass einer der Weißen bereits ganz nah war.

Er stieg über Tianauwa hinweg wie über einen Tierkadaver.

»Kleiner!«, herrschte er Tanake an und schlug ihm den Gewehrkolben gegen die Brust. »Du reitest mit uns, verstanden?«

?

Das San Franciscan in der Boulder Street von Rustenburg verfügte über zwei Stockwerke, die das viktorianische Hotel zum höchsten und schönsten Bauwerk der Stadt machten. Es war fünf Jahre zuvor von einem Engländer errichtet worden, der am Blood Mountain eine Mine betrieb und über die Britische Ostindien-Kompanie selbst das Königshaus mit reinstem Silber belieferte. Er hatte die Frau angeheuert, die sich an diesem Abend lasziv auf ihrem Kanapee rekelte und ihrem Gast anzügliche Blicke zuwarf.

»Er ist tot«, sagte Lassiter. Er war bis auf sein Hemd unbekleidet. »Mr. Simmons ist im Studebaker Gorge gestorben. Ich sah vor zwei Tagen seine Leiche in Bennetville.«

»Sie müssen lügen«, erwiderte Anna O'Scott und schüttelte ungläubig mit dem Kopf. Sie trug ein hochschnürendes Korsett mit steifen Federn, darunter einen Satinstrumpfhalter mit Bändern aus französischer Seide. »Er . Mr. Simmons darf nicht tot sein. Die Stadt verdankt ihm ihren ganzen Wohlstand.«

»Die Blätter werden es bald melden«, meinte Lassiter und trat wieder auf das Bett zu. Er hatte den Vorfall mit Simmons erst nach ihrem Rendezvous erwähnen wollen. »Ich kenne den Totengräber von Bennetville.«

Die Besorgnis im zarten Gesicht der Miss O'Scott verging in dem Augenblick, in dem sie sich darauf besann, dass Lassiter ein zahlender Kunde war. Die Kurtisane erhob sich vom Bett, trat mit wiegenden Hüften auf den Mann der Brigade Sieben zu und schlang einen Arm um seinen Hals. »Es ist nichts daran zu ändern. Mr. Simmons sollte nicht Gegenstand unseres Gesprächs sein.«

»Ganz Ihrer Meinung«, versetzte Lassiter und legte seinerseits die Arme um die Taille der jungen Frau. Er hatte es mit keinem Weibsbild mehr getan, seit man ihm in Bennetville einen Peacemaker an den Schädel gehalten hatte, weil die jüngste Tochter des Bürgermeisters unter ihm gelegen hatte. »Es wäre zudem vergeudete Zeit, Miss.«

Das junge Freudenmädchen führte seine Hand zu ihrem Strumpfhalter hinunter und schmiegte sich an ihn. Sie schloss vor Erregung die Augen, als seine Finger zwischen ihre Beine glitten und das Mieder beiseiteschoben. Aus dem Tanzsaal des San Franciscan drangen die treibenden Fiedelklänge des Irish Eve herauf, den die Herbergsbesitzerin für diesen Abend ausgerufen hatte.

»Wird man Sie nicht vermissen?«, erkundigte sich Lassiter und drängte seine Geliebte zum Bett hinüber. Er hatte sie höflich als Miss O'Scott angesprochen, bevor sie zum Geschäftlichen gekommen waren. »Immerhin ist der Abend allein Ihr Vorschlag gewesen.«

Die blonden Locken von Miss O'Scott berührten seine Wangen. »Die Mädchen wissen selbst am Besten, wie sie mit den Männern umzugehen haben. Ich wäre ihnen bloß im Weg.« Sie lächelte. »Oder wäre es Ihnen lieber, ich ließe das Schäferstündchen sausen?«

Die Erwiderung des Brigade-Sieben-Mannes bestand in einem leidenschaftlichen Kuss. Er sog den Duft von Annas Mund ein, der nach den Feigen und dem Brandy roch, von denen sie unten gekostet hatten. »Ich würde es im Gegenteil vorziehen, dass dieses Schäferstündchen bis zum Morgengrauen dauert. Sie sind von bezaubernder Schönheit, Miss.«

Geschmeichelt legte sich Anna im Bett zurück und schnürte das Korsett auf. Sie entblößte ihre weißen Brüste, die wie Porzellangefäße aus dem Stoff glitten. Als Lassiter fest die Hände um sie legte, stöhnte die Kurtisane leise auf.

»Noch...

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