Kaimankacke

Roman
 
 
dtv (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 24. Oktober 2014
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-423-42478-3 (ISBN)
 
Willkommen im Club "Mucho Gusto"
Lieber ' ne Piña Colada in der Karibik bei dreißig Grad im Schatten als stinkenden Fisch bei schwedischem Dauerregen. Dazu: Sonne, Aracaris, Bikinis und so weiter. Gedacht, getan. Kurzentschlossen bucht Torsten Flug und Club-Hotel, besorgt für alle Fälle noch schnell zwei Badehosen und fliegt über den Großen Teich, wo ihn neben seinen Gödseltorp-Kampfgenossen Rainer und Bjørn einige Überraschungen erwarten. Der Kaiman im Swimmingpool ist dabei erst der Anfang .
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Format: EPUB
  • 1,83 MB
978-3-423-42478-3 (9783423424783)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Lars Simon, Jahrgang 1968, hat nach seinem Studium lange Jahre in der IT-Branche gearbeitet, bevor er mit seiner Familie nach Schweden zog, wo er als Handwerker tätig war. Heute lebt und schreibt der gebürtige Hesse wieder in der Nähe von Frankfurt am Main. Bisher sind von ihm bei dtv eine dreibändige Comedy-Reihe, das Weihnachtsbuch >Gustafssons Jul< sowie die Urban-Fantasy-Reihe um Zauberlehrling Lennart Malmkvist und seinen sprechenden Mops Bölthorn erschienen. Lars Simon ist ein Pseudonym.

ETT


Eine ziemlich fette, grünlich schimmernde Fliege klatschte gut hörbar gegen das einen Spaltbreit geöffnete Fenster. Wahrscheinlich hatte sie sich direkt von einem dicken Kuhfladen auf den Weg in meine Küche gemacht, in der festen Absicht, mir das Essen zu versauen. Das hatte sie jetzt davon.

Ich blickte nach draußen. Die Sonne schien fahl, und die Vögel hatten auch keine Lust zu zwitschern, ganz so, als würden sie dafür nur unterdurchschnittlich bezahlt werden und daher lediglich Trällern nach Vorschrift machen. Mürrisch strich der frühherbstliche Wind durch die Wipfel der Birken, deren Blätter sich bereits zu verfärben begannen. Es war nicht eben warm für Anfang Oktober. Nicht einmal für Schweden.

Gedankenverloren starrte ich den vor mir stehenden Kaffee an, als würde er mir weiterhelfen können. Der Notizblock neben meiner Tasse, auf dem ich Ideen für die weitere Handlung meines zweiten Romans sammelte, war nämlich leider genauso leer wie mein Kopf. Immerhin schien die Fliege draußen noch am Leben zu sein. Sie summte irgendetwas Unverständliches, wahrscheinlich Kaskaden schwedischer Schimpfwörter, bevor sie sich hochrappelte, um taumelnd davonzufliegen.

Ich seufzte. Selbstmitleid kann so herrlich sein, und als Schriftsteller konnte man sich das ja wohl mal erlauben.

Das Klingeln des Telefons riss mich aus meinen Gedanken. Mechanisch ging ich in den Flur und nahm ab, ohne auf die Nummer im Display zu achten, was ich schon im nächsten Augenblick bereute.

»Hallo, Herr Brettschneider. Schön, dass ich Sie erwische. Geht es Ihnen gut?«

Meine Agentin. Ich hatte mir eine gesucht, nachdem der FunnyTimes-Verlag aus München netterweise beschlossen hatte, mein Manuskript Elchscheiße zu veröffentlichen. Für einen Folgeroman wollte ich eine professionelle Unterstützung an meiner Seite wissen. Schließlich hatte ich vor, in erster Linie zu schreiben und nicht um Prozente zu feilschen oder ständig mit Lektorinnen essen zu gehen.

Frau Dr. Schmidt-Heinemann hatte die Angewohnheit, die Tonlage ihrer Stimme in ungeahnte Höhen zu schrauben, je dringlicher ihr das besprochene Thema erschien, bis sie wie ein schlecht gelaunter Zahnarztbohrer klang. Sie hätte nicht viele Bewerbungsgespräche absolvieren müssen, um eine Stelle als Top-Verhörspezialistin in einer gefürchteten Sondereinheit der Polizei angeboten zu bekommen, davon war ich schon länger überzeugt. Wer so summt, dem sagt man alles, dem macht man nichts vor. Sonst war sie mehr als nur umgänglich, eigentlich richtiggehend nett, aber ich wollte lieber nicht erfahren, auf welche Drehzahlen sie noch beschleunigen konnte, wenn man einen Abgabetermin nicht einhielt. Doch leider ging es genau darum, befürchtete ich, denn es wäre nicht unser erstes Telefonat in dieser Sache. Ich ging mit dem Hörer in der Hand in die Küche zurück und setzte mich.

»Gut so weit, danke der Nachfrage«, antwortete ich. Es erschien mir verdächtig, dass sie anrief, um sich nur nach meinem Wohlbefinden zu erkundigen - das war so gar nicht ihre Art.

»Das ist schön«, surrte sie. »Und bitter nötig, denn Sie wissen ja: Der zweite Roman ist bekanntlich der schwerste. Die Vorbestellungen für Elchscheiße sind zwar mehr als zufriedenstellend, das muss ich schon sagen, aber auf seinen Lorbeeren darf man sich als Autor niemals ausruhen. Deshalb brauchen wir spätestens im Januar das neue Manuskript fürs Lektorat und am besten schon einen Monat vorher eine Leseprobe.« Sie lief auf achthundert Touren, schätzte ich. Irgendetwas war im Busch.

»Jaja, schon klar! Mir ist bewusst, wie dringend es ist. Haben dem Verlag denn meine ersten hundertfünfzig Seiten vom Manuskript nicht gefallen?« Mit einem virtuellen Geschirrtuch tupfte ich mir kleine Schweißtropfen von der Stirn.

»Genau deswegen rufe ich Sie an. Nein.«

Ich erstarrte.

»Öööh, aber das war doch witzig und auch irgendwie abgedreht und skurril, so wie der erste  

»Schön, dass er Ihnen gefällt, Herr Brettschneider. Ich hingegen hatte da ein wenig mehr erwartet.« Dreitausend Umdrehungen.

Zum Glück war in diesem Moment von draußen Motorengeräusch zu hören, der Kies knirschte, und Lindas dunkelblauer Volvo erschien in meinem Küchenfenster-Blickfeld. Sie hupte zweimal kurz, stellte den Motor ab und stieg aus.

»Ach, Frau Dr. Schmidt-Heinemann, wie ärgerlich! Entschuldigen Sie bitte vielmals. Der Klempner ist eben gekommen wegen der  . defekten Wasserpumpe.« Ich schämte mich in Grund und Boden, aber da musste ich jetzt durch. »Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schwer es ist, hier in Schweden einen Klempnertermin zu erwischen. Das ist mein Glückstag.«

»Hören Sie, Herr Brettschneider«, fuhr meine Agentin ungerührt fort, »ich brauche ein neues Konzept und eine neue Geschichte von Ihnen. Die Story, die Sie da abgeliefert haben, richtet sich nach Einschätzung des Verlags nur an echte Fans«, kam es schneidend zurück. »Eine Wikingersekte in Lappland, die die Weltmacht übernehmen will? Was soll das denn für ein Schwachsinn sein?«

»Asen«, korrigierte ich sie, »eine Asensekte.«

Ich lauschte in den Hörer. Meine Agentin sagte nichts, aber ich bildete mir ein, sie summen zu hören. Leise. Gefährlich. Hochfrequent. Fünfundzwanzigtausend Touren - ein Zahnarztbohrer kurz vorm Lagerschaden.

»Ob Asen oder Wikinger ist mir wurscht!«, rief sie. »Geschichten über Typen mit gehörnten Helmen will keiner lesen.«

Ich überlegte eine Millisekunde lang, ob ich ihr erklären sollte, dass weder die Wikinger noch deren Gottheiten, die Asen, jemals Hörner an den Helmen getragen hatten und dass diese zugegebenermaßen pittoreske Vorstellung von den Nordmännern lediglich einer Romantisierung des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts entsprungen war. Aber angesichts ihrer hohen Drehzahl verzichtete ich darauf und sagte schlichtend: »Ich melde mich bei Ihnen, sobald ich Ihnen eine neue Leseprobe zuschicken kann. Wollen wir so verbleiben?«

Drehzahl: Dreißigtausend - ein Durchschnittskiefer wäre bereits zu einem matschigen Klumpen organischen Materials mutiert.

»Herr Brettschneider!«, schleuderte Frau Dr. Schmidt-Heinemann mir durch den Hörer entgegen. »Es gibt jede Menge aufstrebende Autoren, die nur darauf warten, einen Programmplatz in Ihrem Verlag zu ergattern, und ich muss auch mein Geld verdienen. Ich will bis Ende Januar eine neue Geschichte, und diesmal werde ich sie mir gut durchlesen, bevor ich sie in blindem Vertrauen an den Verlag weiterreiche, das können Sie mir glauben. Auf Wiederhören!«

»Auf Wiederhören, Frau Dr. Schmidt-Heinemann, und vielen Dank für Ihr  

Doch sie hatte bereits aufgelegt.

Ich seufzte wieder. Jetzt hatte ich ein Problem.

Falsch.

Eigentlich waren es zwei.

Das zweite kam gerade zur Küchentür herein und stand einen Augenblick später bildhübsch und mit zwei ICA-Tüten im Raum: Linda. Sie stellte ihre Einkäufe vor mich auf den Tisch. Wie beiläufig blies sie sich eine Strähne aus dem Gesicht. »Ich habe alles bekommen, sogar ein tolles Stück Lachs«, sagte sie. »Wir können uns also nachher etwas richtig Schönes zu essen machen.« Sie strahlte dabei weitaus heller als der Herbsttag draußen.

Ich musste lächeln und gab ihr zwei zaghafte Begrüßungsküsse auf die Wangen, bevor ich ihr dabei half, die Sachen aus den Plastiktragetaschen zu räumen.

»Danke fürs Einkaufen«, entgegnete ich möglichst unbeschwert, aber der Versuch, meine innere Anspannung über das soeben geführte Telefonat mit Lockerheit zu überspielen, war vergeblich. Ich war einfach kein guter Darsteller.

»Ist doch selbstverständlich«, sagte Linda, während sie den frischen Fisch, der in einem ölgetränkten Aftonbladet eingeschlagen war, in den Kühlschrank legte. Dann drehte sie sich um und verschränkte die Arme. Sie schaute mich mit einem Blickcocktail an, den nur Frauen in einer solchen Situation mixen können: ein bisschen Überlegenheit, ein klein wenig Mitleid, eine Spur Forderung, ein Barlöffel Verständnis, Eiswürfel rein, rühren, abseihen. Dann mal Prost!

»Was ist denn los? Ich dachte, du freust dich genauso auf diesen Abend wie ich?«

»Nein  . äh  . ja  . doch  . natürlich  . will sagen: Klar freue ich mich«, druckste ich überrumpelt herum und versuchte mich an einem unbefangenen Lächeln.

Lindas Blick wandelte sich. Stirnrunzelnd fragte sie: »Und? Weiter?«

»Ich meine, die Vorbestellungen für mein Buch sind prima, es könnte ein echter Verkaufserfolg werden«, führte ich aus, »und der Verlag ist mehr als zufrieden. Gerade eben hatte ich mit meiner Agentin ein Gespräch dazu. Aber genau das macht mir Angst, denn ich habe den Eindruck, dass meine Kreativität momentan im Urlaub ist.«

»Dir fällt nichts ein? Oder was meinst du?« Lindas Mundwinkel bewegten sich versöhnlich nach oben.

»Doch, doch, eingefallen ist mir schon etwas. Eine ganze Menge sogar«, antwortete ich. »Aber das, was ich bis jetzt abgeliefert habe, hat dem Verlag nicht gefallen und deshalb auch nicht meiner sensiblen und einfühlsamen Agentin. Irgendwie habe ich mir das leichter vorgestellt mit einem zweiten Roman. Jetzt soll ich bis Januar eine komplett neue Geschichte abliefern. Seit drei Wochen hocke ich Tag für Tag am Rechner und schreibe an meiner Geschichte, und nun soll das alles für die...

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