Die Berechnung der Zukunft

Warum die meisten Prognosen falsch sind und manche trotzdem zutreffen - Der New York Times Bestseller
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 2. September 2013
  • |
  • 656 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11270-7 (ISBN)
 
Zuverlässige Vorhersagen sind doch möglich!

Nate Silver ist der heimliche Gewinner der amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2012: ein begnadeter Statistiker, als »Prognose-Popstar« und »Wundernerd« weltberühmt geworden. Er hat die Wahlergebnisse aller 50 amerikanischen Bundesstaaten absolut exakt vorausgesagt - doch damit nicht genug: Jetzt zeigt Nate Silver, wie seine Prognosen in Zukunft Terroranschläge, Umweltkatastrophen und Finanzkrisen verhindern sollen. Gelingt ihm die Abschaffung des Zufalls?

Warum werden Wettervorhersagen immer besser, während die Terrorattacken vom 11.09.2001 niemand kommen sah? Warum erkennen Ökonomen eine globale Finanzkrise nicht einmal dann, wenn diese bereits begonnen hat? Das Problem ist nicht der Mangel an Informationen, sondern dass wir die verfügbaren Daten nicht richtig deuten. Zuverlässige Prognosen aber würden uns helfen, Zufälle und Ungewissheiten abzuwehren und unser Schicksal selbst zu bestimmen. Nate Silver zeigt, dass und wie das geht. Erstmals wendet er seine Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht nur auf Wahlprognosen an, sondern auf die großen Probleme unserer Zeit: die Finanzmärkte, Ratingagenturen, Epidemien, Erdbeben, den Klimawandel, den Terrorismus. In all diesen Fällen gibt es zahlreiche Prognosen von Experten, die er überprüft - und erklärt, warum sie meist falsch sind. Gleichzeitig schildert er, wie es gelingen kann, im Rauschen der Daten die wesentlichen Informationen herauszufiltern. Ein unterhaltsamer und spannender Augenöffner!

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Heyne
  • 10,63 MB
978-3-641-11270-7 (9783641112707)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Einführung

Dieses Buch handelt von Information, Technologie und wissenschaftlichem Fortschritt, von Wettbewerb, freier Marktwirtschaft und der Evolution von Ideen, aber auch von den Dingen, die uns klüger machen als jeden Computer. Es ist außerdem ein Buch über menschliche Irrtümer, das uns vor Augen führen soll, wie wir Schritt für Schritt lernen, die objektive Welt zu begreifen, und dabei gelegentlich einen Schritt zurück machen.

Dies ist ein Buch über Vorhersagen, die sich am Schnittpunkt all dieser Dinge finden. Es handelt sich um eine Studie über die Frage, warum sich einige Vorhersagen erfüllen, andere jedoch nicht. Ich hege die Hoffnung, dass wir durch diese Studie einige Einsichten darüber gewinnen werden, wie wir unsere Zukunft planen können, ohne unsere Fehler zu wiederholen.

Mehr Informationen, mehr Probleme

Die eigentliche Revolution der Informationstechnologie wurde nicht durch den Mikrochip, sondern durch den Buchdruck eingeleitet. Johannes Gutenbergs Erfindung (um 1440) ermöglichte es der breiten Masse, an Informationen teilzuhaben, und die daraus folgende Ideenexplosion hatte unvorhersehbare Auswirkungen. Hier wurden die Voraussetzungen für die industrielle Revolution 17751 geschaffen, jenen Tipping Point, bis zu dem die Menschheit seit ihrem Bestehen fast keinen wissenschaftlichen oder wirtschaftlichen Fortschritt zu verzeichnen hatte und nach dem das exponentielle Wachstum und die exponentiellen Veränderungen einsetzten, die uns heute so vertraut sind. Sie setzte die Ereignisse in Gang, die zur europäischen Aufklärung und zur amerikanischen Unabhängigkeit führten.

Vorher leitete die Druckerpresse aber etwas anderes ein, nämlich Glaubenskriege, die einige Hundert Jahre währten. Da die Menschheit glaubte, ihr Schicksal vorhersagen und über ihr Los selbst bestimmen zu können, brach die blutigste Epoche in der Geschichte der Menschen an.2

Bücher gab es schon vor Gutenberg, aber diese wurden an wenigen Orten verfasst und auch nur an wenigen Orten gelesen. Sie waren Luxusartikel für den Adel und wurden nur in Einzelexemplaren von Schreibern angefertigt.3 Der Preis für Handschriften betrug damals etwa einen Florin (eine Goldmünze im Wert von umgerechnet etwa 200 Euro) pro fünf Seiten.4 Ein Buch, wie Sie es in der Hand halten, würde also über 20 000 Euro kosten. Wahrscheinlich würde es auch durch das Abschreiben bedingte Fehler enthalten, da es die Abschrift einer Abschrift wäre und die Fehlerquote damals mit jeder weiteren Kopie zunahm.

Das gestaltete die Anhäufung von Wissen extrem schwierig. Es war eine heroische Anstrengung notwendig, um aufgezeichnetes Wissen zu bewahren, da Bücher schneller zerfielen, als sie sich reproduzieren ließen. Etliche Abschriften der Bibel überdauerten sowie eine kleine Anzahl kanonischer Texte, darunter die von Platon und Aristoteles. Viel Weisheit ging jedoch wieder verloren,5 und es bestand wenig Veranlassung, mehr davon auf Pergament zu bannen.

Der Erwerb von Wissen schien von vornherein nutzlos zu sein, wenn nicht gar vergeblich. Wenn uns heute ein Gefühl der Unbeständigkeit befällt, weil sich die Dinge so rasch verändern, so war die Unbeständigkeit für die Generationen vor uns noch viel greifbarer. »Es geschieht nichts Neues unter der Sonne«, wie es so schön in der Bibel beim Prediger Salomo heißt, aber nicht so sehr, weil alles bereits entdeckt worden wäre, sondern weil alles vergessen werden würde.6

Grafik 1-1: Die europäische Buchproduktion

Die Druckerpresse veränderte all das, und zwar permanent und tiefgreifend. Fast über Nacht sanken die Kosten der Buchproduktion um das Dreihundertfache7, sodass ein Buch, das bis dahin 20 000 Euro in heutiger Währung gekostet hätte, vielleicht bereits für den Wert von 70 Euro zu haben war. Druckerpressen fanden rasche Verbreitung in Europa, von Gutenbergs Deutschland nach Rom, Sevilla, Paris, 1470 nach Basel, und anschließend innerhalb von zehn Jahren in fast alle größeren europäischen Städte.8 Die Zahl der Bücher, die produziert wurden, stieg exponentiell an, im ersten Jahrhundert nach Erfindung der Druckerpresse steigerte sie sich um das Dreißigfache.9 Der Vorrat menschlichen Wissens begann zu wachsen, und zwar schnell.

Wie in den frühen Tagen des World Wide Web war die Qualität der Informationen höchst unterschiedlich. Während sich die Druckerpresse praktisch sofort als ein Segen erwies, indem Landkarten besserer Qualität hergestellt werden konnten,10 wurde die Bestsellerliste rasch von »Pseudowissenschaftlern und Quacksalbern« dominiert.11 Fehler ließen sich jetzt in Massen vervielfältigen, wie jener in der sogenannten Wicked Bible von 1631, die den unglücklichsten Satzfehler der Geschichte auf Papier bannte: »Du sollst die Ehe brechen!«12 Die Verbreitung so vieler neuer Ideen führte zu allgemeiner Konfusion. Die Informationsmenge wuchs schneller als unsere Fähigkeit, mit ihr umzugehen und zwischen nützlichen Informationen und Unwahrheiten unterscheiden zu können.13 Paradoxerweise trug die Zunahme gemeinsamer Informationen zu einer Isolation entlang nationaler und religiöser Grenzen bei. Wenn wir mit zu vielen Informationen konfrontiert werden, nehmen wir eine instinktive Abkürzung, indem wir sie selektiv verwenden und uns das aussuchen, was uns gefällt, und den Rest ignorieren. Wir verbünden uns mit denen, die Gleiches präferieren, und verfeinden uns mit den Übrigen.

Die fleißigsten frühen Nutzer der Druckerpresse bedienten sich ihrer zur Verbreitung von Heilsbotschaften. Die 95 Thesen Martin Luthers waren gar nicht so radikal, ähnliche Auffassungen waren auch schon früher diskutiert worden. Das Revolutionäre war, wie Elizabeth Eisenstein schreibt, dass Luthers Thesen eben nicht bloß »an der Türe der Schlosskirche zu Wittenberg . angeschlagen«14 wurden.Sondern dass sie von Gutenbergs Druckerpresse in einer Auflage von mindestens 300 000 Stück verbreitet wurden,15 also auch nach modernen Maßstäben ein Bestseller.

Die Spaltung, zu der Luthers protestantische Reformation führte, stürzte Europa recht bald in Kriege. Die Konflikte zwischen 1524 und 1648 waren: der Deutsche Bauernkrieg, der Schmalkaldische Krieg, der Achtzigjährige Krieg, der Dreißigjährige Krieg, der Hugenottenkrieg in Frankreich, die Irischen Konföderationskriege sowie der Schottische und Englische Bürgerkrieg. Viele dieser Kriege wüteten gleichzeitig. Und darüber darf man nicht die Inquisition in Spanien vergessen, die 1480 ihren Anfang nahm, oder den Krieg der Heiligen Liga von 1508 bis 1516, auch wenn diese mit der Verbreitung des Protestantismus wenig zu tun hatten. Allein im Dreißigjährigen Krieg verlor ein Drittel der deutschen Bevölkerung sein Leben,16 was das 17. Jahrhundert neben dem frühen 20. zu einem der blutigsten Jahrhunderte überhaupt macht.17

Währenddessen generierte die Druckerpresse aber auch wissenschaftlichen und literarischen Fortschritt. Galileo Galilei verbreitete seine (zensierten) Ideen, und Shakespeare ließ seine Theaterstücke erscheinen.

Shakespeares Dramen haben - wie viele andere Stücke - oft das Schicksal zum Thema. Ihre Tragik liegt in der Diskrepanz zwischen den Wünschen ihrer Helden und dem, was das Schicksal für sie bereithält. Die Vorstellung, sein Schicksal selbst in der Hand zu haben, scheint zur Zeit Shakespeares immer mehr ins Bewusstsein der Menschen zu rücken - es fehlten ihnen jedoch noch die Fähigkeiten, ihre Vorstellung auch zu verwirklichen. Aber jeder, der das Schicksal herausforderte, hatte dies meist mit seinem Leben zu bezahlen.18

Um diese Aspekte geht es auch in der Tragödie Julius Cäsar. In der ersten Hälfte des Stücks erhält Cäsar alle möglichen Warnungen, die er als Voraussagen deutet19 (»Hüte dich vor den Iden des März!«), wonach seine Krönung mit einem Blutbad enden könnte. Cäsar ignoriert diese Prophezeiungen und beharrt stolz darauf, dass sie auf den Tod eines anderen hindeuten, er nimmt die Beweise also nur sehr selektiv zur Kenntnis. Dann wird er ermordet.

»Gewiss, die Zeit ist wunderbar gelaunt; / Doch Menschen deuten oft nach ihrer Weise / Die Dinge, weit entfernt vom wahren Sinn«, warnt uns Shakespeare (in der Übersetzung von August Wilhelm Schlegel) durch die Stimme Ciceros - ein guter Rat für alle, die sich in dem neuen Informationsreichtum zurechtfinden wollen. Schon damals war es nicht leicht, das Signal vom Rauschen zu unterscheiden. Die Geschichte, die uns die Fakten vermitteln, ist oft die, die wir hören wollen, und wir sorgen in der Regel auch dafür, dass sie ein Happy End hat.

Und obwohl Julius Cäsar auf der antiken Vorstellung der Vorhersehbarkeit fußt, kombiniert mit Fatalismus, Weissagung und Aberglaube, präsentiert das Stück auch eine modernere und viel radikalere Idee: dass sich die Zeichen so interpretieren lassen, dass wir davon profitieren können. »Der Mensch ist manchmal seines Schicksals Meister«, sagt Cassius und hofft, Brutus dazu überreden zu können, an der Verschwörung gegen Cäsar...

Weltmeister der Prognosen
 
"Perfekt programmierte Kristallkugel: Der beste politische Blogger der USA hat ein Buch geschrieben."
 
"Wenn Nate Silver so weitermacht, ist der Zufall bald Geschichte."
 
"Zu gut, um sich zu irren: Der Statistiker und Blogger Nate Silver lehrt Demoskopen das Fürchten."

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

19,99 €
inkl. 19% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen