Die Sintflut. Band III

Historischer Roman in sechs Bänden
 
 
DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 20. Juni 2020
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96130-284-0 (ISBN)
 
Die Reihe DIE SINTFLUT Die sechsbändige Reihe DIE SINTFLUT spielt vor dem blutigen Hintergrund der schwedischen Invasion in das polnisch-litauische Commonwealth in den Jahren 1655-1657. Der wilde junge polnische Soldat Andrzej Kmicic, der sich mit mörderischen Wüstlingen und Verschwendern umgibt, wird zum Verrat verleitet. Doch seine Liebe für die temperamentvolle Alexandra (Olenka) bringt ihn schließlich auf den richtigen Pfad und inspiriert ihn zu seiner zielstrebigen Mission: der Verteidigung seines Mutterlandes. DIE SINTFLUT ist eine Liebesgeschichte zwischen einem Mann und einer Frau, und auch eine Liebesgeschichte zwischen Männern und ihrem Land. Es ist auch eine Geschichte von Täuschung und Verrat und von Loyalitäten, die gehalten und gebrochen werden. Es ist eine meisterhafte Mischung aus Geschichte und Vorstellungskraft, die sowohl ganze Nationen als auch Einzelpersonen zeigt, die in erschütternde Ereignisse verwickelt sind und um ihr Leben kämpfen und sich selbst durch ihre eigenen Verpflichtungen wiederentdecken. Dieses ist der dritte von sechs Bänden. Der Umfang des dritten Bandes entspricht ca. 300 Buchseiten. Die Reihe DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH Die sechsbändige Reihe DIE SINTFLUT ist die zweite eigenständige Sequenz der übergeordneten und insgesamt 13 (bzw. 17) Teile umfassenden Reihe DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH, die aus drei solcher eigenständigen Sequenzen besteht: MIT FEUER UND SCHWERT (4 Teile), DIE SINTFLUT (6 Teile) und RITTER WOLODYJOWSKI (3 Teile). Darüber hinaus kann die eigenständige vierteilige Reihe DIE KREUZRITTER, die im 14. und 15. Jahrhundert spielt, als chronologisches Prequel von DAS ÖSTLICHE KÖNIGREICH betrachtet werden. Insgesamt etwa 5.000 Seiten voller Abenteuer, Tragik, Liebe und Heldentum.
1. Auflage
  • Deutsch
apebook Verlag
  • 3,15 MB
978-3-96130-284-0 (9783961302840)

1. KAPITEL


 

Der treue Soroka ritt mit dem Oberst auf der Bahre durch dichte Wälder; er wußte selbst nicht, wohin er gehen und was er beginnen sollte. Kmicic lag noch immer in tiefer Ohnmacht.

Von Zeit zu Zeit rieb ihm Soroka das Gesicht mit einem nassen Tuche ab, er machte an Bächen und Waldseen Halt, um den Oberst durch kaltes Wasser wieder zu sich zu bringen; aber alles vergeblich. Er lag wie tot da, und die noch weniger erfahrenen Soldaten als Soroka fingen an, sich zu beunruhigen, ob er nicht tatsächlich tot wäre.

»Er lebt,« antwortete Soroka auf alle Fragen, »in drei Tagen wird er wie wir alle wieder im Sattel sitzen.«

Nach geraumer Zeit kam Kmicic wirklich zu sich und verlangte zu trinken. Soroka gab ihm die Feldflasche, doch es war ihm vor Schmerzen nicht möglich, den Mund zu öffnen. Seine weitgeöffneten Augen sahen wie abwesend in das Waldesdickicht und auf seine Soldaten. Er fragte nach nichts und machte den Eindruck eines Menschen, der aus starker Trunkenheit erwacht und sich auf nichts mehr besinnt. Er stöhnte auch nicht, als Soroka den Verband wechselte. Starkes Fieber hatte ihn befallen, trotz der Kälte brannten seine Hände. Er begann, einzelne verworrene Sätze auszustoßen:

»Euer Durchlaucht ? zwischen uns auf Leben und Tod.«

Es fing an ganz dunkel zu werden, und Soroka dachte besorgt daran, wo sie ein Nachtlager finden würden, denn schon mehrere Stunden ritten sie über einen Sumpf, der noch immer kein Ende nehmen wollte. Plötzlich drang der Geruch von Rauch und Teer zu den Reitern.

»Wahrscheinlich liegt eine Teersiederei in der Nähe,« sagte Soroka.

Wirklich zeigte sich rötlicher Rauch in der Ferne. Beim Näherkommen sah Soroka eine Hütte, einen Brunnen und eine große, aus Kiefernbalken gezimmerte Scheune vor sich stehen. Die erschöpften Pferde fingen bei diesem Anblick an froh zu wiehern; frohes, vielstimmiges Wiehern antwortete ihnen aus der Scheune. Ein Mann in einem Schafpelze, dessen Pelzseite nach außen gekehrt war, kam von der Scheune her.

»Hört mal, ist das hier eine Teersiederei?« fragte Soroka.

»Was seid ihr für Leute und woher kommt ihr?« fragte der Mann mit einer Stimme, die Schrecken und Staunen zugleich ausdrückte.

»Fürchte nichts, wir sind keine Räuber.«

»Geht eures Weges, ihr habt hier nichts zu suchen!«

»Halte dein Maul und führe uns in die Hütte; siehst du denn nicht, daß wir einen Verwundeten bei uns haben?«

»Aber erst antworte, wer seid ihr?«

»Nimm dich in acht, daß du keine Antwort aus dem Gewehre erhältst. Führ' uns in die Hütte. Gib uns zu essen und Schnaps. Wir tragen hier einen Pan, der alles bezahlen wird.«

In der Hütte brannte ein Feuer im Ofen, und aus den Töpfen stieg der Duft von geschmortem Fleisch empor. Das Zimmer, in das sie der Teersieder geführt hatte, war ziemlich groß. Soroka bemerkte sogleich, daß an den Wänden sechs Betten standen, die mit Schaffellen bedeckt waren.

»Hier wohnt irgend eine Bande,« flüsterte der Wachtmeister seinen Leuten zu. »Schüttet frisch Pulver auf und seid auf der Hut! Paßt gut auf den Bauer auf, daß er uns nicht entwischt. ? Und du,« sagte er zum Sieder, »schütte schnell Fleisch für uns auf die Schüssel, wir sind sehr hungrig. Und spare keinen Hafer für unsere Pferde!«

Die Soldaten legten den schlafenden Pan Andreas auf eins der Betten und setzten sich schnell an den Tisch.

Soroka, der in einer Kammer neben dem Zimmer Schnaps fand, trank nur sehr wenig davon, denn er wollte die ganze Nacht über Wache halten. ? Die leere Hütte mit den sechs Betten schien ihm verdächtig. Er hielt sie für ein Räubernest, umsomehr, als er in der Kammer viele Waffen, Pulver und allerlei Geräte fand, die anscheinend aus den Häusern der Schlachta geraubt waren. Soroka beschloß, sich der Hütte zu bemächtigen und sich durch Waffengewalt oder friedliche Verhandlungen fürs erste dort festzusetzen. Denn der Gedanke, wieder auf die Landstraße hinaus zu müssen, wo sie wahrscheinlich den sie verfolgenden Soldaten des Fürsten begegnen würden, versetzte selbst den mutigen Wachtmeister in Schrecken.

»Es bleibt uns nichts übrig, als uns in der Hütte zu verbergen, bis der Oberst wieder genesen ist, dann ist es seine Sache, das weitere zu bestimmen.«

Vor die Hütte stellte er während der Nacht zwei Soldaten auf Posten, die nach Mitternacht von den anderen abgelöst werden sollten. Er selbst warf sich auf das Bett, das neben Kmicic stand.

Im Zimmer war es ganz still; nur die Grillen hörten nicht auf zu zirpen, und der Kranke wälzte sich unruhig hin und her. Vereinzelte, unzusammenhängende Worte drangen zu Sorokas Ohren.

»Majestät, vergeben Sie. ? Sie sind Verräter. ? Ich werde alle ihre Geheimnisse verraten.? Die Republik ist ein rotes Tuch. ? Gut, Pan Fürst, Sie sind mir ausgeliefert.«

Soroka setzte sich in seinem Bette aufrecht und lauschte; Pan Andreas schrie einige Male auf und schlief dann wieder ein. Bald aber fing er von neuem an zu schreien:

»Alexandra! Alexandra! zürne mir nicht!«

Nach Mitternacht beruhigte sich der Kranke und verfiel in einen festen Schlaf. Soroka fing auch gerade an einzuschlafen, als er es an der Tür klopfen hörte.

Der alte Soldat sprang sogleich hoch und trat vor die Tür.

»Was ist?« fragte er.

»Pan Wachtmeister, der Teersieder ist entflohen.«

»Tod und Teufel! Der wird die ganze Räuberbande herholen. Wer hat auf ihn aufgepaßt?«

»Bilous.«

»Wir beide gingen zusammen, um die Pferde zu tränken,« rechtfertigte sich Bilous. »Ich ließ ihn das Wasser holen und blieb bei den Pferden.«

»Nun, was, ist er denn in den Brunnen gesprungen?«

»Nein, Pan Wachtmeister, er verschwand zwischen den Baumstämmen, die in Hülle und Fülle um den Brunnen herumliegen. Die Nacht ist dunkel. Der Schelm kennt den Ort und ist ausgerissen.«

»Das hilft nun nichts, wir dürfen uns eben nicht schlafen legen. Wir müssen bis zum Morgen wachen; sonst werden sie uns überfallen.«

Er setzte sich auf die Schwelle der Hütte mit einer Muskete in der Hand. Die Soldaten lagerten sich im Halbkreise um ihn herum und fingen an, sich leise zu unterhalten.

Von Zeit zu Zeit lauschten sie, ob sich irgend etwas in der Nähe hören ließe.

Plötzlich vernahmen sie laute Hufschläge.

»Pferde!« flüsterte Soroka.

Bald ertönten die Hufschläge leiser, als wenn die Tiere sich entfernten, und man hörte den wilden Schrei eines Hirsches.

Die Soldaten verstummten und fingen allmählich an einzuschlafen. Nur der Wachtmeister hob noch von Zeit zu Zeit den Kopf hoch und lauschte; aber schließlich fielen auch seine Augen zu, sein Kopf sank auf die Brust herab. Es verging eine Stunde und wieder eine. Die schwarzen Kiefern begannen sich grau zu färben, ihre Spitzen wurden mit jeder Minute weißer, als wenn sie mit flüssigem Silber übergossen wären. ? Endlich ging die Sonne auf und beleuchtete die ermüdeten Gesichter der Soldaten, die einen Totenschlaf auf dem kahlen Erdboden schliefen.

Die Tür der Hütte knarrte, und auf der Schwelle erschien Kmicic.

»Soroka, he!« rief er.

Die Soldaten sprangen hoch.

»Herrgott, Pan Oberst, Sie sind schon auf den Beinen!« staunte Soroka.

»Und ihr schlaft wie Murmeltiere, man hätte euch der Reihe nach die Köpfe abschlagen und sie über den Zaun werfen können, ohne daß einer von euch erwacht wäre.«

»Wir hielten bis gegen Morgen Wache, Pan Oberst; wir sind erst eingeschlafen, als es schon tagte.«

Kmicic blickte um sich.

»Wo sind wir? Wem gehört die Hütte?« fragte er.

»Ich weiß es nicht, Pan Oberst.«

»Folge mir,« sagte Pan Andreas, indem er wieder in die Hütte eintrat.

Soroka folgte ihm.

»Hör' mal,« begann Kmicic, sich auf das Bett setzend. »Der Fürst hat also auf mich geschossen?«

»Ja, Pan Oberst.«

»Und was ist aus ihm geworden?«

»Er ist entflohen.«

Es trat Stillschweigen ein.

»Schlimm,« rief Kmicic, »sehr schlimm! Es wäre besser gewesen, ihn auf der Stelle zu töten, als ihn entwischen zu lassen.«

»Das wollten wir auch, aber ?«

»Was aber?«

Soroka erzählte kurz alles, was sich zugetragen hatte. Kmicic hörte mit großer Ruhe zu; nur in seinen Augen entbrannte ein unheilverkündendes Feuer.

»Jetzt hat er die Oberhand gewonnen, aber wir begegnen uns doch noch einmal, Fürst Boguslaw.« ? Und zu dem Wachtmeister gewandt: »Warum hast du die Landstraße verlassen?«

»Ich fürchtete eine Verfolgung.«

»Das hast du klug getan. Wir sind jetzt viel zu wenige, um gegen Boguslaws Kräfte aufzukommen, ? wahrhaftig verteufelt wenige! ? Außerdem, er wird nach Preußen aufbrechen, wo wir ihn doch nicht verfolgen können. Jetzt heißt es abwarten.«

Soroka atmete erleichtert auf. So fürchtete also Pan Kmicic nicht die Zauberkraft des Fürsten, da er so ruhig von einer Verfolgung sprechen konnte. Diese Sicherheit teilte sich auch gleich dem Soldaten mit, der gewohnt war, mit dem Kopfe des Obersten zu denken.

Pan Andreas erwachte aus seinem tiefen Nachdenken, in das er für einige Zeit verfallen war, und begann eifrigst mit seinen Händen an sich herumzutasten.

»Wo sind meine Briefe?« fragte er.

»Was für Briefe?«

»Die Briefe, die ich bei mir hatte. ? Sie waren im Gürtel versteckt. ? Wo ist mein Gürtel?« fing er mit fieberhafter Hast an zu suchen.

»Ich selbst habe Ihnen den Gürtel abgenommen, damit er Sie nicht am Atmen hindere. Da ist er.«

Soroka brachte einen Ledergurt, an dem mehrere Taschen hingen, die durch Schnüre geschlossen...

Dateiformat: EPUB
Kopierschutz: ohne DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat EPUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "glatten" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Ein Kopierschutz bzw. Digital Rights Management wird bei diesem E-Book nicht eingesetzt.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

2,99 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB ohne DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen