Alles auf Anfang!

Unmögliche und fantastische Geschichten 4
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. August 2020
  • |
  • 180 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7526-7601-3 (ISBN)
 
Aller Anfang ist schwer?
Zumindest sagt das der Volksmund. Andererseits wohnt nach Hermann Hesse jedem Anfang ein besonderer Zauber inne. Und von diesem besonderen Zauber handeln die sechs Geschichten dieses Buches. Dabei ist nicht wesentlich, was begonnen wird, ob es darum geht, sich nach langer Zeit als Single wieder auf Partnersuche zu begeben, mehr Spaß in sein Leben zu lassen oder sich nach einem großen Verlust wieder aufzuraffen. Entscheidend ist, dass die Frauen in allen Geschichten ihr Schicksal in die Hand nehmen, dabei nie den Humor verlieren, hilfreiche Freunde finden und manchmal auch zauberhaften Beistand erhalten.
2. Auflage
  • Deutsch
  • 0,30 MB
978-3-7526-7601-3 (9783752676013)
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Elfi Sinn, geboren 1947, Kindergaertnerin und Diplom-Gesellschaftswissenschaftlerin, hat mehr als 20 Jahre als Heilpraktikerin psychotherapeutisch in eigener Praxis gearbeitet, seit 2017 im Ruhestand.
Zahlreiche Artikel zu psychologischen und gesundheitlichen Problemen in Fachjournalen und Frauenzeitschriften.
2017 erschien ihr erstes Buch Der Club der kleinen Millionaere-Coole Kids und der clevere Umgang mit Geld.
Veroeffentlichungen seitdem:
Immer wieder aufstehen; Die Silver Girls -65 Na und!; Die dicke Friedericke; Die Weiberwirtschaft; Das Monster im Schrank; Unglaubliche und fantastische Geschichten.

Wenn ich einmal reich wär.


Noch auf dem Heimweg summte diese Melodie durch den Kopf von Kerstin Schorn. Sie war noch nie in einem Musical gewesen und im Theater garantiert die letzten dreißig Jahre nicht.

Zu dieser Aufführung von Anatevka war sie von Frau Schneider aus der Wohnung über ihr eingeladen worden. Frau Schneider war sehbehindert und durfte deshalb immer eine Begleitperson kostenfrei mitnehmen.

So kam Kerstin zu diesem wunderbaren Erlebnis, zu dem sie sich fast nicht getraut hatte, denn ihr Kleiderschrank bot dafür nicht allzu viele Möglichkeiten.

Nur gut, dass sie noch das anständige schwarze Kleid von der Beerdigung hatte, sonst hätte sie gar nicht gewusst, was sie anziehen sollte.

Früher mit Anfang Zwanzig, war sie oft im Theater gewesen. Immer wenn der Kulturverantwortliche hoffnungsvoll Eintrittskarten für Theater und Konzert anbot, hatte sie gerne und häufig zugegriffen. Damals war es auch selbstverständlich gewesen, dass ihr Betrieb diese Karten bezahlte. Aber auch das war wirklich sehr lange her. Sie selbst, hatte für solche Sachen schon seit vielen Jahren kein Geld mehr gehabt.

Deshalb konnte sie den Milchmann Tevje so gut verstehen, der davon träumte, einmal reich zu sein. Wenn ich einmal reich wär., wieder zog die Melodie durch ihren Kopf und sie summte leise mit.

Die Nachbarin lächelte. "Ihnen hat es auch so gut gefallen wie mir, oder?"

Kerstin nickte begeistert, ein Gefühl, das sie schon lange nicht mehr gespürt hatte. "Es war wirklich sehr schön. Aber mir geht der Milchmann nicht aus dem Kopf. Wie mag es wohl sein, wenn man wirklich reich ist und viel Geld hat?"

Frau Schneider schüttelte den Kopf. "Kindchen, zum reich sein gehört viel mehr, als nur Geld zu haben. Denken sie nur an die Lotto-Millionäre, die ihr Geld schon nach einem Jahr wieder los sind.

Reich sein beginnt im Kopf und im Herzen. Reich sein kann man an Freunden, an Erlebnissen, an Möglichkeiten, aber natürlich gehört auch etwas Geld dazu."

Kerstin nickte verstehend, obwohl sie schon mit etwas mehr Geld glücklich gewesen wäre. Zu lange hatte sie jeden Cent, den sie verdiente, umgedreht, um die Familie über die Runden zu bringen.

Und dann, als Hannes so schwer krank wurde, kamen noch die Kosten für die Medikamente dazu. Eine Pflege konnten sie sich nicht leisten, also hatte sie die Arbeitszeit in der Kantine des großen Verlages, in der sie angestellt war, kürzen lassen und arbeitete dafür nachts als Reinigungskraft.

Was wäre wohl so schlimm daran, wenn ich ein wenig reicher wäre? Die Klage des Milchmanns aus dem Musical zog ihr wieder durch den Kopf. Hatte sie sich ihr zukünftiges Leben so vorgestellt, als sie mit 21 ihr Studium als Ingenieurin für Bekleidungsindustrie abschloss und in einem Konfektionsbetrieb anfing?

Damals lag eine strahlende Zukunft vor ihr. Sie heiratete Hannes, den sie während des Studiums kennenlernte, bekam einen Sohn und sogar eine Neubauwohnung. Mehr hatte sie sich damals gar nicht wünschen können. Sie verdienten beide gut und konnten sich auch tolle Urlaubsreisen leisten.

Gerade als Kerstin überlegte, ihre Familie zu vergrößern und noch ein Kind zu bekommen, kam die Wende. Über Nacht verloren Kerstin und Hannes ihre Arbeit, neben der Familie, der wichtigste Lebensinhalt. Und eine neue Arbeit zu finden war wirklich nicht leicht.

Alles war plötzlich anders, das Vertraute war fast vollständig verschwunden. Der Zusammenhalt, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen um sie herum, all das gab es fast über Nacht nicht mehr. Jeder musste sehen, wie er alleine klarkam.

Kerstin, die nicht müde wurde zu suchen, fand sehr schnell Arbeit in der Kantine eines Verlages.

Natürlich entsprach das nicht ihrer Ausbildung, aber es war Arbeit und sie wurde gut bezahlt.

Hannes verkraftete die Veränderungen wesentlich schlechter, er wollte sich auf keinen Fall "unter Wert verkaufen", wie er es nannte. Die Folge war, er fand keine Arbeit oder wenn er welche hatte, verlor er sie wieder, weil er sich ständig mit seinen Chefs anlegte.

Seinen Frust über diese "Ungerechtigkeit" ließ er meist abends an Kerstin aus.

Noch schlimmer wurde es, als ihr Sohn mit siebzehn bei einem Autounfall starb. Kerstin erstarrte in ihrem Schmerz, funktionierte jedoch im täglichen Leben weiter, wie bisher.

Aber Hannes schien regelrecht durchzudrehen und allem und jedem die Schuld zu geben. Anfangs überhörte sie seine Schimpfkanonaden, als er aber seine depressiven Phasen immer häufiger in Alkohol ertränkte, begann sie sich zu wehren.

Leider blieb das erfolglos. Einmal hätte er sie fast geschlagen, aber nur fast. Vermutlich wusste er, dass sie dann sofort gegangen wäre.

Eine ärztliche Behandlung verweigerte er lange Zeit kategorisch.

Kerstin war klar, sie hätte sich konsequent von ihm trennen müssen, als er sich täglich betrank. So viele Leute hatten ihr zugeredet, auch der Therapeut, den sie wegen des Alkoholproblems konsultierte. Aber konnte sie das Wrack, das einmal ihr Mann war, einfach vor die Tür setzen? Immerhin hatten sie sich doch versprochen, in guten wie in schlechten Zeiten füreinander da zu sein.

Also machte sie einfach weiter, begrub ihre Träume und Hoffnungen und harrte aus.

Als Hannes schließlich schwer an einer Leber-Zirrhose erkrankte, übernahm sie klaglos die Pflege, obwohl er ein sehr schwieriger und undankbarer Patient war. Aber das alles nahm sie schon nicht mehr so richtig wahr. Eigentlich spürte sie kaum noch etwas, so als hätte sie ihre Gefühle tiefgefroren und irgendwo dort eingelagert, wohin kein Weg mehr führte.

Auch als Hannes beerdigt war, blieb diese innere Kälte.

Sie wechselte wieder zur Vollzeit in der Kantine, aber sonst blieb alles beim Alten.

Sonderbar war nur, dass ihr jetzt plötzlich mehr Zeit zur Verfügung stand, Zeit, die sie gar nicht füllen konnte. Bis Frau Schneider sie eingeladen hatte. Das war wie ein warmer Schauer, wie ein Auftauen, für sie gewesen, als wäre ihr erst jetzt bewusst geworden, dass auch andere Menschen sich für sie interessierten.

Und dass sie jetzt mit 55 immer noch ein eigenes Leben hatte oder wenigstens kümmerliche Reste davon. Wie sie die wieder beleben sollte, dazu fehlte ihr jegliche Vorstellung.

Aber irgendwo musste sie ja schließlich anfangen. Und der Anfang wäre schon die halbe Miete, wie ihr Großvater immer zu sagen pflegte. Warum also nicht mit der aufregenden Hoffnung beginnen, etwas reicher zu werden?

Dieser Gedanke elektrisierte sie regelrecht und verfolgte sie von da ab jeden Tag.

Sie wusste zwar nicht genau, woran man wirklichen Reichtum festmachen könnte. Es ging ihr auch nicht um eine konkrete Geldsumme, sondern eher um das Gefühl der Sicherheit, welches sie damit verband, so eine besondere Form der Sorglosigkeit. Man könnte sich einfach ein schönes Kleid kaufen oder in ein Konzert gehen, ohne sich Gedanken um die finanziellen Konsequenzen zu machen, einfach weil genügend da war.

So etwas war ihr sehnlichster Wunsch, so musste sich reich sein anfühlen. Aber wie konnte sie das erreichen?

Wie konnte sie mehr aus dem Geld machen, das ihr jetzt schon zur Verfügung stand? Jetzt, da sie keine Zuzahlungen für Rezepte leisten musste und keine Pflegematerialien mehr benötigte. Sie bekam sogar Witwenrente, zwar nur die kleine, aber für sie war das unvorstellbar viel Geld.

In der ersten Begeisterung darüber, hatte sie sich ein Kleid für den nächsten Theaterbesuch gekauft, einfach so. Im Geschäft fand sie es noch ziemlich passend und die Verkäuferin betonte mehrfach, dass dieser orangerote Ton die neue angesagte Modefarbe sei.

Aber zuhause stellte sie fest, dass sie in dem Kleid regelrecht kränklich aussah. Was jetzt? Sie drehte sich ratlos vor dem Spiegel und schob ihre halblangen, mittelblonden Haare hinter die Ohren.

Dieser Misserfolg verunsicherte sie.

Vielleicht war sie auch nicht klüger, als die Lottomillionäre, die das Geld verschwendeten?

Sie seufzte noch einmal und betrachtete sich im Spiegel. Zum Frisör muss ich auch, entschied sie, und dieses Kleid tausche ich wieder um. Aber was passt denn wirklich zu mir?

Sie beschloss Frau Schneider zu fragen. Die freute sich zwar über den Besuch, wehrte aber bei Kerstins Frage ab.

"Kindchen, ich bin fast blind und kaum geeignet Mode-Empfehlungen zu geben. Für mich selbst habe ich mich immer an zwei Ratschläge meiner Mutter gehalten:

1. Wenn du etwas kaufst, nimm immer das Beste, das du dir leisten kannst und 2. Wähle die Farben, die du in den Augen hast, die passen immer."

Kerstin hatte die Hinweise schnell auf ihren Einkaufszettel gekritzelt und schaute dann Frau Schneider prüfend an.

Das stimmte, silbergraue Augen und ein hellgraues Kleid mit einem zarten violetten Schal.

Und gute Qualität konnte sie immer noch erkennen, schließlich waren Stoffe mal ihre Leidenschaft. Leider hatte sie wegen Hannes das Nähen aufgegeben, aber die Maschine war noch da.

Sie...

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