Die großen Themen unserer Zeit. Beobachtungen Analysen Positionen. 29. Ausgabe

Wie wollen wir leben?
 
 
Frieling & Huffmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im August 2021
  • |
  • 288 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8280-3625-3 (ISBN)
 
Der lebendige Austausch über gesellschaftlich und politisch relevante Themen ist für eine Demokratie maßgebend. Deshalb liegt dem Frieling-Verlag Berlin ein offener und engagierter Dialog zu den richtungsweisenden Themen unserer Zeit am Herzen. In dem Sammelband DIE GROSSEN THEMEN UNSERER ZEIT BEOBACHTUNGEN, ANALYSEN, POSITIONEN beziehen Autorinnen und Autoren zu aktuellen Fragen Stellung und diskutieren ihre Beobachtungen zum Zustand der Welt und ihrer direkten Umgebung. Dabei werden bewusst auch kontroverse Sichtweisen veröffentlicht. Der vorliegende Band umfasst auch Beiträge zum Schwerpunktthema "Wie wollen wir leben?"

28 AUTORINNEN UND AUTOREN ergreifen in DIE GROSSEN THEMEN 2021 das Wort: Velibor Baco Christian Barsch Adriaan Bekman Eva-Marie Brodheim-Egbuna Diethelm Max Bubbel Klaus Butenschön Frank Delonie Horst Denzin Regina Franziska Fischer Paul Friedrich Gemeinschaft für Frieden und Gerechtigkeit Peter Kleine Hansjörg Kuppardt Walter Lück Adrian Lusink Nicole Marquardt Günther Melchert Walter Neukom Rolf von Pander Regina Rausch Adelheid Schmidt Oskar Schmitt Samira Schogofa Martin Schröder Roswitha Charlotte Schwenk Dahee Tem Barbara Vogler Inna Zagrajewski
1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • Neue Ausgabe
  • 2,18 MB
978-3-8280-3625-3 (9783828036253)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Velibor Baco


Die schönste aller Welten

Ist der Begriff Seelenheimat überhaupt erfassbar? Teilen alle Menschen Gemeinsamkeiten, die den Begriff Seelenheimat ausmachen? Ist der Autor überhaupt befähigt, Antworten auf diese Fragen zu geben? Als Kind zum Kriegsflüchtling geworden, das, was man als Zuhause kannte, verloren, unzählige Ortswechsel und Umzüge, stets ein neues Umfeld, Kulturen, Sprachen und ihre Menschen. Entwickelt sich eine Seelenheimat nicht erst durch jahrelange Erfahrungen an einem Ort, das Erlernen aller Nuancen und Facetten eines bestimmten Ortes? Sind es nicht diejenigen, die ein Leben lang nur an einem Ort gelebt haben, die verstehen, was Seelenheimat bedeutet, und danach leben? Oder muss man ein Weltreisender gewesen sein, stets von Ort zu Ort eilend, um zu erkennen, was Seelenheimat ist? Oder muss man die Seelenheimat erst verlieren, um zu wissen, dass man sie hatte und was sie ist und was sie ausmacht?

Der Begriff Seelenheimat ist höchst individuell, genau wie jeder Mensch. Selbst bei Betrachtung eines einzelnen Menschen ändert sich der Begriff im Laufe des Lebens. Ist man in der Kindheit noch stark an die elterliche Nähe gebunden und somit dort beheimatet, wo die Bezugspersonen gerade sind, so wird man mit zunehmendem Alter und Individualisierung bzw. Entwicklung der eigenen Persönlichkeit immer mehr durch eigene Erlebnisse und Sehnsüchte geprägte Heimatbegriffe finden.

Seelenheimat ist ein Empfinden, das Gefühl, an einem bestimmten Ort hinzuzugehören, angekommen zu sein. An einem solchen Ort verfliegt das Gefühl, etwas verpassen zu können. Für die meisten Menschen ist es auch der Ort, an dem ihre Familie angesiedelt ist, auch das Netzwerk an Freunden aus jüngster Kindheit, die über die Jahre eine starke Verbundenheit mit einem Ort bewirken. Für andere kann es gerade die Abgeschiedenheit und die Distanz zu menschlichen Kontakten sein, die gerade die Seele zur Ruhe finden lassen. Es kann der einzigartige Dialekt einer Region sein, der nur dort gesprochen wird, der einem ein besonderes Gefühl der Zugehörigkeit durch Abgrenzung verschafft. Nicht selten sind es die umgebenden Naturschönheiten, die den Menschen tief berühren und sesshaft werden lassen. Zuletzt trifft man auch die typischen Stadtmenschen an, die in der kulturellen und menschlichen Vielfalt und den Möglichkeiten einer Großstadt vollkommen aufgehen und sich mit einem solchen Ort identifizieren.

Ein ganzes Leben lang kann man an einem Ort verbringen, ohne je Seelenheimat gefunden zu haben. Viele Menschen verwechseln den Begriff der Seelenheimat mit der Angst vor Veränderungen, die sie an einem Ort für zu lange verharren lässt. Finanzielle Notwendigkeiten lassen uns oft der Sicherheit den Vorzug geben vor der Selbstverwirklichung. Andererseits kann es einen sogar zu einem Ort hinziehen, an dem man gerade erst zum ersten Mal angekommen ist. Die frische Meerluft und der Wind des Nordens oder lange warme Nächte des Südens lassen Menschen oft erkennen, wonach sie sich jahrelang gesehnt haben.

Manch einer sehnt sich nach materieller Sicherheit, der Deckung der Grundbedürfnisse, um zur seelischen Heimat zu gelangen. Andere haben alles, was sie sich wünschen und wünschen könnten, und noch viel mehr als das, und dennoch sind sie wie Getriebene, wie Fremde im eigenen Zuhause. Erstere stechen durch Bescheidenheit im Anspruch hervor, während letztere durch ein Verlangen nach mehr stets nach neuen Errungenschaften streben. Während erstere eine möglichst stabile und unveränderte Umwelt anstreben, haben letztere gerade in der steten Veränderung ihren Lebensstil entdeckt. Die Seelenheimat kann also durch die statische Umgebung seit Kindheitstagen definiert sein oder überhaupt nicht an einen bestimmten Ort gebunden sein, sondern ein Prozess, eine stetige Veränderung.

Die Seelenheimat kann aber nichts Äußerliches sein, kein Ort an sich, sondern nur das Gefühl, das eine bestimmte Umgebung in uns auslöst. Dieses Gefühl muss aber nicht durch einen Ort ausgelöst werden, es können auch Menschen sein, die dieses Gefühl in uns auslösen und die wir mit einem Ort in Verbindung bringen. Es kann auch ein aus uns selbst entstehendes Gefühl sein, etwa durch Meditation, durch das wir uns von üblichen Anhaftungen loslösen und die Seelenheimat in uns selbst finden.

Räumlich definiert ist die Seelenheimat eine Projektion des Zusammenspiels von Raum, Zeit und unseren Sehnsüchten, Ängsten und Befindlichkeiten auf einen bestimmten Ort/Raum und eine bestimmte Zeit.

Universell definiert ist die Seelenheimat das Ende einer Suche, das Loslassen von Sehnsüchten, Anhaftungen oder Ideen. Seelenheimat bedeuten Ankommen im Hier und Jetzt, in der Realität. Die dem Autor einzig bekannte Realität ist im letzten Satz dieser Überlegungen zu finden.

Wie kam der Autor zu seiner Erkenntnis?

Was einem Heranwachsenden noch als die perfekte Landidylle erscheint, ändert sich oft bereits mit dem Beginn eines Hochschulstudiums. Gesagt wird, es sei nicht mehr dasselbe, an diesem Ort zu leben, vergessen wird aber: Man selbst ist nicht mehr der- oder dieselbe.

Aber was ist es nun, das uns dazu bringt, uns zugehörig zu fühlen an einem bestimmten Ort?

Nach Jahren des Lebens in einem zunächst fremden Land erleben viele Kriegsvertriebene und Kriegsflüchtlinge bei der erstmaligen Rückkehr in die frühere Heimat Verwunderung. Im Herzen und in der Seele war die alte Heimat über Jahre konserviert und weiterhin am Leben. Die schönen Kindheitserinnerungen, die schönen Momente im Leben wie die erste Liebe, Erlebnisse in der Schulzeit, Erfolge im Arbeitsleben, all das lebt ins uns weiter, solange wir die Sprache der Heimat weiterhin verwenden und uns zurückerinnern (können). Bei der Ankunft muss man jedoch feststellen, dass ein solcher Ort nicht mehr existiert. Die Natur, teils die Gebäude, ja sogar die Erinnerungen an die Kindheit sind alle noch da. Aber dennoch muss man erkennen und sich eingestehen, es fehlt etwas.

Erst bei der Rückkehr in die neue Heimat wird es einem bewusst: Es sind die Menschen, die uns lieb sind, sie sind nicht mehr dort. Oft wird man auch bei der Rückkehr in die neue Heimat von einem Gefühl der Rückkehr überrascht, das man eigentlich bei der Ankunft in der alten Heimat erwartet hat und das sich nie wieder eingestellt hat. Plötzlich werden die schönen Kindheitserinnerungen, die einen mit einem Ort verbinden, zu einer unerträglichen Last der Seele. Man erkennt es, es sind nicht die Gebäude, die Wälder, Wiesen und Berge, die die Seelenheimat ausmachen, es sind die Menschen und Beziehungen und die damit verbundenen Gefühle, die einen Ort zur Seelenheimat werden lassen. Und das Gefühl, dass diese Orte, diese Zeit für immer verschwunden sind, nie wieder zurückkehren werden, lässt schöne Kindheitserinnerungen zu traurigen Denkmälern des nicht mehr Existenten werden.

Viele auf diese Art und Weise entwurzelte Menschen schaffen es lange Zeit nicht, in der neuen Heimat anzukommen, können aber auch die alte Heimat nicht mehr wiederfinden. Diese Phase der Liminalität dauert bei jedem Menschen unterschiedlich lange an, für manche endet sie nie. Sie bleiben Gefangene ihrer Erinnerungen und Sehnsucht, ohne sie jemals verwirklichen zu können. In der Hoffnung, in eine alte, in eine vergangene Zeit zurückkehren zu können, wird das gesamte hart Ersparte dazu verwendet, Häuser in der alten Heimat zu bauen, für die eigene Rente oder für die Kinder, die eines Tages wieder zurückkehren würden. Verkannt wird, dass die Kinder bereits in der neuen Heimat angekommen sind, diese oft als ihre einzige Heimat erlernt haben und somit nie an eine "Rückkehr" in ein fremdes Land denken würden. Manche ziehen den Plan bis zum bitteren Ende durch und kehren tatsächlich in die viel zu großen, halb leeren Häuser zurück, nur um zu erkennen, dass sie ohne ihre Kinder in der alten Heimat überhaupt keinen Lebenssinn empfinden. Ein Leben der Aufopferung und des Verzichts findet in der Erkenntnis ein bitteres Ende, dass all die Häuser nichts wert sind, wenn sie leer bleiben, wenn niemand in ihnen lacht und keine Kinder und Enkel durch die Gänge toben.

Die, die den Weg "zurück" nicht gehen, treffen in der neuen Heimat auf eine große Hürde.

Jede Sprache, die man spricht, die Worte, Erlebnisse, Erlerntes, Gefühle bilden eine eigene Gedankenwelt. Ab einem gewissen Niveau an Sprachkenntnis fängt man an, die Sprache zu fühlen, in ihr zu träumen und sich emotional darin auszudrücken. Am einfachsten und selbstverständlichsten ist dies mit der ersten erlernten Sprache, der Muttersprache. Das erste erlernte Wort für Mutter und Vater prägt sich in unser Dasein und Verständnis ein und bleibt zumeist ein Leben lang unser Herzensausdruck für diese Bezugspersonen.

Um die Beziehung eines Wortes mit diesem Gedankensystem und selbiges zu verstehen, stelle man sich am besten folgendes Beispiel vor: Es ist wie ein Lied aus der Jugend, ein Ohrwurm, den man als Erwachsener wieder hört und der einen sofort in die alten Erinnerungen und Gefühle dieser Zeit zurückbringt....

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